Neue Kommentare

Patrick Dissinger zu „Foxtrot”. Samuel Moaz und das Konzept des Zufalls: Ein exzellenter, sehr kluger Film. Danke für den...
erlenmeier zu Historische Tankstellen – auf Spurensuche in Hamburg : Ich arbeite seit vielen Jahren beim Forum geschic...
Bartholomay zu Berliner Mauer 57. Jahrestag: Gedenkfeier ? Um von ihren Taten gegen die ehemal...
Herby Neubacher zu Eindringlicher Holocaust-Roman von Affinity Konar: „Mischling“ – keine leichte, aber lohnende Lektüre: Das hat uns jetzt eigentlich noch gefehlt - Erinn...
Ada Rompf zu „The Rider”. Die zärtlich-raue Poesie der Chloé Zhao : Besser kann man meinen Lieblingsfilm dieses Früh...

Lange Nacht der Museen Hamburg

Hamburger Architektur Sommer 2015


Theater - Tanz

Artisten der Ausnahmeklasse im Hansa-Theater Hamburg

Drucken
(51 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Sonntag, den 09. Oktober 2016 um 10:18 Uhr
Artisten der Ausnahmeklasse im Hansa-Theater Hamburg 3.2 out of 5 based on 51 votes.
Artisten der Ausnahmeklasse im Hansa-Theater Hamburg

Paris, Las Vegas, Monte Carlo. In der Welt des Varietés gibt es viele klingende Namen, doch nirgendwo findet sich diese prickelnde Mischung aus Plüsch, Nostalgie, Unterhaltungskunst und Weltklasse-Akrobatik wie in dem Schatzkästchen am Hamburger Steindamm.

Thomas Collien und Ulrich Waller eröffneten am Donnerstag die 9. Spielzeit im Hansa-Theater mit einer fantastischen Artisten-Riege, einer etwas peinlich herausgeputzten Marianne Rosenberg und der vergnügt lästernden Moderatorin Gerburg Jahnke, die über „dementes Bindegewebe“ und ihr lädiertes Bein lamentierte – aber bei ihrem Sturz von der Trepp –, Gott sei Dank – nicht auf den Mund gefallen war.

Jedes Jahr überraschen Waller und Collien die Galagäste mit einer besonderen Kostümierung, diesmal kamen sie in klassischem Blues-Brothers- bzw. Udo-Lindenberg-Outfit (Schwarzer Hut, schwarze Sonnenbrille, schwarze Klamotten, quietschgrüne Strümpfe), und begeisterten damit restlos das Original im Parkett. Klar, Udo darf auf keiner Hansa-Gala fehlen, eben so wenig, wie Bill Ramsey, Nadja Tiller und Albert Darboven. Sie gehören zu den Hamburger Urgesteinen, auf wen sollten sich die Fotografen denn sonst stürzen? Und ab 10. November geht es auf der Reeperbahn „Hinterm Horizont“ noch weiter. Das Lindenberg-Musical kommt nach Hamburg, Waller hat inszeniert – allemal Grund genug für den Regisseur, als Udo-Double die Werbetrommel zu rühren.

Die Künstler, die er und Collien in diesem Herbst im Hansa präsentieren, dürften eigentlich gar keine Werbung benötigen. Wenn es gerecht zuginge in dieser Welt, müssten ihnen die Werbefirmen, Fernsehanstalten und natürlich auch das Publikum die Bude einrennen. Jedenfalls hätten es Svetlana Belova, Francoise Rochais oder Duo Aliens allemal verdient, so populär zu sein, wie die Ballkünstler Ronaldo, Messi und Manuel Neuer.

Aber es geht nun mal nicht gerecht zu auf diesem Globus und so muss man den Menschen außerhalb der Artistenwelt erklären, wer zum Beispiel Svetlana Belova ist. Ganz kurz gesagt: Ein Phänomen. Die junge Ukrainerin, die sechs Jahre lang Mitglied des legendären ‚Cirque du Soleil‘ war, wurde, so scheint es, ohne Knochen geboren. Wo andere ein Rückgrat haben, hat sie ein dehnbares Gummiband. Die Biegsamkeit, Eleganz und Körperbeherrschung dieser „Kontorsionistin“, wie sie sich selbst nennt, ist atemberaubend und übertrifft alles, was man sich an menschenmöglichen Verrenkungen vorstellen kann.

Artisten der Ausnahmeklasse sind auch Viacheslav Spirin und Stanislav Kotelnikov. Der einarmige Handstand des einen auf dem Kopf des anderen erscheint im Programmheft wie eine Collage, doch die Figuren sind nicht zusammengeschnitten, ihre „Show der menschlichen Waagen“ ist völlig real und von stupender Perfektion. Hochkonzentriert und in absoluter Ruhe, ohne jeden Wackler, ohne Zittern und Zögern, schwingt sich der eine auf den Kopf des anderen, dreht, spreizt und windet sich mit einer (scheinbaren) Mühelosigkeit, die das Publikum vor lauter Staunen völlig verstummen lässt - um am Schluss in ein Gejohle auszubrechen, wie man es sonst nur auf einem Rockkonzert hört.

