Werbung

Neue Kommentare

Ulrike Tempel zu Adventsmessen und Handwerkermärkte in Hamburg – Alle Jahre wieder...: Leider sind die Termine veraltet 2017 / 2018...
Irmgard Gottschlich zu 50 Jahre Sammlung Ulla und Heinz Lohmann: Herzliche Gratulation zu diesem Ereignis, nicht n...
Dr. Carola Siepmann zu Flucht ins Ungewisse - Ausstellung im Hamburger Rathaus: Hallo, gern hätte ich die Ausstellung heute ange...
Claus Friede zu „The Irishman”. Martin Scorsese und die Demaskierung des Gangsterfilms : Danke für Ihren Kommentar, Herr Zurch.
We...

Bernd Zurch zu „The Irishman”. Martin Scorsese und die Demaskierung des Gangsterfilms : Vielen Dank. Warum gibt es keine Sternchen mehr? ...

Lange Nacht der Museen Hamburg

Hamburger Architektur Sommer 2019


Theater - Tanz

Alvin Ailey: artistisch, atemberaubend, akrobatisch

Drucken
(64 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Mittwoch, den 24. August 2011 um 17:11 Uhr
Alvin Ailey: artistisch, atemberaubend, akrobatisch 4.5 out of 5 based on 64 votes.
Alvin Ailey American Dance Theater - Yannick Lebrun - Andrew Eccles

Es war ein Gejohle und Gepfeife wie bei einem Rock-Konzert. Selten hat man das Publikum der Hamburger Staatsoper derart aus dem Häuschen erlebt, wie bei dem Gastspiel-Auftakt des Alvin Ailey American Dance Theaters (AAADT).
Wann sieht man auch schon mal derart mitreißenden Tanz?! Die New Yorker Compagnie ist einfach großartig. Technische Perfektion paart sich hier mit purer Lebensfreude. Für Alvin Ailey (1931-1989) war Tanz das reine (Über)Lebens-Elixier und genau das bringen seine stupenden Tänzer noch in der kleinsten Bewegung zum Ausdruck. Vielleicht haben die Zuschauer auch deswegen so enthusiastisch reagiert: Hamburgs Ballett ist geprägt von John Neumeiers elegischen Choreographien und seinen elfengleichen Ballerinen. Das AAADT ist der glatte Gegenentwurf. Die fröhliche Power der afroamerikanischen Tänzer erfrischt ungemein. Sie dringt ungebremst über die Bühnenrampe und öffnet auch noch im obersten Rang die Herzen der Zuschauer. Wie schade, dass die offiziellen Kulturbotschafter der USA so selten nach Europa kommen.

Am Anfang des denkwürdigen Abends fasziniert Judith Jamisons Stück „Love Stories“, ein temporeicher, frecher Mix aus Modern Dance, Streetdance und Hip-Hop -Elementen, den die langjährige Leiterin des Dance Theaters 2004 zusammen mit Robert Battle und Lorenzo Harris kreierte. Zur Musik von Stevie Wonder bewegen sich die Tänzer unerhört lässig über die Bühne. Wie nebenbei und scheinbar mühelos vollziehen sie die tollsten Sprünge und Drehungen.
Mit den anschließenden beiden Stücken stellt sich Robert Battle als würdiger Nachfolger von Jamison unter Beweis. Sein Solo „Takademe“ (getanzt von Kanji Segawa) erscheint als furiose Breakdance-Paraphrase des indischen Kathak-Tanzes, angetrieben von den schnellen Beats jazziger Scat-Vocals. In seinem zweiten Stück „The Hunt“ beschwört Battle die Wurzeln der Afroamerikaner: Zu den einpeitschenden Trommelklängen von Les Tambours du Bronx vereinen sich Jagd-Rituale, Kampfsport-Elemente und afrikanische Stammes-Tänze zu einer beeindruckend energiegeladen und archaisch anmutenden Choreographie. Am Ende scheinen sich die sechs Krieger regelrecht in Trance zu tanzen.
Auch „Relevations“, Alvin Aileys legendäre Choreographie von 1960, ein Muss bei jeder Tournee, taucht tief in die Geschichte der Schwarzen ein. Inspiriert wurden diese „Offenbarungen“ von Aileys Kindheitserfahrungen in den Südstaaten. Der Ausnahme-Tänzer und Gründer des American Dance Theaters wurde in Texas geboren und erlebte Rassismus, Ausgrenzung und Unterdrückung am eigenen Leib. Sein Meisterwerk, eine Folge von insgesamt elf Episoden, spiegelt seine Erfahrungen und Erlebnisse. Im Grunde ist „Relevations“ ein einziger Gottesdienst – getragen von den Spirituals und Gospelsongs, die noch heute sonntags in den kleinen Kirchen schwarzer Südstaatengemeinden erklingen.
Angefangen bei „I Wanna Be Ready“, dem von Antonio Douthit atemberaubend ausdrucksstark getanztem Solo über Werden und Vergehen des Menschen, über das von Linda und Glenn Sims hinreißend interpretierte Pas de Deux zu „Fix Me, Jesus“, mündet dieser bewegende Bilderbogen in einem ausgelassenen, etwas folkloristischem Tanzfest, das mit einem Augenzwinkern die Grenzen der Karikatur streift. „Rocka My Soul“ – diese Truppe schafft es tatsächlich.

