Neue Kommentare

Hans Maschek zu 19. Lange Nacht der Museen in Hamburg. Meine Reise durch die Nacht: Wunderbar atmosphärische Beschreibung. Ich habe ...
Matthijs van de Beek zu „Stan & Ollie”. Oder die schmerzliche Seite der Komik : Das klingt wunderbar und wird ganz sicher angesch...
Dr. Frank-Peter Hansen zu Die Wittgenstein-Dekomposition: Frank-Peter Hansens Antwort auf Martin A. Hainz...
NN zu Das Chimei – ein Museum für eine einmalige Privatsammlung in Taiwan: Lasst Euch nicht blenden! Es gibt nichts Gutes, a...
Peter Schmidt zu Verleihung der Goldenen Kamera – mit Bruno Ganz und ohne Friede Springer: Und noch einmal zur Goldenen Kamera
Im Fol...

Lange Nacht der Museen Hamburg

Hamburger Architektur Sommer 2019


Grafik & Design

Nick Knatterton und andere Abenteuer

Drucken
(258 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Mittwoch, den 27. März 2013 um 10:07 Uhr
Nick Knatterton und andere Abenteuer 4.6 out of 5 based on 258 votes.
Nick Knatterton und andere Abenteuer – Manfred Schmidt zum 100. Geburtstag

"Nick Knatterton und andere Abenteuer – Manfred Schmidt zum 100. Geburtstag", heißt es im Wilhelm Busch Deutsches Museum für Karikatur und Zeichenkunst in Hannover.
Das Museum für Karikatur und Zeichenkunst widmet dem Autor und Zeichner Manfred Schmidt eine kleine, aber reichhaltige Ausstellung, in deren Mittelpunkt die Comic-Figur Nick Knatterton steht.

Seit den frühen 1950er-Jahren zeichnete Schmidt seine Knatterton-Geschichten, die solch schöne Titel tragen wie „Die Erbschaft in der Krawatte“, „Ein Kopf fiel in die Themse“ oder „Der Stiftzahn des Capri-Fischers“. In mehr als 500 Fortsetzungen erschienen sie Woche für Woche in der Illustrierten “Quick“.

Nick Knatterton jagte Gangster, befreite entführte Millionärstöchter oder Wissenschaftler aus den Fängen zwielichtiger Gestalten. Seine Einsatzorte waren das stets in dichten Nebel gehüllte London oder Paris, die Stadt der Mode und der Leidenschaften oder das Land im Süden, in dem man dem Chianti frönt. Bei seinen Jagden auf Spitzbuben setzte er nicht nur seine körperliche Kraft und Gewandtheit ein, sondern bediente sich technischer Delikatessen, die einem James Bond die Tränen in die Augen steigen lassen könnten. Mit dem im falschen Rauschebart verborgenen Fallschirm entging der spitzköpfige Meisterdetektiv dem sicheren Tod, als er von Gangstern vom Dach eines Wolkenkratzers geworfen wurde. Sein Supersportwagen war mit automatischem Spurverfolger, Radiosessel mit 5-D-Raumton und einem Maschinengewehr zum Beschießen von Reifen ausgestattet. .

Der meist Pfeife rauchende Nick Knatterton, mit markantem Profil und angetan mit kariertem Knickerboxeranzug und Schiebermütze, bewegte sich vornehmlich in Kreisen der Hochfinanz und im Milieu zwielichtiger Gestalten. Otto Normalbürger kam nur als Statist vor. Bei Frauen, ob auf seiner oder der Gegenseite, hatte Knatterton gute Chancen. Sie hatten Geld und zeigten gern ihre üppigen Kurven in etwas zu engen Pullovern und in ein wenig zu stramm sitzenden Röcken.

Der Autor und Zeichner Manfred Schmidt hatte bei seinen Knatterton-Geschichten ursprünglich an eine Persiflage auf die Comics gedacht. „Ich nahm mir vor“ so Schmidt, „diese primitivste aller Erählformen so gründlich zu parodieren, dass den Leuten die Lust an der blasenreichen, auf Analphabeten zugeschnittene Stumpfsinnsliteratur verging“. Diese Absicht ging gründlich daneben. Schmidt konnte feststellen, dass die Deutschen „durch Knatterton erst richtig Appetit auf blasengespickte Comic strips“ bekamen.

