Neue Kommentare

NN zu Das Chimei – ein Museum für eine einmalige Privatsammlung in Taiwan: Lasst Euch nicht blenden! Es gibt nichts Gutes, a...
Peter Schmidt zu Verleihung der Goldenen Kamera – mit Bruno Ganz und ohne Friede Springer: Und noch einmal zur Goldenen Kamera
Im Fol...

Hans Joachim Schneider zu Tina – das Tina Turner Festival: Was soll aus einem Stück werden, wenn die Dame, ...
Marion Sörensen zu Leipziger Buchmesse – Impressionen: Das ist wieder einmal ein wunderbar geschriebener...
Dagmar Reichardt zu Ennio Morricone: Farewell-Tour 2019: Danke, lieber Herr Cvek! Ja, das war ein wirklich...

Lange Nacht der Museen Hamburg

Hamburger Architektur Sommer 2019


Musik

Jordi Savall und die Routen der Sklaverei: Musik, die unter die Haut geht

Drucken
(76 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Freitag, den 14. April 2017 um 15:22 Uhr
Jordi Savall und die Routen der Sklaverei: Musik, die unter die Haut geht 4.2 out of 5 based on 76 votes.
Jordi Savall und die Routen der Sklaverei

Wie kann man heute noch die Geschichte der Sklaverei erfahrbar machen? Eine Geschichte, bei der aus purer Geldgier Menschen aus Afrika nach Süd- und Nordamerika verschleppt wurden, gequält und ausgebeutet? Die Musik hat die Spuren des Unrechts konserviert, und Jordi Savall lässt sie in seinem neuen Programm hörbar werden – mit Musik von beiden Seiten des Atlantiks.
 
Was für ein großartiges Konzert! Zum Auftakt des Elbphilharmonie-Festivals Transatlantik ging Jordi Savall, Gambist und Musikforscher, auf eine Reise entlang der Routen der Sklaverei. Mit seinen beiden Ensembles Hespérion XXI und den Sängerinnen und Sängern der Capella Reial de Catalunya und mit internationalen Musikern aus Mali, Madagaskar, Marokko, aus Mexiko und Kolumbien, Brasilien, Argentinien und Venezuela.

Es wurde eine bewegende Reise, die Spuren eines der großen Menschheitsverbrechen suchte und zeigte, dass nichts vergessen ist, dass die Musik diesseits und jenseits des Atlantiks die Erinnerungen an die Grausamkeiten konserviert, dass sie in der Musik von Opfern und Tätern untrennbar verbunden sind. Packende Musik, in der unbändige Lebenslust, tiefe Trauer und die Chroniken von Erniedrigung, Verletzung, von Tod und unendlichem Leid, von Ausbeutung und widerwärtiger Bestrafung nachklingen. Hoffnungslosigkeit und Hoffnung, verpackt in Klänge der anbrechenden Neuzeit in Europa, in Volksmusik aus Afrika, populäre Musik aus Lateinamerika.
 
Ein tönendes Archiv der Sklaverei-Geschichte
Klug aneinandergereiht von Jordi Savall, der kaum spürbar von seiner kleinen Game aus für den richtigen Takt sorgte und die Sprünge über den großen Teich so genial arrangiert hatte, dass sie fast nahtlos auseinander hervorgingen, so wie auch die Musiker in wechselnden Besetzungen miteinander spielten. Und plötzlich wurde hörbar, fast greifbar, dass die Musik das tönende Archiv der historischen Begegnungen und Begebenheiten ist, dass in ihr ständig widerhallt, was Menschen von solchen anderer Hautfarbe und Kultur über Jahrhunderte angetan wurde. Es klang aus den Liedern der Brasilianerin Maria Juliana Linhares, aus dem afrikanischen Gesang von Kassé Madi Diabaté aus Mali und seiner drei unfassbar elegant tanzenden und singenden Begleiterinnen, es klang aus originalen afrikanischen Instrumenten, aus der Musik des Tembembe Ensamble Continuo aus Mexiko und Kolumbien mit seiner eindrucksvollen Sängerin Ada Coronel.

Die Zuhörer im ausverkauften großen Saal der Elbphilharmonie erlebten ein lebendiges Musizieren und ein sehr unter die Haut gehendes machendes Konzert, zu dem Denise M’Baye, im Wendland geborene dunkelhäutige Schauspielerin und Moderatorin, die notwendigen detaillierten Infos aus historischen Texten vortrug. Brutale Texte, Dokumente des Zynismus und eines über Jahrhunderte kultivierten und sehr einträglichen Herrenmenschentums. Leider zuweilen nicht leicht verständlich – ob das an der elektronischen Verstärkung lag?