Bis Sonntag, den 28.8., gastiert das AAADT noch in der Hamburgischen Staatsoper (Karten ab 24 Euro unter (01805) 6636 61 oder www.funke-ticket.de).
Abb.: Yannick Lebrun, "Takademe", Choreographie: Robert Battle; Foto: Andrew Eccles

Kommentar verfassen
(Ich bin damit einverstanden, dass mein Beitrag veröffentlicht wird. Mein Name und Text werden mit Datum/Uhrzeit für jeden lesbar. Mehr Infos: Datenschutz)

Ihr Name (erscheint mit ihrem Kommentar) *
Ihre Email (Nur für unseren Bestätigungslink)
Code (Hier eintragen)   
Meinen Kommentar abschicken
 
Home > Blog > Theater & Tanz > Alvin Ailey: artistisch, atemberaubend, akrob...

Mehr auf KulturPort.De

Impressionismus – Meisterwerke aus der Sammlung Ordrupgaard
 Impressionismus – Meisterwerke aus der Sammlung Ordrupgaard



Zum zweiten Mal zeigt die Hamburger Kunsthalle Meisterwerke aus dem dänischen Museum Ordrupgaard. Erst im Frühjahr war „Im Licht des Nordens“ zu Gast. Nun  [ ... ]



Kunstbetriebe3 – Skulptur verändert.
 Kunstbetriebe3 – Skulptur verändert.



11 Künstlerinnen und Künstler – 11 Betriebe: Künstler und Betriebe der Region Lübeck zusammenzubringen, ist das Vorhaben der „KunstBetriebe“, das in di [ ... ]



„Das unverlierbare Leben“ von Marion Tauschwitz – Unvergessliche Erinnerungen an Hilde Domin
 „Das unverlierbare Leben“ von Marion Tauschwitz – Unvergessliche Erinnerungen an Hilde Domin



„Hilde Domins Dichtung ist Spiegelbild ihres Lebens. Werk und Leben sind eng miteinander verknüpft. Das eine ohne das andere nicht denkbar“, schreibt Marion [ ... ]



Les Passions de l'Ame: Variety – The Art of Variation
 Les Passions de l'Ame: Variety – The Art of Variation



Johann Heinrich Schmelzer (1623-1680), Heinrich Ignaz Franz Biber (1644-1704) und Johann Joseph Fux (um 1660-1741) gehören nicht zu den österreichischen Kompon [ ... ]



„Der Leuchtturm” – Robert Eggers und die Metaphorik des Wahnsinns
 „Der Leuchtturm” – Robert Eggers und die Metaphorik des Wahnsinns



Der US-amerikanische Regisseur Robert Eggers inszeniert seinen Film „Der Leuchtturm” ästhetisch virtuos als expressionistische finstere Horror-Mär zwischen [ ... ]



Add art – zum 7. Mal Einblicke in die vielfältige unternehmerische Beschäftigung mit Kunst
 Add art – zum 7. Mal Einblicke in die vielfältige unternehmerische Beschäftigung mit Kunst



Hamburgs Unternehmen können sich der Öffentlichkeit als Kunstförderer vorstellen, die Öffentlichkeit hat die einmalige Chance, Sammlungen kennenzulernen, zu  [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.