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Kultur, Geschichte und Management

Kubas Afrikanische Geister

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Dienstag, den 07. Februar 2017 um 09:58 Uhr
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Kubas Afrikanische Geister

Wer an Kuba denkt, denkt an Fidel Castro und Che Guevara, an Kaffee, Rum und Zuckerrohr, an Hemingway und dicke Zigarren. Vielleicht auch noch an Mambo, Rumba und sexy Mädchen.
Sicher nicht an Santeria und Palo Monte. Dabei ist die Insel durchdrungen von diesen beiden afro-kubanischen Religionen – in Castros marxistisch geprägtem Sozialismus waren sie nur jahrzehntelang unterdrückt. Mit „Kubas afrikanische Geister“ präsentiert das Hamburger Völkerkundemuseum derzeit eine hochspannende und sorgsam eingerichtete Ausstellung, die nicht nur hervorragend Einblick in die afro-kubanische Denk- und Lebensweise bietet, sondern mit einer unerhört faszinierenden Sammlung magischer Kultobjekte besticht. Geheimnisvollen Kraftfiguren, wie man sie in dieser Dichte noch nie außerhalb Kubas zu Gesicht bekam.


Während der Kolonialzeit war es in Kuba nicht anders als in anderen nord- mittel und südamerikanischen Ländern: Im 16. und 17. Jahrhundert kamen Millionen von schwarzafrikanischen Sklaven zur Bewirtschaftung der Kolonien in die Neue Welt. Sie brachten ihren Glauben mit, sie durften ihn nur nicht leben, jeder Sklave wurde getauft. Doch wie man weiß, macht Not erfinderisch und so verpassten die Afrikaner ihren Göttern und Geistwesen (Orichas) kurzerhand eine Doppelidentität als katholische Heilige. „Kultur der Unterdrückten“ nannte Hubert Fichte einmal den Synkretismus aus schwarzafrikanischer und römisch-katholischer Religion, der in Lateinamerika und der Karibik im Laufe der Jahrhunderte regionale Varianten ausbildete. In Kuba entstanden die beiden Religionen Santeria (auch Regla de Ocha genannt) und Palo Monte, die ihre Wurzeln in Nigeria und dem heutigen Kongo haben: Die eine eher hell, bunt und fröhlich, die andere eher düster und furchterregend. Während die Altäre der Santeria mit ihren Porzellanterrinen voller Votivgaben, Porzellanfigürchen, Heiligenbildchen, Kruzifixen und bunten Perlenketten an die süßlichen Kitsch-Kunst-Installationen von Jeff Koons erinnern, wirken die Nganga, die aus blutverkrusteten Tierschädeln, Knochen, Federn, Waffen, Eisen und Plastikpuppen zusammengestellten Kultgefäße und Kraftfiguren der Palo ausgesprochen unheilvoll. Kein Wunder, dass diese Religion oft mit schwarzer Magie und Schadenszauberei in Verbindung gebracht wurde. Dabei sind die Objekte offiziell zum Heilen gemacht und in jedem Fall harmlos und passiv, solange sie nicht mit Hühnerblut beopfert und „zum Leben erweckt“ werden.
Die Leihgaben stammen übrigens aus dem Essener „Soul of Africa Museum“, dessen Leiter die Stücke von einem italienischen Ethnologen geerbt hat, der sie vor der Revolution 1959 aus Kuba mitbrachte. Wie diese Stücke damals den Weg durch den Zoll nach Europa fanden, ist wohl nur durch eines zu erklären: Magie.

Kubas Afrikanische Geister
Zu sehen bis 5. März 2017 im Museum für Völkerkunde, Rothenbaumchaussee 64, 20148 Hamburg.
Geöffnet: Di bis So 10 – 18 Uhr, Do bis 21 Uhr,
Eintritt 8,50 € , erm. 4 €.
Eine Ausstellung in Kooperation mit dem Soul of Africa Museum, realisiert mit finanzieller Unterstützung der Freunde des Museums für Völkerkunde Hamburg e. V.
Weitere Informationen


Abbildungsnachweis:
Alle Fotos: Markus Matzel / Soul of Africa Museum
Header: Ochosi
Galerie:
01. Die Geister des Olokun
02. Palo Mayombe, Nganga des Gewittergottes
03. Jungfrau von Loreto / Virgen de Loreto.

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