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Literatur

Das Weihnachtsverbrechen

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Freitag, den 11. Dezember 2009 um 10:26 Uhr
Das Weihnachtsverbrechen 4.5 out of 5 based on 86 votes.

Leider konnte er sich nicht durchsetzen, was den Abstieg vom Turm anging.
„Du kannst ja den Fahrstuhl nehmen. Ich lauf wieder Treppe!“, erklärte das Kind, schon auf dem Weg nach unten. Jan hielt sich krampfhaft am harten, kalten Geländer fest und setzte die Füße erneut seitlich. Auf dem Weg nach unten war das noch anstrengender. Morgen würde er Muskelkater haben. Aber vielleicht auch schon die Sechzigtausend, abzüglich Spesen…
Weil Axel jetzt auf die Toilette musste, beschloss Jan, sich um den geschäftlichen Teil zu kümmern. Eigentlich war es ja höchste Zeit. Wahrscheinlich suchten die Eltern schon voller Angst nach ihrem Söhnchen. Vielleicht hatten sie schon die Polizei verständigt?
Nein, Baffi hatte ja gesagt: ‚Du kannst drei bis vier Stunden warten, vorher denken die, er ist sonst wo und suchen noch selbst.’

Jan verkroch sich mit seinem Handy in eine windige, ungestörte Ecke und rief die Nummer an, die er, zusammen mit der Adresse der Familie Borges, erhalten hatte.
Dreimal klingelte es am anderen Ende, dann wurde abgehoben und eine helle Kinderstimme rief: „Alexander Borges!“
Jan starrte vor sich hin. Fast hätte er die rote Taste gedrückt, aber dann fragte er doch noch einmal nach: „Wer ist da - ?“
„Alexander Borges. Wen wollen Sie denn…“
Jetzt unterbrach er das Gespräch.
Weil seine Beine sowieso durch das unendliche Treppengekletter zitterten, setzte er sich auf eine der größeren, steinernen Stufen hier unten am Fuß des Turms.
Axel kam aus der Klotür und hüpfte zu ihm, erst strahlend, dann plötzlich besorgt: „Hast du was, Yaya? Ist dir auch übel?“
„Ein bisschen, ja. Du, sag mal, Axel, wie heißt du eigentlich mit vollem Namen?“
„Ich? Axel Phillip Teubner. Und du?“
Jan fragte weiter: „Und wo wohnst du?“
„In der Oberstraße… Wieso? Willst du mich nach Hause bringen?“, fragte Axel misstrauisch.
Jan beachtete die Frage nicht. „Wohnen da noch andere Leute im Haus?“
Der Junge zog an den Schnüren seiner Kapuze. „Das Haus gehört dem alten Borges. Der wohnt da. Und seine Frau und dieser total ätzige Alexander. Der ist so doof! Der ist sooo doof! Der geht in meine Parallelklasse, ein Glück nicht in meine Klasse. Ja, und wir wohnen gerade mal in der Wohnung ganz unten, weil, mein Großvater ist Hausmeister und Gärtner und so für den alten Borges. Opa wohnt da immer. Und mein Pappi hat Pech gehabt, sein ganzes Büro ist gepfändet worden, deshalb dürfen wir jetzt ein Bisschen bei Opa wohnen, das erlaubt der alte Borges.“
„Ah. Ich verstehe“, murmelte Jan.

Die Rechenmaschine in seinem Kopf war gerade explodiert.
„Aber mein Pappi hat bald wieder ein neues Büro. Da muss er dran arbeiten. Deshalb ist er auch so viel weg. Deswegen hat er nie Zeit für mich. Na ja, und weil er diese Freundin mit den dicken Wimpern hatte.“
Jan lehnte den Kopf an die kalte Mauer und blickte steil nach oben.
„Ist dir jetzt schlecht? Tief atmen!“, riet Axel.
Jan nickte. „Ja. Danke.“ Er zog sein Brillenetui aus der Manteltasche, klappte es auf und setzte sich die Brille langsam und umständlich auf.
„Brauchst du die?“, fragte das Kind erstaunt.
„Ja. Dringend.“
Jan fuhr sich mit den Fingern durch die Haare, verwuselte seinen Scheitel und holte zweimal tief Luft.
„Ist dir jetzt wieder besser?“
„Viel besser!“, sagte Jan. Und das stimmte. Er fühlte sich unendlich erleichtert und er kam sich plötzlich so unschuldig vor. Arm, aber unschuldig.



 
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