Neue Kommentare

Ada Rompf zu „The Rider”. Die zärtlich-raue Poesie der Chloé Zhao : Besser kann man meinen Lieblingsfilm dieses Früh...
yolo 456 zu Die Juden vom Altrhein: man sollte einen artikel erst einmal lesen bevor ...
yolo123 zu Die Juden vom Altrhein: Das jüdische Leben in Deutschland ist vorbei und...
Achenar Myst zu Nils Landgren with Janis Siegel: some other time: Die CD ist ein absoluter Genuss, tolle Auswahl de...
Achim zu Golnar & Mahan – Derakht: Musik, die glücklich macht - Danke !!!...

Lange Nacht der Museen Hamburg

Hamburger Architektur Sommer 2015


Theater - Tanz

Phantom der Oper - antiquiertes, seelenloses Ausstattungstheater

Drucken
(150 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Freitag, den 29. November 2013 um 13:40 Uhr
Phantom der Oper - antiquiertes, seelenloses Ausstattungstheater 4.6 out of 5 based on 150 votes.
Phantom der Oper - antiquiertes, seelenloses Ausstattungstheater

Wer die Deutschlandpremiere des „Phantoms der Oper“ 1990 sah, dem kam der Empfang zum „Comebacks des Jahres“ vertraut vor: Demonstranten und Polizei vor dem Eingang zur Neuen Flora.
Diesmal aber kein Protest gegen das Theater, sondern dafür: Die Belegschaft der Show sei im Vergleich zu damals auf die Hälfte geschrumpft – so schimpften Mitarbeiter. Insbesondere die Musiker hätten zu leiden. Stimmt: Andrew Lloyd Webber orchestrierte das Musical neu und dampfte es auf nunmehr 14 Musiker ein. Der Klang wirkt dadurch zwar weniger raumgreifend, dafür aber eine Spur eleganter.

Soweit man so etwas bei einer Medienpremiere überhaupt beurteilen kann. Die Veranstalter sind zwar froh, damit auf einen Schlag Medienvertreter aller Art abspeisen zu können, doch aus Sicht der Journalisten haben sie den Nachteil, den fieberhaften Kraftakt der Schauspieler und Musiker, sowie die Reaktion des Publikums bei der „echten Premiere“ gar nicht mitzubekommen. Nun, das Fachpublikum nahm die Wiederaufnahme mit viel Beifall auf. Von enthusiastischem Jubel konnte allerdings keine Rede sein. Wie auch. Andrew Lloyd Webbers düster bombastischer Spuk um den verfluchten „Engel der Musik“ und seine Muse Christine in der Pariser Oper zur Zeit der Belle Epoque hat in den vergangenen 23 Jahren höchstens an antiquarischem Wert gewonnen. Die Inszenierung ist im Wesentlichen unverändert und bleibt, was sie immer war: Ein perfekt seelenloses Ausstattungstheater mit grandiosen Kostümen und Kulissen, das an dräuend schwerem Prunk, Pomp und Plüsch keine Wünsche offen lässt.

Allerdings fragt man sich, warum es Direktor Harold Price in den vergangenen 20 Jahren nicht geschafft hat, ein Phantom zu rekrutieren, das seine Rolle musikalisch ausfüllt. Mathias Edenborn überzeugt schauspielerisch durchaus als tragisch entstelltes Maskenmonster, sein Tenor allerdings verblasst gegen den warmen Sopran von Valerie Link, die ihrer Christine Daaé eine bezaubernde Jungmädchenhaftigkeit verleiht. Höhen und leise lyrische Partien schafft Edenborn nur noch gepresst, mitunter scheint er regelrecht zu wispern. Es wäre schön, das Phantom mal von einem erstklassigen Operntenor zu hören.

