Anzeige

Wer ist online?

Wir haben 968 Gäste online

Neue Kommentare

Wajda Art zu „A Beautiful Day”. Joaquin Phoenix- Racheengel oder Erlöser?: Wir suchen nach Enthusiasten der Kinematographie ...
Manfred Köck zu Im Wunderland der Wünsche. Laila Biali: schade, dass sie nicht mit ihren stammmusikern un...
Helmuth Barth zu Thomas Gainsborough – die moderne Landschaft: Vorausschicken möchte ich, dass ich neben Bilder...
Anna Grillet zu „Call Me by Your Name”. Die Sinnlichkeit des Luca Guadagnino: Leider nein, kann die bitterböse ästhetisch bri...
Fabian Drux zu „Call Me by Your Name”. Die Sinnlichkeit des Luca Guadagnino: Danke für den Hinweis auf einen wunderschönen F...

Lange Nacht der Museen Hamburg

Hamburger Architektur Sommer 2015


Kultur und Management

Werner Bokelberg: Mein Hamburg vor 100 Jahren

Drucken
(85 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Samstag, den 30. Dezember 2017 um 12:58 Uhr
Werner Bokelberg: Mein Hamburg vor 100 Jahren 3.4 out of 5 based on 85 votes.
Werner Bokelberg: Mein Hamburg vor 100 Jahren

Kaum zu glauben, aber am Heiligengeistfeld stand einmal eine Mühle. Und es gibt tatsächlich noch Zeitzeugen, die sich an sie erinnern. Bis zum 2. Weltkrieg stand sie dort, wo sich heute der Eingang zur U-Bahn Feldstraße befindet. Dann musste sie dem mächtigen Flakbunker weichen, der nun begrünt werden soll.

An den Berliner Bahnhof auf dem Gelände der heutigen Deichtorhallen wird sich jedoch schwerlich jemand erinnern. Er wurde bereits 1903 stillgelegt. Nur gut, dass es noch Bilder von ihm gibt. Beeindruckende Aufnahmen, wie sie der Fotograf und Sammler Werner Bokelberg jetzt in einer Sonderedition herausgebracht hat. 32 historische Postkarten hat er zusammengestellt, Zeugnisse von Hamburg zu einer Zeit, als die Industrialisierung noch jung und der Alltag mit Knochenarbeit verbunden war. Damals segelten die Bauern und Bäuerinnen aus dem Alten Land mit ihren vollbeladenen Gemüsekähnen über die Elbe bis ins Nikolaifleet. Knechte und Mägde schleppten mit dem Tragejoch die schweren Einkäufe über die Holzbrücke nach Haus, während die feinen Herrschaften vor dem Café Belvedere am Ballindamm in großen, offenen Kutschen der Hammonia-Rundfahrt-Gesellschaft über den Jungfernstieg fuhren. Einmal rund um die Alster und sicher auch zum Ausflug in die Hamburg-Amerika-Bar am Spielbudenplatz, die sich um 1900 damit rühmte, die „größte Bar Deutschlands zu sein“.

Gut hundert Jahre und länger ist das her, eigentlich keine so große Zeitspanne – und doch ist es eine unwiderruflich versunkene Epoche, von der wir uns heute nur dank der fantastischen Fotos der frühen Fotopioniere einen Eindruck verschaffen können. Ihre schweren Plattenkameras und Stative haben sie damals an die St. Pauli Landungsbrücken geschleppt, an den pittoresken Fischmarkt und den Sandtorkai, an den vornehmen Jungfernstieg mit seinem imposanten Alsterpavillon. Alles, um voller Stolz ihre pulsierende, herrliche Stadt festzuhalten, die seit Mitte des 19. Jahrhunderts und insbesondere seit Gründung des Deutschen Reiches eine so rasante wirtschaftliche Entwicklung genommen hatte.

In den 32 historischen Postkarten ist der rasante Wandel der Stadt abzulesen. Einerseits präsentierte sie sich modern und kühn, verkörpert durch die monumentale Stahlbetonhalle des neuen Hauptbahnhofes, die Speicherstadt, den Hafen oder die neue Mönckebergstraße, die ab 1909 Hauptbahnhof und Rathausmarkt verband und anfangs nur „Durchbruch“ genannt wurde. Andererseits hatte Hamburg um die Wende zum 20. Jahrhundert vielfach noch seinen mittelalterlichen Charakter bewahrt. Die Aufnahmen der Häuser am Messberg, am Anberg oder am Küterwall dokumentieren das eindrucksvoll.

