Neue Kommentare

Marion Hinz zu Dorothy Parker: „Denn mein Herz ist frisch gebrochen“ – Zwischen Sehnsucht und Satire: Lieber Herr Blumenbach, Ihr Kommentar freut mich ...
Manfred Köck zu Im Wunderland der Wünsche. Laila Biali: falsch, das erste Konzert der Tour hatte lange vo...
Ulrich Blumenbach zu Dorothy Parker: „Denn mein Herz ist frisch gebrochen“ – Zwischen Sehnsucht und Satire: Vielen Dank für die schöne, fundierte und zitat...
Herby Neubacher zu Kang Mu-xiang: „Unlimited Life“ – Monumentale Plastik auf Hamburgs Rathausmarkt: Schoen das der Bauschutt aus Taipeh ein neues Zuh...
Herby Neubacher zu Zu Ehren von John Neumeier: Nijinsky-Gala: ... und ausserdem steht Neumeier fuer den geschma...

Follow Book

Ralph Giordano – sein letzter Text als Hörbuch: „Die Bertinis“

Drucken
(63 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Donnerstag, den 10. Dezember 2015 um 15:35 Uhr
Ralph Giordano – sein letzter Text als Hörbuch: „Die Bertinis“ 4.6 out of 5 based on 63 votes.
Ralph Giordano

Es war Ralph Giordanos letzte große Arbeit, die der aus Hamburg stammende Schriftsteller und Publizist nur wenige Wochen vor seinem Tod am 10. Dezember vor einem Jahr vollendet hat. Jetzt ist sie als Hörbuch erschienen. Als Benefiz-Hörbuch für den Bertini-Preis e.V. in Hamburg: das Buch seines Lebens – „Die Bertinis“ – in einer kurzen Lesefassung für Einsteiger auf zwei CDs.

Gelesen wird sie von einem hochkarätigen Schauspieler-Team mit Burkhart Klaußner, Isabella Vértes-Schütter, Anne Weber, Patrick Abozen und Erik Schäffler. Regie bei der Aufnahme führte der Hamburger Theatermacher, Autor und Lichtkünstler Michael Batz. Auf einer dritten CD ist Giordano selbst noch einmal in einem NDR-Interview und mit seiner letzten Rede bei der Bertini-Preis-Verleihung zu hören.

Ralph Giordanos Idee folgend ist das Hörbuch eine Benefiz-Edition: Der Erlös aus dem Verkauf kommt dem Bertini-Preis e.V. zugute. Der Verein als breites Bündnis von Hamburger Organisationen, Institutionen und Personen, zu denen seit seiner Gründung 1997 auch das Hamburger Abendblatt gehört, trägt die jährliche Verleihung des Bertini-Preises. Ihn bekommen Hamburger Jugendliche, die sich im Sinn seines Mottos engagieren: „Hinschauen, wenn andere wegsehen, sich einmischen, wenn andere schweigen, erinnern, wenn andere vergessen, eingreifen, wenn andere sich wegdrehen, unbequem sein, wenn andere sich anpassen.“ Bis 2015 wurden 111 Gruppen und Einzelpersonen, insgesamt etwa 1.600 junge Hamburgerinnen und Hamburger mit dem Bertini-Preis ausgezeichnet.

Seinen Namen leitet der Bertini-Preis vom gleichnamigen Roman Giordanos her. Der Autor, der zuvor als Fernsehjournalist beim NDR und WDR arbeitete und für seine mehr als 100 gesellschaftskritischen Reportagen bekannt war, veröffentlichte 1982 „Die Bertinis“, das Buch seines Lebens: Er schrieb, romanhaft leicht verfremdet, die Erlebnisse seiner Kinder- und Jugendzeit auf. Geboren 1923, wuchs Giordano mit einen zwei Brüdern in Barmbek auf. Sein Vater war Pianist, seine Mutter Klavierlehrerin. Dass sie jüdische Wurzeln hatte, blieb lange Zeit fast ohne Bedeutung, bevor es während der NS-Gewaltherrschaft lebensbedrohlich wurde.
Giordano beschreibt die Ausgrenzung, Verfolgung und Erniedrigung, die viele Hamburgerinnen und Hamburger in jener Zeit erlitten. Er zeigt, wie der mörderische Ungeist sich seinen Weg in den Alltag bahnt. Und spart die bitteren Tage der Folterung während zweier Gestapo-Verhöre nicht aus. Am Ende des Krieges, als die Deportation der Mutter schon angeordnet war, versteckt eine mutige Hamburgerin die Familie in einem Kellerloch in Alsterdorf. So hat sie knapp überlebt.
Die Bertinis - HoerbuchGiordanos Buch legt den Finger in die Wunde. Es macht entgegen der allgemeinen Verdrängung bewusst, welches Unrecht geschehen war, es beschreibt die Mechanismen der Ausgrenzung und zeigt, wie man anders hätte handeln können.

