Neue Kommentare

Kentin Abalo zu „Assassination Nation” – Leinwandheldinnen in Zeiten von #MeToo : WAS FÜR EIN FOTO!!!
Großartig. Hoffe der...

Sybille zu Das Chinesenviertel auf Hamburg St. Pauli: Danke für den Beitrag. Ich sehe gerade den Film ...
Nikias Geschke zu „The Guilty”. Der beklemmende Minimalismus des Gustav Möller: Das klingt superspannend. Danke für den Tipp. ...
Harry zu „Otto. Die Ausstellung“: OTTO ist großartig. Ich wusste nicht, dass er ei...
Alex zu Film Festival Cologne - Von starken Spielfilmdebüts und schwächelnden Stars: Wer bist du? Halten Sie Ihre Meinung besser, wenn...

Lange Nacht der Museen Hamburg

Hamburger Architektur Sommer 2015


Kultur und Management

Kubas Afrikanische Geister

Drucken
(89 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Dienstag, den 07. Februar 2017 um 09:58 Uhr
Kubas Afrikanische Geister 3.4 out of 5 based on 89 votes.
Kubas Afrikanische Geister

Wer an Kuba denkt, denkt an Fidel Castro und Che Guevara, an Kaffee, Rum und Zuckerrohr, an Hemingway und dicke Zigarren. Vielleicht auch noch an Mambo, Rumba und sexy Mädchen.
Sicher nicht an Santeria und Palo Monte. Dabei ist die Insel durchdrungen von diesen beiden afro-kubanischen Religionen – in Castros marxistisch geprägtem Sozialismus waren sie nur jahrzehntelang unterdrückt. Mit „Kubas afrikanische Geister“ präsentiert das Hamburger Völkerkundemuseum derzeit eine hochspannende und sorgsam eingerichtete Ausstellung, die nicht nur hervorragend Einblick in die afro-kubanische Denk- und Lebensweise bietet, sondern mit einer unerhört faszinierenden Sammlung magischer Kultobjekte besticht. Geheimnisvollen Kraftfiguren, wie man sie in dieser Dichte noch nie außerhalb Kubas zu Gesicht bekam.


Während der Kolonialzeit war es in Kuba nicht anders als in anderen nord- mittel und südamerikanischen Ländern: Im 16. und 17. Jahrhundert kamen Millionen von schwarzafrikanischen Sklaven zur Bewirtschaftung der Kolonien in die Neue Welt. Sie brachten ihren Glauben mit, sie durften ihn nur nicht leben, jeder Sklave wurde getauft. Doch wie man weiß, macht Not erfinderisch und so verpassten die Afrikaner ihren Göttern und Geistwesen (Orichas) kurzerhand eine Doppelidentität als katholische Heilige. „Kultur der Unterdrückten“ nannte Hubert Fichte einmal den Synkretismus aus schwarzafrikanischer und römisch-katholischer Religion, der in Lateinamerika und der Karibik im Laufe der Jahrhunderte regionale Varianten ausbildete. In Kuba entstanden die beiden Religionen Santeria (auch Regla de Ocha genannt) und Palo Monte, die ihre Wurzeln in Nigeria und dem heutigen Kongo haben: Die eine eher hell, bunt und fröhlich, die andere eher düster und furchterregend. Während die Altäre der Santeria mit ihren Porzellanterrinen voller Votivgaben, Porzellanfigürchen, Heiligenbildchen, Kruzifixen und bunten Perlenketten an die süßlichen Kitsch-Kunst-Installationen von Jeff Koons erinnern, wirken die Nganga, die aus blutverkrusteten Tierschädeln, Knochen, Federn, Waffen, Eisen und Plastikpuppen zusammengestellten Kultgefäße und Kraftfiguren der Palo ausgesprochen unheilvoll. Kein Wunder, dass diese Religion oft mit schwarzer Magie und Schadenszauberei in Verbindung gebracht wurde. Dabei sind die Objekte offiziell zum Heilen gemacht und in jedem Fall harmlos und passiv, solange sie nicht mit Hühnerblut beopfert und „zum Leben erweckt“ werden.
Die Leihgaben stammen übrigens aus dem Essener „Soul of Africa Museum“, dessen Leiter die Stücke von einem italienischen Ethnologen geerbt hat, der sie vor der Revolution 1959 aus Kuba mitbrachte. Wie diese Stücke damals den Weg durch den Zoll nach Europa fanden, ist wohl nur durch eines zu erklären: Magie.

