Neue Kommentare

Kentin Abalo zu „Assassination Nation” – Leinwandheldinnen in Zeiten von #MeToo : WAS FÜR EIN FOTO!!!
Großartig. Hoffe der...

Sybille zu Das Chinesenviertel auf Hamburg St. Pauli: Danke für den Beitrag. Ich sehe gerade den Film ...
Nikias Geschke zu „The Guilty”. Der beklemmende Minimalismus des Gustav Möller: Das klingt superspannend. Danke für den Tipp. ...
Harry zu „Otto. Die Ausstellung“: OTTO ist großartig. Ich wusste nicht, dass er ei...
Alex zu Film Festival Cologne - Von starken Spielfilmdebüts und schwächelnden Stars: Wer bist du? Halten Sie Ihre Meinung besser, wenn...

Lange Nacht der Museen Hamburg

Hamburger Architektur Sommer 2015


Theater - Tanz

Ohnsorg-Theater: "Vor Sonnenuntergang"

Drucken
(136 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Mittwoch, den 07. Oktober 2009 um 08:30 Uhr
Ohnsorg-Theater: "Vor Sonnenuntergang" 4.5 out of 5 based on 136 votes.
Ohnsorg-Theater:

Bei Gerhart Hauptmanns Dramen denkt man nicht automatisch ans Hamburger Ohnsorg-Theater – und umgekehrt. Aber eine gemeinsame Tradition ist durchaus vorhanden, in den 1990ern gab es hier den ‚Bieberpelz’, ‚Rose Bernd’ und ‚Fuhrmann Henschel’.
Diesmal hat sich Chefdramaturg Frank Grupe des schweren Stoffs angenommen und ihn mit geschickter Hand zurechtgestutzt sowie geplättet: "Ehr de Sünn ünnergeiht". (Die hervorragende Regie hat er außerdem zu verantworten.)
Wie wohltuend, wenn es mal nicht darum geht, dass jemand seine ‚Auffassung’ in den Vordergrund drängelt und damit einen Klassiker bis zur Unkenntlichkeit entgrätet!

Grupe hält sich so weit wie möglich an die Vorgabe; von ursprünglich 18 Darstellern (und einer Handvoll Kinder) treten bei ihm immerhin noch 16 Personen auf – oder 17: Oberbürgermeister und braver Onkel werden beide von Peter Wohlert dargestellt.

Das Stück dauert, nach respektvollen Strichen, etwa zweieinhalb Stunden und teilweise sind sogar winzige Details erhalten; steht im Original: Einige der davoneilenden Gäste haben das Zimmer gekreuzt, darunter ein Musiker mit seinem Instrument – dann flitzt da tatsächlich kurz besagter Musikant im Hintergrund über die Ohnsorg-Bühne…

Und wo ursprünglich vom zoologischen Garten die Rede ist, da heißt es jetzt natürlich ganz treffend: Hagenbeck. Interessant, wie gut sich das Plattdeutsche in diesem Fall einpasst, wie es ohne weiteres die ernste Färbung trägt.

Ein besonderes Lob sei Félicie Lavaulx-Vrécourt gespendet, die Kostüme und Bühnenbild schuf. Modisch hat sie dem Stück einen kleinen Schubs gegeben zum Ende der 1930er, teilweise Anfang der 40er Jahre (Beate Kiupel trägt beispielsweise schon eine ‚Entwarnungs’-Frisur, die ihr reizend steht), und da sitzt es perfekt. Die Kulisse orientiert sich weitgehend an der Original-Vorgabe von Hauptmann und mit einer sekundenschnellen Stoffraffung wird aus dem feinen Bürgerheim die dürftigere Behausung von Inkens Familie. Dadurch, dass Kostüme und Hintergrund aus einer Hand kommen, entsteht außerdem eine vollendete Harmonie der überwiegenden Braun- und Blautöne in beidem.

