Neue Kommentare

Maggie zu Walter-Kempowski-Literaturpreis 2019: Guten Abend,
Gibt es denn schon irgendeine...

Lothar Segeler zu Filmtonschaffende erstmals als Urheber*innen an Kinoerlösen beteiligt: Großartig - wie lange haben wir darauf gewartet!...
Alf Dobbertin zu Henri Bergson: Die beiden Quellen der Moral und der Religion: Ein großes Lob dem Rezensenten Stefan Diebitz, d...
Maximilian Buchmann zu „Apocalypse Now - Final Cut”. Der Höllentrip des Francis Ford Coppola: Uff! Nur heute im Kino? Hoffentlich bekomme ich n...
Klaus Schöll zu Am 12. Juli 2019 wird die James-Simon-Galerie eröffnet – in Anwesenheit von Bundeskanzlerin Angela Merkel: Ich finde das die Treppe zur James-Simon-Galerie ...

Lange Nacht der Museen Hamburg

Hamburger Architektur Sommer 2019


Theater - Tanz

Die getanzte Liebe: "Romeo und Julia" des Ballets de Monte-Carlo

Drucken
(190 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Mittwoch, den 19. Juni 2013 um 14:18 Uhr
Die getanzte Liebe: "Romeo und Julia" des Ballets de Monte-Carlo 4.5 out of 5 based on 190 votes.
Romeo und Julia“ Gastspiel Les Ballets de Monte-Carlo - Photo d'Anja et Stephan : photo Gia TO

Was ist nur mit der Hamburger Ballettgemeinde los?
Da gibt es schon mal eines der raren Gastspiele, wie jetzt bei den 39. Hamburger Ballett-Tagen in der Hamburg Oper – und dann sind die Ränge halb leer. Liebe Leser, seien Sie versichert: Sie verpassen etwas! Die „"Romeo und Julia“-Version des Ballets de Monte-Carlo ist großartig. Gestern Abend gab es stehende Ovationen für eine technisch brillante Compagnie, ein durch und durch bezauberndes, dramatisch ausgereiftes  junges Liebespaar – und für einen Pater Lorenzo, wie man ihn bislang noch nicht zu Gesicht bekam. Für heute Abend gibt es noch Karten – nix wie hin.
 
Zugegeben: Man muss Shakespeares „Romeo und Julia“ schon aus dem ff kennen, um der Choreografie von Jean-Christophe Maillot in jeder Phase folgen zu können. Der Direktor des Ballets de Monte-Carlo und sein Bühnenbilder Ernest Pignon-Ernest verzichten auf illustrativen Tanz und naturalistische Kulisse. Raffinierte Lichtregie, eine weiße Rampe und einige weiße Wände reichen, um den Marktplatz von Verona oder den Palast der Capulets vor Augen entstehen zu lassen, wo die Anhänger der zwei verfeindeten Familien von Romeo Montague (Stephan Bourgond) und Julia Capulet (Anja Behrend) immer wieder unversöhnlich aufeinanderprallen. Kein Degen-Gerassel, wie ihn John Neumeier und viele andere Choreografen und Regisseure vor ihm mit Vorliebe zelebrierten, statt dessen meisterhaftes Aktions-Ballett und eine Körpersprache, die unmissverständlich Hass und Verachtung beider Parteien deutlich machen. Überhaupt versteht es diese Compagnie, Shakespeares Tragödie unerhört leichtfüßig und dennoch fesselnd vorzutragen. Nicht zu vergessen die starken komischen Akzente, die Maude Sabourin als Amme und der von Asier Uriagereka verkörperte Tybalt setzen. Zwei stupende Tänzer, deren Rollen hier in den Vordergrund rücken.

Jean-Christophe Maillot, den viele Ballettfans sicher noch aus seiner Hamburger Zeit als Solotänzer erinnern (1978-1983), verzichtet weitgehend auf opulente Massenszenen, konzentriert sich stattdessen ganz auf die Charaktere der fünf prägenden Figuren – Romeo, Julia, Amme, Tybalt und Pater Lorenzo –– und liefert psychologische Feinarbeit ab.

Stephan Bourgond ist als Romeo einfach wunderbar. Selten sah man einen jungen Tänzer überzeugender Leid und Leidenschaft zum Ausdruck bringen. Anja Behrend als Julia an seiner Seite ist nicht das süß-verspielte Kind, das John Neumeier auf die Bühne bringt, sondern vielmehr eine selbstbewusste junge Frau, die sich für ihre Liebe mutig gegen ihre Familie stellt und alle Register zieht, bis zum Freitod.

