Neue Kommentare

Lydia zu 19. Lange Nacht der Museen in Hamburg. Meine Reise durch die Nacht: Durch die persönliche Darstellung ist der Artike...
Hans Maschek zu 19. Lange Nacht der Museen in Hamburg. Meine Reise durch die Nacht: Wunderbar atmosphärische Beschreibung. Ich habe ...
Matthijs van de Beek zu „Stan & Ollie”. Oder die schmerzliche Seite der Komik : Das klingt wunderbar und wird ganz sicher angesch...
Dr. Frank-Peter Hansen zu Die Wittgenstein-Dekomposition: Frank-Peter Hansens Antwort auf Martin A. Hainz...
NN zu Das Chimei – ein Museum für eine einmalige Privatsammlung in Taiwan: Lasst Euch nicht blenden! Es gibt nichts Gutes, a...

Lange Nacht der Museen Hamburg

Hamburger Architektur Sommer 2019


Musik

Richard Davis: Safety Net

Drucken
(118 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Freitag, den 15. September 2017 um 09:45 Uhr
Richard Davis: Safety Net 4.4 out of 5 based on 118 votes.
Richard Davis Safety Net

Richard Davis, aufgewachsen Ende der Sechziger Jahre in London und seit den 1990er-Jahren in Berlin lebend, hat eine weiche, helle, aber sehr eigene Stimme, die jedoch auch dezidierte kleine, raue und präzise Schärfen produzieren kann. Ungewollt passend dazu heißt das Hamburger Label „A Clean Cut“, welches seine neue EP „Safety Net“ heute veröffentlicht.

Der Musiker, der auch unter diversen Alias-Namen (Dennis Kensington, Junkie Sartre und Paul Davis) bisher mit Swayzak, Trentemøller, Bomb The Bass, Ulrich Schnauss, Noir u.a. auf sich aufmerksam machte, zeigt wieder einmal ganz ohne Sicherheitsnetz seine kompositorischen, stimmlichen und musikalischen Fähigkeiten. Davis, der sich zunächst im House- und Techno-Bereich tummelte und sich vor allem am amerikanischen-, insbesondere Detroit- und Chicago-Deep House orientierte, ist hier ganz anders. New Wave, Electronic Pop und Alternative lautet die Begriffsreihung für seine neue EP und es ist durchaus spürbar, wie nahe er seinen musikalischen Heroes David Bowie und Talking Heads in den Songstrukturen und ihrem warmen Sound in den späten 60ern kommt.

COVER Richard Davis Safety NetRichard Davis lässt sich treiben, er hat weder seine Karriere minuziös geplant oder planen lassen, noch bereitet er sich bei seinen Songprojekten so vor, wie man es vermuten würde: einem festen vorgefertigten Regelwerk folgend. Nein, der Künstler lebt von Schritt-für-Schritt-Inspiration, er setzt seine Bausteine so zusammen, wie das ein Puzzle-Spieler tut. Baustein für Baustein muss jedoch zunächst erst einmal gefunden werden. Wie das Gesamtbild am Ende aussehen wird, bleibt bei seiner Arbeitsweise lange im Unklaren. Die Puzzle-Teilchen heißen bei ihm Sound und Lyrics, seine Arbeitsmethode heißt behutsame und teilweise langwierige Annäherung. Sortieren ist hierbei eine extrem wichtige strukturierte Arbeitstätigkeit.

Sowohl die Stücke „Safety Net“, „Singing A War“ als auch „Feel Like A Change“ unterliegen dem „All-Over“-Prinzip, das man aus der bildenden Kunst kennt. Eigentlich haben seine Songs keinen genuinen Anfang und kein Ende, sie lassen sich in die Unendlichkeit loopen. Musik, Klang und Geschichten seiner Lyrics unterliegen den Kreisläufen des Lebens, in all seiner wandelbaren Bandbreite von Melancholie, zuweilen Depression, bis hin zu rhythmisch-tanzbaren und ausbalancierten Freuden. Die düsteren Seiten vieler Songs bilden dabei einen durchaus wichtigen Part im Storytelling von Richard Davis, denn sie suchen immer deren musikalischen und realistischen Counterpart und sind somit richtungsbezogen ehrlich.



Äußerst gelungen dazu – sowohl inhaltlich wie formal – ist das Musikvideo von „Singing A War“, für das Clemens Wittkowski von „bauhouse“ verantwortlich ist. In einem verspiegelten, Iglo-artigen Raum ist der Mensch (Davis) auf sich selbst zurückgeworfen, und bei allem was er tut, ist das sichtbare Gegenüber immer das Selbst. Nichts bleibt in der Reflexion ungesehen oder unkontrolliert; Narzissmus hat nun begrenzt einen Platz; Wirkungsstätte und Klausur gehen ein Verhältnis ein; der Grat zwischen Freiheit und Gefangen- bis Geborgen-Sein scheint schmal... Diese Reihung ließe sich fortsetzen.

