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Theater - Tanz

Tanzplattform Deutschland: „Der zeitgenössische Tanz gehört zu den innovativsten aller Kunstsparten“

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Samstag, den 01. März 2014 um 11:15 Uhr
Tanzplattform Deutschland: „Der zeitgenössische Tanz gehört zu den innovativsten aller Kunstsparten“ 4.6 out of 5 based on 171 votes.
The Forsythe Company: Sider Foto: Dominik Mentzos

Sie versteht sich als das biennale Schaufenster des zeitgenössischen Tanzes, und dieses Jahr kommt die Tanzplattform Deutschland endlich wieder nach Hamburg.
Gezeigt wird die Jury-Auswahl der zwölf interessantesten Produktionen der letzten zwei Jahre. Am 27. Februar wurde das viertägige Tanzfestival auf Kampnagel feierlich eröffnet – mit hochkarätigen Gästen und viel internationalem Publikum.

Stickige Luft und dichtes Gedränge: Punkt 20 Uhr ist das Kampnagel-Foyer gerammelt voll. Zur Eröffnung der Tanzplattform Deutschland sind sie aus aller Welt gekommen: Choreographen, Dramaturgen, Tänzer, Branchenkenner und ganz normale Tanzliebhaber. Wortfetzen verschiedenster Sprachen sind durch den Gesprächslärm und das Gläserklirren zu vernehmen, dazwischen wuseln hektisch einige Kampnagel-Mitarbeiter hin und her, während sich schwerbepackte Kamerateams um den besten Platz neben der Tribüne rangeln. Ein Andrang, der die Organisatoren freuen, aber kaum überraschen dürfte, denn in Sachen zeitgenössischer Tanz gehört die Tanzplattform Deutschland inzwischen längst zu den wichtigsten Veranstaltungen der Bundesrepublik. Das Insiderfestival hat sich zum Publikumsmagneten gewandelt; hier werden einige der vielversprechendsten Nachwuchskünstler und Produktionen des Landes präsentiert und Einblick in die Vielseitigkeit der Tanzlandschaft Deutschlands gegeben.

Extra aus Berlin angereist ist Monika Grütters, Staatsministerin für Kultur und Medien, die die Tanzplattform Deutschland zusammen mit Hamburgs Kultursenatorin Barbara Kisseler und Kampnagel-Intendantin Amelie Deuflhard feierlich eröffnet. „Der zeitgenössische Tanz gehört zu den innovativsten aller Kunstsparten“, so betont es Ministerin Grütters in ihrer Ansprache und weist dabei nachdrücklich auf die gegenwärtigen Bemühungen der Bundeskulturstiftung zur Tanzförderung hin. Nicht zuletzt sei der Tanz jetzt erstmals in den Koalitionsvertrag der Bundesregierung aufgenommen worden. Den zeitgenössischen Tanz stärker fördern, diesem Credo schloss sich auch Kultursenatorin Kisseler an, die sich besonders darüber freut, dass Hamburg mit der Ausrichtung der Tanzplattform Deutschland ein deutliches Zeichen setzt: „Hier lässt sich ein Paukenschlag der nationalen und internationalen Tanzszene erleben.“ Gefördert wird das Festival mit einem Budget von rund einer halben Millionen Euro aus den Töpfen von Bund, Kulturbehörde und Kampnagel.

Knallig wurde es dann beim anschließenden Stück „Sider“ von Starchoreograph William Forsythe. Der steckt sein teilweise vermummtes Ensemble in hautenge, knallbunte Ganzkörperkostüme und lässt sie über die Bühne tänzeln, hüpfen, kriechen, stolpern, rhythmisch marschieren und wieder minutenweise einfrieren. Alle Bewegungen stehen in Interaktion mit überdimensionalen Pappkartontafeln, die mal als Wand, als Boden, als Rampe, als Decke oder als Barrikade eingesetzt werden, auf ihnen wird getrommelt, herumgesprungen, mit ihnen wird geschubst und gedrängelt, aber auch darunter Schutz gesucht. Dazu stoßen die Figuren zeitweise unverständliche Wortfetzen, unverständlich monologisierende Tiraden aus, während mal atmosphärisches Klanggewaber, mal scharf-metallische Töne im Hintergrund erklingen. Über den Tänzern ist eine Leuchtschrifttafel angebracht, auf der kryptische Satzspielereien wie „She is to them as they are to us“, „He is to that as this is to him“ oder „They are to us as we are to them” projiziert werden. Aufschluss über das dann doch recht verwirrende und letztlich recht entwicklungsarme Spektakel mag höchstens eine der Kartonaufschriften geben, die „in disarray“, also „in Unordnung“ lautet. Das Stück von Forsythe stellt nämlich den Versuch dar, komplexe Sprachmuster einer Tragödie aus dem 16. Jahrhundert auf die Darsteller zu übertragen, was bei vereinzelt erkennbaren Shakespear’schen Wendungen wie „To Be Or Not To Be“ durchscheint. Trotz der zeitweisen Unzugänglichkeit des Stückes belohnte das Publikum die Vorstellung mit langanhaltendem Applaus.


Noch bis zum 2. März läuft die Tanzplattform Deutschland auf Kampnagel in Hamburg zu erleben.
Kampnagel Internationale Kulturfabrik, Jarrestraße 20 in 22303 Hamburg.
Mit dabei sind unter anderem noch Produktionen von Künstlern wie Meg Stuart, Tino Sehgal, Sebastian Matthias und Laurent Chétouane.
Nähere Informationen


Abbildungsnachsweis:
Header: The Forsythe Company "Sider". Foto: Dominik Mentzos

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