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Hamburger Architektur Sommer 2019


Kultur, Geschichte und Management

200 Jahre Kunstverein in Hamburg

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Samstag, den 23. September 2017 um 08:48 Uhr
200 Jahre Kunstverein in Hamburg 3.8 out of 5 based on 113 votes.
200 Jahre Kunstverein in Hamburg

„Just what is it that makes today’s Kunstverein so different? So appealing?” Nach Charity Auktion (14.9.) und Festakt im Rathaus (22.9.) klingen mit einer Paneldiskussion unter dieser Fragestellung (23.9.) die offiziellen Jubiläumsfeierlichkeiten zum 200-jährigen Bestehen der ältesten Kunstinstitution Hamburgs im September aus.
Bettina Steinbrügge, Direktorin des ehrwürdigen Vereins, hat die Antwort indes längst parat: „Freiheit und Experimentierfreude“. Deshalb, so sagt sie, sei sie 2014 vom Wiener Museum für zeitgenössische Kunst, dem 21er Haus, an den Klosterwall nach Hamburg gewechselt: „Hier bin ich noch ein wenig in einem rechtsfreien Raum, in dem ich mehr ausprobieren kann“.

Und das heißt für die international vernetzte Ausstellungsmacherin vor allem ungewöhnliche Kooperationen einzugehen. Erst im Frühjahr inszenierte Steinbrügge gemeinsam mit dem Hamburger Schauspielhaus eine Hommage an Jed Martin, den (fiktiven) Protagonisten des satirischen Künstlerromans „Karte und Gebiet“ von Michel Houellebecq. Nach einer Stunde Kunst-Hype auf der Bühne pilgerten rund 400 Zuschauer vom Theater zum Kunstverein, um dort den zweiten Teil des Abends nach der Idee von Anita Schmid (Fotokünstlerin) und Christoph Luser (Schauspieler) zu sehen: Die Retrospektive des sagenhaften Franzosen. Tatsächlich stammten die Arbeiten von 11 zeitgenössischen Künstlern, die damit das Verwirrspiel von Sein und Schein auf die Spitze trieben.

Zeitgeschehen abbilden, gesellschaftliche und politische Veränderungsprozesse kommentieren, die Einflüsse von Terror, Krieg und Gewalt aufzeigen – Steinbrügges programmatische Ausrichtung hätte dem illustren Kreis renommierter Hanseaten, der sich ab 1817 wöchentlich zum Kunstdiskurs bei dem Sammler und Hamburger Volkshelden David Christopher Mettlerkamp traf, sicherlich gefallen. Mit der Gründung des Kunstvereins, einem der ersten in Deutschland, waren auch diese Kunstliebhaber Avantgarde. Sie zeigten ab 1825 die ersten öffentlichen Ausstellungen, trugen maßgeblich zur Errichtung der Hamburger Kunsthalle bei und sorgten dafür, dass damals aufstrebende Künstler wie Caspar David Friedrich, Philipp Otto Runge, Adolph Menzel oder Arnold Böcklin ihre Bilder in der Hansestadt zeigen konnten. Seitdem beansprucht der Kunstverein in Hamburg die Vorreiterschaft in Sachen Kunst. Jede neue europäische Kunstströmung (Expressionismus, Kubismus, Konstruktivismus) wurde hier gezeigt, das erste eigene Haus allerdings konnte erst 1930 in der neuen Rabenstraße bezogen werden – und musste auf Druck der Nazis 1937 schon wieder geräumt werden.

Nach dem Zweiten Weltkrieg dann die Neugründung, 1962 folgte der Einzug in ein schickes Pavillon am Ferdinandstor, wo ab 1973 Uwe M. Schneede für Furore sorgte. 40 Jahre, zwei Umzüge und fünf Direktoren später (unter ihnen Stephan Schmidt-Wulffen 1992-2000 und Yilmas Dziewior 2001-2008) steht mit Bettina Steinbrügge nun die erste Frau an der Spitze des Kunstvereins in Hamburg.
Der Zeitpunkt sei ideal, findet sie. Spürbare Aufbruchsstimmung in der Stadt durch die Elbphilharmonie, die auch deutlich mehr Touristen bringe. Zudem sei die Zusammenarbeit mit Kunsthochschule und Kollegen im zeitgenössischen Ausstellungswesen ausgezeichnet.
Obwohl Steinbrügge „keine Quoten ausrechnet“, zeigt sie auffällig viele Einzelschauen von Künstlerinnen. Und auffällig viele Ausstellungen von Künstlern aus den Krisengebieten des Nahen Ostens. Warum? „Ich möchte Kunst nicht als Vehikel benutzen, um politische Propaganda zu fahren. Aber in einer globalisierten Welt gehören Künstler aus Palästina oder dem Libanon einfach zur Tagesordnung.“

Die Jubiläumsschau im September allerdings richtet ein Fotokünstler mit Blockbuster-Qualitäten aus: Wolfgang Tillmans präsentiert vom 23.9.-12.11. weitgehend unbekannte Video- und Soundarbeiten am Klosterwall. „Es wird etwas ganz Neues, ganz Ungewöhnliches. Was, wird aber nicht verraten, das habe ich versprochen“.

Kunstverein Hamburg

Wolfgang Tillmans: Zwischen 1943 und 1973 lagen 30 Jahre. 30 Jahre nach 1973 war das Jahr 2003.
23. September - 12. November 2017
Kunstverein in Hamburg, Klosterwall 23 in 20095 Hamburg
Weitere Informationen
Tabellarische Geschichte des Kunstvereins in Hamburg


Abbildungsnachweis: Alle Fotos (c) Kunstverein in Hamburg
Header: Gebäude des heutigen Kunstvereins am Klosterwall
Galerie:
01. Wolfgang Tillmans, Book for Architects, 2014
02. Wolfgang Tillmans, Cover von Frank Oceans Album blond, 2016
03. Wolfgang Tillmans, Zwischen 1943 und 1973 lagen 30 Jahre. 30 Jahre nach 1973 war das Jahr 2003.

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