Neue Kommentare

Herby Neubacher zu Es läuft und läuft und läuft: 15 Jahre „Heiße Ecke“ im Schmidt's Tivoli: Rund 42000 Kondome, 25 000 Würstchen, 16800 Wasc...
Patrick Dissinger zu „Foxtrot”. Samuel Moaz und das Konzept des Zufalls: Ein exzellenter, sehr kluger Film. Danke für den...
erlenmeier zu Historische Tankstellen – auf Spurensuche in Hamburg : Ich arbeite seit vielen Jahren beim Forum geschic...
Bartholomay zu Berliner Mauer 57. Jahrestag: Gedenkfeier ? Um von ihren Taten gegen die ehemal...
Herby Neubacher zu Eindringlicher Holocaust-Roman von Affinity Konar: „Mischling“ – keine leichte, aber lohnende Lektüre: Das hat uns jetzt eigentlich noch gefehlt - Erinn...

Lange Nacht der Museen Hamburg

Hamburger Architektur Sommer 2015


Literatur

Kurt Pätzold: „Zweiter Weltkrieg". Die entscheidende Königsfrage

Drucken
(136 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Donnerstag, den 20. November 2014 um 11:39 Uhr
Kurt Pätzold: „Zweiter Weltkrieg". Die entscheidende Königsfrage 4.3 out of 5 based on 136 votes.
Kurt Pätzold: „Zweiter Weltkrieg

Es ist ein Geschenk für alle, die Geschichte ernst nehmen und ernsthaft nach den Ursachen von Kriegen, speziell der Deutschen Schuld am zweiten Weltkrieg, fragen.
Kein Geringerer als Kurt Pätzold hat nunmehr im PapyRossa Verlag auf 143 Seiten einen Abriss über die Geschichte des Zweiten Weltkrieges vorgelegt. Ein Geschenk deshalb, weil die Ursachen sowohl des Ersten als auch des Zweiten Weltkrieges weitgehend umgangen werden. Der Autor kommt damit, wie er schreibt, dem „Bedürfnis nach gedrängter erste Orientierung ermöglichender Literatur“ der jüngsten Generation entgegen. Das umso mehr, da es „noch immer unterschiedliche, teils konträre Sichten auf den Krieg, namentlich auf seine Vorgeschichte gibt.“

Er schreibt von Ignoranz, wenn von 1.200 Titeln zum Zweiten Weltkrieg nur zehn aus der DDR genannt werden, als habe es „eine ostdeutsche Geschichtsforschung über den Krieg der Jahre 1939 bis 1945 nicht gegeben“. Im Anhang zählt er dagegen 26 DDR-Titel auf.

Kurt Pätzold, Prof. Dr. phil., geboren 1930. Er lehrte bis 1992 als Professor für Deutsche Geschichte an der Humboldt-Universität zu Berlin. International renommierter Historiker und Faschismusforscher. Veröffentlichte zuletzt bei PapyRossa: „Kein Streit um des Führers Bart. Kontroversen um Deutschlands ´dunkle Jahre´ 1933 bis 1945“.

Interessierte Leser werden mit diesem faktenreichen Buch auf ihre Kosten kommen. Hieb- und stichfest bringt der Autor auf den Punkt, welche Umstände und internationale Konflikte zum Kriege geführt haben und dass Ende des Jahres 1941 bereits 38 Staaten in ihn verwickelt waren. Gründlich geht er auf die Gründe dieses Verbrechens ein. „Anders als 1914 gab es 1939 in Europa nur einen Staat, der den Krieg geplant hatte, ihn wollte und begann: das faschistische Deutschland und dessen revanche- und expansionshungrige Kreise in Politik, Militär und Wirtschaft“, so Kurt Pätzold. Man wollte sich mit den Resultaten des ersten verlorenen Krieges und mit den Bedingungen des „Versailler Diktates" auf Dauer nicht abfinden, so liest man es. Eine große Rolle spielte, so der Autor, die Hoffnung Frankreichs und Großbritanniens, „Deutschland werde seine aggressiven Kräfte nach Osteuropa und gegen die UdSSR richten und damit eine Aufgabe erledigen, die im Interesse aller Kräfte des internationalen Kapitals lag“. Das Ziel: Die Vernichtung der UdSSR und die Eroberung eines Kolonialreiches. Hitler schwebte vor, über Ressourcen zu gebieten, um am Ende jedem Gegner in einem beliebig langen Krieg siegreich zu trotzen.

