Neue Kommentare

Hans Maschek zu 19. Lange Nacht der Museen in Hamburg. Meine Reise durch die Nacht: Wunderbar atmosphärische Beschreibung. Ich habe ...
Matthijs van de Beek zu „Stan & Ollie”. Oder die schmerzliche Seite der Komik : Das klingt wunderbar und wird ganz sicher angesch...
Dr. Frank-Peter Hansen zu Die Wittgenstein-Dekomposition: Frank-Peter Hansens Antwort auf Martin A. Hainz...
NN zu Das Chimei – ein Museum für eine einmalige Privatsammlung in Taiwan: Lasst Euch nicht blenden! Es gibt nichts Gutes, a...
Peter Schmidt zu Verleihung der Goldenen Kamera – mit Bruno Ganz und ohne Friede Springer: Und noch einmal zur Goldenen Kamera
Im Fol...

Lange Nacht der Museen Hamburg

Hamburger Architektur Sommer 2019


Musik

Stella & Ma Piroschka - jiddische Chansons

Drucken
(117 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Donnerstag, den 29. Dezember 2011 um 13:18 Uhr
Stella & Ma Piroschka - jiddische Chansons 4.4 out of 5 based on 117 votes.
Stella & Ma Piroschka - jiddische Chansons

Seit über eintausend Jahren gibt es die Sprache, die in Mittel- und Osteuropa gesprochen wurde und auch heute noch in Antwerpen, London oder New York zu hören ist.
Gut eine Millionen Menschen sprechen sie weltweit noch heute. Die Rede ist von Jiddisch. Die Sprache gibt es nicht nur gesprochen, sondern auch geschrieben. Texte wurden mit hebräischen Buchstaben verfasst, längst findet man sie jedoch auch in lateinischer Transkription. Die Lyrik bildet in der Schriftsprache einen besonders wichtigen Teil.
Das Wort „lid“ bedeutet im Jiddischen sowohl Gedicht als auch gesungenes Lied. Wer sich also – wie die Gruppe „Stella & Ma Piroschka“ – mit Lyrik musikalisch beschäftigt, stößt unweigerlich irgendwann auf die jiddische Dichterin Rajzel Zychlinski (1910-2001). Ihre poetischen Miniaturen sind voller Musikalität und Zeitlosigkeit.

Rajzel Zychlinski, in Polen geboren, wo sie als Nachfahrin einer Rabbinerfamilie aufgewachsen war, starb in Kalifornien. Sie hat in ihrem Werk zeitlebens aus der Erfahrungswelt des jiddischen Schtetl geschöpft. „Aufgebrochen aus der behüteten Enge ihrer Heimatstadt Gombin, arbeitete sie als Verwalterin eines Waisenhauses; lebte in Warschau, überstand Bombardierung und das Wüten der Nazis in der besetzten Stadt, floh in die Sowjetunion und durchlitt das Trauma, dass Mutter und Geschwister in den Gaskammern Chelmnos ermordet worden waren. Sie kehrte nach dem Krieg in ein Polen zurück, in dem die wenigen überlebenden Juden mit einem einheimischen Antisemitismus konfrontiert wurden. Über Paris wanderte sie in die USA aus, wo ihr Ehemann Arbeit fand, und wo sie ein Studium absolvieren konnte und ihren Sohn Marek großzog. Das Leben in der Vielvölkerstadt New York wird zu einem Hauptthema ihrer späteren Gedichte. Sehr bewegende und überraschende Texte entstehen auch zu Themen wie Frauen, Mitmenschen, Alter und Tod“, heißt es im Klappentext ihres Sammelbands „Di Lider 1928 – 1991“.

Stella & Ma Piroschka ist im Kern ein Trio um die Sängerin und Sprecherin Stella Jürgensen. Und Ma Piroschka ist schon seit langem eine international arbeitende Klezmer-Band mit dem Jazzmusiker und Komponisten Ralf Böcker. Er spielt Akkordeon, Klarinette und Piano und Andreas Hecht begleitet auf der Akustik- und Elektrogitarre.
Stella Jürgensen beschäftigt sich seit vielen Jahren mit jiddischer Musik, Klezmer und organisierte beispielsweise Konzerte im Jüdischen Salon in Hamburgs Grindelviertel.