Christines Verlobter Raoul (Nicky Wuchinger) ist ein wunderbar leidenschaftlicher Liebhaber, sein Tenor jedoch klingt mitunter flach und klein. Durch die Bank sind die Frauen dieser Produktion sehr viel stärker bei Stimme, allen voran Rachel Anne Moore als hinreißend zickige Primadonna assoluta, gefolgt von Michaela Christi als streng mysteriöse Ballettchefin Madame Giry.
Bleibt noch der Tonnen schwere Kronleuchter zu erwähnen, der einst zum Schrecken des Publikums auf die Bühne nieder rauschte. Heute gleitet er nur noch sanft hinab. Enttäuschend – aber vielleicht trügt auch die Erinnerung.


"Phantom der Oper"
STAGE THEATER NEUE FLORA
Stresemannstr. 163, 22769 Hamburg
Vorstellungszeiten:
Dienstag, Mittwoch 18:30 Uhr
Donnerstag, Freitag 20:00 Uhr
Samstag 15:00 Uhr & 20:00 Uhr
Sonntag 14:00 Uhr & 19:00 Uhr
Weitere Informationen

Fotonachweis: Logo Musical Das Phantom der Oper © Stage Holding

Kommentar verfassen
(Ich bin damit einverstanden, dass mein Beitrag veröffentlicht wird. Mein Name und Text werden mit Datum/Uhrzeit für jeden lesbar. Mehr Infos: Datenschutz)

Ihr Name (erscheint mit ihrem Kommentar) *
Ihre Email (Nur für unseren Bestätigungslink)
Code (Hier eintragen)   
Meinen Kommentar abschicken
 
Home > Blog > Theater & Tanz > Phantom der Oper - antiquiertes, seelenloses ...

Mehr auf KulturPort.De

„Thietmars Welt. Ein Merseburger Bischof schreibt Geschichte“ – Eine Zeitreise in das Mittelalter
 „Thietmars Welt. Ein Merseburger Bischof schreibt Geschichte“ – Eine Zeitreise in das Mittelalter



Einer der berühmtesten Chronisten des Mittelalters war Thietmar von Merseburg (975-1018). Unter den römisch-deutschen Kaisern Otto III. bis zu Heinrich II. war [ ... ]



Elisabeth Weinek: „Was Sie sah“ – Andalusien, Marokko, Iran
 Elisabeth Weinek: „Was Sie sah“ – Andalusien, Marokko, Iran



Passend zur Festspielzeit werden in der Margarethenkapelle von St. Peter, eine der ältesten Kirchen Salzburgs, Fotografien gezeigt, die sich als „interkulture [ ... ]



Ilse Helbich: Kluge Chronistin des Alters – „Im Gehen“ gefundene Gedichte
 Ilse Helbich: Kluge Chronistin des Alters – „Im Gehen“ gefundene Gedichte



Auch heute noch geschehen beglückende Wunder: Mit 80 Jahren veröffentlichte die 1923 in Wien geborene Ilse Helbich ihren ersten Roman unter dem Titel „Schwal [ ... ]



Thierry van Werveke: Schauspieler, Rockstar, Troublemaker, Thierry National
 Thierry van Werveke: Schauspieler, Rockstar, Troublemaker, Thierry National



Thierry! – allein sein Vorname löst in Luxemburg schon entzücken aus und wird mit der Addition von „National“ zum Kult. In Deutschland und Österreich fr [ ... ]



„Foxtrot”. Samuel Moaz und das Konzept des Zufalls
 „Foxtrot”. Samuel Moaz und das Konzept des Zufalls



Samuel Moaz kreiert mit dem Antikriegsdrama „Foxtrot” einen atemberaubenden ästhetischen Kosmos: zornig, visuell kühn, emotional hochexplosiv, oft grausam, [ ... ]



Alexandre de La Patellière und Matthieu Delaporte: „Der Vorname“
 Alexandre de La Patellière und Matthieu Delaporte: „Der Vorname“



Das Stück brillant, die Schauspieler große Klasse, die Inszenierung rundum gelungen und der kleine Saal der Komödie Winterhuder Fährhaus restlos ausverkauft. [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.