Neue Kommentare

Patrick Dissinger zu „Foxtrot”. Samuel Moaz und das Konzept des Zufalls: Ein exzellenter, sehr kluger Film. Danke für den...
erlenmeier zu Historische Tankstellen – auf Spurensuche in Hamburg : Ich arbeite seit vielen Jahren beim Forum geschic...
Bartholomay zu Berliner Mauer 57. Jahrestag: Gedenkfeier ? Um von ihren Taten gegen die ehemal...
Herby Neubacher zu Eindringlicher Holocaust-Roman von Affinity Konar: „Mischling“ – keine leichte, aber lohnende Lektüre: Das hat uns jetzt eigentlich noch gefehlt - Erinn...
Ada Rompf zu „The Rider”. Die zärtlich-raue Poesie der Chloé Zhao : Besser kann man meinen Lieblingsfilm dieses Früh...

Lange Nacht der Museen Hamburg

Hamburger Architektur Sommer 2015


Kultur und Management

Berlin braucht Platz für eine enzyklopädische Sammlung des 20. Jahrhunderts

Drucken
(125 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Dienstag, den 14. Juli 2015 um 10:05 Uhr
Berlin braucht Platz für eine enzyklopädische Sammlung des 20. Jahrhunderts 4.4 out of 5 based on 125 votes.
Ehepaar Pietzsch - Foto Pietzsch

Der Unternehmer und Kunstsammler Heiner Pietzsch vermachte zusammen mit seiner Frau Ulla dem Land Berlin eine bedeutende Kunstsammlung von gut 300 Bildern, Skulpturen und Photographien der klassischen Moderne: Meisterwerke vorwiegend des Surrealismus – beispielsweise von Pablo Picasso, Max Ernst, René Magritte, Salvador Dalí, Joan Miró und Yves Tanguy.
Nach langem Ringen und vielen Verhandlungen ist ein Neubau für die Kunst des 20. Jahrhunderts, welches neben anderen auch die Sammlung Pietzsch beherbergen wird, innerhalb des Ensembles des Berliner Kulturforums Ende 2014 beschlossen worden. Wie das Museum der Moderne einmal aussehen wird, ist noch ungewiss. Nach der geplanten Fertigstellung bis zum Jahr 2020 kann dann die Sammlung der Staatlichen Museen zu Berlin sowie die Sammlung Pietzsch dort in größerem Umfang präsentiert werden.
Der Kunsthistoriker André Chahil und der Architekt Christian Speelmanns fragten Heiner Pietzsch nach seinen persönlichen und architektonischen Präferenzen.

André Chahil, Christian Speelmanns (AC/CS): Herr Pietzsch, Sie und Ihre Frau haben in über einem halben Jahrhundert eine bedeutende Kunstsammlung aufgebaut. Ihre Sammlung zählt zu den herausragenden deutschen Privatsammlungen der Klassischen Moderne. Können Sie sich noch an den entscheidenden Impuls erinnern, der aus ein paar dekorativen Bildern eine Leidenschaft werden ließ, die bis heute anhält?

Heiner Pietsch (HP): Ich war ein 16-jähriger Schüler in der zerstörten Stadt Dresden ein Jahr nach Kriegsende, als wir in eine Ausstellung geführt wurden, mit dem Titel: „Ist es entartete Kunst?“ Die völlig anderen Sehgewohnheiten des Heranwachsenden führten zu dem vorschnellen Urteil: Darüber kann man nicht streiten, natürlich ist das entartete Kunst! Es war aber etwas geschehen, das dazu führte, dass ich fünf bis sechs Mal alleine die Ausstellung besuchte, mich mit einzelnen Bildern und Künstlern befasste. Und dort ist wohl die Initialzündung für das spätere Interesse entstanden.

AC/CS: Eine große und umfangreiche Kunstsammlung ist häufig mit dem Charakter eines Sammlers verbunden. Wie würde Ihrer Auffassung nach eine optimale architektonische Umsetzung für Ihre Sammlung aussehen?

HP: Das kann ich mir nicht wünschen, ich sehe auch keine Möglichkeit, dass das Museum des 20. Jahrhunderts mit der Kunst eines Sammlers verbunden sein kann. Zu umfangreich ist die eigene Sammlung der Werke des 20. Jahrhunderts der Stiftung Preußischer Kulturbesitz.

AC/CS: Gibt es vielleicht einige Begrifflichkeiten, die diesen Bau beschreiben könnten, wenn auch nur der Stimmung nach?

HP: Die Lage des neuen Museums zwischen Philharmonie und Mies van der Rohe-Bau (Neue Nationalgalerie) sollte eine verbindende Architektur und eine Zusammenfassung der jetzigen Solitäre sein. Das neu entstehende Ensemble muss dann später richtungsweisend für die Sanierung des gesamten Areals werden.

AC/CS: Licht, Raumhöhe und Materialien haben einen starken Einfluss auf die Wahrnehmung von Kunst. Haben Sie konkrete Vorstellungen, wie Licht und Materialien im Kontext speziell für Ihre Sammlung wirken sollen?

HP: Nach Mies van der Rohe: Es muss so einfach werden, wie es geht, koste es was es wolle!

AC/CS: Tageslicht oder Kunstlicht? Seitenlicht oder Oberlicht? Gibt es hierbei Präferenzen Ihrerseits?

