Neue Kommentare

Ada Rompf zu „The Rider”. Die zärtlich-raue Poesie der Chloé Zhao : Besser kann man meinen Lieblingsfilm dieses Früh...
yolo 456 zu Die Juden vom Altrhein: man sollte einen artikel erst einmal lesen bevor ...
yolo123 zu Die Juden vom Altrhein: Das jüdische Leben in Deutschland ist vorbei und...
Achenar Myst zu Nils Landgren with Janis Siegel: some other time: Die CD ist ein absoluter Genuss, tolle Auswahl de...
Achim zu Golnar & Mahan – Derakht: Musik, die glücklich macht - Danke !!!...

Lange Nacht der Museen Hamburg

Hamburger Architektur Sommer 2015


Theater - Tanz

Alvin Ailey: artistisch, atemberaubend, akrobatisch

Drucken
(64 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Mittwoch, den 24. August 2011 um 18:11 Uhr
Alvin Ailey: artistisch, atemberaubend, akrobatisch 4.5 out of 5 based on 64 votes.
Alvin Ailey American Dance Theater - Yannick Lebrun - Andrew Eccles

Es war ein Gejohle und Gepfeife wie bei einem Rock-Konzert. Selten hat man das Publikum der Hamburger Staatsoper derart aus dem Häuschen erlebt, wie bei dem Gastspiel-Auftakt des Alvin Ailey American Dance Theaters (AAADT).
Wann sieht man auch schon mal derart mitreißenden Tanz?! Die New Yorker Compagnie ist einfach großartig. Technische Perfektion paart sich hier mit purer Lebensfreude. Für Alvin Ailey (1931-1989) war Tanz das reine (Über)Lebens-Elixier und genau das bringen seine stupenden Tänzer noch in der kleinsten Bewegung zum Ausdruck. Vielleicht haben die Zuschauer auch deswegen so enthusiastisch reagiert: Hamburgs Ballett ist geprägt von John Neumeiers elegischen Choreographien und seinen elfengleichen Ballerinen. Das AAADT ist der glatte Gegenentwurf. Die fröhliche Power der afroamerikanischen Tänzer erfrischt ungemein. Sie dringt ungebremst über die Bühnenrampe und öffnet auch noch im obersten Rang die Herzen der Zuschauer. Wie schade, dass die offiziellen Kulturbotschafter der USA so selten nach Europa kommen.

Am Anfang des denkwürdigen Abends fasziniert Judith Jamisons Stück „Love Stories“, ein temporeicher, frecher Mix aus Modern Dance, Streetdance und Hip-Hop -Elementen, den die langjährige Leiterin des Dance Theaters 2004 zusammen mit Robert Battle und Lorenzo Harris kreierte. Zur Musik von Stevie Wonder bewegen sich die Tänzer unerhört lässig über die Bühne. Wie nebenbei und scheinbar mühelos vollziehen sie die tollsten Sprünge und Drehungen.
Mit den anschließenden beiden Stücken stellt sich Robert Battle als würdiger Nachfolger von Jamison unter Beweis. Sein Solo „Takademe“ (getanzt von Kanji Segawa) erscheint als furiose Breakdance-Paraphrase des indischen Kathak-Tanzes, angetrieben von den schnellen Beats jazziger Scat-Vocals. In seinem zweiten Stück „The Hunt“ beschwört Battle die Wurzeln der Afroamerikaner: Zu den einpeitschenden Trommelklängen von Les Tambours du Bronx vereinen sich Jagd-Rituale, Kampfsport-Elemente und afrikanische Stammes-Tänze zu einer beeindruckend energiegeladen und archaisch anmutenden Choreographie. Am Ende scheinen sich die sechs Krieger regelrecht in Trance zu tanzen.
Auch „Relevations“, Alvin Aileys legendäre Choreographie von 1960, ein Muss bei jeder Tournee, taucht tief in die Geschichte der Schwarzen ein. Inspiriert wurden diese „Offenbarungen“ von Aileys Kindheitserfahrungen in den Südstaaten. Der Ausnahme-Tänzer und Gründer des American Dance Theaters wurde in Texas geboren und erlebte Rassismus, Ausgrenzung und Unterdrückung am eigenen Leib. Sein Meisterwerk, eine Folge von insgesamt elf Episoden, spiegelt seine Erfahrungen und Erlebnisse. Im Grunde ist „Relevations“ ein einziger Gottesdienst – getragen von den Spirituals und Gospelsongs, die noch heute sonntags in den kleinen Kirchen schwarzer Südstaatengemeinden erklingen.
Angefangen bei „I Wanna Be Ready“, dem von Antonio Douthit atemberaubend ausdrucksstark getanztem Solo über Werden und Vergehen des Menschen, über das von Linda und Glenn Sims hinreißend interpretierte Pas de Deux zu „Fix Me, Jesus“, mündet dieser bewegende Bilderbogen in einem ausgelassenen, etwas folkloristischem Tanzfest, das mit einem Augenzwinkern die Grenzen der Karikatur streift. „Rocka My Soul“ – diese Truppe schafft es tatsächlich.