Ja, es ist wieder eine gelungene Mischung an Varietékünstlern zu Gast am Steindamm. Die Französin Francoise Rochais, eine Erscheinung wie aus F. Scott Fitzgeralds Roman „Der große Gatsby“, lässt Schirme, Keulen, Tennisschläger und dazugehörige Bälle durch die Luft sausen, als sei es ein Kinderspiel und wurde dafür in Las Vegas auch schon zur Weltmeisterin gekürt. Magier Jidinis verwandelt Pudel in Dalmatiner und Meisterdieb Charly Borra klaut seinen „Opfern“ aus dem Publikum selbst die Brille von der Nase, ohne dass sie es bemerken. Große Klasse sind auch Puppenspieler Phillip Huber und der französische Seiltänzer Julien Posada, sowie die ‚Clicquot Brothers‘ als krönender Abschluss, die selbst Fred Astaire und Ginger Baker neidisch machen – wenn sie denn aus dem Himmel zusehen. Die beiden jungen Farbigen aus New York City steppen, bis der Arzt kommt – und das am liebsten zur Musik der goldenen 20er-Jahre.

Ja, und dann war da noch „Stargast“ Marianne Rosenberg. In High-Heels und einem Glitzerfummel, als hätte man sie gerade von der anderen Straßenseite des Steindamms geholt. Falls diese Frau einen Stylisten oder Imageberater haben sollte, gibt es nur einen Rat – sofort feuern.


Hansa Varieté Theater, Steindamm 17, 20099 Hamburg, bis 26.2.2017,
Tickets: (040) 4711 0644,
www.hansa-theater.de


Abbildungsnachweis: Alle Fotos: Stefan Malzkorn
Header: Alle Artisten
Galerie:
01. Svetlana Belova
02. ‚Clicquot Brothers‘
03. Phillip Huber
04. Norman Berrett
05. Jidini

Kommentar verfassen
(Ich bin damit einverstanden, dass mein Beitrag veröffentlicht wird. Mein Name und Text werden mit Datum/Uhrzeit für jeden lesbar. Mehr Infos: Datenschutz)

Ihr Name (erscheint mit ihrem Kommentar) *
Ihre Email (Nur für unseren Bestätigungslink)
Code (Hier eintragen)   
Meinen Kommentar abschicken
 
Home > Blog > Theater & Tanz > Artisten der Ausnahmeklasse im Hansa-Theater ...

Mehr auf KulturPort.De

Heiße Ecke 15 Jahre
 Heiße Ecke 15 Jahre



Von solchen Zahlen kann man nicht einmal träumen. Rund 42000 Kondome, 25 000 Würstchen, 16800 Waschmaschinenladungen und 12600 Bierdosen wurden in sage und sch [ ... ]



Ludwig und Benyamin Nuss: Songs & Ballads
 Ludwig und Benyamin Nuss: Songs & Ballads



Zwei Instrumente, zwei Musiker – Vater und Sohn – ein Duo-Debüt-Album mit Liedern und Balladen. Zwei die sich verstehen und sich offensichtlich mit musikali [ ... ]



„Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm”. Dialektik für Genießer
 „Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm”. Dialektik für Genießer



In „Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm” schildert Regisseur Joachim A. Lang die Querelen um jenes nie gedrehte Leinwand-Epos, während er es zugleich [ ... ]



Lana Cenčić: Sama
 Lana Cenčić: Sama



Ein Soloalbum, dass vom ersten Song an besticht. Die Kroatin Lana Cenčić, mit Wohnsitz in New York und beeindruckender Stimme nennt ihre neue Platte „Sama“ [ ... ]



Die Liebe stirbt zuletzt. „Orpheus – eine musische Bastardtragödie“ begeistert im Hamburger Thalia Theater
 Die Liebe stirbt zuletzt. „Orpheus – eine musische Bastardtragödie“ begeistert im Hamburger Thalia Theater



Mit einem berauschend sinnlichen, wunderbar poetischen und philosophischen, dabei total abgedrehten Pop-Techno-Bühnenmärchen begeistert Theatermagier Antú Rom [ ... ]



Anton Corbijn – „The Living and the Dead“
 Anton Corbijn – „The Living and the Dead“



Wenn man diese Hängung in Noten übersetzen könnte, käme zweifellos Punk heraus. Anders ist der rhythmische, hochdynamische Wechsel von kleinen und großen Po [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.