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Musik

Elbphilharmonie: Blind Date mit dem Jazz-Duo Vincent Peirani und Emile Parisien

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Mittwoch, den 26. April 2017 um 09:05 Uhr
Elbphilharmonie: Blind Date mit dem Jazz-Duo Vincent Peirani und Emile Parisien 4.1 out of 5 based on 61 votes.
Elbphilharmonie: Blind Date mit dem Jazz-Duo Vincent Peirani und Emile Parisien Foto Clausdia Höhne

„Blind Date“ im Kleinen Saal ist das zweifellos spannendste Musikformat in der Elbphilharmonie. Selbst die Türsteher verraten nicht, wer fünf Minuten später auf der Bühne stehen wird.
Nach dem französischen Streichquartett Quatuor Ébène im Januar überraschten vergangenen Montag erneut französische Künstler: Vincent Peirani und Emile Parisien bilden wohl das faszinierendste und zugleich schrägste Jazz-Duo, das derzeit in Frankreich zu finden ist.

Der eine kommt barfuß auf die Bühne (wie sich später rausstellt, sein Markenzeichen): Ein langer Schlaks mit dunklen Locken, der sich ohne Umschweife setzt und sein Knopfakkordeon umschnallt. Der andere, klein und quirlig, begrüßt das Publikum lächelnd mit einem fast schüchternen „Good Evening“.

Die Jazzfreaks im Saal erkennen die beiden offenbar, vielleicht von der jazzahead! in Bremen, wo sie bereits 2015 begeisterten. Man hört vereinzeltes Gejohle, doch das Gros des Publikums weiß immer noch nicht, wen es vor sich hat. Doch dann erwecken Vincent Peiranis lange, schlanke Finger das Akkordeon zum Leben, Emile Parisien setzt sein Sopransaxophon an die Lippen – und man sitzt da wie hypnotisiert. Was ist das denn? Jazz, Swing, Vals Musette, Südstaatenblues, Weltmusik? Ja, alles, und noch viel mehr! In jedem Fall ein schwindelerregendes Crossover immer schnellerer, immer heftiger pulsierender Klangkaskaden, die den Raum fluten und jeden Körper darin zum Schwingen bringen. Auch wer die Namen Vincent Peirani und Emile Parisien noch nie gehört hat – nach dem ersten Stück war klar, dass man hier ein Duo der Extraklasse vor sich hat. Was da zu Ohren kam, war kein kammermusikalisches Zwiegespräch, sondern ein ganzes, opulentes Orchester: Zwei Zauberer an den Instrumenten, mit traumwandlerischer Sicherheit aufeinander eingespielt.

Vincent Peirani und Emile Parisien werden derzeit als Erneuerer ihrer Instrumente gefeiert und das kann man nach diesem Konzert nur unterschreiben. Was Peirani seinem Akkordeon (und zwischendurch auch seiner Stimme) an Variationsreichtum entlockt, ist einfach stuppend. Das gleiche gilt für Parisien, der ständig in Bewegung ist, von einem Bein aufs andere hüpft und sich bei den orientalisch angehauchten Stücken, wie Sidney Bechets „Casbah“ in einen wahren Schlangenbeschwörer verwandelt. So hört man ein Sopransaxophon in der Tat äußerst selten. Mein absolutes Lieblingsstück bei diesem Überraschungskonzert war die Komposition, die Peirani, der an diesem 24. April übrigens seinen 37. Geburtstag feierte, dem französischen Klarinettisten Michel Portal (82) widmete: Ein paraphrasierter Musette Walzer, mit improvisiertem Freejazz-Intermezzo: Man schließt die Augen und lässt sich im Dreivierteltakt an die Seine entführen. Einfach hinreißend. Technische Virtuosität und unbändige Spielfreude steigern sich hier zu einer mitreißenden Dynamik von überwältigender Kraft und Schönheit.

Keine Frage. Diese beiden französischen Ausnahmemusiker, die in den vergangenen Jahren so ziemlich alles an wichtigen Preisen abräumten, was der Jazz zu bieten hat – unter anderem 2012 und 2013 nacheinander den Prix Django Reinhardt – schaffen es mühelos, sich und ihr Publikum in Trance zu spielen. Ihr Publikum nehmen sie dabei mit auf eine Zeitreise in die „Belle Epoque“ des Jazz, wie ihr erstes gemeinsames Album heißt. Beide verarbeiten das Vermächtnis ihrer großen Vorgänger, von John Coltrane und Duke Ellington bis hin zu Richard Galliano und Jean-Louis Matinier, denen sie mit jedem Konzert ihren Respekt zollen.

Muss man noch erwähnen, dass das Publikum zum Schluss von den Sitzen sprang? Wohl kaum. Wo immer Vincent Peirani und Emile Parisien auch wieder auftreten mögen: Hingehen und genießen!


Abbildungsnachweis:
Header und Galerie: Peirani Parisien Foto: © Claudia Höhne

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