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„Sie kann ja wohl kaum hübscher gewesen sein als meine Mutter!“, stellte Axel fest. „Und außerdem war sie eigentlich überhaupt nicht hübsch. Meine Mutter, wenn die lacht, da fühlt man sich immer sofort ganz gut. Und diese Frau… die hatte nur so dicke Wimpern und so was. Ich hab sie nämlich gesehen.“
„Du hast die Freundin deines Vaters gesehen?“
„Ja. Deshalb bin ich doch Schuld, dass es raus gekommen ist. Ich hab sie gesehen und es meiner Mutter erzählt. Mein Vater sagt jetzt, ich hätt’s ihr nicht erzählen dürfen. Ich hätte nur mit ihm darüber sprechen sollen.“
„Ja, vielleicht hat er da Recht…“
„Aber warum hätte ich es ihm sagen sollen? Er wusste es doch schon!“
„Ich meine, du hättest ihm vielleicht sagen sollen, dass du ihn mit seiner Freundin beobachtet hast. Ohne es gleich deiner Mutter mitzuteilen.“
„Also, ihr seid gut! Einerseits immer: Sag bloß unter allen Umständen die Wahrheit und Lügen ist ganz böse. Und dann wieder soll man lügen.“
„Vielleicht nicht direkt lügen. Aber man muss ja nicht alles petzen…“
„Ach ja? Und wenn meine Mutter mich fragt, ob ich weiß, wo Pappi ist? Soll ich dann lügen und sagen, nein, keine Ahnung?“
„Ähm, nein…“
„Oder soll ich sagen, ich weiß, wo er ist, aber ich will nicht petzen?“
„Auch schlecht, du hast Recht. Und jetzt haben deine Eltern sich wieder vertragen?“
Axel schüttelte den Kopf und biss wütend in seinen Daumen. „Nein! Sie wollen bloß zusammen bleiben, weil sie mich beide behalten wollen. In der U-Bahn gibt’s so ‘n Zwischenstück zwischen zwei Waggons, das quietscht immer in der Kurve. So was bin ich.“
„Tja!“, meinte Jan abschließend, in der Hoffnung, das Gespräch damit zu beenden.
Aber Axel war noch nicht fertig: „Ich will aber kein Zwischenstück sein! Immer sagt mein Vater, er hat keine Zeit für mich. Aber für so ’ne Frau hat er Zeit!“ Er schüttelte den Kopf über seinen Vater. Unter seinen klaren blauen Augen saßen blasse Sommersprossen. Im Unterkiefer fehlte ihm ein Schneidezahn, wuchs aber schon nach.
„Mein Freund Luca, der hat einen coolen Vater. Der geht mit ihm zum Weihnachtsdom und so. Und in die Dungeons. Weißt du, was das ist, die Dungeons?“

Jan nickte geistesabwesend.
Baffi hatte gesagt: ‚Das schwierigste ist, das Balg so zu stibitzen, dass es keiner mitkriegt.’ Das hatte er ja bereits gut hinbekommen. Der Rest, hatte Baffi gemeint, sei nicht so schwer: ‚Du benutzt deine nette, kultivierte Stimme am Handy und sagst den Eltern, du willst nur sechzigtausend. Keine Millionen oder so, trotzdem die das ja hätten. Du musst sagen, du weißt selbst, das ist nicht viel, aber du willst wirklich keinen Ärger. Sag, du bist in einer Notlage, sonst würdest du so was nie machen. Und sie könnten sicher sein, dass es ihrem Spross gut geht und sie ihn heil wiederkriegen. Ach ja, und sieh zu, dass er dich nicht beschreiben kann…’

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