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Hamburger Architektur Sommer 2019

Kultur, Geschichte & Management
Kirsten Baumann will das Landesmuseum Schloss Gottorf auf Kurs bringen

Pragmatisch und praktisch ist sie in jedem Fall – und ziemlich geräuschlos.
Eine Frau, die gern im Hintergrund bleibt, fleißig arbeitet und „Manager-Qualitäten“ für sich beansprucht. Die wird sie auf Schloss Gottorf auch sicher brauchen: Zum 1. September übernahm Kirsten Baumann (50) die Leitung der Abteilung Kunst und Kulturgeschichte der Stiftung Schleswig-Holsteinischer Landesmuseen Schloss Gottorf. Die Kunsthistorikerin, zuvor Direktorin des Museums der Arbeit in Hamburg (seit 2009), übernimmt damit die Nachfolge des glücklosen Jürgen Fitschen, der nach Machtkämpfen mit Stiftungschef Claus von Carnap-Bornheim vorzeitig seinen Schreibtisch räumte.

Früher haben auf Schloss Gottorf, einem Haus, das mit seinen exquisiten Sammlungen europäischen Rang beansprucht, so charismatische Persönlichkeiten wie Heinz Spielmann und Herwig Guratzsch gewirkt. Nun wurde die Position mit einer Museumfrau besetzt, die weder überregionale Ausstellungen, noch bedeutende Erwerbungen oder Publikationen vorweisen kann. In Hamburg machte Kirsten Baumann nur einmal von sich reden: 2011 trat sie als Vorstand der Stiftung Historische Museen Hamburg zurück, nachdem die damals neu gewählte SPD-Regierung ihr Konzept zur Weiterentwicklung der Stiftung ad absurdum führte.

Der Sprung vom Museum der Arbeit zum Schleswig-Holsteinischen Landesmuseum muss ihr doch nun so gewaltig erscheinen, wie der Sprung von einem Schwimmkahn auf einen Luxusliner. Oder etwa nicht? Nein, antwortet Baumann amüsiert. Was Personal und finanzielle Zuwendung betrifft, sei der Unterschied zum Museum der Arbeit gar nicht so groß. Gottorf sei einfach „etwas völlig anderes“ und vor allem deshalb so interessant, weil die neue Aufgabe an alte Bauhaus-Erfahrungen anknüpft. Am Bauhaus hatte die Kunsthistorikerin nach ihrem Studium erst als Museumspädagogin und 2005-2009 als stellvertretende Direktorin gearbeitet.

Von großen Namen und Leistungen (allein Spielmann konnte in den 90er-Jahren mehr als 10.000 Objekte erwerben, darunter 16 Cranachs und als Geschenk die Fayence-Sammlung Axel Springers) lässt sich Baumann nicht einschüchtern: „Die goldenen Zeiten sind vorbei“. Ihr zufolge haben die Kriterien von einst ihre Gültigkeit verloren. „Die Maßstäbe haben sich extrem verändert. Wir leben im post-heroischen Museumsdirektoren-Zeitalter“, so die gebürtige Hannoveranerin. „Großartige Akquisen kann man nicht mehr machen, ähnlich ist es mit Blockbuster-Ausstellungen. Das können nur Häuser, die ganz anders ausgestattet sind“. Ihr „primäres Interesse“ sei nun, die Abteilung Kunst- und Kulturgeschichte wieder auf Kurs zu bringen und zwar in den Basics: „Die neue Bedeutung von Museen ist auf Vermittlung und Marketing ausgerichtet“.

Bereits Fitschen hatte die überfällige Neuordnung der Sammlung auf seine Agenda geschrieben, dann aber auf die lange Bank geschoben. Nun soll ein Masterplan her. Der dazugehörige Architekturwettbewerb ist bereits gelaufen, drei preisgekrönte Entwürfe werden nun diskutiert. Darüber hinaus plant Baumann auch die digitale Inventarisierung auf Gottorf einzuführen. Konkrete Ausstellungsprojekte nennt sie noch nicht, nur, dass sie sich mit Skandinavien und dem Ostseeraum stärker vernetzen möchte. „Es ist extrem wichtig, auch europäische Projekte aufzustellen, um Drittmittel zu akquirieren. Das dänische goldene Zeitalter ist nur ein Stichwort“. Die Kommunikation mit von Carnap sei übrigens „eine sehr gute“ und zur Abteilungsleiterin innerhalb des Stiftungsmodells sieht sie sich nicht degradiert. „Selbstverständlich kann Herr von Carnap mit dem Geschäftsführer die Entscheidungen treffen, aber wir wissen ja alle, dass diese Art von Durchregieren nicht funktioniert“.


Fotonachweis:
Header: Kirsten Baumann. Foto: MDA
Galerie: (c) Landesmuseum Schloss Gottorf. Luftaufnahme.

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