Neue Kommentare

Herby Neubacher zu Es läuft und läuft und läuft: 15 Jahre „Heiße Ecke“ im Schmidt's Tivoli: Rund 42000 Kondome, 25 000 Würstchen, 16800 Wasc...
Patrick Dissinger zu „Foxtrot”. Samuel Moaz und das Konzept des Zufalls: Ein exzellenter, sehr kluger Film. Danke für den...
erlenmeier zu Historische Tankstellen – auf Spurensuche in Hamburg : Ich arbeite seit vielen Jahren beim Forum geschic...
Bartholomay zu Berliner Mauer 57. Jahrestag: Gedenkfeier ? Um von ihren Taten gegen die ehemal...
Herby Neubacher zu Eindringlicher Holocaust-Roman von Affinity Konar: „Mischling“ – keine leichte, aber lohnende Lektüre: Das hat uns jetzt eigentlich noch gefehlt - Erinn...

Lange Nacht der Museen Hamburg

Hamburger Architektur Sommer 2015


Festivals, Medien & TV

Roots – Katja und Marielle Labèque zum Schleswig-Holstein Musik Festival in der Laeiszhalle

Drucken
(91 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Samstag, den 26. August 2017 um 10:01 Uhr
Roots – Katja und Marielle Labèque zum Schleswig-Holstein Musik Festival in der Laeiszhalle 4.0 out of 5 based on 91 votes.
Roots – Katja und Marielle Labèque zum Schleswig-Holstein Musik Festival in der Laeiszhalle

Maurice Ravel, zelebriert wie ein baskischer Gottesdienst. Begeisterter Beifall für Katja und Marielle Labèque, das Ensemble Basque und das Duo Oreka TX in der Hamburger Laeiszhalle.
Mit ihrem außergewöhnlichen SHMF-Programm kehren die Klavier-Schwestern zu ihren Ursprüngen und zu den Wurzeln des berühmten französischen Komponisten zurück.

Verblüffend, wie jung sie aussehen. Katja und Marielle Labèque sind mittlerweile Mitte 60 und wirken auf der Bühne immer noch mädchenhaft. Ganz in Schwarz mit langen, offen getragenen schwarzen Haaren und in hochkonzentriertem Blickkontakt, wenn sie sich an den beiden Flügeln gegenübersitzen, meint man hier zwei Hohepriesterinnen der Klavierkunst vor sich zu haben, zwei Zauberinnen, die ihre Zuhörer in einen magischen Bann ziehen.

Zum Auftakt Ravels „Ma mère l’oye“, („Meine Mutter, die Gans“), ein Zyklus von fünf kleinen „kindischen“ Stücken für Klavier zu vier Händen, die von einer Märchensammlung aus dem 17. Jahrhundert inspiriert sind. Einfache, größtenteils ruhige Melodien, die in der Interpretation von Kaja und Marielle Labèque feinen, federleichten Fingerübungen gleichkommen.
Es folgt die „Rapsodie espagnole“, Ravels erstes großes Orchesterwerk. Das Stück, das wie viele seiner Werke zuerst als Klavierfassung für zwei Klaviere entstand, suggeriert zwar lebensfrohe Folklore, doch erste Satz, das „Prélude à la nuit“, kommt ausgesprochen melancholisch und düster daher. Die beiden Schwestern scheinen sich in diesen Abgründen zu weiden. Ihr feinfühliges Spiel lassen Goyas Gespenster-Bilder vor Augen erscheinen, die auch im zweiten Satz „Malaguena“ nicht weichen wollen. In der „Habanera“ und vor allem in der ausgelassenen „Feria“ begeistern sie dann mit glasklaren Anschlag und temperamentvollen Glissandi.
Nach der Pause dann eine Überraschung: Die Schwestern setzen sich an den Rand und überlassen Bixente Etchegaray die Bühne, der mit vollem, einschmeichelndem Bariton ein einfaches baskisches Volkslied anstimmt. Unversehens fühlt man sich in die karge, ursprüngliche Landschaft am Fuße der Pyrenäen versetzt. Man versteht kein Wort, doch Stimme und Melodie berühren die Seele. Man spürt hier den Stolz dieses kleinen Volkes, das seit Jahrhunderten um Selbstbestimmung kämpft.

