Anzeige

Wer ist online?

Wir haben 1729 Gäste online

Neue Kommentare

Manfred Köck zu Im Wunderland der Wünsche. Laila Biali: schade, dass sie nicht mit ihren stammmusikern un...
Helmuth Barth zu Thomas Gainsborough – die moderne Landschaft: Vorausschicken möchte ich, dass ich neben Bilder...
Anna Grillet zu „Call Me by Your Name”. Die Sinnlichkeit des Luca Guadagnino: Leider nein, kann die bitterböse ästhetisch bri...
Fabian Drux zu „Call Me by Your Name”. Die Sinnlichkeit des Luca Guadagnino: Danke für den Hinweis auf einen wunderschönen F...
Wolfdietrich Arndt zu Weimarer Musikwissenschaftlerin Prof. Dr. Helen Geyer erhält das Bundesverdienstkreuz am Bande: Gestern war ich im Tietz in Chemnitz zu einem Vor...

Lange Nacht der Museen Hamburg

Hamburger Architektur Sommer 2015


Festivals, Medien & TV

Das Sommerfestival auf Kampnagel

Drucken
(44 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Freitag, den 12. August 2011 um 16:34 Uhr
Das Sommerfestival auf Kampnagel 4.6 out of 5 based on 44 votes.
Das Sommerfestival auf Kampnagel

Von Sommer war nichts zu spüren bei der Eröffnung des diesjährigen Sommerfestivals auf Kampnagel (bis 28. August), Intendantin Amelie Deuflhard und Matthias Von Hartz, der künstlerische Leiter des Festivals, waren dennoch bester Laune. Was Wunder: Der Vorverkauf lief so gut wie nie, mehr als eineinhalb soviel Karten wie im vergangenen Jahr waren im Vorfeld gefragt.

Wer also die großen Tanz- und Theatervorstellungen von Pina Bausch (am Samstag, 13.8.), der Needcompany (17., 18. und 20.8.) oder der spirituell aufgeladenen Akram Khan Company aus London (27./28.8.) noch sehen will, sollte sich beeilen.
Ob sich Pina Bauschs „Kontakthof“, ihr Klassiker aus dem Jahr 1978, als Festivalauftakt eignet, darüber lässt sich sicher trefflich streiten. Festivallaune jedenfalls wollte sich nicht so recht einstellen, dazu ist das Stück doch zu schwer, mitunter auch zu langatmig und anstrengend mit seinen drei Stunden Spielzeit. Um über diesen langen Zeitraum das Publikum konstant zu fesseln, braucht es schon charismatische Tänzer – oder eben reife Persönlichkeiten, wie sie im Jahr 2000 zu sehen waren, als Pina Bausch (1940-2009) ihr Schlüsselwerk über die Annäherung und Aggression, Zärtlichkeit und Zurückweisung mit Senioren über 65 Jahren inszenierte. Die Intensität und Dichte von damals fehlt in der „Jugendversion“, die jetzt in Hamburg zu sehen ist. An ihre Stelle jedoch sind neue Qualitäten getreten, die diesen Abend zu einem ganz besonders anrührenden Erlebnis machen. In diesem, von Bühnenbildner Rolf Borzik als große Aula mit Bühne, Klavier und ein paar Stühlen ringsherum gestalteten „Kontakthof“, knüpfen 26 blutjunge Menschen die ersten zarten Bande. Keine Profis, sondern Laien, Schüler aus Wuppertal, das macht diesen Abend so authentisch. Die meisten der 13 Mädchen und 13 Jungen dürften zwischen 15 und 20 Jahre alt sein, und die Balz-Rituale und „Übersprungs-Handlungen“, die sie hier so grandios überzeichnen, erleben sie in Ansätzen wahrscheinlich täglich – ob auf jedem Schulhof oder in der Tanzstunde.

