Neue Kommentare

Maximilian Buchmann zu „Apocalypse Now - Final Cut”. Der Höllentrip des Francis Ford Coppola: Uff! Nur heute im Kino? Hoffentlich bekomme ich n...
Klaus Schöll zu Am 12. Juli 2019 wird die James-Simon-Galerie eröffnet – in Anwesenheit von Bundeskanzlerin Angela Merkel: Ich finde das die Treppe zur James-Simon-Galerie ...
Cecilie Engen zu „Wo ist Kyra?” Michelle Pfeiffer und die Ästhetik des sozialen Abseits: Das klingt gruseliger als die meisten Horror-Film...
Claus Friede zu „Augmented- und Digital Realities“ – wie Städte und Institutionen mit „erweiterten Realitäten“ Touristen, Besucher und Cyber-Fans motivieren, ihre Orte zu besuchen.: Den korrekten Bildnachweis, sehr geehrter Herr Na...
Jörn Napp zu „Augmented- und Digital Realities“ – wie Städte und Institutionen mit „erweiterten Realitäten“ Touristen, Besucher und Cyber-Fans motivieren, ihre Orte zu besuchen.: Hallo.
Es wäre schon ganz gut, unter Bild...

Lange Nacht der Museen Hamburg

Hamburger Architektur Sommer 2019


Musik

Elbphilharmonie: Blind Date mit dem Jazz-Duo Vincent Peirani und Emile Parisien

Drucken
(61 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Mittwoch, den 26. April 2017 um 09:05 Uhr
Elbphilharmonie: Blind Date mit dem Jazz-Duo Vincent Peirani und Emile Parisien 4.1 out of 5 based on 61 votes.
Elbphilharmonie: Blind Date mit dem Jazz-Duo Vincent Peirani und Emile Parisien Foto Clausdia Höhne

„Blind Date“ im Kleinen Saal ist das zweifellos spannendste Musikformat in der Elbphilharmonie. Selbst die Türsteher verraten nicht, wer fünf Minuten später auf der Bühne stehen wird.
Nach dem französischen Streichquartett Quatuor Ébène im Januar überraschten vergangenen Montag erneut französische Künstler: Vincent Peirani und Emile Parisien bilden wohl das faszinierendste und zugleich schrägste Jazz-Duo, das derzeit in Frankreich zu finden ist.

Der eine kommt barfuß auf die Bühne (wie sich später rausstellt, sein Markenzeichen): Ein langer Schlaks mit dunklen Locken, der sich ohne Umschweife setzt und sein Knopfakkordeon umschnallt. Der andere, klein und quirlig, begrüßt das Publikum lächelnd mit einem fast schüchternen „Good Evening“.

Die Jazzfreaks im Saal erkennen die beiden offenbar, vielleicht von der jazzahead! in Bremen, wo sie bereits 2015 begeisterten. Man hört vereinzeltes Gejohle, doch das Gros des Publikums weiß immer noch nicht, wen es vor sich hat. Doch dann erwecken Vincent Peiranis lange, schlanke Finger das Akkordeon zum Leben, Emile Parisien setzt sein Sopransaxophon an die Lippen – und man sitzt da wie hypnotisiert. Was ist das denn? Jazz, Swing, Vals Musette, Südstaatenblues, Weltmusik? Ja, alles, und noch viel mehr! In jedem Fall ein schwindelerregendes Crossover immer schnellerer, immer heftiger pulsierender Klangkaskaden, die den Raum fluten und jeden Körper darin zum Schwingen bringen. Auch wer die Namen Vincent Peirani und Emile Parisien noch nie gehört hat – nach dem ersten Stück war klar, dass man hier ein Duo der Extraklasse vor sich hat. Was da zu Ohren kam, war kein kammermusikalisches Zwiegespräch, sondern ein ganzes, opulentes Orchester: Zwei Zauberer an den Instrumenten, mit traumwandlerischer Sicherheit aufeinander eingespielt.