HP: Es geht wahrscheinlich nur um eine gelungene Mischung aus gutem Design und die dazu jeweils entsprechende Form des Lichtes.

AC/CS: Beton, Glas, Stahl… oder gleich lieber Fachwerk? Gibt es Materialien, die Sie im Kontext Ihrer Sammlung eher in Betracht ziehen würden?

HP: Erneut – nach Mies van der Rohe: Es muss so einfach werden, wie es geht, koste es was es wolle!

AC/CS: In Deutschland gibt es zahlreiche Unternehmer, die sich als Mäzene, sinnstiftend mit dem Bau eines eigenen Museums, in der Öffentlichkeit eingebracht haben. Vorweg seien beispielsweise die Sammlung Würth oder die Sammlung Falckenberg genannt. Gibt es etwas, das Sie bei der Realisierung gänzlich anders als Ihre Vorgänger umsetzen würden – und sich in Architektur oder in einer Form der Museumskultur ausgedrückt?

HP: Ein eigenes Museum ist genau das, was wir nicht wollen. Berlin braucht Platz für eine enzyklopädische Sammlung des 20. Jahrhunderts!

AC/CS: Gibt es Ihrer Auffassung nach zeitgenössische Museumsbauten, die Sie für nicht sonderlich gelungen halten?

HP: Wenn schon, dann das Museum für Kunstgewerbe im Tiergarten.

AC/CS: Und welche Museen/Sammlungen besuchen Sie immer wieder gerne?

HP: Nahezu alle.

AC/CS: Angenommen, wir gehen einen Gang Ihrer Sammlung im neuen Museumsbau gemeinsam und nehmen anschließend im Museumscafé ein gutes Glas Rotwein zu uns. Was würden Sie sich aus dieser Erfahrung für uns wünschen. Mit welchem Gefühl soll der Museumsbesucher den Bau wieder verlassen?

HP: Hier wird entscheidend sein, dass die Kuratoren mit Ihrer Hängung den Charakter der jeweiligen Kunstrichtung, aber auch die Gestaltung des Baues erfasst und zu einer guten Übereinstimmung gebracht haben. Bei einem guten Museum mit einer guten Sammlung sollte sehr darauf geachtet werden, dass der abschließend zu sich genommene Rotwein der Qualität des Hauses entspricht.


In Kooperation mit und Dank an: André Chahil und Christian Speelmanns


Abbildungsnachweis:
Header: Heiner und Ulla Pietzsch. Foto: © Pietzsch
Galerie:
01. Mies van der Rohe mit dem Modell der Crown-Hall, Chicago. Quelle: © Enzyclopaedia Britannica
02. Kunstgewerbemuseum, Berlin. Foto: Susanne Börkey

Kommentar verfassen
(Ich bin damit einverstanden, dass mein Beitrag veröffentlicht wird. Mein Name und Text werden mit Datum/Uhrzeit für jeden lesbar. Mehr Infos: Datenschutz)

Ihr Name (erscheint mit ihrem Kommentar) *
Ihre Email (Nur für unseren Bestätigungslink)
Code (Hier eintragen)   
Meinen Kommentar abschicken
 
Home > Blog > Kultur & Management > Berlin braucht Platz für eine enzyklopädisc...

Mehr auf KulturPort.De

Heiße Ecke 15 Jahre
 Heiße Ecke 15 Jahre



Von solchen Zahlen kann man nicht einmal träumen. Rund 42000 Kondome, 25 000 Würstchen, 16800 Waschmaschinenladungen und 12600 Bierdosen wurden in sage und sch [ ... ]



Ludwig und Benyamin Nuss: Songs & Ballads
 Ludwig und Benyamin Nuss: Songs & Ballads



Zwei Instrumente, zwei Musiker – Vater und Sohn – ein Duo-Debüt-Album mit Liedern und Balladen. Zwei die sich verstehen und sich offensichtlich mit musikali [ ... ]



„Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm”. Dialektik für Genießer
 „Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm”. Dialektik für Genießer



In „Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm” schildert Regisseur Joachim A. Lang die Querelen um jenes nie gedrehte Leinwand-Epos, während er es zugleich [ ... ]



Lana Cenčić: Sama
 Lana Cenčić: Sama



Ein Soloalbum, dass vom ersten Song an besticht. Die Kroatin Lana Cenčić, mit Wohnsitz in New York und beeindruckender Stimme nennt ihre neue Platte „Sama“ [ ... ]



Die Liebe stirbt zuletzt. „Orpheus – eine musische Bastardtragödie“ begeistert im Hamburger Thalia Theater
 Die Liebe stirbt zuletzt. „Orpheus – eine musische Bastardtragödie“ begeistert im Hamburger Thalia Theater



Mit einem berauschend sinnlichen, wunderbar poetischen und philosophischen, dabei total abgedrehten Pop-Techno-Bühnenmärchen begeistert Theatermagier Antú Rom [ ... ]



Anton Corbijn – „The Living and the Dead“
 Anton Corbijn – „The Living and the Dead“



Wenn man diese Hängung in Noten übersetzen könnte, käme zweifellos Punk heraus. Anders ist der rhythmische, hochdynamische Wechsel von kleinen und großen Po [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.