Das helle, freundliche, weltoffene Gesicht Hamburgs ist übrigens einer Katastrophe geschuldet. Der Große Brand von 1842 vernichtete weite Teile der Innenstadt – und schuf damit Platz für einen städtebaulichen Neuanfang unter der Federführung des englischen Ingenieurs William Lindley (Erbauer der Kanalisation) und des Architekten Alexis de Chateauneuf. Der Hamburger erfand seine Stadt neu als „Venedig des Nordens“. Weiß und elegant, mit eindrucksvollen Kaufmannshäusern rund um die Binnenalster,  wunderschönen Alsterarkaden im Stil der italienischen Renaissance, einem riesigen Rathausmarkt und einem neuen Staubecken, der Kleinen Alster, in der heute noch Touristen so gerne die Schwäne füttern. Was würden sie wohl darum geben, noch einmal mit der Kutsche durch das Hamburg vor hundert Jahren zu fahren?!

Werner Bokelberg „Unser Hamburg vor 100 Jahren“
32 Postkarten (17x11cm) mit Motiven aus Hamburg in einer attraktiven Weißblech-Box (18x12cm)
gibt es für 19,80 Euro im Buchhandel oder direkt online im
Bokelberg-Shop.
ISBN: 4260241480337


Abbildungsnachweis: Bokelberg.com
Header: Hamburg
Galerie: 8 Hamburg-Ansichten

Eigenen Kommentar verfassen (Gasteintrag möglich - Bitte achten Sie auf unsere Email ggf. in Ihrem Spam-Order und klicken den Bestätigungslink)

Ihr Name (erscheint mit dem Kommentar) *
E-Mail (Nur für Bestätigungslink & Antworten)
Code   
Kommentar abschicken
 

Home > Blog > Kultur & Management > Werner Bokelberg: Mein Hamburg vor 100 Jahren

Mehr auf KulturPort.De

Yvonne von Schweinitz: Syrien – Fragmente einer Reise. Fragmente einer Zeit
 Yvonne von Schweinitz: Syrien – Fragmente einer Reise. Fragmente einer Zeit



Wie nähert man sich in einer Fotoausstellung einem Land, deren Menschen tagtäglich durch Gewalt sterben, auf der Flucht, im Exil, traumatisiert sind, deren mat [ ... ]



„A Beautiful Day”. Joaquin Phoenix- Racheengel oder Erlöser?
 „A Beautiful Day”. Joaquin Phoenix- Racheengel oder Erlöser?



Lynne Ramsay inszeniert ihre virtuosen Thriller-Impressionen als Exkursion in die Abgründe der Seele.
Ein Auftragskiller ist Joe (Joaquin Phoenix) nicht, er t [ ... ]



Günter Grass-Haus Lübeck: George Bernard Shaw und die Fotografie
 Günter Grass-Haus Lübeck: George Bernard Shaw und die Fotografie



George Bernard Shaw (1856-1950) ist vor allem bekannt für sein dramatisches Werk, das über 50 Theaterstücke umfasst. Doch der Künstler hat sich zeitlebens in [ ... ]



Im Wunderland der Wünsche. Laila Biali
 Im Wunderland der Wünsche. Laila Biali



Wie konnte sich eine 16jährige Kanadierin, die Opernarien singt und klassische Pianistin werden will, zu einer über jeden „No street credibility“-Verdacht  [ ... ]



Aspekte Festival 2018: Der Kopf des Paul Orlac ist das Innenleben des Klaviers
 Aspekte Festival 2018: Der Kopf des Paul Orlac ist das Innenleben des Klaviers



Was für eine Horrorvorstellung: als Schauspieler die Stimme – als Fußballspieler die Füße – als Philosoph den Verstand – als Komponist das Gehör – u [ ... ]



Poetische Erkundung der Welt: Nico Bleutge: „Nachts leuchten die Schiffe“
 Poetische Erkundung der Welt: Nico Bleutge: „Nachts leuchten die Schiffe“



In seinem vierten Gedichtband „nachts leuchten die schiffe" beschäftigt sich Nico Bleutge mit unserer realen Welt in sieben Zyklen. Wie ein Jongleur wirft der [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Anzeige


Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.