Vincent Peirani und Emile Parisien werden derzeit als Erneuerer ihrer Instrumente gefeiert und das kann man nach diesem Konzert nur unterschreiben. Was Peirani seinem Akkordeon (und zwischendurch auch seiner Stimme) an Variationsreichtum entlockt, ist einfach stuppend. Das gleiche gilt für Parisien, der ständig in Bewegung ist, von einem Bein aufs andere hüpft und sich bei den orientalisch angehauchten Stücken, wie Sidney Bechets „Casbah“ in einen wahren Schlangenbeschwörer verwandelt. So hört man ein Sopransaxophon in der Tat äußerst selten. Mein absolutes Lieblingsstück bei diesem Überraschungskonzert war die Komposition, die Peirani, der an diesem 24. April übrigens seinen 37. Geburtstag feierte, dem französischen Klarinettisten Michel Portal (82) widmete: Ein paraphrasierter Musette Walzer, mit improvisiertem Freejazz-Intermezzo: Man schließt die Augen und lässt sich im Dreivierteltakt an die Seine entführen. Einfach hinreißend. Technische Virtuosität und unbändige Spielfreude steigern sich hier zu einer mitreißenden Dynamik von überwältigender Kraft und Schönheit.

Keine Frage. Diese beiden französischen Ausnahmemusiker, die in den vergangenen Jahren so ziemlich alles an wichtigen Preisen abräumten, was der Jazz zu bieten hat – unter anderem 2012 und 2013 nacheinander den Prix Django Reinhardt – schaffen es mühelos, sich und ihr Publikum in Trance zu spielen. Ihr Publikum nehmen sie dabei mit auf eine Zeitreise in die „Belle Epoque“ des Jazz, wie ihr erstes gemeinsames Album heißt. Beide verarbeiten das Vermächtnis ihrer großen Vorgänger, von John Coltrane und Duke Ellington bis hin zu Richard Galliano und Jean-Louis Matinier, denen sie mit jedem Konzert ihren Respekt zollen.

Muss man noch erwähnen, dass das Publikum zum Schluss von den Sitzen sprang? Wohl kaum. Wo immer Vincent Peirani und Emile Parisien auch wieder auftreten mögen: Hingehen und genießen!


Abbildungsnachweis:
Header und Galerie: Peirani Parisien Foto: © Claudia Höhne

Kommentar verfassen
(Ich bin damit einverstanden, dass mein Beitrag veröffentlicht wird. Mein Name und Text werden mit Datum/Uhrzeit für jeden lesbar. Mehr Infos: Datenschutz)

Ihr Name (erscheint mit ihrem Kommentar) *
Ihre Email (Nur für unseren Bestätigungslink)
Code (Hier eintragen)   
Meinen Kommentar abschicken
 
Home > Blog > Musik > Elbphilharmonie: Blind Date mit dem Jazz-Duo ...

Mehr auf KulturPort.De

Roger Hodgson’s Supertramp
 Roger Hodgson’s Supertramp



Vor zwei Jahren wurde er in Neumünster gefeiert, nun rockte Roger Hodgson die Kieler Sparkassen-Arena. Für die rund 5.000 Fans, die bereits bei den ersten Takt [ ... ]



Nigel Kennedy spielte beim SHMF in der ausverkauften Musikhalle Lübeck
 Nigel Kennedy spielte beim SHMF in der ausverkauften Musikhalle Lübeck



Diese Energie ist phänomenal: Nigel Kennedy spielte beim SHMF in der ausverkauften Lübecker Musikhalle alle schwindelig – die Zuschauer ebenso, wie das Schle [ ... ]



4 Wheel Drive – Landgren, Wollny, Danielsson, Haffner
 4 Wheel Drive – Landgren, Wollny, Danielsson, Haffner



In unterschiedlicher Zusammensetzung haben sie schon gemeinsam gespielt, doch noch nie fanden sich alle vier zusammen. „High-performance four-cylinder engine [ ... ]



„Apocalypse Now - Final Cut”. Der Höllentrip des Francis Ford Coppola
 „Apocalypse Now - Final Cut”. Der Höllentrip des Francis Ford Coppola



Hubschrauber bombardieren ein Dorf zu den dröhnenden Klängen von Wagners „Walkürenritt”. „Mein Film ist nicht über Vietnam, er ist Vietnam”, sagte U [ ... ]



Europas Krise(n) 2019: Migration – Brexit – neue Weltordnung
 Europas Krise(n) 2019: Migration – Brexit – neue Weltordnung



In rund 90 Jahren wird wohl jeder Dritte auf unserer Welt Afrikaner sein: Europa muss sich auf gewaltige Migrationsbewegungen aus dem südlichen Kontinent einste [ ... ]



Familie Floez: Dr. Nest
 Familie Floez: Dr. Nest



Beklemmend melancholisch, irrsinnig komisch und von wahrhafter Magie: Die Berliner Masken-Truppe Familie Flöz begeisterte mit ihrem SHMF-Gastspiel „Dr. Nest [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.