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Weihnachtsgrüße

Die schönsten Grüße stammten einst von Father Christmas persönlich. Nur manchmal klagte er ein wenig über die Mühen mit den vieltausend Strümpfen, die er zu füllen hatte, mit all den Briefen, die zu beantworten waren.
Es schien in jenen Ländern, um die er sich besonders kümmern musste, immer mehr Kinder zu geben, in England und Skandinavien, in Deutschland und Nordamerika, und natürlich musste er auch noch für all jene sorgen, die nach Neuseeland oder Australien, nach Südafrika oder China gezogen waren.
Und unseligerweise hatte sich sein Gehilfe, der Große Polarbär, in die rechte Pfote gehackt und war zu nichts nütze. Aber das Nordlicht war wieder einmal recht schön, ein helles Weihnachtsfest sollte es werden. Dafür lohnten sich doch alle Anstrengungen, denn in seinem bürgerlichen Leben war der Weihnachtsmann Professor in Oxford und Schriftsteller, Schöpfer jener phantastischen mythologischen Welten, die Kinder wie Erwachsene bis heute begeistern. Jahr um Jahr, zwischen 1920 und 1943, schrieb J. R. R. Tolkien seinen Kindern Weihnachtsbriefe, kleine Kunstwerke, mit Zeichnungen und Malereien, mit eigens gestalteten Briefmarken. Der Autor des „Herrn der Ringe“ folgte damit einer Tradition, die sich gegen Ende des 18., zu Beginn des 19. Jahrhunderts entwickelt hatte, obwohl es schon im 15. Jahrhundert Grußkarten gab, aufwendig mit Holzschnitten produziert. Sogar im alten China und im frühen Ägypten tauschte man Grüße, zumeist zum Neuen Jahr.

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Aber erst 1843 wurde die Weihnachtskarte populär, als der britische Staatsbeamte Henry Cole den Künstler J.C. Horsley mit einem Entwurf beauftragte. 1000 Stück wurden gedruckt von der handkolorierten Darstellung eines Familienfestes, inspiriert von Altarbildern, von Zweigen und Reben umrahmt, mit dem Aufdruck „A Merry Christmas and a Happy New Year to You“. Doch erst mehr als dreißig Jahre später, in den USA 1874, begann, dank der Fortschritte der Chromolithographie und der Entwicklung der Schnellpresse, der wahre Siegeszug der Grußkarten. „Vater der Weihnachtskarte“ wurde der aus Breslau stammende Louis Prang genannt, der mit der Herstellung von Oblaten, Glanzbildern mit Blumen- oder Tiermotiven begonnen hatte. Bis zu 20 verschiedene Farben benutzte er für seine Weihnachtskarten, veranstaltete Wettbewerbe zur künstlerischen Gestaltung und legte besonderen Wert auf die gefühlvollen Texte. Mehr als 5 Millionen Karten produzierte er um 1880.

Gut zwanzig Jahre jünger ist der Weihnachtsmann in dieser Kassette mit 16 der schönsten Faltkarten zum Fest, über Generationen gesammelt. Ein recht ruppiger Geselle im Übrigen, mit seinem Knotenstock, dem Sack und der Rute, jenen trotzigen Gestalten aus der ersten Hälfte des 18.Jahrhunderts ähnlich, dem „Herrn Winter“ aus Moritz von Schwinds Münchner Bilderbogen oder Heinrich Hoffmanns „Nikolaus“ im „Struwwelpeter“. Denn noch weiß man nicht so recht, was man von jenem Kerl zu halten hat, der an den Bischof von Myra, den Heiligen Nikolaus, erinnert, aber auch an den strafenden Knecht Ruprecht und, von Region zu Region, von Land zu Land wechselnd, an all die guten und bösen Geister und Sagengestalten der Winterzeit. Schuld an diesem Wirrwarr war übrigens wahrscheinlich der Dr. Martin Luther, der seinen Protestanten die Heiligenverehrung austreiben wollte und die Gabenverteilung auf die Nacht zum 25. Dezember verlegte und an das Jesuskind delegierte, von ihm ausgerechnet „Heiliger Christ“ genannt.

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Aus dieser Abstraktion aber entstand das engelsgleiche Christkind, in manchen Regionen, paradoxerweise gerade in den katholischen – siegreiche Konkurrenz des Weihnachtsmanns. Wenn es dabei, zumal in seiner raffaelitischen Puttengestalt, an die Eroten und Amoretten der Antike erinnerte oder sich von ihnen geleiten ließ, mochte das seinen Ruhm kaum schmälern. Wunderbar lässt sich der weihnachtliche Wettbewerb auf diesen Karten hier studieren, denn auch der alte Zausel holte auf. Schon bald nämlich, lange bevor, 1931 Coca-Cola Santa Claus für sich beanspruchte, wurde der Weihnachtsmann, dank der Zeichner und Dichter, runder und lustiger, mit weißem Bart und glitzernden Augen, rosigen Wangen und Knollennase. Auch seine Gaben, in Hoffmann von Fallerslebens auf eine Mozart-Melodie gedichtetem „Morgen kommt der Weihnachtsmann“ noch recht martialischer Art, nämlich „Trommel, Pfeife und Gewehr, Fahn und Säbel und noch mehr, ja ein ganzes Kriegsheer“, wurden nun milder. Und um sie, Spielsachen und Naschwerk, zu überbringen, bedurfte er noch keines Großkonzerns, doch war er der Technik gegenüber durchaus aufgeschlossen. So kam der freundliche Opa – auch das zeigen diese Karten – in der Eisenbahn oder gar in frühen Automobilen daher, mitsamt Chauffeur, und überflügelte immer häufiger das Christkind, das ohnedies oft kaum mehr als fromme Botschaften und Grünzeug und seinen Liebreiz zu bieten hatte. Allerdings wurden die Rentiere, seine einst traditionellen Begleiter, nicht ganz und gar aufs Altenteil gesetzt: Gerade in neueren Filmen gehen sie immer wieder ins Rennen. Doch schon Vater Tolkien klagte ein wenig über sie. Seinem Sohn Christopher malte er ein Bild, darauf war er zu sehen, wie er das Meer auf dem Nordwind überquerte, während unter ihm ein Sturm das Wasser aufwühlte – „den die Rentiere nicht ausstehen können“. Inzwischen kommen die alten Gabenbringer, ob Weihnachtsmann oder Christkind, immer häufiger auf elektronischem Wege daher. Dennoch, niemals kann die e-card die traditionellen Grüße zum Fest ersetzen. Auch daran mag diese wunderbare Kassette hier erinnern.



Abbildungsnachweis:
Alle Abb. Bokelberg.com

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