Anzeige

Wer ist online?

Wir haben 826 Gäste online

Neue Kommentare

Hans-Joachim Schneider zu Meine 18. Lange Nacht der Museen in Hamburg: Herrrlisch, würde der Rheinländer in mir sagen....
Wajda Art zu „A Beautiful Day”. Joaquin Phoenix- Racheengel oder Erlöser?: Wir suchen nach Enthusiasten der Kinematographie ...
Manfred Köck zu Im Wunderland der Wünsche. Laila Biali: schade, dass sie nicht mit ihren stammmusikern un...
Helmuth Barth zu Thomas Gainsborough – die moderne Landschaft: Vorausschicken möchte ich, dass ich neben Bilder...
Anna Grillet zu „Call Me by Your Name”. Die Sinnlichkeit des Luca Guadagnino: Leider nein, kann die bitterböse ästhetisch bri...

Follow Book

Kate Hamer: Das Mädchen, das rückwärts ging

Drucken
(72 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Mittwoch, den 05. August 2015 um 12:52 Uhr
Kate Hamer: Das Mädchen, das rückwärts ging 4.5 out of 5 based on 72 votes.
Kate Hamer: Das Mädchen, das rückwärts ging

Trotz ihrer übermäßigen Vorsicht kann Beth das Verschwinden von Carmel nicht verhindern.
Carmel ist acht als sie bei einem Märchenfestival entführt wird: Plötzlicher, dichter Nebel hat sie von ihrer Mutter getrennt. Ein Unbekannter behauptet ihr Großvater zu sein und dass ihre Mutter einen schlimmen Unfall hatte. Carmel geht mit ihm.

altKate Hamer erzählt in ihrem Roman „Das Mädchen, das rückwärts ging“ die Geschichte von dieser Entführung und von den Jahren danach in schnellen Perspektivwechseln zwischen Mutter und Tochter. Das ist ein spannender Kniff: Beide Charaktere erzählen in jeweils eigenem Ton, beide sind sehr vielschichtig. Und der Leser erfährt – vor allem am Anfang – wie unterschiedlich das Erleben der gleichen Situation sein kann.
Beth gerät in einen Strudel aus Panik, Ohnmacht, Verzweiflung, Hoffen und irgendwie am Leben bleiben. Ihr Kind ist weg. Plötzlich weg. Und keine Spur ist zu finden. Es war immer ihre große Angst, ihr einziges Kind zu verlieren. Hat sie es mit dieser Angst heraufbeschworen? Hat sie nicht genug aufgepasst? Sie kreist in Selbstvorwürfen. Immerhin erfährt sie Unterstützung von ihrem Ex-Mann, von Freunden und sogar von ihren Eltern.
Carmel kommt nach Amerika, zu einem fanatischen Wanderprediger, der in ihr eine besondere Gabe sieht, und zu seiner Familie. Er sagt, er sei ihr Großvater. Er erzählt ihr schließlich, dass ihre Mutter gestorben sei, ihr Vater sie nicht wolle. Er hatte schon einmal ein Mädchen wie Carmel. Was mit ihr geschehen ist, bleibt im Dunklen der Phantasie.

