Neue Kommentare

Maggie zu Walter-Kempowski-Literaturpreis 2019: Guten Abend,
Gibt es denn schon irgendeine...

Lothar Segeler zu Filmtonschaffende erstmals als Urheber*innen an Kinoerlösen beteiligt: Großartig - wie lange haben wir darauf gewartet!...
Alf Dobbertin zu Henri Bergson: Die beiden Quellen der Moral und der Religion: Ein großes Lob dem Rezensenten Stefan Diebitz, d...
Maximilian Buchmann zu „Apocalypse Now - Final Cut”. Der Höllentrip des Francis Ford Coppola: Uff! Nur heute im Kino? Hoffentlich bekomme ich n...
Klaus Schöll zu Am 12. Juli 2019 wird die James-Simon-Galerie eröffnet – in Anwesenheit von Bundeskanzlerin Angela Merkel: Ich finde das die Treppe zur James-Simon-Galerie ...

Lange Nacht der Museen Hamburg

Hamburger Architektur Sommer 2019


Kultur, Geschichte und Management

Werner Bokelberg: Mein Hamburg vor 100 Jahren

Drucken
(100 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Samstag, den 30. Dezember 2017 um 12:58 Uhr
Werner Bokelberg: Mein Hamburg vor 100 Jahren 3.1 out of 5 based on 100 votes.
Werner Bokelberg: Mein Hamburg vor 100 Jahren

Kaum zu glauben, aber am Heiligengeistfeld stand einmal eine Mühle. Und es gibt tatsächlich noch Zeitzeugen, die sich an sie erinnern. Bis zum 2. Weltkrieg stand sie dort, wo sich heute der Eingang zur U-Bahn Feldstraße befindet. Dann musste sie dem mächtigen Flakbunker weichen, der nun begrünt werden soll.

An den Berliner Bahnhof auf dem Gelände der heutigen Deichtorhallen wird sich jedoch schwerlich jemand erinnern. Er wurde bereits 1903 stillgelegt. Nur gut, dass es noch Bilder von ihm gibt. Beeindruckende Aufnahmen, wie sie der Fotograf und Sammler Werner Bokelberg jetzt in einer Sonderedition herausgebracht hat. 32 historische Postkarten hat er zusammengestellt, Zeugnisse von Hamburg zu einer Zeit, als die Industrialisierung noch jung und der Alltag mit Knochenarbeit verbunden war. Damals segelten die Bauern und Bäuerinnen aus dem Alten Land mit ihren vollbeladenen Gemüsekähnen über die Elbe bis ins Nikolaifleet. Knechte und Mägde schleppten mit dem Tragejoch die schweren Einkäufe über die Holzbrücke nach Haus, während die feinen Herrschaften vor dem Café Belvedere am Ballindamm in großen, offenen Kutschen der Hammonia-Rundfahrt-Gesellschaft über den Jungfernstieg fuhren. Einmal rund um die Alster und sicher auch zum Ausflug in die Hamburg-Amerika-Bar am Spielbudenplatz, die sich um 1900 damit rühmte, die „größte Bar Deutschlands zu sein“.

Gut hundert Jahre und länger ist das her, eigentlich keine so große Zeitspanne – und doch ist es eine unwiderruflich versunkene Epoche, von der wir uns heute nur dank der fantastischen Fotos der frühen Fotopioniere einen Eindruck verschaffen können. Ihre schweren Plattenkameras und Stative haben sie damals an die St. Pauli Landungsbrücken geschleppt, an den pittoresken Fischmarkt und den Sandtorkai, an den vornehmen Jungfernstieg mit seinem imposanten Alsterpavillon. Alles, um voller Stolz ihre pulsierende, herrliche Stadt festzuhalten, die seit Mitte des 19. Jahrhunderts und insbesondere seit Gründung des Deutschen Reiches eine so rasante wirtschaftliche Entwicklung genommen hatte.

In den 32 historischen Postkarten ist der rasante Wandel der Stadt abzulesen. Einerseits präsentierte sie sich modern und kühn, verkörpert durch die monumentale Stahlbetonhalle des neuen Hauptbahnhofes, die Speicherstadt, den Hafen oder die neue Mönckebergstraße, die ab 1909 Hauptbahnhof und Rathausmarkt verband und anfangs nur „Durchbruch“ genannt wurde. Andererseits hatte Hamburg um die Wende zum 20. Jahrhundert vielfach noch seinen mittelalterlichen Charakter bewahrt. Die Aufnahmen der Häuser am Messberg, am Anberg oder am Küterwall dokumentieren das eindrucksvoll.