Zum Erfolg der Serie hat vermutlich beigetragen, dass Schmidt aus der Parodie von Comic und Krimi eine Satire auf die Realität machte. Immer wider brachte er Knatterton mit der politischen und kulturellen Wirklichkeit der fünfziger Jahre in Verbindung. Sein Erfolgsrezept war einfach. „Man nehme eine leichte Bonner Pflaume und etwas Klamotte, Sex und ein halbgeistreiches Aperçu.“

Manfred Schmidt hätte in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag gefeiert; er starb von 14 Jahren. Dem hannoverschen Museum hatte er viele der noch erhaltenen Originalzeichnungen zu Nick Knatterton überlassen. Diese zum Teil seit mehr als 50 Jahren nicht mehr nachgedruckten Geschichten werden in der Ausstellung collagiert mit Memorabilien wie einer Knatterton-Faschingsmaske, Laubsägebögen oder Apfelsinenetiketten. Aufzeichnungen von Fernsehshows bei Meistern wie Frankenfeld oder Kulenkampff zeigen Schmidt als Schnellzeichner, dem der Schalk im Nacken sitzt.


Die Ausstellung ist noch bis zum 21. April 2013 zu sehen im Wilhelm Busch Deutsches Museum für Zeichenkunst, Georgengarten in 30167 Hannover. Kein Katalog.
Geöffnet: Dienstag bis Sonntag 11 bis 18 Uhr
Eintritt: 4,50 Euro, erm. 2,50 Euro

Abbildungsnachweis: alle © Wilhelm Busch – Dt. Museum für Karikatur und Zeichenkunst
Header: Nick Knatterton, Brettspiel: Kombiniere... Wer mich hat, gewinnt, Deckel, 1950er, Leihgabe Riedhammer.
Galerie:
01. Ausstellungsplakat
02. Manfred Schmidt, Adenauer-Karikatur (A. als Indianer)
03. Manfred Schmidt, Nick Knatterton - Die Erbschaft in der Krawatte, Folge 8 (nur Panel), 1955.
04. Manfred Schmidt, Zwei Koffer nach Kairo, Illustrierter Reisebericht.
05. Manfred Schmidt, Cel der Nick Knatterton Zeichentrickfilmserie.
06. Manfred Schmidt, Wimmelbild-Werbeanzeige.
07. Manfred Schmidt, Kurort Berlin, für BZ am Mittag, 1937, Sammlung Riedhammer.
08. Manfred Schmidt, Die Frau am Variete, Motiv für Werbeblatt, 1930er-Jahre, Sammlung Riedhammer.

Kommentar verfassen
(Ich bin damit einverstanden, dass mein Beitrag veröffentlicht wird. Mein Name und Text werden mit Datum/Uhrzeit für jeden lesbar. Mehr Infos: Datenschutz)

Ihr Name (erscheint mit ihrem Kommentar) *
Ihre Email (Nur für unseren Bestätigungslink)
Code (Hier eintragen)   
Meinen Kommentar abschicken
 
Home > Blog > Grafik & Design > Nick Knatterton und andere Abenteuer

Mehr auf KulturPort.De

Philipp Maintz: Thérèse
 Philipp Maintz: Thérèse



Was, wenn „Liebe“ nur ein freundliches Wort wäre für ihre eigene Unmöglichkeit? Nur ein Sammelbegriff für Sehnsüchte, die unerreichbar sind in einer Ge [ ... ]



19. Lange Nacht der Museen in Hamburg. Meine Reise durch die Nacht
 19. Lange Nacht der Museen in Hamburg. Meine Reise durch die Nacht



28.000 Besucher amüsierten sich in der Museumsnacht der Hansestadt, trotz Eurovisions-Contest. Überall in der City tobte das Leben. Ich war natürlich auch wie [ ... ]



Meine 19. Lange Nacht der Museen in Hamburg
 Meine 19. Lange Nacht der Museen in Hamburg



Die Terminänderung, die Lange Nacht der Museen in Hamburg in den Mai, anstatt in den April zu legen war eine gute Idee. Denn der Tag war schön, nicht kalt! – [ ... ]



Hamburger Theater Festival: „Heilig Abend“ – ein als Krimi getarntes philosophisches Werk
 Hamburger Theater Festival: „Heilig Abend“ – ein als Krimi getarntes philosophisches Werk



Packendes Kammerspiel mit zwei exzellenten Schauspielern, die nach dem Schlussapplaus strahlten wie nach einem gelungenen Coup: Sophie von Kessel und Michele Cuc [ ... ]



Daniel Garcia Trio: Travesuras
 Daniel Garcia Trio: Travesuras



Ob tosende Akkord-Sturzbäche, Staccato-Piano oder ausufernde Tastenläufe: Zurückhaltung gehört nicht unbedingt zu den musikalischen Qualitäten des spanische [ ... ]



KP Brehmer – „Korrektur der Nationalfarben“
 KP Brehmer – „Korrektur der Nationalfarben“



So berühmt wie seine Kollegen Sigmar Polke und Gerhard Richter ist er nie geworden. Vielleicht war er nicht ehrgeizig genug, vielleicht war er zu…. – ach, m [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.