Kurt Pätzold: Zweiter WeltkriegDer Autor streift in diesem Abriss der Geschichte bekannte und auch stark diskutierte Themen. In Bezug auf den „Holocaust“ schreibt Pätzold: In der Judenverfolgung vollzogen die Rassisten und Antisemiten in der deutschen Führung „den Übergang von der Politik der Vertreibung zur Praxis der Vernichtung“ – und das schon im Verlauf des Krieges. Auf Seite 18 widmet er sich dem Nichtangriffsvertrag vom 23. August 1939 zwischen der UdSSR und Deutschland, mit dem die SU hoffte, Zeit für die „Fortdauer einer Friedensperiode“ zu gewinnen. Nicht unerwähnt bleibt der Krieg der UdSSR gegen Finnland im Jahre 1939/1940, der 2. japanisch-chinesische Krieg 1937, die Angriffe des Faschismus auf Frankreich, England, Niederlande, Dänemark Norwegen oder Äthiopien, Jugoslawien, Griechenland und und und.
Schließlich der schwere Weg zur Antihitlerkoalition, die mit der Eröffnung der Zweiten Front im Juni 1944 in die Tat umgesetzt wurde, endlich, nach der Niederlage in Stalingrad bereits im Jahre 1943. Wie die Nazipropaganda darauf reagierte, beschreibt der Autor mit folgenden Worten: „Der Glaube an den Endsieg musste reanimiert werden, und da rationale Argumente rar waren, blieb wie üblich nur die Flucht ins Irrationale und Mystische.“ Der Herrgott werde uns schon helfen.

Mehrfach geht Kurt Pätzold auf die Friedensdemagogie der Faschisten vor dem Beginn des Völkermordens ein sowie auf Durchhalteparolen bis zum „Endsieg“. Kein Wunder, so der Autor, dass überall deutsche Soldaten weiterhin den Befehlen ihrer Vorgesetzten folgten. Auch im Hinterland hielten die „dumpfe Gefolgschaft und der selbstmörderische Gehorsam“ an.

Bemerkenswert die Meinung des Autors zu den Überlebenden und Vertriebenen, die von der bürgerlichen Geschichtsschreibung „sämtlich unter die von Sowjets, Russen oder Polen Vertriebenen subsumiert und sie und die Toten zu unschuldigen Opfern“ erklärt worden sind. Pätzold: „Opfer waren sie gewiss, aber die des von ihrem Land verschuldeten, häufig von ihnen selbst mitverschuldeten Krieges und derer, die sie in der Januarkälte ins Ungewisse geschickt hatten.“

Sehr warmherzig schildert der Autor an zahlreichen Stellen die Not der im Hinterland unter dem Bombenkrieg leidenden Bevölkerung: „Damit sie den Bombardements mit den Nächten in Kellern und Bunkern und Schlimmerem entgingen, wurden Kinder, kleinere mit Müttern, ältere zu Pflegeeltern in ländliche Gebiete evakuiert.“

Was ab 1945 nach der Befreiung vom Faschismus geschah, kleidet Kurt Pätzold in folgende Worte: „Eröffnet wurde der Kalte Krieg, der mit politischen, wirtschaftlichen, propagandistischen und geheimdienstlichen Mitteln geführt wurde. Sein Prophet und Propagandist wurde schon 1946 Churchill, der zur weltweiten Formierung wider den Kommunismus rief, die als Abwehrfront deklariert wurde.“ So standen sich denn der West- und der Ostblock im Kalten Krieg gegenüber. Aktuell fügt der Autor hinzu: „Nach dem Zerfall der östlichen Führungsmacht und des Bündnisses der Warschauer Vertragsstaaten dehnten sich die von den bürgerlichen Staaten geschaffenen Zusammenschlüsse, die NATO und die EU, territorial aus.“

