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Theater - Tanz

Swan Lake Reloaded – Tchaikovsky meets Streetdance

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Freitag, den 19. Juli 2013 um 14:50 Uhr
Swan Lake Reloaded – Tchaikovsky meets Streetdance 4.2 out of 5 based on 151 votes.
Swan Lake Reloaded

Tchaikovskys "Schwanensee" ist wohl eines der bekanntesten Ballettstücke überhaupt.
Die Geschichte von Prinz Siegfried, der sich in die verzauberte Schwanenprinzessin Odette verliebt, wird nun schon seit 136 Jahren auf die Bühne gebracht – in den unterschiedlichsten Varianten. Der schwedische Choreograph Fredrik Rydman hat sich nun an eine weitere Interpretation des klassischen Meisterwerks gewagt: Bei "Swan Lake reloaded" wird Ballett mit Streetdance-Elementen gemischt. Noch bis zum 28. Juli ist das spektakuläre Tanztheaterstück im Thalia Theater Hamburg zu sehen.

"Wenn man die Leute auf der Straße fragt, dann wissen sie: Ok, in dem Stück gibt es einen weißen Schwan, einen schwarzen Schwan. Aber darüber hinaus ist ihnen nicht wirklich klar, was in dem Stück passiert. Ich wollte es in einen neuen Kontext setzen, so, dass die Leute heute damit etwas anfangen können", sagt Choreograph Fredrik Rydman und Initiator der modernen Neuauflage des klassischen Balletts "Swan Lake reloaded: Tchaikovsky meets Streetdance". Der Titel verrät, was den Zuschauer erwartet: Das hochanspruchsvolle Schwanensee-Ballett, das seit seiner Uraufführung 1895 tänzerisch und dramaturgisch sowohl Inspirationsquelle wie auch Herausforderung für zahlreiche Adaptionen des klassischen Stoffs geworden ist, wird bei "Swan Lake reloaded" mit den expressiv-akrobatischen Streetdance-Elementen versehen. Breakdance trifft auf Pirouetten, klassische Musik auf Synthesizer-Beats und Popsymphonien: Speziell für diese Inszenierung haben bekannte schwedische Elektro-Produzenten die berühmte Musik von Pjotr Tchaikovsky neu gemischt, gesampelt und verfremdet, andere Songs wurden extra neu komponiert. Da ist dann das klassische Solo vom bösen Zauberer Rotbart mit blitzartigen Elektroshock-Sounds unterlegt, das "Bachus Dickus"-Stück zirkusmusikartig aufgemacht, mit synthetisierten Beats bestückt und in repetitiven Loops abgespielt.

Hochkultur trifft auf Entertainment, das ist künstlerischer wie erzählerischer Anspruch der Inszenierung. Auch die Geschichte des klassischen Märchens von der schönen Odette, die in einen Schwan verwandelt wurde und nur durch Siegfrieds Liebesbekenntnis befreit werden kann, ist in die Gegenwart übersetzt worden. Bei "Swan Lake reloaded" ist der böse Rotbart ein Zuhälter und Dealer, seine Schwanenmädchen sind drogenabhängige Prostituierte. Die Idee dazu kam Choreograph Fredrik Rydman, als er in einem Londoner Vintage-Geschäft einige Pelze entdeckte, die wie Schwäne aussahen. "Nach und nach wurden mit die Parallelen klar: Drogenabhängigkeit und Prostitution gehen oft einher und Drogen sind ja ganz deutlich der Zauber, mit dessen Hilfe Rotbart die Mädchen in Schwäne verwandelt und unter seinen Bann stellt", so Rydman.

Knallig, zackig, bunt und schrill: Die Show ist auf Spektakel angelegt, das wird von Anfang an klar. Nicht mehr nur Tanz und Musik, sondern ein "audiovisuelles Gesamtkunstwerk" soll präsentiert werden – und das gelingt den Machern vorzüglich. Dreidimensionale Licht-Leinwand-Effekte, blinkend-bunt-bewegliche Kulissen, opulente Kostüme, Perücken, Ballons und regnende Federn: Hier wird aufgefahren, was die Bühnenkunst so zu bieten hat. Dazwischen agiert das 10-köpfige Ensemble mal in clownesk-akrobatischer Manier, mal in langsam-abgehackten Tanzbewegungen und erschließt sich in perfektem Timing mit virtuos-präziser Körperbeherrschung die bunt-dynamische Kulissenwelt. Ausladende Gesten, hohe Sprünge, ausdrucksstark-publikumsbezogene Mimik und fast nie stillstehende Körper zu treibenden Rhythmen lassen zwischenzeitlich kaum Zeit zum Luftholen. Ein Gewitter von Wahrnehmungsreizen, das zeitweise von einem Effekt zum nächsten jagt. Nur eines ist das Stück nicht: Leise oder gar kontemplativ – obwohl es das wahrscheinlich auch gar nicht sein will.

Auch ohne große emotionale Tiefe ist "Swan Lake reloaded" angenehmer Unterhaltungsspaß, bei dem man sich bequem zurücklehnen und das Geschehen auf sich wirken lassen kann. Besonders hervorzuheben ist die Darstellung des Rotbart von Tänzer Daniel Koivunen, der neben seinen eher schablonenhaft bleibenden Kollegen durch eine unglaubliche Präsenz auf der Bühne hervorsticht und mit seiner agil-dominante Aneignung des Raums den Betrachter in seinen Bann zu ziehen weiß. Als einer der wenigen Charaktere beherrscht er die Szene und wird nicht von ihr beherrscht.

Den Zuschauern gefällt's: Bei der Premiere von "Swan Lake reloaded" am 17. Juli im Hamburger Thalia Theater gab es nach jeder Szene anhaltenden Applaus, die Performance wurde am Ende mit einer Standing Ovation bedacht. Der Erfolg ist wohl dadurch zu erklären, dass sowohl Anhänger des klassischen Stoffs als auch das junge Publikum bei dem abgeholt werden, was sie kennen – und wer gar nichts mit Ballett oder Streetdance anfangen kann, kann sich immer noch am Bühnenspektakel erfreuen. "Swan Lake reloaded" feierte schon 2011 in Stockholm Premiere und war dort in kürzester Zeit ausverkauft. In Deutschland tourt das Rydman-Ensemble mit dem Stück seit Frühjahr 2013, am Hamburger Thalia Theater ist es noch bis zum 28. Juli zu sehen.


Fotonachweis: (c) Mats Bäcker

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