Kubas Afrikanische Geister
Zu sehen bis 5. März 2017 im Museum für Völkerkunde, Rothenbaumchaussee 64, 20148 Hamburg.
Geöffnet: Di bis So 10 – 18 Uhr, Do bis 21 Uhr,
Eintritt 8,50 € , erm. 4 €.
Eine Ausstellung in Kooperation mit dem Soul of Africa Museum, realisiert mit finanzieller Unterstützung der Freunde des Museums für Völkerkunde Hamburg e. V.
Weitere Informationen


Abbildungsnachweis:
Alle Fotos: Markus Matzel / Soul of Africa Museum
Header: Ochosi
Galerie:
01. Die Geister des Olokun
02. Palo Mayombe, Nganga des Gewittergottes
03. Jungfrau von Loreto / Virgen de Loreto.

Kommentar verfassen
(Ich bin damit einverstanden, dass mein Beitrag veröffentlicht wird. Mein Name und Text werden mit Datum/Uhrzeit für jeden lesbar. Mehr Infos: Datenschutz)

Ihr Name (erscheint mit ihrem Kommentar) *
Ihre Email (Nur für unseren Bestätigungslink)
Code (Hier eintragen)   
Meinen Kommentar abschicken
 
Home > Blog > Kultur & Management > Kubas Afrikanische Geister

Mehr auf KulturPort.De

Maria Austria. Eine jüdische Fotografin aus Amsterdam in Berlin
 Maria Austria. Eine jüdische Fotografin aus Amsterdam in Berlin



Das Verborgene Museum in Berlin-Charlottenburg präsentiert bis zum 10. März 2019 Fotoarbeiten und Dokumente der niederländischen Fotografin Maria Austria (191 [ ... ]



„Cold War – Der Breitengrad der Liebe” - Oder die Magie einer schwarzen Leinwand
 „Cold War – Der Breitengrad der Liebe” - Oder die Magie einer schwarzen Leinwand



Paweł Pawlikowski hat das schwermütige, visuell atemberaubende Noir-Drama „Cold War” seinen Eltern gewidmet, deren stürmische On- und Off-Beziehung ihn zu [ ... ]



Madeleine Peyroux: Anthem
 Madeleine Peyroux: Anthem



Jazz oder nicht Jazz? – Was Madeleine Peyroux auf ihrem neuen Album präsentiert, ist relaxt und poetisch, warm und subtil, aber auch modern, überraschend luf [ ... ]



68. Pop und Protest
 68. Pop und Protest



APO, Mini, Flower-Power: Mit der glänzend inszenierten Ausstellung „68. Pop und Protest“ verabschiedet sich Sabine Schulze nach zehn Jahren als Direktorin d [ ... ]



Wolf Haas: Junger Mann
 Wolf Haas: Junger Mann



Launig ist die Anlage und könnte in eine interessante Geschichte führen: Ein introvertierter 13-jähriger bekämpft sein starkes Übergewicht mit Kalorienzähl [ ... ]



Jasmin Bayer: The Green Unicorn
 Jasmin Bayer: The Green Unicorn



Nun ist es da, das zweite Album von Jasmin Bayer, in Gestalt eines grünen Einhorns. So verspricht das Cover des Albums „The Green Unicorn“ ein mädchenhafte [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.