Katja und Marielle Labèque stammen aus Bayonne, dem französischen Teil des Baskenlandes. Maurice Ravel wurde im baskischen Ciboure, eine halbe Autostunde südlich geboren. Mit ihrem ungewöhnlichen SHMF-Abend präsentieren die Schwestern und ihre baskischen Kollegen einen herzerwärmenden Einblick in die Klangwelt der spanisch-französischen Grenzregion und bringen dem Publikum die musikalischen Wurzeln Ravels nahe. Ganz besonders faszinierend das Schlagwerkduo Oreka TX und ihr Txalaparta, ein dem Xylophon ähnliches Instrument aus Klanghölzern, die mit dicken runden Klöppeln senkrecht von oben bearbeitet werden und einen wunderbar warmen Sound erzeugen.

Höhepunkt dann Ravels „Bolero“ auf Baskisch – mit zwei Klavieren, Trommel, Schellen, Ziegenglocke und Fingerschnipsen. Wunderschön zart und rau, meditativ und ungestüm. So behutsam und ehrfürchtig hat man Ravels Hit wohl noch nie gehört.
Als Zugabe noch einmal ein traditionelles, volkstümliches Lied von Thierry Biscary und Bixente Etchegaray – Accapella at its best. Den beiden Sängern des Ensemble Basque hätte man noch stundenlang zuhören können.

Schleswig-Holstein Musik Festival 2017
Katja und Marielle Labèque: Roots
Maurice Ravel
- Ma mère l'oye / Ballettmusik
- Rhapsodie espagnole
- Boléro / Fassung für zwei Klaviere und Percussion
sowie baskische Volksmusik


Abbildungsnachweis:
Header: Katia und Marielle Labèque. Foto: PR Weingold & Böhm

Kommentar verfassen
(Ich bin damit einverstanden, dass mein Beitrag veröffentlicht wird. Mein Name und Text werden mit Datum/Uhrzeit für jeden lesbar. Mehr Infos: Datenschutz)

avatar C.Müller
+1
 
 
Erhalt des Kultursommers auf der Trabrennbahn Bahrenfeld.

Wo haben wir sonst eine so tolle und große Open Air Fläche?
Leute bewegt euch.
Ihr Name (erscheint mit ihrem Kommentar) *
Ihre Email (Nur für unseren Bestätigungslink)
Code (Hier eintragen)   
ChronoComments by Joomla Professional Solutions
Meinen Kommentar abschicken
Abbrechen
Ihr Name (erscheint mit ihrem Kommentar) *
Ihre Email (Nur für unseren Bestätigungslink)
Code (Hier eintragen)   
Meinen Kommentar abschicken
 
Home > Blog > Festivals, Medien & TV > Roots – Katja und Marielle Labèque zum Sch...

Mehr auf KulturPort.De

„Carte Blache“ in der Galerie Hengevoss-Dürkop
 „Carte Blache“ in der Galerie Hengevoss-Dürkop



Wann bekommt man schon mal eine Carte Blache – zumal von einer Galeristin? Doch Kerstin Hengevoss-Dürkop hatte volles Vertrauen zu dem belgischen Künstler Va [ ... ]



Die Stunde der Matrosen – Kiel und die deutsche Revolution 1918
 Die Stunde der Matrosen – Kiel und die deutsche Revolution 1918



Zehn Tage dauerte der Aufstand. Gemeint ist der Matrosenaufstand in Kiel. Der Aufstand brach Ende Oktober 1918 auf den Schiffen der Hochseeflotte vor Wilhelmshav [ ... ]



Es läuft und läuft und läuft: 15 Jahre „Heiße Ecke“ im Schmidt's Tivoli
 Es läuft und läuft und läuft: 15 Jahre „Heiße Ecke“ im Schmidt's Tivoli



Von solchen Zahlen kann man nicht einmal träumen. Rund 42000 Kondome, 25 000 Würstchen, 16800 Waschmaschinenladungen und 12600 Bierdosen wurden in sage und sch [ ... ]



Ludwig und Benyamin Nuss: Songs & Ballads
 Ludwig und Benyamin Nuss: Songs & Ballads



Zwei Instrumente, zwei Musiker – Vater und Sohn – ein Duo-Debüt-Album mit Liedern und Balladen. Zwei die sich verstehen und sich offensichtlich mit musikali [ ... ]



„Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm”. Dialektik für Genießer
 „Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm”. Dialektik für Genießer



In „Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm” schildert Regisseur Joachim A. Lang die Querelen um jenes nie gedrehte Leinwand-Epos, während er es zugleich [ ... ]



Lana Cenčić: Sama
 Lana Cenčić: Sama



Ein Soloalbum, dass vom ersten Song an besticht. Die Kroatin Lana Cenčić, mit Wohnsitz in New York und beeindruckender Stimme nennt ihre neue Platte „Sama“ [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.