Als der löwenköpfige Nobelpreisträger zwischen 1928 und 1931 dieses Drama verfasste, hat er es sich gegönnt, eine gängige Perspektive rigoros umzukrempeln.
Selbst im 21. Jahrhundert hätte ein erfolgreicher, geachteter Bürger mit vier erwachsenen Kindern (sowie einem voll im Familienbetrieb engagierten Schwiegersohn), der plötzlich nicht nur ein Verhältnis mit einem etwa 50 Jahre jüngerem Mädchen anfängt, sondern sie auch noch heiraten und mit ihr in die Schweiz auswandern will - und ihr obendrein kostbare Schmuckstücke der verstorbenen Gattin schenkt - bestimmt nicht die heitere, ungeteilte Zustimmung seiner Umgebung.

Wenn dann die ohnehin etwas matte Reputation des jungen Mädchens auch noch böse Kratzer aufweist (ihr Vater hat in Untersuchungshaft Selbstmord verübt), wenn man dazu rechnet, dass der alte Herr, über den Protest seiner Kinder in Zorn geraten, den Schwiegersohn umgehend feuert, den Familienbetrieb zugunsten des Schweizer Alterssitzes verscherbeln will, das Portrait der Mutter seiner Kinder mit einem Messer zerfetzt und anschließend weitere Familienfotos und anderen Hausrat zertrümmert, dann ist die Überlegung, ob so ein wild gewordener Greis nicht in der Tat ruhig gestellt werden sollte, um die Normalwelt in den Angeln zu halten, eigentlich gar nicht so weit hergeholt. Würde unsereiner, an Stelle der Erben, Papa das späte Glück von ganzem Herzen gönnen, auf ’s Erbe pfeifen und halt nach einem anderen Job suchen?



 
Home > Blog > Theater & Tanz > Ohnsorg-Theater: "Vor Sonnenuntergang&qu...

Mehr auf KulturPort.De

ALLE. Künstlerinnen und Künstler in der Overbeck-Gesellschaft Lübeck 1918-2018
 ALLE. Künstlerinnen und Künstler in der Overbeck-Gesellschaft Lübeck 1918-2018



Wie feiert man seinen 100. Geburtstag? Mit Feuerwerk, Champagner und Häppchen? Nein. Mit einer spektakulären Ausstellung feiert der Lübecker Kunstverein, die  [ ... ]



Thomas Mann Preis 2018 für Mircea Cărtărescu:
 Thomas Mann Preis 2018 für Mircea Cărtărescu:



Mit dem Thomas Mann Preis 2018 wurde am 17. November der rumänische Schriftsteller Mircea Cărtărescu ausgezeichnet. Den Akt der Preisverleihung in den Kammers [ ... ]



„add art 2018 – Hamburgs Wirtschaft öffnet Türen für Kunst"
 „add art 2018 – Hamburgs Wirtschaft öffnet Türen für Kunst



„Zu einem attraktiven Arbeitsplatz gehört auch eine ästhetische Umgebung“, sagt Caspar Philipp Woermann, Geschäftsführer von ims, Internationaler Medien  [ ... ]



100 Jahre Lettland: Handschuh-Daumen hoch
 100 Jahre Lettland: Handschuh-Daumen hoch



Eine Handschuh-Aktion passt wie die Faust aufs Auge, wenn die lettische Hauptstadt Riga, der baltische Staat Lettland und der Rest der Welt heute, am 18. Novembe [ ... ]



Peter de Vries – Hut- und Urnenhüllen-Macher
 Peter de Vries – Hut- und Urnenhüllen-Macher



Wie muss man sich eine Person vorstellen, die Freunde und Kollegen als „Naturereignis“ bezeichnen?
In jedem Fall als einen charismatischen Menschen mit üb [ ... ]



Maria Austria. Eine jüdische Fotografin aus Amsterdam in Berlin
 Maria Austria. Eine jüdische Fotografin aus Amsterdam in Berlin



Das Verborgene Museum in Berlin-Charlottenburg präsentiert bis zum 10. März 2019 Fotoarbeiten und Dokumente der niederländischen Fotografin Maria Austria (191 [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.