Neue Kommentare

Achenar Myst zu Nils Landgren with Janis Siegel: some other time: Die CD ist ein absoluter Genuss, tolle Auswahl de...
Achim zu Golnar & Mahan – Derakht: Musik, die glücklich macht - Danke !!!...
Frederik Meester zu Weltmusikalisches Crossover – fließende Gefühle. Etta Scollo zum 60. Geburtstag: tanti auguri, etta scollo!!!...
ede und andrea zu Weltmusikalisches Crossover – fließende Gefühle. Etta Scollo zum 60. Geburtstag: Auguri di buon compleanno, liebste Etta! lass es ...
Marion Hinz zu Dorothy Parker: „Denn mein Herz ist frisch gebrochen“ – Zwischen Sehnsucht und Satire: Lieber Herr Blumenbach, Ihr Kommentar freut mich ...

Lange Nacht der Museen Hamburg

Hamburger Architektur Sommer 2015


Theater - Tanz

Der Hamburger Jedermann: Nur meine Seele und kein Geld!

Drucken
(824 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Freitag, den 22. Mai 2009 um 11:01 Uhr
Der Hamburger Jedermann: Nur meine Seele und kein Geld! 4.7 out of 5 based on 824 votes.
Der Hamburger Jedermann: Nur meine Seele und kein Geld!

Nur meine Seele und kein Geld!

Wenn man davon ausgeht, dass Michael Batz’ Jedermann weniger dem anonymen englischen Moralitätenspiel und auch nur teilweise Hugo von Hofmannsthal verpflichtet ist, so könnte sich der Hamburger Künstler und Theatermacher an dem Spyeghel der salicheyt van Elckerlijc inspiriert haben.


Das Thema dieses frühen allegorischen Stücks, das Petrus Dorlandus zugeschrieben wird und bereits 1485 in Antwerpen zur Uraufführung gelangte, kreist um die begüterten Handelsstädte in Flandern und um den reichen Kaufmann Jedermann, der nur der materiellen Welt zugewandt ist. Der Hamburger Jedermann verlegt das Sujet in unsere heutige globalisierte Welt und in die norddeutsche Hansestadt, die als Platzhalter für den westlichen Neoliberalismus fungiert. In dieser gottlosen Zeit wirkt der das Stück eröffnende Teufel wie ein Anachronismus: „Ich tanze Seil, und am anderen Ende hat jemand losgelassen“. Die Zeitwidrigkeit spiegelt sich in der Grundfrage des Dramas wider, nämlich in der Frage nach der Beschaffenheit der menschlichen Seele, die das Bühnenwerk mit Begriffen der Menschlichkeit, Kunst und Kultur in Verbindung bringt. Die faustische Forderung des Teufels: „Der ganze Plunder in der Speicherstadt kostet eine Seele“, retourniert Jedermann mit der Gretchenfrage: „Nur meine Seele und kein Geld?“.

Das vermeintlich gute Geschäft entlarvt die Mentalität des Kaufmanns, der als Stellvertreter für die Hamburger Pfeffersäcke steht, die nur stehlen, gut verdienen und gut verkaufen wollen. In solchen Zeiten, in denen das alchimistisch anmutende Hauptanliegen der porträtierten Gesellschaft darin besteht, „aus Scheiße Geld zu machen“, verwundert der widersinnige Rat der freilich nur kurz in Erscheinung tretenden Intendantenfigur nicht: „Dann lass die Kunst doch in die Grütze fahren“. Jedermann kehrt die Resignation des Kulturvermittlers schließlich in die geldwirtschaftlich positiv formulierte Wendung: „Ökonomie ist das Wichtigste im Leben. An ihr bleiben Gut und Böse kleben!“. Die Zeitkritik des Hamburger Jedermann richtet sich gegen die Wertlosigkeit, kulturelle Einöde und moralische Unmenschlichkeit, die den Hamburger Kaufmann zu dem gemacht haben, als was er sich im Angesicht von Tod und Teufel fühlt. Zweckorientierung, Kultur als Spektakel und das Ausradieren kultureller und medialer Vielfalt haben nicht nur den Jedermann sozialisiert, sondern drohen auch seine Umwelt und das Stadtbild entscheidend bzw. ausschließlich zu prägen. In dieser Welt sitzen die Controller immer mit am Tisch, entscheiden nur noch betriebswirtschaftliche Kriterien darüber, ob und in welcher Weise kulturelle und mediale Ausdrucksformen aussterben oder überleben.



 
Home > Blog > Theater & Tanz > Der Hamburger Jedermann: Nur meine Seele und ...

Mehr auf KulturPort.De

„Wenn man Mozart kann, dann kann man alles andere auch.“
 „Wenn man Mozart kann, dann kann man alles andere auch.“



Die sich zum Ende neigende Spielzeit in der Staatsoper Hamburg könnte man leicht unter folgendes Motto stellen: Ehemalige Mitglieder des Hamburger Opernstudios, [ ... ]



Triennale der Photographie: „WILL – The Livesaving Machines“ von Reiner Riedler in der Galerie Hengevoss-Dürkop
 Triennale der Photographie: „WILL – The Livesaving Machines“ von Reiner Riedler in der Galerie Hengevoss-Dürkop



Hochästhetisch, artifiziell, und immer etwas irritierend. Die Serie „Will – The Livesaving Machines“ des Wiener Fotografen Reiner Riedler in der Galerie H [ ... ]



Eurasians Unity. Das Debüt-Album
 Eurasians Unity. Das Debüt-Album



5 Sprachen, 7 Länder, 8 Musiker und Musikerinnen

Sie kommen aus Deutschland, der Ukraine, Bulgarien, Aserbaidschan, Usbekistan, Polen und aus dem Iran und be [ ... ]



„Hereditary – Das Vermächtnis”. Horror als Gesamtkunstwerk
 „Hereditary – Das Vermächtnis”. Horror als Gesamtkunstwerk



Während Krisenzeiten lechzt das Kino-Publikum nach Schauder und Schrecken besonderer Art, der US-amerikanische Regisseur Ari Aster ist ein Meister darin.
Sein [ ... ]



Manfred Otto: Stein auf Stein dem Himmel entgegen.
 Manfred Otto: Stein auf Stein dem Himmel entgegen.



Ein DDR-Arbeiter gibt zu Protokoll: Mit Presslufthammer und Maurerkelle
Manfred Otto: Stein auf Stein dem Himmel entgegen. Aus dem Arbeitsleben eines Schornstei [ ... ]



„Together // Zusammen“ – Internationales Flair. Ausstellung im K 70
 „Together // Zusammen“ – Internationales Flair. Ausstellung im K 70



Was verbindet die Künstlerin Janine Gerber aus dem schleswig-holsteinischen Barnitz mit der Künstlerin Merav Shinn Ben-Alon aus der Weltstadt Tel Aviv? Abgeseh [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.