Erstaunlicherweise ist nicht etwa das Liebes-Pas-de-deux von Romeo und Julia –(wie bislang gewohnt) der Höhepunkt. Nein, bei diesem Gastspiel ist es das Pas de deux der verzweifelten Julia mit Pater Lorenzo, von dem sie Hilfe erfleht. In der Wucht, Intimität und Dramatik dieses Aufeinandertreffens fragt man sich erneut, welche Rolle der Pater, überragend interpretiert von Alexsis Oliveira, hier eigentlich spielt. Von Anfang an ist er in dem Stück präsent, bereits in der ersten Szene taucht er auf –– mehr Geist als Mensch in schwarz und weiß, die Verkörperung von Gut und Böse. Er sieht die Tragödie des Liebespaares kommen und schaut dennoch hilflos zu. In dem Tanz mit Julia jedoch ist er ganz Mann, der den erotischen Reizen des Mädchens zu erliegen scheint. Was treibt dieser Pater für ein Spiel? Auch zum Schluss, beim berühmten Showdown in der Gruft, ist er  merkwürdiger Weise anwesend. Doch er greift nicht ein, klärt das Missverständnis um Julias Schlaftrunk nicht auf. Stattdessen windet er  sich wie eine geschundene Kreatur, Nosferatu nicht unähnlich. Die Qual eines (höheren?) Wesens, das alles weiß, das Schicksal jedoch nicht abwenden kann? In jedem Fall eine Darstellung, die neue, spannende Interpretationsmöglichkeiten eröffnet.
 
„Romeo und Julia“ Gastspiel Les Ballets de Monte-Carlo,  Hamburgische Staatsoper, 19. Juni, 19.30 Uhr. Große Theaterstraße 25, Tickets ab 4 Euro. Tel.: (040) 3568 68

Foto Header: d'Anja et Stephan - Copyright: Gia TO

Kommentar verfassen
(Ich bin damit einverstanden, dass mein Beitrag veröffentlicht wird. Mein Name und Text werden mit Datum/Uhrzeit für jeden lesbar. Mehr Infos: Datenschutz)

Ihr Name (erscheint mit ihrem Kommentar) *
Ihre Email (Nur für unseren Bestätigungslink)
Code (Hier eintragen)   
Meinen Kommentar abschicken
 
Home > Blog > Theater & Tanz > Die getanzte Liebe: "Romeo und Julia&quo...

Mehr auf KulturPort.De

Vilnius und die Nutzung postindustrieller Gebäude als alternative Zentren für Kultur und Nachtleben
 Vilnius und die Nutzung postindustrieller Gebäude als alternative Zentren für Kultur und Nachtleben



In den letzten Jahren haben viele osteuropäische Städte Projekte gestartet, um ehemalige Industriegebäude und bislang ungenutzte Flächen in Zentren städtisc [ ... ]



Der öffentliche Raum und seine Nutzungen – Plätze in San Fernando del Valle de Catamarca, Argentinien
 Der öffentliche Raum und seine Nutzungen – Plätze in San Fernando del Valle de Catamarca, Argentinien



Wie sieht es in anderen Ländern mit dem öffentlichen Raum aus? Bei uns gibt es ihn kaum noch, denn jeder freie Quadratmeter wird dem Auto gewidmet. Können wir [ ... ]



Theater-Horror vom Feinsten – „Mummy Brown/Mumienbraun“ der norwegischen Gruppe Susie Wang schockte beim Internationalen Sommerfestival auf Kampnagel
 Theater-Horror vom Feinsten – „Mummy Brown/Mumienbraun“ der norwegischen Gruppe Susie Wang schockte beim Internationalen Sommerfestival auf Kampnagel



Das Programmheft hat nicht zu viel versprochen: Eine derart blutige, ins Groteske überzogene Horror Picture Show hat man in Hamburg noch nicht geboten bekommen. [ ... ]



Rainer Mausfeld: „Angst und Macht. Herrschaftstechniken der Angsterzeugung in kapitalistischen Demokratien“
 Rainer Mausfeld: „Angst und Macht. Herrschaftstechniken der Angsterzeugung in kapitalistischen Demokratien“



Die Zitterpartie der Macht
Welch ein Glück im Unglück. Wie üblich nach einem Zwischenfall auf Leben und Tod so auch diesmal, wie erwartet: Kaum war das Kind  [ ... ]



„I Am Mother” Leinwandheldinnen in Zeiten von #MeToo
 „I Am Mother” Leinwandheldinnen in Zeiten von #MeToo



Grant Sputores post-apokalyptischer Science-Fiction Thriller „I Am Mother” beginnt als intimes Kammerspiel in einem, hermetisch von der Welt abgeschlossenen  [ ... ]



Letizia Battaglia: Retrospektive in Venedig
 Letizia Battaglia: Retrospektive in Venedig



Sie gilt als bekannteste „Mafia-Fotografin“ und als „eine der wichtigsten Fotografinnen unserer Zeit“, aber auch als politisch, ökologisch, sozial und f [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.