Der Autor mahnt, die Analyse der Herkunft und des Charakters des Faschismus und des imperialistischen Eroberungskrieges fortzusetzen, um fortlebende Missdeutungen „im Zeichen eines um geschichtliche Tatsachen unbekümmerten, verbissenen, reanimierten Antikommunismus“ zurückzudrängen. Es gehe um die Königsfrage, „die jede tiefere Analyse geschichtlicher Ereignisse und Entwicklungen zu stellen hat: Warum?“

Kurt Pätzold: „Zweiter Weltkrieg“, Basiswissen Politik/Geschichte/Ökonomie,
PapyRossa Verlag; Auflage: 1 (25. Juli 2014), broschiert, 143 Seiten,
ISBN-10: 3894385588, ISBN-13: 978-3894385583, 9,90 Euro


Abbildungsnachweis:
Header: Kurt Pätzold, Jena, 2007. Quelle Wikipedia
Buch-Cover

Kurt Pätzold eine Geschichte

Kommentar verfassen
(Ich bin damit einverstanden, dass mein Beitrag veröffentlicht wird. Mein Name und Text werden mit Datum/Uhrzeit für jeden lesbar. Mehr Infos: Datenschutz)

Ihr Name (erscheint mit ihrem Kommentar) *
Ihre Email (Nur für unseren Bestätigungslink)
Code (Hier eintragen)   
Meinen Kommentar abschicken
 
Home > Blog > Literatur > Kurt Pätzold: „Zweiter Weltkrieg". Di...

Mehr auf KulturPort.De

„Carte Blache“ in der Galerie Hengevoss-Dürkop
 „Carte Blache“ in der Galerie Hengevoss-Dürkop



Wann bekommt man schon mal eine Carte Blache – zumal von einer Galeristin? Doch Kerstin Hengevoss-Dürkop hatte volles Vertrauen zu dem belgischen Künstler Va [ ... ]



Die Stunde der Matrosen – Kiel und die deutsche Revolution 1918
 Die Stunde der Matrosen – Kiel und die deutsche Revolution 1918



Zehn Tage dauerte der Aufstand. Gemeint ist der Matrosenaufstand in Kiel. Der Aufstand brach Ende Oktober 1918 auf den Schiffen der Hochseeflotte vor Wilhelmshav [ ... ]



Es läuft und läuft und läuft: 15 Jahre „Heiße Ecke“ im Schmidt's Tivoli
 Es läuft und läuft und läuft: 15 Jahre „Heiße Ecke“ im Schmidt's Tivoli



Von solchen Zahlen kann man nicht einmal träumen. Rund 42000 Kondome, 25 000 Würstchen, 16800 Waschmaschinenladungen und 12600 Bierdosen wurden in sage und sch [ ... ]



Ludwig und Benyamin Nuss: Songs & Ballads
 Ludwig und Benyamin Nuss: Songs & Ballads



Zwei Instrumente, zwei Musiker – Vater und Sohn – ein Duo-Debüt-Album mit Liedern und Balladen. Zwei die sich verstehen und sich offensichtlich mit musikali [ ... ]



„Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm”. Dialektik für Genießer
 „Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm”. Dialektik für Genießer



In „Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm” schildert Regisseur Joachim A. Lang die Querelen um jenes nie gedrehte Leinwand-Epos, während er es zugleich [ ... ]



Lana Cenčić: Sama
 Lana Cenčić: Sama



Ein Soloalbum, dass vom ersten Song an besticht. Die Kroatin Lana Cenčić, mit Wohnsitz in New York und beeindruckender Stimme nennt ihre neue Platte „Sama“ [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.