Mit den „Bertinis“ fand Ralph Giordano eine neue Berufung als einer der bekanntesten und aktivsten Zeitzeugen der Republik, sein Werk ist ein umfangreiches Plädoyer für Mitmenschlichkeit und Zivilcourage und wider das Vergessen. Mit Büchern, unzähligen Artikeln und der Teilnahme an öffentlichen Debatten hat er sich unermüdlich eingemischt, laut und vernehmlich, gern auch mit unbequemer Meinung, oft bedroht, aber furchtlos.

In Hamburg unterstützte er die Idee des Pädagogen Michael Magunna, den „Bertini-Preis“ ins Leben zu rufen. Er war bei allen Jury-Sitzungen dabei und unterstrich in seinen Reden am Ende der Preisverleihungen, wie notwendig das nicht nachlassende Engagement gegen den Ungeist von rechts ist. Und wie wichtig das Eintreten für andere ist, die sich in Situationen der Bedrängnis befinden.

Natürlich wollte Giordano, schon ans Krankenbett gefesselt, bei der Produktion des Hörbuchs unbedingt dabei sein. Einen Raum in seinem Kölner Krankenhaus hatte er für die Aufnahme seiner Texte schon gefunden. Der Tod hinderte ihn daran, diese Aufgabe zu vollenden; seinen Part hat kurzfristig Burghart Klaußner übernommen. Die Kurzfassung der „Bertinis“ wurde von Norddeutschen Rundfunk Anfang 2015 in der Reihe „Am Morgen vorgelesen“ ausgestrahlt.

„Die Bertinis“
Hörbuchfassung von Raph Giordano
Sprecher Burghart Klaußner. Regie: Michael Batz
Das Hamburger Medienunternehmen Edel Records spendete die Herstellung der 3 CDs, die der Bertini-Preis e.V. nun als Hörbuch zum Preis von 14,90 € verkaufen kann.
Bestellt werden kann die Benefiz-Edition unter www.bertini-preis.de


Abbildungsnachweis:
Header: Ralph Giordano im Hamburger Rathaus
Hörbuch-Cover

Kommentar verfassen
(Ich bin damit einverstanden, dass mein Beitrag veröffentlicht wird. Mein Name und Text werden mit Datum/Uhrzeit für jeden lesbar. Mehr Infos: Datenschutz)

Ihr Name (erscheint mit ihrem Kommentar) *
Ihre Email (Nur für unseren Bestätigungslink)
Code (Hier eintragen)   
Meinen Kommentar abschicken
 
Home > Kolumne > Follow Book > Ralph Giordano – sein letzter Text als Hör...

Mehr auf KulturPort.De

Weltmusikalisches Crossover – fließende Gefühle. Etta Scollo zum 60. Geburtstag
 Weltmusikalisches Crossover – fließende Gefühle. Etta Scollo zum 60. Geburtstag



Postmoderne Nomadin und transkulturelle Geschichtenerzählerin des 21. Jahrhunderts – die gesangliche und intellektuelle Künstlerkarriere von Etta Scollo vers [ ... ]



„The Happy Prince”. Rupert Everett und die Ästhetik der Melancholie
 „The Happy Prince”. Rupert Everett und die Ästhetik der Melancholie



Paris, 1898, der Regen prasselt auf die Tische des Straßencafés, nur ein älterer, etwas verwahrloster Mann sitzt draußen, geduldig darauf hoffend, dass noch  [ ... ]



Trio Laccasax: In Music At Home
 Trio Laccasax: In Music At Home



Einen Ort zu haben, an dem man zuhause ist, ist an Wert kaum zu überschätzen. Ein Ort, an dem man die Seele baumeln lassen kann, an dem man ganz selbst sein da [ ... ]



„Edgars und Aina Šēnbergi. Modernisti" im Lettischen Architekturmuseum Riga
 „Edgars und Aina Šēnbergi. Modernisti



Eine kleine, aber feine Ausstellung ist im Lettischen Architekturmuseum in der Altstadt von Riga zu sehen. Gezeigt werden Arbeiten, Zeichnungen und Modelle des A [ ... ]



„The Cleaners” – Oder die Schattenindustrie digitaler Zensur
 „The Cleaners” – Oder die Schattenindustrie digitaler Zensur



Unsere Bilderflut ist apokalyptisch: Jede Minute 500 Stunden Video auf YouTube, 450.000 Tweets auf Twitter. Nicht alles was hochgeladen wird, bleibt. Die Silicon [ ... ]



Der wahre Reichtum – „Wir Sonnenkinder – Authentische Lebensbilder“
 Der wahre Reichtum – „Wir Sonnenkinder – Authentische Lebensbilder“



Vor mir liegt der Lebensbericht – der Autor Harry Popow nennt ihn „authentische Lebensbilder“ eines Zeitgenossen, der vom wahren Leben in der DDR berichtet [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.