„Nach langer Recherche in Deutschland und Israel“, sagt sie „sind wir in einem Hamburger Archiv auf die Texte von Rajzel Zychlinski gestoßen und wussten sofort: Die sind es! Es gibt eine ganze Reihe von Musikern, die sich mit jiddischen Texten beschäftigen, und da dieser Bereich eine gewisse Begrenztheit aufweist, waren wir glücklich, diese lyrischen Kleinodien gefunden zu haben und vertonen zu können. Rajzel Zychlinskis Werk wird von einer großen emotionalen Bandbreite und expressiven Vielfalt bestimmt. Sie stellt sich, neben alltäglichen Themen und ihrem Mikrokosmos, sehr elementaren Fragen wie: Was mache ich hier auf dieser Welt? Wohin gehöre ich? Was bleibt einmal übrig? Dieser Bandbreite und auch ihrer Biographie wollten wir bei der Vertonung Rechnung tragen und haben uns entschieden, verjazzte Chansons und poppige Balladen zu schreiben: New Yiddish Songs, wie wir es nennen.“ Herausgekommen ist ein Album, dass in eine moderne Welt entführt, ohne die Ursprünge, die Tradition und die Herkunft zu negieren. "Nakhtike Muzik" – Nächtliche Musik erzählt von Träumen, Sehnsüchten und Erinnerungen. „Der Titel der nächtlichen Musik bezieht sich nicht allein auf eines der Gedichte, sondern hat auch eine metaphorische Ebene. Nachts scheint die Zeit langsamer zu vergehen oder gar still zu stehen. Das kreiert Raum“, erklärt Stella Jürgensen.

„Mit eigenen Kompositionen, alle aus der Feder von Damian Maria Rabe, bringen wir die Lyrik Zychlinskis behutsam zum Klingen, schaffen dichte musikalische Stimmungen und zeigen, das Jiddisch eine Zukunft hat. Der jiddische Sprachrhythmus ist eigen und anders als das Deutsche, es ist eine Mischung aus dem Fremden und dem Vertrauten, dem Geheimnisvollen und Bekannten. Zychlinskis Werke sind keine gereimten-, sondern offene Texte, entsprechend ist die Musik improvisatorisch. Sie tritt aus dem Schatten traditioneller jiddischer Songs, sie hat wenig mit Klezmer gemein, mischt vielmehr Blues-Rhythmen mit Latin-Sounds, Jazz-Harmonien mit Country-Balladen und kreiert ein eigenwilliges, nie dagewesenes Lied-Genre, in dem das Individuum eine Bleibe sucht und sich in den unterschiedlichsten musikalischen Räumen einrichten oder verlieren kann. Wir haben ein Stück in englischer Sprache auf der CD und bei diesem hört man sofort den Unterschied in der Musik, der Stimmfarbe und dem Rhythmus.“
Als Gastmusiker konnten „Stella & Ma Piroschka“ für das Album renommierte Musiker der internationalen Klezmer-Szene gewinnen, wie etwa den US-amerikanischen Trompeter Paul Brody oder den Moskauer Geigenvirtuosen Mark Kovnatsky.

Live ist Stella & Ma Piroschka jedoch ein ganz besonderes Erlebnis, denn die insgesamt gut vierzig Stücke im Repertoire geben einen wesentlich erweiterten Einblick in die jiddische „Lid-Welt“ und nicht nur in die von Rajzel Zylinski.


Stella & Ma Piroschka: "Nakhtike Muzik" – Neue jiddische Chansons sind live zu hören:
27. Januar 2012, Wedel, Theaterschiff Batavia, 20.30
09. März 2012, Buchholz, Theater, 19:30
10. März 2012, Buxtehude, Foolsgarden, 19:00
15. März 2012, Itzehoe, Kunsttempel, 20:00
24. März 2012, Wandsbek, Kulturschloß, 20:00
07. April 2012, Marburg, Waggonhalle, 20:00
27. April 2012, Eppendorf, Kulturhaus, 19:00
04. Mai 2012, Itzehoe, Kulturhof, 20:00

