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CF: Sie sprechen vom Begriff „Haltung“. Bedingt sich bei Mikis Theodorakis die politische und die musikalischen Haltung?

GF: Ja, das ist ein unabdingbares Moment. Theodorakis verbindet Musik und Text. Seine Haltung ist immer dann einfacher nachvollziehbar, wenn die Menschen den Text verstehen und wissen worum es geht. Immer wieder nimmt er ab 1946 Bezug auf die gesellschaftspolitische Situation in Griechenland.

CF: Wird sich dies in der Hommage, die am 4. Juli im Deutschen Schauspielhaus in Hamburg stattfinden wird, widerspiegeln?

Im Gespräch: Claus Friede mit dem Komponisten und Pianisten Gerhard FolkertsGF: Ja, deshalb haben wir den Titel „Ein Leben für die Freiheit“ gewählt. Die Hommage wird das Leben Theodorakis' widerspiegeln, vom Widerstand gegen die deutschen Besatzer über den Bürgerkrieg und die Militärdiktatur bis zur Gegenwart. Das Programm stellt nicht nur den Musiker Theodorakis vor, sondern auch den Dichter. Rolf Becker liest Texte und Ausschnitte aus der Autobiographie und die Mezzosopranistin Julia Schilinski wird Partien aus den beiden großen Oratorien „Axion Esti“ und „Canto General“ vortragen. Diese Oratorien haben übrigens eine höhere CD-Auflage erreicht als „Alexis Sorbas“, mit dem Mikis Theodorakis in Deutschland verbunden wird. Der "Sorbas" ist leider eine gewisse Tragik, denn die Menschen wollen immer nur diesen hören und das andere in toto nicht wahrnehmen – was aber auch an uns Interpreten liegt. Aber daran können wir arbeiten.
Wir blicken am 4. Juli auf das kompositorische und schriftstellerische Werk von 1949 bis ungefähr 2004.
Ich sagte eben schon, dass Theodorakis nicht mehr reisen kann und so haben wir eine kleine Überraschung: Am 15. Mai haben wir in seinem Haus in Athen mit Regisseur Michael Harder eine kurze Filmdokumentation produziert, in der er in knapp vier Minuten eine Art musikalisches Testament formuliert und sich direkt an das Hamburger Publikum wendet.

Lesen Sie hier bei Kultur-Port.De das musikalische Credo von Mikis Theodorakis:

"Guten Tag!
Es ist für mich eine große Freude, aber auch ein sehr bewegender Augenblick, das Wort an das von mir sehr geschätzte Publikum in Deutschland richten zu können, in diesem wunderbaren Konzertsaal.

Sehr geehrter Herr Michael Propfe, mein lieber Freund, Gerhard Folkerts, ich danke Ihnen für diese Gelegenheit, die Sie mir ermöglicht haben, sowie für die Liebe, die Sie der Musik und meiner Person entgegenbringen. Die Werke, die heute hier von diesen äußerst würdigen Interpreten aufgeführt werden, stellen nur einen kleinen Ausschnitt meiner Bemühungen als Komponist dar, die meine Liebe zur Musik und meine leidenschaftliche Hingabe an diese Kunst widerspiegeln.

Wir, die wir uns mit dieser einzigartigen Kunstform beschäftigen, Komponisten und Interpreten, müssen uns glücklich schätzen, da uns die Natur die Gabe des Kontakts mit der kosmischen Harmonie geschenkt hat, deren Gesetz die Quelle des Lebens ist. Von den Galaxien und den Sternen, bis hin zur kleinsten Lebensform, dem Atom, gehorcht alles den Gesetzen der kosmischen Harmonie. Pythagoras hat uns vor tausenden von Jahren offenbart, dass die Essenz des Universums die Musik ist, die sich durch Klänge äußert. Die Musik ist somit auch die Quintessenz des menschlichen Lebens. Deswegen lieben und preisen wir die großen Komponisten, die diese Klänge in Kunst und Schöpfungen umgewandelt haben, so dass unser Leben Sinn erhält und von Schönheit erfüllt wird.

Das große Unglück des Menschen ist jedoch, dass die Kehrseite der Harmonie, also das genaue Gegenteil der Harmonie, das Chaos ist, also die Unordnung, der Hass, die Gewalt, die Hässlichkeit, die unserer dunklen Seite entsprechen und die bestialischen Instinkte widerspiegeln, die wir geerbt haben und die versuchen, die Herrschaft der Harmonie, der Schönheit und der Liebe zu zerstören. Und somit bewegt sich der Mensch durch die Jahrhunderte und durch diesen nie enden wollenden Kampf zwischen Harmonie und Chaos, Schönheit und Hässlichkeit und Liebe und Hass. Ich denke, dass genau in diesem Punkt der große Gegensatz besteht, der Menschen, Gesellschaften und Völker erschüttert.

Abschließend möchte ich betonen, dass in diesem Tempel der Musik ein Werk, eine Tätigkeit durchgeführt wird, die die Grenzen des einfachen ästhetischen Genusses überschreitet. Ein gesellschaftlich nützlicher Beitrag, der es uns erlaubt, aktiv teilzunehmen am Kampf des Guten gegen das Böse, so dass die Gesellschaft und die Nation, in der wir leben, immer größeren Nutzen ziehen kann aus dem Gesetz der Harmonie, der Schönheit und der Musik. Aus dem Gesetz also, das den Menschen erst zum Menschen macht, im wahrsten und prachtvollsten Sinne des Wortes.

Ich danke Ihnen von Herzen.
Danke schön.

Ihr Mikis Theodorakis"

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