Das Lesen dieser Geschichte ist manchmal nur schwer zu ertragen. Da erleichtern die kleinen Portionen der Kapitel das Dranbleiben. Die Erzählstrategie ist es aber nicht allein, die den Leser durch die Geschichte zieht. Es ist vor allem die Geschichte selbst, die so einzigartig ist, dass sie einfach passieren könnte. Das ist das besonders Bedrückende: Es gibt gegen solche Geschehnisse keine Versicherung. Und hier wirkt nichts mit Zwang konstruiert.
Leider bleiben außer Mutter und Tochter die anderen – sicher auch interessanten, sehr spannend angelegten – Charaktere recht flach. Die Motivation des Entführers beispielweise wird zwar deutlich, die Tiefen seines Warum und Weshalb, eine detaillierte Zeichnung seines Charakters bleibt leider aus.
Die Andeutungen, dass Carmel tatsächlich eine heilende Kraft hat, sind dagegen recht eindeutig und bekommen vor allem gegen Ende des Romans immer mehr Präsenz. Hier gerät die Erzählung bisweilen etwas esoterisch. Das muss man mögen – oder es stört ein wenig.
„Das Mädchen, das rückwärts ging“ ist nicht so sehr eine Auseinandersetzung mit dem Verhältnis zwischen Müttern und Töchtern, wie mancherlei Texte über den Roman suggerieren. Es geht hier vielmehr – glücklicherweise – um sehr besondere Verhältnisse. Der Roman ist vielmehr eine Auseinandersetzung damit, die eigene Identität zu erhalten. Vor allem für die beiden Hauptfiguren.
So hält (sich) Carmel zum Beispiel an ihrem Namen fest, wiederholt ihn für sich und für andere als ein Mantra, das sie in ihrer Persönlichkeit bestehen lässt. Sie sagt ihn sich selbst vor, schreibt ihn an jeden Ort, an den sie kommt – an Wände, in Holz, in Sand.

Diesen Roman mit seiner Geschichte muss man aushalten. Genuss ist vielleicht etwas anderes. Aber er ist bereichernd.

Kate Hamer: Das Mädchen, das rückwärts ging
Verlag: Arche
Broschur: 416 Seiten
ISBN: 978-3-71602724-0
16,99 €

Leseprobe


Abbildungsnachweis:
Header: Kate Hamer. Foto ©: Mei Williams
Buchumschlag

Eigenen Kommentar verfassen (Gasteintrag möglich - Bitte achten Sie auf unsere Email ggf. in Ihrem Spam-Order und klicken den Bestätigungslink)

Ihr Name (erscheint mit dem Kommentar) *
E-Mail (Nur für Bestätigungslink & Antworten)
Code   
Kommentar abschicken
 

Home > Kolumne > Follow Book > Kate Hamer: Das Mädchen, das rückwärts gin...

Mehr auf KulturPort.De

Aspekte Festival 2018 – frozen gesture
 Aspekte Festival 2018 – frozen gesture



Welche kulturellen Spartenschubladen haben wir im Kopf? Wo ist der urbane, kulturelle Humus zu finden? Wieviel Bereitschaft zeigt Publikum für Entwicklungsphase [ ... ]



Meine 18. Lange Nacht der Museen in Hamburg
 Meine 18. Lange Nacht der Museen in Hamburg



...beginne ich, indem ich mit meinem Navi streite. Das tut so, als wüsste es nicht von der traurigen Tatsache, dass es in dieser Stadt mehr Baustellen als Kultu [ ... ]



Yvonne von Schweinitz: Syrien – Fragmente einer Reise. Fragmente einer Zeit
 Yvonne von Schweinitz: Syrien – Fragmente einer Reise. Fragmente einer Zeit



Wie nähert man sich in einer Fotoausstellung einem Land, deren Menschen tagtäglich durch Gewalt sterben, auf der Flucht, im Exil, traumatisiert sind, deren mat [ ... ]



„A Beautiful Day”. Joaquin Phoenix- Racheengel oder Erlöser?
 „A Beautiful Day”. Joaquin Phoenix- Racheengel oder Erlöser?



Lynne Ramsay inszeniert ihre virtuosen Thriller-Impressionen als Exkursion in die Abgründe der Seele.
Ein Auftragskiller ist Joe (Joaquin Phoenix) nicht, er t [ ... ]



Günter Grass-Haus Lübeck: George Bernard Shaw und die Fotografie
 Günter Grass-Haus Lübeck: George Bernard Shaw und die Fotografie



George Bernard Shaw (1856-1950) ist vor allem bekannt für sein dramatisches Werk, das über 50 Theaterstücke umfasst. Doch der Künstler hat sich zeitlebens in [ ... ]



Im Wunderland der Wünsche. Laila Biali
 Im Wunderland der Wünsche. Laila Biali



Wie konnte sich eine 16jährige Kanadierin, die Opernarien singt und klassische Pianistin werden will, zu einer über jeden „No street credibility“-Verdacht  [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Anzeige


Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.