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Hamburger Architektur Sommer 2015


Theater - Tanz

The Nutcracker Reloaded – Tchaikovsky meets Streetdance

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Donnerstag, den 11. Januar 2018 um 15:58 Uhr
The Nutcracker Reloaded – Tchaikovsky meets Streetdance 3.4 out of 5 based on 110 votes.
The Nutcracker Reloaded – Tchaikovsky meets Streetdance

Drosselmeier als blutsaugender Organhändler, Clara auf der Müllkippe, statt Hoftheater und Spitzenschuhe Breakdance, Darth Vader und Super Mario.Vergessen Sie alles, was Sie über Tschaikowskys Märchenballett „Der Nussknacker“ zu wissen glaubten. „The Nutcracker Reloaded“ von Frederik Rydman ist ein inhaltlich düsteres, tänzerisch, musikalisch und Bühnenbild-technisch sensationell gemachtes Streetdance-Spektakel mit hinreißenden Tänzern. Noch ist das Jahr jung, doch diese Interpretation aus Schweden gehört garantiert zu den Tanzhighlights 2018.

Das Nussknacker-Verständnis der Hamburger ist geprägt von John Neumeier. 1971 brachte er eine für damalige Zeiten hochmoderne Choreografie zu Peter Tschaikowskis Musik auf die Bühne, das die Ballett-Fans bis heute bezaubert: Eine romantische Coming of Age-Geschichte, in der die 12jährige Marie (im Traum) in die faszinierende Welt des Tanzes und des Theaters eingeführt wird und das nur noch entfernt mit E.T.A. Hoffmanns Erzählung „Nussknacker und Mausekönig“ zu tun hat. Wie unerhört modern schien es damals doch – und wie rührend antiquiert mutet heute diese Version im Vergleich mit der wahnwitzigen Fassung des Choreografen Frederik Rydman an. Keine Frage, man soll nicht Äpfel und Birnen vergleichen. Doch Rydman zeigt hier eindrucksvoll, das Breakdance nicht nur irgendeine subkulturelle Jugendbewegung ist, sondern die Tanzsprache unserer Zeit. Und er zeigt, was heute auf der Bühne alles möglich ist - ein Fundus, der bislang bei weitem nicht von allen Choreografen ausgereizt wird. Damit sind nicht nur die brillanten Licht- und Show-Effekte mit elektronischen Mitteln gemeint. Rydman schöpft aus dem kompletten Repertoire der Theatermagie. Genauso, wie er Tschaikowskis wunderbare Musik mit Techno-Sound und Karaoke-Songs collagiert, mixt er Videodesign und Comic-Figuren, Ritter, Ratten und Video-Game-Stars. Die schönsten Effekte zaubert er jedoch mit den guten alten Tricks des Schwarzen Theaters. Wenn der Nussknacker beispielsweise zu leben beginnt und auf seinen hölzernen Bein-Latten die tollsten Sprünge vollführt, steht eine fast unsichtbare Person hinter ihm und führt die Beine.

 Das ist so vergnüglich und überraschend, das man unwillkürlich an William Kentridge denken muss. Ja, der 43-jährige Rydman könnte sein Sohn im Geiste sein, auch er hat diese Poesie und das diebische Vergnügen, erwachsene Zuschauer wie Kinder staunen zu lassen. Dabei ist der schwedische Choreograf von Haus aus kein bildender Künstler, sondern Breakdancer und Mitbegründer der überaus erfolgreichen schwedischen Streetdance Company „Bounce“. 2011 machte er bereits mit einer abgedrehten „Schwanensee“-Version Furore, das im Rotlicht-Milieu spielte. Sein zweites Tschaikowski-Ballett hat genauso wenig mit dem ursprünglichen Plot zu tun. Hier braucht eine reiche Frau, die am „Nussknacker-Syndrom“ leidet ein neues Herz – und das kann ihr nur Clara geben (immerhin ist der Name der Protagonistin „original“, bei Hoffmann heißt das Mädchen Clara, bei Neumeier wird es zu Marie). Clara ist kein behütetes Bürgerkind, sondern ein Mädchen, das auf der Müllkippe lebt. Und der lädierte Nussknacker, den Drosselmeier ihr schenkt, nur ein Lockmittel, um sie in seine Gewalt zu bekommen.

Damit auch jeder die Geschichte versteht, hat Rydman einen Erzähler erfunden, der das Geschehen immer wieder unterhaltsam kommentiert. Wenn man überhaupt an dieser Inszenierung mäkeln will, dann an diesem Erzähler. Er ist zu bemüht witzig und die Redepausen zwischen den Acts sind teilweise zu lang. Dafür war das Stück viel zu kurz. Diesen fantastischen Tänzern und Breakdance-Akrobaten hätte man noch stundenlang zusehen können. Ach, was für ein toller Abend war das doch!

The Nutcracker Reloaded – Tchaikovsky meets Streetdance

Zu erleben auf Kampnagel – K6, Jarrestraße 20, in 22303 Hamburg
Dauer: ca. 105 Min. ohne Pause
Tickets: 37,90 bis 67,90 Euro
Karten gibt es telefonisch oder vor Ort an der Kampnagel Kasse (Tel.: 040-2709 4949) oder online.

Do, 11.01.2018 19:30
Fr, 12.01.2018 19:30
Sa, 13.01.2018 15:00
Sa, 13.01.2018 19:30
So, 14.01.2018 14:30
Weitere Informationen

YouTube-Video:
The Nutcracker Reloaded- Trailer


Abbildungsnachweis: The Nutcracker Reloaded
Header: Foto: Daniel Ohlsson
Galerie:
01 und 02. Fotos: Daniel Ohlsson
03.
Kai Heimberg
04. und 05. Fotos: Daniel Ohlsson
06. und 08. Fotos Kai Heimberg

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