Bis Sonntag, den 28.8., gastiert das AAADT noch in der Hamburgischen Staatsoper (Karten ab 24 Euro unter (01805) 6636 61 oder www.funke-ticket.de).
Abb.: Yannick Lebrun, "Takademe", Choreographie: Robert Battle; Foto: Andrew Eccles

Kommentar verfassen
(Ich bin damit einverstanden, dass mein Beitrag veröffentlicht wird. Mein Name und Text werden mit Datum/Uhrzeit für jeden lesbar. Mehr Infos: Datenschutz)

Ihr Name (erscheint mit ihrem Kommentar) *
Ihre Email (Nur für unseren Bestätigungslink)
Code (Hier eintragen)   
Meinen Kommentar abschicken
 
Home > Blog > Theater & Tanz > Alvin Ailey: artistisch, atemberaubend, akrob...

Mehr auf KulturPort.De

Ilse Helbich: Kluge Chronistin des Alters – „Im Gehen“ gefundene Gedichte
 Ilse Helbich: Kluge Chronistin des Alters – „Im Gehen“ gefundene Gedichte



Auch heute noch geschehen beglückende Wunder: Mit 80 Jahren veröffentlichte die 1923 in Wien geborene Ilse Helbich ihren ersten Roman unter dem Titel „Schwal [ ... ]



Thierry van Werveke: Schauspieler, Rockstar, Troublemaker, Thierry National
 Thierry van Werveke: Schauspieler, Rockstar, Troublemaker, Thierry National



Thierry! – allein sein Vorname löst in Luxemburg schon entzücken aus und wird mit der Addition von „National“ zum Kult. In Deutschland und Österreich fr [ ... ]



„Foxtrot”. Samuel Moaz und das Konzept des Zufalls
 „Foxtrot”. Samuel Moaz und das Konzept des Zufalls



Samuel Moaz kreiert mit dem Antikriegsdrama „Foxtrot” einen atemberaubenden ästhetischen Kosmos: zornig, visuell kühn, emotional hochexplosiv, oft grausam, [ ... ]



Alexandre de La Patellière und Matthieu Delaporte: „Der Vorname“
 Alexandre de La Patellière und Matthieu Delaporte: „Der Vorname“



Das Stück brillant, die Schauspieler große Klasse, die Inszenierung rundum gelungen und der kleine Saal der Komödie Winterhuder Fährhaus restlos ausverkauft. [ ... ]



Vergessen und wiederentdeckt: „Ludwig Meidner – Im Nacken das Sternemeer“
 Vergessen und wiederentdeckt: „Ludwig Meidner – Im Nacken das Sternemeer“



Der Titel der Ausstellung „Im Nacken das Sternemeer“ verweist auf das Buch mit Texten von Ludwig Meidner, das 1918 in Leipzig erschien. Meidner (1884-1966),  [ ... ]



Trio Elf & Marco Lobo – und die „Música Popular Brasileira“
 Trio Elf & Marco Lobo – und die „Música Popular Brasileira“



Die brasilianische Liedkunst – die dort den Status von Popmusik hat – nennt sich pragmatisch „Música Popular Brasileira“. Den Musikern des Trio Elf, Wal [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.