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Theater - Tanz

Hamburger Comedy Pokal

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Dienstag, den 29. Januar 2019 um 21:36 Uhr
Hamburger Comedy Pokal 3.2 out of 5 based on 48 votes.
Hamburger Comedy Pokal

Die Menschen zum Lachen zu bringen ist harte Arbeit. Noch schwieriger, als sie zu Tränen zu rühren. Nicht ohne Grund ist das Lachen im Deutschen ein Ort, wo man die Leute hinbringt und keine Gefühlsregung, wie der syrische Comedian Kinan Al aus Berlin beim Wettkampf um den 17. Hamburger Comedy Pokal im ausverkauften Schmidt’s TIVOLI trocken bemerkte.
Mit seinem lakonischen Humor gewann das Schwergewicht unter den sieben Finalisten im Handumdrehen die Herzen der Zuschauer, was ihm neben dem 2. Platz auch gleich noch den Publikumspreis sicherte.

Es ist wohl kein Wunder, dass ausgerechnet zwei Stand up Comedians mit arabischen Wurzeln die ersten beiden Plätze belegten. Ihre Themen sind einfach am Puls der Zeit, ihre Komik aus dem Clash der Kulturen und schmerzvoller Erfahrung als Außenseiter geboren. Amjad aus dem Münsterland, der lieber gleich auf seinen Nachnamen verzichtete, weil ihn sowieso kein Deutscher aussprechen kann, (geschweige ihn sich merken), setzte mit seinen subversiven Scherzen über Integrationsprobleme, Sprachverwirrung (Frühs(c)hoppen am Sonntag), Kindes-Ehen, Terror-Ängste und Szene-Slang die Messlatte gleich am Anfang so hoch, dass ihm keiner der sechs Nachfolge-Kandidaten den 1. Platz mehr streitig machen konnte. Dabei war der Deutsch-Palästinenser, der für einen erkrankten Kollegen nachrückte, erst so kurzfristig nominiert worden, dass er noch nicht mal im Programmheft verzeichnet war. Seinen Namen allerdings sollte man sich merken, denn das durch die Bank links-liberale Comedy-Publikum staunte nicht schlecht, wie gekonnt Amjad es aufs Glatteis führte. Dazu reichten schon ein paar harmlose Interaktionen. „Hummel hummel“, rief er ins Parkett und bekam promt ein „mors mors“ zur Antwort. „Auf die Plätze fertig…“ – „LOS“ brüllte der Saal. „Ausländer...“ „RAUS!“ Ups! Betretene Blicke. Das war wohl nix! Amjad grinste nur. So leicht lassen sich Massen manipulieren. Netterweise ließ er sein Publikum nicht beschämt zurück, sondern begeisterte zum Schluss noch mit einer tollen Donald-Trump, äh, Duck-Parodie.
PreistraegerComedy, schreibt Michel Abdollahi, der Schirmherr des diesjährigen Festivals im Programmheft, sei heute „mehr als nur lustig“. Immer mehr Menschen würden Comedy als Informationsquelle nutzen, um sich ihre Meinung zu bilden. Daraus würde eine neue Verantwortung, aber auch eine neue Macht als Meinungsmacher erwachsen. Stimmt! Umso erstaunlicher, dass im Finale kaum Meinungsmacher vertreten waren.
Tobias Gnacke aus Meißenheim im Schwarzwald begeisterte zwar als hinreißend komischer Parodist von Reinhard Mey, Peter Maffay, Grönemeyer, Udo Lindenberg und Helene Fischer (denen er allen das Volkslied „Der Jäger aus Kurpfalz“ in den Mund legt), doch als Stand up Comedian kann er nicht überzeugen. Tim Whelan, der sympathische Engländer aus Berlin, hätte eigentlich jede Menge aktuellen politischen Stoff gehabt, stattdessen geht er zu Boden für sein deutsches Lieblingswort „Gemüse“.
Thomas Kornmaier und David Weber blieben mit ihren Darbietungen zum Thema Kindererziehung und Wäschewaschen vollends im privaten Bereich. Man wundert sich, dass „Männer und Kinder“ die jungen Comedians von heute noch so beschäftigen. Auch Florina Hacke aus Kiel erzählte lieb und nett von seinem Leid als Vater in Elternzeit, doch mit einer immerhin gesellschaftspolitisch so wichtigen Botschaft, dass ihm die Jury unter Vorsitz der Musikerin und Schauspielerin Andrea Bongers den 3. Preis zuerkannte: „Wenn wir unsere Söhne richtig erziehen, brauchen wir unsere Töchter nicht mehr zu warnen.“ Wohl wahr!
Der einzige deutsche Comedian mit richtigem politischem Biss war an diesem Abend aber gar nicht im Rennen: Der Moderator Sebastian Schnoy. Für den studierten Historiker, der nonchalant darauf hinwies, was für minderwertige Bomben muslimische Terroristen bauen (im Gegensatz zu den deutschen Qualitäts-Bomben), ist „das Ende der Wohlfühlzone“ ohnehin längst erreicht. In den zehn Kulturzentren, die den Hamburger Comedy Pokal tragen, so schreibt er im Vorwort, sei man „bisher auf ein weltoffenes, tolerantes Publikum getroffen. Mittlerweile jedoch nehmen auch beim Comedy Pokal immer mehr Zuschauer Platz, die rechts denken und wählen“. Da hat er sicher Recht! Aber wo bleiben all die Comedians, die dagegen Stellung beziehen? Im Finale des 17. Hamburger Comedy Pokals hat es nur Amjad gewagt, heiße Eisen anzufassen. Höchste Zeit, dass der deutsche Comedy-Nachwuchs wieder politischer wird!

Tivoli 17. Hamburger Comedy Pokal

Weitere Informationen

Abbildungsnachweis: Alle Fotos: Jay Evers
Teilnehmer und drei Preisträger
1. Platz: Amjad
2. Platz: Kinan Al
3. Platz: Florian Hacke

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