CD Stella & Ma Piroschka: "Nakhtike Muzik"
1. Kafe in Pariz 3:33
2. Nakhtike Muzik 3:13
3. Zumer 5:07
4. Vos tut er do 3:53
5. Men tantst do 3:19
6. Rilkes Lid 4:05
7. Who Calls 4:52
8. Volt ikh 3:28
9. Khasene 3:39
10. S'iz shpet 4:36
11. A Mayse 4:11
12. Regn 5:06
total: 49:23
Label: skip records
Vertrieb: www.magenta-music.de: Ralf Böcker Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.
booking: www.stellajuergensen.de Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.
www.ma-piroschka.de

Rajzel Zychlinski: "Di Lider 1928 - 1991"
Gedichte. Jiddisch und Deutsch.
Zweitausendeins Verlag, Frankfurt am Main 2003
ISBN-10 3861504480
ISBN-13 9783861504481
Gebunden, 930 Seiten

Fotonachweis:
Header: Stella & Ma Piroschka live. Foto: Merose
Galerie:
01. CD Cover "Nahtlikte Muszik"
02. Stella & Ma Piroschka: (v.l.n.r) Andreas Hecht, Stella Jürgensen, Ralf Böcker. Foto: Claudia Höhne
03. Rajzel Zychlinski. Foto: privat

Kommentar verfassen
(Ich bin damit einverstanden, dass mein Beitrag veröffentlicht wird. Mein Name und Text werden mit Datum/Uhrzeit für jeden lesbar. Mehr Infos: Datenschutz)

avatar Marie
0
 
 
Wir waren vor ein paar Tagen im Konzert im BIB HH im Rahmen des www.festival-eigenarten.de :
WUNDERBAR! Einfach wohltuend, voll Gefühl und Sehnsucht... und hohem Können. Selten berührend. Um mit dem Klezmer Genie Giora Feidmann zu sprechen bzw. jiddisch in etwa.. auszusprechen: "Musikr is die Sprach der Säälä".
Ihr Name (erscheint mit ihrem Kommentar) *
Ihre Email (Nur für unseren Bestätigungslink)
Code (Hier eintragen)   
ChronoComments by Joomla Professional Solutions
Meinen Kommentar abschicken
Abbrechen
Ihr Name (erscheint mit ihrem Kommentar) *
Ihre Email (Nur für unseren Bestätigungslink)
Code (Hier eintragen)   
Meinen Kommentar abschicken
 
Home > Blog > Musik > Stella & Ma Piroschka - jiddische Chanson...

Mehr auf KulturPort.De

Philipp Maintz: Thérèse
 Philipp Maintz: Thérèse



Was, wenn „Liebe“ nur ein freundliches Wort wäre für ihre eigene Unmöglichkeit? Nur ein Sammelbegriff für Sehnsüchte, die unerreichbar sind in einer Ge [ ... ]



19. Lange Nacht der Museen in Hamburg. Meine Reise durch die Nacht
 19. Lange Nacht der Museen in Hamburg. Meine Reise durch die Nacht



28.000 Besucher amüsierten sich in der Museumsnacht der Hansestadt, trotz Eurovisions-Contest. Überall in der City tobte das Leben. Ich war natürlich auch wie [ ... ]



Meine 19. Lange Nacht der Museen in Hamburg
 Meine 19. Lange Nacht der Museen in Hamburg



Die Terminänderung, die Lange Nacht der Museen in Hamburg in den Mai, anstatt in den April zu legen war eine gute Idee. Denn der Tag war schön, nicht kalt! – [ ... ]



Hamburger Theater Festival: „Heilig Abend“ – ein als Krimi getarntes philosophisches Werk
 Hamburger Theater Festival: „Heilig Abend“ – ein als Krimi getarntes philosophisches Werk



Packendes Kammerspiel mit zwei exzellenten Schauspielern, die nach dem Schlussapplaus strahlten wie nach einem gelungenen Coup: Sophie von Kessel und Michele Cuc [ ... ]



Daniel Garcia Trio: Travesuras
 Daniel Garcia Trio: Travesuras



Ob tosende Akkord-Sturzbäche, Staccato-Piano oder ausufernde Tastenläufe: Zurückhaltung gehört nicht unbedingt zu den musikalischen Qualitäten des spanische [ ... ]



KP Brehmer – „Korrektur der Nationalfarben“
 KP Brehmer – „Korrektur der Nationalfarben“



So berühmt wie seine Kollegen Sigmar Polke und Gerhard Richter ist er nie geworden. Vielleicht war er nicht ehrgeizig genug, vielleicht war er zu…. – ach, m [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.