In der leeren Aula sitzen sie anfangs wie die Spatzen auf der Stange, herausgeputzt und unsicher - die Jungs in schwarzen Anzügen, die Mädchen in bonbonfarbenen Coctail-Kleidern. Zu Walzerklängen und Schlager der 20er und 30er Jahre bohren sie ihre Schuhspitzen verlegen in den Boden, sie zupfen an ihren Kleidern, zappeln herum, streichen sich selbstbewusst durch die Haare, necken sich, testen sich aus, wackeln mit dem Po, fassen sich an, rennen chaotisch durcheinander, zwei wagen sogar einen halben Striptease und ein Mädchen schaukelt zwischendurch stoisch auf einem Spielzeugautomaten-Pferd. Gegen Ende sitzen die Teenager wieder den Zuschauern gegenüber und erzählen von der ersten Liebe. Bekenntnis-Fetzen erfährt man da, die eigentlich nur für die Ohren der besten Freundin (oder des besten Freundes) bestimmt sind.
Keine Frage, das Stück funktioniert in der Jugendversion. Über den Mut, die Souveränität und ja, auch das tänzerische Können dieser jungen Leute kann man nur staunen. Und die geniale, 30 Jahre alte Choreographie der Wuppertaler Tanztheater-Legende Pina Bausch wird sogar noch um eine Dimension erweitert. Der neue „Kontakthof“ erzählt auch davon, wie schwierig das Erwachsenwerden doch ist.

Internationales Sommerfestival 11-28. August 2011. Karten und Infos unter www.kampnagel.de
Fotonachweis:
Header: Titelmotiv Sommerfestival
Galerie: Logo Sommerfestival und Aufnahmen vom Tanztheater Wuppertal/Pina Bausch: Kontakthof. Mit Teenagern ab 14. Foto: Internationales Sommertheater

Eigenen Kommentar verfassen (Gasteintrag möglich - Bitte achten Sie auf unsere Email ggf. in Ihrem Spam-Order und klicken den Bestätigungslink)

Ihr Name (erscheint mit dem Kommentar) *
E-Mail (Nur für Bestätigungslink & Antworten)
Code   
Kommentar abschicken
 

Home > Blog > Festivals, Medien & TV > Das Sommerfestival auf Kampnagel

Mehr auf KulturPort.De

„A Beautiful Day”. Joaquin Phoenix- Racheengel oder Erlöser?
 „A Beautiful Day”. Joaquin Phoenix- Racheengel oder Erlöser?



Lynne Ramsay inszeniert ihre virtuosen Thriller-Impressionen als Exkursion in die Abgründe der Seele.
Ein Auftragskiller ist Joe (Joaquin Phoenix) nicht, er t [ ... ]



Günter Grass-Haus Lübeck: George Bernard Shaw und die Fotografie
 Günter Grass-Haus Lübeck: George Bernard Shaw und die Fotografie



George Bernard Shaw (1856-1950) ist vor allem bekannt für sein dramatisches Werk, das über 50 Theaterstücke umfasst. Doch der Künstler hat sich zeitlebens in [ ... ]



Im Wunderland der Wünsche. Laila Biali
 Im Wunderland der Wünsche. Laila Biali



Wie konnte sich eine 16jährige Kanadierin, die Opernarien singt und klassische Pianistin werden will, zu einer über jeden „No street credibility“-Verdacht  [ ... ]



Aspekte Festival 2018: Der Kopf des Paul Orlac ist das Innenleben des Klaviers
 Aspekte Festival 2018: Der Kopf des Paul Orlac ist das Innenleben des Klaviers



Was für eine Horrorvorstellung: als Schauspieler die Stimme – als Fußballspieler die Füße – als Philosoph den Verstand – als Komponist das Gehör – u [ ... ]



Poetische Erkundung der Welt: Nico Bleutge: „Nachts leuchten die Schiffe“
 Poetische Erkundung der Welt: Nico Bleutge: „Nachts leuchten die Schiffe“



In seinem vierten Gedichtband „nachts leuchten die schiffe" beschäftigt sich Nico Bleutge mit unserer realen Welt in sieben Zyklen. Wie ein Jongleur wirft der [ ... ]



Aspekte Festival 2018: Different Trains. Eine Zeitreise zwischen Klängen, Bildern und historischen Filmschichtungen
 Aspekte Festival 2018: Different Trains. Eine Zeitreise zwischen Klängen, Bildern und historischen Filmschichtungen



Das 1988 vom amerikanischen Minimalmusiker Steve Reich komponierte Werk „Different Trains“ bildet den Ausgangspunkt einer Aufführung des London Contemporary [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Anzeige


Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.