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Literatur

Dirk C. Fleck: „Feuer am Fuß“. Reality Fiction pur

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Mittwoch, den 28. Oktober 2015 um 11:00 Uhr
Dirk C. Fleck: „Feuer am Fuß“. Reality Fiction pur 4.6 out of 5 based on 137 votes.
Dirk C. Fleck: „Feuer am Fuß“. Reality Fiction pur

Für den ersten Band seiner „Maeva“-Trilogie ist der Hamburger Schriftsteller Dirk C. Fleck mit dem Deutschen Science-Fiction-Preis ausgezeichnet worden, so wie schon 1994 für seinen Ökotriller „GO!“ Nach dem „Tahiti-Projekt“ und „Maeva!“ erscheint nun der dritte Band der Trilogie, „Feuer am Fuß“. KulturPort.de veröffentlicht exklusiv den packenden Roman ab Montag, den 2. November in 19 längeren Ausschnitten. Und veranstaltet am 16. November auch die Premieren-Lesung aus diesem Buch, das fesselt und niemanden kalt lässt.

Dirk C. FleckDirk C. Fleck, Jahrgang 1943, findet klare Worte, wenn er über die globalen Umweltzerstörungen redet. Er ist so etwas wie der Vater des deutschen Öko-Thrillers. Er schrieb u. a. für „Stern“, „Spiegel“, „Geo“, „Morgenpost“, „Welt“, „Tempo“ und „Merian“ – das „Tahiti-Projekt“ wurde im „Hamburger Abendblatt“ veröffentlicht. Fleck beschäftigt sich seither wieder und wieder mit den globalen Umweltzerstörungen, die immer umfassender die Lebensgrundlagen der Menschheit angreifen.

„Das Tahiti-Projekt“, das überraschende und faszinierende Auftaktbuch der Öko-Trilogie, spielt im Jahre 2022 und macht eine sozio-ökologische Gesellschaft erlebbar, die sich abseits des globalen Wahnsinns in der Südsee formiert. Der zweite Band, „Maeva!“, handelt im Jahr 2028 davon, wie dieses positive Virus von Tahiti aus in die Welt getragen wird und auf welche Widerstände Maeva stößt, die Protagonistin der neuen Weltordnung, die sich selbst als Jeanne dArc der Ökologie begreift.

Und nun „Feuer am Fuß“. Das Buch heißt so, sagt der Autor, weil wir bald über verbrannte Erde gehen werden. Die Öko-Sünden unserer zerstörerischen Lebensweise nehmen tödliche Rache, die alten staatlichen, wirtschaftlichen und Kommunikationsstrukturen zerfallen, die Welt, wie wir sie kennen, funktioniert nicht mehr. Verantwortliche für diese Entwicklung, auch der frühere US-Präsident Obama, werden entführt und in der kalifornischen Öko-Diktatur ECOCA in einem medienwirksam inszenierten Schauprozess vor Gericht gestellt.

Dirk C. Fleck beschreibt keinen singulären Störfall. Überall brechen die alten Netze und Strukturen zusammen. Die Folgen des Global Dimming, der Helligkeitsverminderung durch Umweltverschmutzung, werden spürbar. Öko-Guerrilleros verursachen als Terror-Hacker Flugzeugunglücke. In Fessenheim gerät ein Atomzwischenlager außer Kontrolle. Ganze Metropolregionen wie Mumbai oder Mexico City kollabieren. Und der Autor dieses Infernos sitzt in Eimsbüttel und sagt bedächtig: „Der ganze Planet ist verfault – überall. Nicht mehr lebensfähig. Ein schmerzliche Entwicklung.“ Fleck findet starke Worte dafür, so wie vor einiger Zeit schon im kultur-port-Gespräch: „Wir Menschen haben Jahrhunderte lang in unser Wohnzimmer uriniert. Anstatt aber unsere Lebensweise zu hinterfragen, diskutierten wir lieber über die Saugfähigkeit des Teppichs. Erst jetzt, da der Sättigungsgrad des Teppichs erreicht ist, beginnen wir allmählich aufzuwachen.“