Wittkowski arbeitet einfühlsam mit unterschiedlichen Licht- und Farbsituationen, sodass etwas Tages- und Nachtzeitliches entsteht und damit das Lebenszyklische auf eine eigene künstlerisch-visuelle Weise parallel zum Musikalischen läuft. Die Nähe des Kamerafokus’ auf dem Protagonisten und die teils extremen Blickwinkel – das „come closer – much closer“ – ist die visuelle Entsprechung der methodischen Annäherung von Davis an seine Kompositionen, und ist nicht nur der Enge des Raums geschuldet. Physischer und psychischer Raum bedingen einander konsequent.

Clemens Wittkowski lässt im Video mal den Sänger seinen Song singen, mal mit geschlossenem Mund diesen lediglich erfühlen und ergründen. Dies intensiviert die Atmosphäre immens und setzt den Sänger einen kurzen Augenblick gleich mit dem Zuhörer und Betrachter. Ziemlich genial gemacht.
Übrigens: schließlich findet Richard Davis den Ausgang aus dem Spiegelkabinett noch kurz vor Ende des Clips...
Brillante Arbeit aller Beteiligter.


Richard Davis: Safety Net
All songs written, produced and performed by Richard Davis. Additional vocals on "Safety Net" by Annie Grossjohann
Label: A Clean Cut
Vinyl 12“ / Digital EP
Remixes by Ada and Jarle Bråthen

Video Credits:
„Singing A War", video directed by Clemens Wittkowski - bauhouse
Starring Richard Davis
Camera work by I AM JOHANNES
More information


Abbildungsnachweis: © Fotos: I AM JOHANNES, Berlin
Cover Design by Total Eclipse Of The Heart, Hamburg.
alt

Kommentar verfassen
(Ich bin damit einverstanden, dass mein Beitrag veröffentlicht wird. Mein Name und Text werden mit Datum/Uhrzeit für jeden lesbar. Mehr Infos: Datenschutz)

Ihr Name (erscheint mit ihrem Kommentar) *
Ihre Email (Nur für unseren Bestätigungslink)
Code (Hier eintragen)   
Meinen Kommentar abschicken
 
Home > Blog > Musik > Richard Davis: Safety Net

Mehr auf KulturPort.De

Daniel Fuhrhop: Verbietet das Bauen! Eine Streitschrift.
 Daniel Fuhrhop: Verbietet das Bauen! Eine Streitschrift.



In diesen Tagen ist die Wohnungsnot eines der wichtigsten Themen der Politik. Sonst kann man sich ja auf überhaupt nichts einigen, aber hier kennt man über all [ ... ]



Giving Art a Face von Michael Knepper in der Galerie Kunstraum Hamburg
 Giving Art a Face von Michael Knepper in der Galerie Kunstraum Hamburg



Wie schreibt man eine Kunstkritik, wenn man mit dem Künstler seit Kindertagen befreundet ist? Vielleicht lieber gar nicht!? Gerade auch, weil sich die Kunst ein [ ... ]



Dimitri Monstein Ensemble: Landscape
 Dimitri Monstein Ensemble: Landscape



Das Schlagzeug als Solo-Instrument ist nicht unbedingt das, was man auf einer Jazz-Platte erwartet. Denn eigentlich ist es nichts selbstverständlicher, beweist  [ ... ]



Privattheatertage 2019: „Die Schulz-Story“. Oder wie „verzwerge“ ich mich selbst
 Privattheatertage 2019: „Die Schulz-Story“. Oder wie „verzwerge“ ich mich selbst



Keine andere Partei zelebriert die Selbstzerfleischung so exzessiv wie die SPD! Nun hat ein Kapitel Leidensgeschichte jüngster Zeit sogar Bühnenreife erlangt:  [ ... ]



„Sunset”. László Nemes’ Metaphorik des Abgrunds
 „Sunset”. László Nemes’ Metaphorik des Abgrunds



„Sunset” ist eine atemberaubende verstörende Vision, hinter deren unfassbar exquisiter Schönheit sich der Horror selbstzerstörerischer Zivilisationen verb [ ... ]



Focusyear Band: Open Paths
 Focusyear Band: Open Paths



Eigenartiger Name für eine Band! Ein fokussiertes Jahr – was hat es mit der zeitlichen Limitierung auf sich?
Focusyear ist ein einjähriges Programm für ein [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.