Das helle, freundliche, weltoffene Gesicht Hamburgs ist übrigens einer Katastrophe geschuldet. Der Große Brand von 1842 vernichtete weite Teile der Innenstadt – und schuf damit Platz für einen städtebaulichen Neuanfang unter der Federführung des englischen Ingenieurs William Lindley (Erbauer der Kanalisation) und des Architekten Alexis de Chateauneuf. Der Hamburger erfand seine Stadt neu als „Venedig des Nordens“. Weiß und elegant, mit eindrucksvollen Kaufmannshäusern rund um die Binnenalster,  wunderschönen Alsterarkaden im Stil der italienischen Renaissance, einem riesigen Rathausmarkt und einem neuen Staubecken, der Kleinen Alster, in der heute noch Touristen so gerne die Schwäne füttern. Was würden sie wohl darum geben, noch einmal mit der Kutsche durch das Hamburg vor hundert Jahren zu fahren?!

Werner Bokelberg „Hamburg – 32 hinreißende Postkarten“

32 Postkarten (17x11cm) mit Motiven aus Hamburg in einer attraktiven Weißblech-Box (18x12cm)
gibt es für 9,90 Euro im Buchhandel oder direkt online im
Bokelberg-Shop.
ISBN: 4260241480337


Abbildungsnachweis: Bokelberg.com
Header: Hamburg
Galerie: 8 Hamburg-Ansichten

Kommentar verfassen
(Ich bin damit einverstanden, dass mein Beitrag veröffentlicht wird. Mein Name und Text werden mit Datum/Uhrzeit für jeden lesbar. Mehr Infos: Datenschutz)

Ihr Name (erscheint mit ihrem Kommentar) *
Ihre Email (Nur für unseren Bestätigungslink)
Code (Hier eintragen)   
Meinen Kommentar abschicken
 
Home > Blog > Kultur & Management > Werner Bokelberg: Mein Hamburg vor 100 Jahren

Mehr auf KulturPort.De

„Paranza – Der Clan der Kinder”. Das Erbe von Berlusconi und Camorra
 „Paranza – Der Clan der Kinder”. Das Erbe von Berlusconi und Camorra



Sie wollen Designer-Sneaker, Motorroller und das schnelle Geld. In ihrer Heimatstadt Neapel ist ein Machtvakuum entstanden, die Bosse der Camorra sind erschossen [ ... ]



Vilnius und die Nutzung postindustrieller Gebäude als alternative Zentren für Kultur und Nachtleben
 Vilnius und die Nutzung postindustrieller Gebäude als alternative Zentren für Kultur und Nachtleben



In den letzten Jahren haben viele osteuropäische Städte Projekte gestartet, um ehemalige Industriegebäude und bislang ungenutzte Flächen in Zentren städtisc [ ... ]



Der öffentliche Raum und seine Nutzungen – Plätze in San Fernando del Valle de Catamarca, Argentinien
 Der öffentliche Raum und seine Nutzungen – Plätze in San Fernando del Valle de Catamarca, Argentinien



Wie sieht es in anderen Ländern mit dem öffentlichen Raum aus? Bei uns gibt es ihn kaum noch, denn jeder freie Quadratmeter wird dem Auto gewidmet. Können wir [ ... ]



Theater-Horror vom Feinsten – „Mummy Brown/Mumienbraun“ der norwegischen Gruppe Susie Wang schockte beim Internationalen Sommerfestival auf Kampnagel
 Theater-Horror vom Feinsten – „Mummy Brown/Mumienbraun“ der norwegischen Gruppe Susie Wang schockte beim Internationalen Sommerfestival auf Kampnagel



Das Programmheft hat nicht zu viel versprochen: Eine derart blutige, ins Groteske überzogene Horror Picture Show hat man in Hamburg noch nicht geboten bekommen. [ ... ]



Rainer Mausfeld: „Angst und Macht. Herrschaftstechniken der Angsterzeugung in kapitalistischen Demokratien“
 Rainer Mausfeld: „Angst und Macht. Herrschaftstechniken der Angsterzeugung in kapitalistischen Demokratien“



Die Zitterpartie der Macht
Welch ein Glück im Unglück. Wie üblich nach einem Zwischenfall auf Leben und Tod so auch diesmal, wie erwartet: Kaum war das Kind  [ ... ]



„I Am Mother” Leinwandheldinnen in Zeiten von #MeToo
 „I Am Mother” Leinwandheldinnen in Zeiten von #MeToo



Grant Sputores post-apokalyptischer Science-Fiction Thriller „I Am Mother” beginnt als intimes Kammerspiel in einem, hermetisch von der Welt abgeschlossenen  [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.