Dirk C. Flecks Bücher sind so beklemmend, weil er nicht Science Fiction schreibt, sondern Reality Fiction
Fleck beschreibt keine Erfindungen seiner überhitzten Fantasie – er hat, Journalist bleibt man ein Leben lang, akribisch recherchiert. Er schreibt über mörderische Fakten, über tatsächliche Entwicklungen. Nicht Science Fiction, sondern Reality Fiction.
Er selbst ist der Überzeugung, dass die Menschheit längst die Kreuzung überschritten hat, an der sie noch einen Weg zur ökologischen Vernunft hätte finden können. Und findet es doch „angenehm zu sehen, wie viele, anders als vor 20 Jahren, Initiativen und Gruppen unabhängig von dem maroden Gesellschaftssystem sich auf den Weg gemacht haben. In einer hoffnungslosen Situation.“
Auch seinen neuen Roman hat er nach dem Motto geschrieben: Wir machen Hoffnung statt Angst. Auch dort gehen längst die Keime einer neuen Weltsicht und Weltordnung auf. Mehr als 1000 autonome Regionen weltweit organisieren als URP (United Regions of the Planet) das Zusammenleben in überschaubaren Räumen und Gruppen neu und anders. Dabei wird das Buch beängstigend aktuell: Auch diese Keimzellen müssen sich und ihre Grenzen schützen – vor marodierenden Plünderern, vor Gewalt und vor Seuchen.

Die Menschen seiner Endzeitkrise sind auf Entzug, denn Konsum, Internet, unbegrenzte Mobilität funktionieren nicht mehr. Deshalb vertrauen viele wieder auf das Wissen von Weisen, die vor allem eine ganzheitliche Auffassung von der Welt predigen. Und wissen: Weniger ist mehr. „Mit Schamanen meine ich nicht die klassischen Medizinmänner, sondern Künstler, Wissenschaftler, Vertreter einer anderen Form von Wahrnehmung und eines anderen, achtsameren Lebens. Menschen, die wissen, dass die Erde ein Lebewesen ist, das sich wehrt, wenn es misshandelt wird.“

Woher kommt seine Hoffnung in all der Hoffnungslosigkeit? „Das ist ein persönlicher Traum, den wir jetzt nötiger haben denn je. Den gönne ich mir, um nicht verrückt zu werden.“ Es ist ein bisschen die letzte Hoffnung auf ein Wunder, eines auf spiritueller Ebene, denn politisch und wirtschaftlich sieht es so aus, als sei alles ausgereizt, als sei mehr Vernunft nicht mehr zu erwarten.

Dirk C. Fleck: „Feuer am Fuß“Helfen könnte die Erinnerung, dass wir Teile eines gemeinsamen großen Ganzen sind
Aber warum dann ausgerechnet Schamanen? „Das Problem ist doch nur, dass wir Probleme mit dem Wort ‚spirituell’ haben. Ich meine damit die Rückerinnerung und das Bewusstsein davon, dass wir alle die gemeinsame Luft atmen, dass wir nicht wissen, welche Energie unser Herz schlagen lässt und drittens, dass wir unsere Ängste, wo und warum wir leben, nur verlieren können, wenn wir uns in das alte Urvertrauen begeben, dass wir Teile eines gemeinsamen großen Ganzen sind. Das könnte vielleicht gerade noch die Selbstheilung des Systems Erde anstoßen.“ Wir könnten, meint Fleck, diese spirituelle Essenz, die in jedem vorhanden ist, wecken und ihre Kraft nutzen.

„Wann, wenn nicht jetzt, wollen wir damit beginnen, dem Wahnsinn Einhalt zu gebieten und dem Leben wieder ein Chance zu geben?“ schreibt Eric Bihl im Schlusswort zu Flecks Roman. Bihl gehört zu der Gruppe der „Equilibristen“, die versuchen, diese Änderung der Lebensgewohnheiten Realität werden zu lassen. Sie haben Fleck beim Schreiben seiner Trilogie unterstützt. Und sie probieren, so wie er es im „Tahiti-Projekt“ beschreibt, ein Territorium, am liebsten eine Insel, zu finden, wo nach den neuen Prinzipien gelebt wird – oder wenigstens vorgeführt wird, wie das möglich sein könnte. Ein Versuch, das in der Südsee auf Rapa Iti hinzubekommen, ist gescheitert. Aber Fleck ist sich sicher: sie werden nicht locker lassen.