„Die Routen der Sklaverei“ sorgten für vielfältiges musikalisches Glück, gerade weil es musikalische Grenzen so leicht übersprang und das Verbindende betonte. Bei manchen Zuhörern aber sicher auch für Nachdenklichkeit und Scham angesichts des historischen Unrechts und unendlichen menschlichen Leids. Aber wer hat gesagt, dass Musik, dass ein Konzert nur Freude machen darf?


 
Alle Infos zum Festival „Transatlantik“ im Programm der Elbphilharmonie www.elbphilharmonie.de – die 12 Konzerte sind alle ausverkauft.
Abbildungsnachweis: HamburgMusik gGmbH – Elbphilharmonie und Laeiszhalle © Header Foto: Claudia Höhne

Kommentar verfassen
(Ich bin damit einverstanden, dass mein Beitrag veröffentlicht wird. Mein Name und Text werden mit Datum/Uhrzeit für jeden lesbar. Mehr Infos: Datenschutz)

avatar Herby Neubacher
+1
 
 
Auf der DVD die Savall als Livekonzert veroeffentlichte ist zu sehen das der Maestro manchmal echte Schwierigkeiten hat die Ethno Gruppe an sich heran zu lassen. Die bunten Herren und Damen aus Mali sind eben nun mal sehr direkt - passt nicht zur feinen katalanischen Mentalitaet.

Ich muss sagen ich fand diesen Mix geschmacklich ziemlich grenzgaengig. Savall muss achten das er nicht zum staendig mehr politisierenden agitierenden Weltmusiker verkommt.

Immer mehr spezialisiert er sich darauf irgendwelche Messages zu transportieren - oft in sehr demagogischer Weise. Ich bin nicht sicher ob er sich nicht auf Dauer damit seine Stamm-Zuhoererschaft vergraetzt die ihn als Meister der feinen Alten Musik zu schaetzen wissen.
Ihr Name (erscheint mit ihrem Kommentar) *
Ihre Email (Nur für unseren Bestätigungslink)
Code (Hier eintragen)   
ChronoComments by Joomla Professional Solutions
Meinen Kommentar abschicken
Abbrechen
Ihr Name (erscheint mit ihrem Kommentar) *
Ihre Email (Nur für unseren Bestätigungslink)
Code (Hier eintragen)   
Meinen Kommentar abschicken
 
Home > Blog > Musik > Jordi Savall und die Routen der Sklaverei: Mu...

Mehr auf KulturPort.De

Mantegna und Bellini. Meister der Renaissance
 Mantegna und Bellini. Meister der Renaissance



Wer sakrale Kunst schätzt, sollte eine bemerkenswerte Ausstellung in Berlin nicht versäumen. In Kooperation mit der National Gallery, London, präsentieren die [ ... ]



„Ein letzter Job”. Oder der diskrete Charme des Michael Caine.
 „Ein letzter Job”. Oder der diskrete Charme des Michael Caine.



Das Alter ist ein besonders tückischer gefräßiger Moloch, die Zeit drängt, doch Schauspieler wie der 86jährige Michael Caine in „Ein letzter Job” trotze [ ... ]



Joseph Haydn: Die sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze
 Joseph Haydn: Die sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze



„Die Aufgabe, sieben Adagios, wovon jedes gegen zehn Minuten dauern sollte, aufeinander folgen zu lassen, ohne den Zuhörer zu ermüden, war keine von den leic [ ... ]



Wolfgang Marx: Am grauen Meer
 Wolfgang Marx: Am grauen Meer



„Warum“, möchte „Der Freitag“ von einer erfolgreichen Drehbuchautorin wissen, warum „kommt bei Angst so viel Rosamunde Pilcher heraus?“ Mit Angst sp [ ... ]



Jean Molitor: BauhausGlobal – die Moderne in der Welt
 Jean Molitor: BauhausGlobal – die Moderne in der Welt



2019 werden in Hamburg zwei Jubiläen begangen, die eng mit der Architektur verknüpft sind, national und darüber hinaus: die Gründung des Bauhauses vor 100 Ja [ ... ]



Tomasz Różycki: „Der Kerl, der sich die Welt gekauft hat“ – Chaos mit Sprache gezähmt
 Tomasz Różycki: „Der Kerl, der sich die Welt gekauft hat“ – Chaos mit Sprache gezähmt



„Leben ist Chaos und die Sprache ein Mittel, dieses Chaos zu zähmen und zu ordnen. Dabei schafft jede Sprache eigene Ordnungen und Weltmodelle“, schreibt de [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.