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Theater - Tanz

Dschungelbuch für Kinder – ganz eng am Original

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Dienstag, den 21. November 2017 um 09:34 Uhr
Dschungelbuch für Kinder – ganz eng am Original 3.7 out of 5 based on 86 votes.
Dschungelbuch für Kinder – ganz eng am Original - Allee Theater Foto Joachim Fluegel

Das Hamburger Theater für Kinder im Allee Theater, das in dieser Spielzeit seinen 50. Geburtstag feiert, bezaubert mit einer fantastischen Version des „Dschungelbuchs“ nach den Geschichten Rudyard Kiplings. Ein Bühnenbild wie aus dem Urwald geschnitten, Traum-Kostüme und -Masken und eine neue Musik, die dem Ganzen emotionale Kraft gibt. Auch die ganz schön turbulente Handlung ist neu justiert: kein Disney, dafür mehr Kipling. Das junge Publikum ist begeistert.

Das ist eine gewaltige Aufgabe: ein neues Musical zu schaffen nach der Vorlage von Rudyard Kiplings 123 Jahre alten Erzählungen, die erstmals 1894 unter dem Titel „The Jungle Book“ erschienen sind. Denn „Das Dschungelbuch“ mit seinen Protagonisten Mowgli, Bagheera, Baloo, Shere Khan, Kaa oder Raksha kennt wirklich jedes Kind. Zumeist wohl über über den 1967 entstandenen abendfüllenden Zeichentrickfilm – der letzte, beim dem Disney-Gründer Walt Disney noch selbst mitgewirkt hat. Die prägnanten Charaktere und die ohrwurmverdächtigen Songs – kann man neben die Jahrzehnte dauernde globale Medienpräsenz des Disney-Films überhaupt noch mal eine neue Fassung der Urwaldgeschichte setzen? Und wenn ja: wie?
Die englisch-originale Schreibweise der Rollennamen zeigt, wo die Reise in Theater für Kinder hingeht: zurück zu Kipling und seinem Original. „Wenn wir mit dem ‚Dschungelbuch’ eine Chance haben wollen, müssen wir alles ganz anders machen als der bekannte Film“, sagen unisono Neu-Intendant Marius Adam und Regisseur Andreas Franz. Das bedeutet, Figuren neu zu bewerten, Handlungsteile anders zu sehen, mit neuer Musik neue Gefühle entstehen zu lassen. Und vor allem: die Fantasie der jungen Zuschauer im auch in der zweiten Vorstellung so gut wie ausverkauften Theater auf neue Wege mitzunehmen.

Die wilde Affenbande entführt Mowgli
Wie in Kiplings Text ist Baloo, der Bär, nicht nur gemütlich, sondern auch strenger Lehrer der Gesetze des Dschungels, ohne deren Kenntnis auch Mowgli (englisch ausgesprochen: Maugli) nicht überleben könnte in der Wildnis. Die Affen sind eine wilde Bande von Anarchos, die Mowgli entführen, um durch ihn an das Geheimnis des Feuers zu kommen. Kaa mit den hypnotischen Augen hilft Mowgli gegen die Affen und kommt so zu einer auskömmlichen Mahlzeit. Und am Ende lockt keine süßliche Mädchenstimme Mowgli ins Menschendorf, sondern Einsicht und Lebenserfahrung treiben ihn dorthin.
Ausfallen muss im Theater für Kinder leider die Dschungelpatrouille der Elefanten – aber das leuchtet jedem ein: Würde doch schon ein einziges Elefanten-Hinterteil die kleine Bühne komplett überfüllen!
Denn auf der breitet sich ja schon ein veritables, wunderschönes und geheimnisvolles Stück Dschungel aus: grüne Riesenblätter, Tierbilder, bekletterbare Baumstämme, Früchte – eine großartige Spiellandschaft für das achtköpfige Ensemble hat Bühnenbildnerin Kathrin Kegler da wieder entworfen. Die Kostüme, in denen Sänger und Schauspieler fantastisch zu Affen werden, zu Wölfen, Bär, Tiger, Panter, Schlange (Jana Lou, die hier auch mal ihre punktgenaue Koloraturfestigkeit unter Beweis stellen darf), Geier und – allerliebst – zu Ikki, dem rosa Stachelschwein (Maren Meyer) mit seinem urkomischen Buchstaben-Vertauscher-Sprechfehler, hat Barbara Hass entworfen, die auch für die deutsche Textfassung verantwortlich zeichnet. Als Mowgli macht Doris Pigneter eine facettenreiche, gute Figur. Manche spielen gleich zwei oder drei Rollen, so das es sich beim Anschauen anfühlt, als sei da vorn im Urwald ein Ensemble in Staatstheaterstärke unterwegs.

Zur Hälfte Panter, zur Hälfte rosa Stachelschweine
Ganz anders – das gilt auch für die Musik, die Tjaard Kirsch für diese Inszenierung geschrieben hat und als Part der zweiköpfigen Musikabteilung gleich auch mitspielt. Sie liefert keine Hits, dafür ein paar Lieder für die Hauptakteure. Und hat ansonst die Aufgabe, Stimmungen und Gemütslagen, drohendes Unheil und muntere Spiele im Dschungel zu untermalen und mit Geräuschen zu versorgen.
Auch das sorgt dafür, dass es im Zuschauerraum oft mucksmäuschenstill ist. Für Action sorgen anfangs sowieso eher Eltern und Großeltern mit kunstvoll arrangierten Gruppen-Selfies („Ja, Lilly, da musst du auch mal lachen!“), bevor das die Akteure mit stürmischen und lautstarken Auftritten und Abgängen rechts und links der Zuschauer übernehmen.
Der Regisseur hält seine Schauspieler/Sänger ordentlich auf Trab, sie haben außerdem wunderbare typische und geschmeidige Bewegungen einstudiert, so echt, das die ganz Kleinen sich schon mal ein bisschen enger an ihre Eltern kuscheln. In der Pause werden dann neben der Erkundung des Erlebnisraums Theater auch die ganz wichtigen Fragen geklärt: „Wer möchtest du sein?“ Ginge es nach den Antworten, säßen auf den rotgoldenen Stühlen nach der Pause zur Hälfte Bagheeras und zur anderen Hälfte kleine rosa Ikkis.

Das Dschungelbuch
Ein Musical nach dem Buch von Rudyard Kipling
Zu sehen im Theater für Kinder im Allee Theater, Max-Brauer-Allee 76 bis zum 28. Januar 2018
Sa + So jeweils 15:00 Uhr, im Dezember zusätzlich Fr, 16:00 Uhr
Tickets 16,50 € inkl. Garderobe, unter (040) 3825 38 oder im Internet unter www.alleetheater.de


Abbildungsnachweis: Alle Fotos Dr. Joachim Flügel

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