Ein bisschen fühlt sich Fleck als Rufer in der Wüste, ausgebrannt nach dem Schreiben dreier Bücher gegen die Hoffnungslosigkeit. „Man ist am Ende doch mit Einsamkeit konfrontiert – man glaubt, dass alle anderen die Bedrohung auch sehen, stellt aber immer wieder fest: Das ist nicht der Fall. Ich sitze ja nur am Schreibtisch und habe aufgeschrieben, was passieren wird. Gefährlich würde es, ,,wenn man die Dinge und Macher, auf die man dabei stößt, beim Namen nennt.“ Die Mechanismen schimmern durch, und schon das ist so spannend, dass man sich beinahe wundert, dass Hollywood nicht schon längst zugegriffen hat – Fleck liefert schließlich verdammt starke Bilder.
„Feuer am Fuß“, so sagt sein Autor, beschreibt nicht weniger als den Untergang unserer Zivilisation, der sich für alle erkennbar seit geraumer Zeit ankündigt. „Dennoch glaube ich daran, dass der Mensch zu einem Bewusstseinswandel fähig ist. Allerdings braucht es dafür wohl die ultimative Katastrophe, in der das alte Spiel, die alten Verhaltensweisen nicht mehr möglich sind.“ Doch diese Rettung fällt nicht vom Himmel: „Es beginnt, wenn wir anfangen zu handeln.“

Am Ende fühlt sich Fleck wie sein Romanheld, der umgedrehte Katastrophenreporter Cording, der weiß, dass die heilenden Kräfte den Kampf gegen das Böse aufgenommen haben. Doch Cording geht ins Nichts, ihm bleibt das Erleben der Verheißung versagt wie dem Mann Moses, der das gelobte Land auch nur sehen, aber nicht betreten durfte.

„Feuer am Fuß“. Der dritte Band der „Maeva“-Trilogie von Dirk C. Fleck ist erschienen im Verlag p.machinery, ISBN978 3 95765 037 5. Er kostet 14,90 Euro und kann über alle Buchhandlungen bestellt werden und im Shop bei www.dirk-c-fleck.de
Weitere Informationen zu „Feuer am Fuß"

KulturPort.De veröffentlicht ab Montag, den 2. November alle zwei Werktage und in 19 Folgen vom Autor ausgewählte Passagen des Romans, der vor kurzem erschienen ist.

KulturPort.De – Live veranstaltet die Premieren-Lesung: Dirk C. Fleck liest aus „Feuer am Fuß“ am Montag, den 16. November 2015 im HADLEY’S, Beim Schlump 84A. Einlass: 19h, Beginn: 20h. Eintritt: 8 / erm. 5 Euro
Anmeldung unter: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.


Abbidlungsnachweis:
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Dirk C. Fleck
Buchumschlag

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avatar Chris Wolff
+6
 
 
Ich habe das Buch bereits gelesen und kann nur sagen: Es ist spannend und informativ. Die Bezeichnung Reality Fiction trifft den Nagel wirklich auf den Kopf und ich kann das Buch nur wärmstens empfehlen - auch die anstehende Lesung am 16.11. im www.hadleys.de, zu der ich selbst redend auch gehen werde!
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avatar Friedrich Hasse
+5
 
 
Ein erstaunliches Buch, in dem Fleck die Balance zu halten versteht zwischen Depression, Melancholie und Zuversicht. Dass das kapitalistische Gier-System dem Untergang geweiht ist, sollte inzwischen jedem klar sein. Auch die vom Autor so drastisch beschriebenen Folgen dieses Untergangs scheinen mir nicht mehr aus der Luft gegriffen. Umso erfrischender ist der Ausweg, den Fleck beschreibt. Ein wichtiges Buch, gerade für die jüngere Generation. Ich kenne die beiden Romanvorgänger nicht, werde sie mir aber jetzt besorgen
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avatar Susanne Gehring
+1
 
 
Ich habe Dirk Fleck vor Jahren einmal auf einer Lesung in Rottweil erlebt. Ich bewundere sein Engagement und seine fast prophetische Weitsicht. Wir bräuchten viel mehr von seiner Sorte. Danke an die Macher von Kulturport für den Abdruck seines neuen Romans,, den ich mir natürlich sofort bestellen werde.
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