Anzeige

Wer ist online?

Wir haben 635 Gäste online

Neue Kommentare

Hans-Joachim Schneider zu Meine 18. Lange Nacht der Museen in Hamburg: Herrrlisch, würde der Rheinländer in mir sagen....
Wajda Art zu „A Beautiful Day”. Joaquin Phoenix- Racheengel oder Erlöser?: Wir suchen nach Enthusiasten der Kinematographie ...
Manfred Köck zu Im Wunderland der Wünsche. Laila Biali: schade, dass sie nicht mit ihren stammmusikern un...
Helmuth Barth zu Thomas Gainsborough – die moderne Landschaft: Vorausschicken möchte ich, dass ich neben Bilder...
Anna Grillet zu „Call Me by Your Name”. Die Sinnlichkeit des Luca Guadagnino: Leider nein, kann die bitterböse ästhetisch bri...

Lange Nacht der Museen Hamburg

Hamburger Architektur Sommer 2015


Literatur

Elke Heidenreich – Geschichten über das Leben: „Alles kein Zufall“

Drucken
(78 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Mittwoch, den 25. Oktober 2017 um 09:55 Uhr
Elke Heidenreich – Geschichten über das Leben: „Alles kein Zufall“ 4.1 out of 5 based on 78 votes.
Elke Heidenreich – Geschichten über das Leben: Alles kein Zufall

Elke Heidenreich war und ist vieles: Literaturkritikerin, Kabarettistin, Journalistin, Moderatorin. Und sie kann sehr gut vortragen. Das gilt auch und vor allem für ihre eigenen Texte.
Derzeit sind Elke Heidenreich und ihr kongenialer Begleiter, der Pianist und Komponist Marc-Aurel Floros auf Lesereise. Kürzlich war das gut eingespielte Vortragspaar im Lübecker Kolosseum zu Gast. Hier las Elke Heidenreich aus ihrem Buch „Alles kein Zufall“, das 2016 im Hanser Verlag erschien und nun auch als Taschenbuch im S. Fischer Verlag erhältlich ist. Passende Musikstücke begleiteten die Lesung, garniert vom Applaus des mehr und mehr hingerissenen Publikums. Mit freundlichem Applaus wurden die beiden empfangen, mit tosendem Beifall von der Bühne entlassen.

In der Kürze liegt die Würze wird gesagt. Auf die Autorin Elke Heidenreich trifft dies voll und ganz zu. In „Alles kein Zufall“ mit dem Untertitel „Kurze Geschichten“ blättert die Bestsellerautorin ein Kaleidoskop von Alltagssituationen auf. Sie erzählt vom Leben im Allgemeinen, insbesondere vom eigenen. Sie erzählt von Liebe und Streit, von Begegnungen und Trennungen, von tierischen und menschlichen Beziehungen - und damit auch von uns allen. Elke Heidenreichs Geschichten seien „ironisch, zärtlich, humorvoll, melancholisch im Grundton“, so Lübecks Hugendubel-Belletristik-Fachfrau Martina Dusollier zu Beginn der Lesung mit Musik im Lübecker Kolosseum. Sie seien aber auch „überraschend, lustig, traurig und manchmal ganz banal.“ Auch davor scheut die Autorin nicht zurück. „Sie entdeckt im Kleinen das große Ganze und sie gibt sehr viel von sich preis“, betonte die Buchhändlerin.
Während der Lesung erfuhr das Publikum weitaus mehr von Elke Heidenreich als das, was in ihrem Buch steht. Als sie die Geschichte „Allein“ vorträgt, gesteht sie, „mein Leben lang war ich leicht entflammbar.“ Woraufhin der Pianist sogleich den Hochzeitmarsch spielt. Überhaupt: es funktioniert gut zwischen den beiden, mit den beiden, mit dem Publikum. Marc-Aurel FLoros hat immer die passende Musik zum Text parat. Das kommt an beim Publikum. Das gilt auch für die Geschichten, die Elke Heidenreich geschrieben hat und vorträgt. Ein paar Beispiele sollen an dieser Stelle kurz angerissen werden: Da stellt ein Hotelgast, der einst ein „Don Juan“ war, in der gleichnamigen Geschichte vor seine Hotelzimmertür immer auch ein paar rote Damenschuhe neben die seinigen. Man kann sich denken, warum: Er ist aus Altersgründen kein Don Juan mehr, will aber weiterhin als ein solcher wahrgenommen werden. Oder: Die 90jährige Großmutter wünscht sich Rollschuhe zum Geburtstag und bekommt sie. Oder: Die Mutter ruft ständig an und stört bei der Arbeit, findet trotz Ermahnung immer wieder eine Notwendigkeit anzurufen. Oder: Ein Haus soll verkauft werden; dies wird fast verhindert durch die Aussagen der Großmutter.
So sind sie, die Geschichten in „Alles kein Zufall“. Elke Heidenreich beschreibt in traurigen und komischen Szenen Situationen, in denen sich jeder von uns wiedererkennen kann. Ein Buch also, das uns alle angeht. Schließlich wollen wir alle immerfort glücklich sein. Doch was ist eigentlich Glück? Und wer ist schon dauerhaft glücklich? Was ist dieses Leben, diese Aufeinanderfolge von unterschiedlichen Momenten? Schaut man genau hin, ist so ein Menschenleben mit all seinen Glücks- und Unglücksfällen alles andere als Zufall.

Elke Heidenreichs Liebe gilt den bunten, eigensinnigen Vögeln, die weder alles fressen wollen noch sterben, sondern leben. Am liebste so, wie es ihnen gefällt. Diese Menschen sind wie sie selbst und wie viele andere Menschen, von denen sie mit viel Humor und großer Anteilnahme erzählt. „Die Urgroßmutter sah streng über ihre Brille und sagte: Friss Vogel, oder stirb. In der Erinnerung an sie gibt es nur diesen einen Satz.“ So beginnt die Geschichte „Friss Vogel“. Doch wieviel mehr Erinnerung wird ausgelöst durch diesen einen Satz. Ein ganzes Leben breitet sich aus, mehr noch: das Leben einer ganzen Familie. Ein hübscher Einfall, ein kleiner Kunstgriff.

COVER Elke Heidenreich – Alles kein ZufallEs gibt durchaus auch schwächere Geschichten, in denen der an sich schöne Sprachfluss durch ein Wort oder zwei gestört wird. So in „Allein“ durch die beiden Wörter „auch mal“ („Ganz allein sein an Orten, an denen man glücklich war, das ist schwer. Da sitzt einer mit Hund – ich saß dort auch mal mit einem Hund, den es nicht mehr gibt.“). Das könnte anders und besser klingen in dieser Geschichte, die uns mit leicht erhobenem Zeigefinger hinweist auf ohnehin leicht zu begreifende Schlussfolgerungen. Manchmal könnte auch ein Schlusssatz weggelassen werden. Getreu dem Motto, weniger ist mehr. Im Großen und Ganzen aber ist dies ein äußerst kurzweiliges und sehr unterhaltsames Buch. Leicht und überall zu lesen, ob in der U-Bahn, im Regionalzug oder im Strandkorb am Meer. Überall dort, wo man die Augen nicht für Ausblicke öffnen möchte, sondern lieber nach innen schaut – ins eigene Leben oder in das Leben der anderen.

Mit einem Zitat von Susan Sonntag beginnt das Buch, dessen Inhalt alphabetisch geordnet ist: „Wenn eine Leidenschaft nachzulassen beginnt, ist es wichtig, sich sofort eine andere zu schaffen, denn die ganze Kunst, das Leben erträglich zu machen, besteht darin, sich an allem ein Interesse zu bewahren.“ Gemeint ist sicher nicht, sich nach einer vergangenen Liebe sofort eine neue zu suchen, sondern einer anderen Leidenschaft wie Stricken, Kochen, Musik, Theater, Lesen nachzugehen. Das kann angespannte Situationen durchaus entspannen, neue Perspektiven eröffnen und scheinbar unerträglichen Schmerz lindern. So ist das mit diesem Buch. Es ist eben „Alles kein Zufall“!

Elke Heidenreich, Alles kein Zufall, Kurzgeschichten
Hanser Verlag, München 2016
ISBN 9783446246010
Gebunden, 240 Seiten, 19,90 Euro

Taschenbuch:
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main
ISBN: 9783596296507
240 Seiten, 9,99 Euro

Vita
Elke Heidenreich lebt in Köln. Sie studierte Germanistik und Theaterwissenschaft und arbeitete bei Hörfunk und Fernsehen. Bei Hanser erschienen zuletzt Rudernde Hunde (mit Bernd Schroeder, Geschichten 2002), Der Welt den Rücken (Geschichten 2012), Alte Liebe (mit Bernd Schroeder, Roman 2009), Passione (Liebeserklärung an die Musik 2009) und Alles kein Zufall (Kurze Geschichten 2016). Im Kinder- und Jugendbuch veröffentlichte sie Nero Corleone kehrt zurück (mit Quint Buchholz, 2011), Nurejews Hund (mit Michael Sowa, 2013), Erika (mit Michael Sowa, 2015) und Erika meets Nero Corleone (Elke Heidenreichs schönste Geschichten, E-Book 2016). Literaturpreise: Julius-Campe-Preis 2010. (Quelle: Hanser Verlag)


Abbildungsnachweis:
Header: Signierstunde im Lübecker Kolosseum: Foto: © Marion Hinz
Coverbild: S. Fischer Verlag

Eigenen Kommentar verfassen (Gasteintrag möglich - Bitte achten Sie auf unsere Email ggf. in Ihrem Spam-Order und klicken den Bestätigungslink)

Ihr Name (erscheint mit dem Kommentar) *
E-Mail (Nur für Bestätigungslink & Antworten)
Code   
Kommentar abschicken
 

Home > Blog > Literatur > Elke Heidenreich – Geschichten über das Le...

Mehr auf KulturPort.De

Aspekte Festival 2018 – frozen gesture
 Aspekte Festival 2018 – frozen gesture



Welche kulturellen Spartenschubladen haben wir im Kopf? Wo ist der urbane, kulturelle Humus zu finden? Wieviel Bereitschaft zeigt Publikum für Entwicklungsphase [ ... ]



Meine 18. Lange Nacht der Museen in Hamburg
 Meine 18. Lange Nacht der Museen in Hamburg



...beginne ich, indem ich mit meinem Navi streite. Das tut so, als wüsste es nicht von der traurigen Tatsache, dass es in dieser Stadt mehr Baustellen als Kultu [ ... ]



Yvonne von Schweinitz: Syrien – Fragmente einer Reise. Fragmente einer Zeit
 Yvonne von Schweinitz: Syrien – Fragmente einer Reise. Fragmente einer Zeit



Wie nähert man sich in einer Fotoausstellung einem Land, deren Menschen tagtäglich durch Gewalt sterben, auf der Flucht, im Exil, traumatisiert sind, deren mat [ ... ]



„A Beautiful Day”. Joaquin Phoenix- Racheengel oder Erlöser?
 „A Beautiful Day”. Joaquin Phoenix- Racheengel oder Erlöser?



Lynne Ramsay inszeniert ihre virtuosen Thriller-Impressionen als Exkursion in die Abgründe der Seele.
Ein Auftragskiller ist Joe (Joaquin Phoenix) nicht, er t [ ... ]



Günter Grass-Haus Lübeck: George Bernard Shaw und die Fotografie
 Günter Grass-Haus Lübeck: George Bernard Shaw und die Fotografie



George Bernard Shaw (1856-1950) ist vor allem bekannt für sein dramatisches Werk, das über 50 Theaterstücke umfasst. Doch der Künstler hat sich zeitlebens in [ ... ]



Im Wunderland der Wünsche. Laila Biali
 Im Wunderland der Wünsche. Laila Biali



Wie konnte sich eine 16jährige Kanadierin, die Opernarien singt und klassische Pianistin werden will, zu einer über jeden „No street credibility“-Verdacht  [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Anzeige


Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.