Neue Kommentare

Rafael Gunnarsson zu „Climax”. Die unwiderstehlichen Abgründe des Gaspar Noé: Zeit, Bild und KulturPort sind sich alle einig? D...
Cornelie Müller-Gödecke zu 100 Jahre Lettland: Handschuh-Daumen hoch: Danke für diesen Artikel!
Und Danke für...

Herby Neubacher zu Peter de Vries – Hut- und Urnenhüllen-Macher: Mal auf die Website des Hutmachers geguckt? 500 E...
Hedi Schulitz zu Thomas Mann Preis 2018 für Mircea Cărtărescu: Was für ein wirklich gut geschriebener Artikel! ...
Martinš zu 100 Jahre Lettland: Handschuh-Daumen hoch: Vielen Dank furr den tollen Artikels. das ist fue...

Lange Nacht der Museen Hamburg

Hamburger Architektur Sommer 2015


Grafik & Design

Nick Knatterton und andere Abenteuer

Drucken
(257 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Mittwoch, den 27. März 2013 um 09:07 Uhr
Nick Knatterton und andere Abenteuer 4.7 out of 5 based on 257 votes.
Nick Knatterton und andere Abenteuer – Manfred Schmidt zum 100. Geburtstag

"Nick Knatterton und andere Abenteuer – Manfred Schmidt zum 100. Geburtstag", heißt es im Wilhelm Busch Deutsches Museum für Karikatur und Zeichenkunst in Hannover.
Das Museum für Karikatur und Zeichenkunst widmet dem Autor und Zeichner Manfred Schmidt eine kleine, aber reichhaltige Ausstellung, in deren Mittelpunkt die Comic-Figur Nick Knatterton steht.

Seit den frühen 1950er-Jahren zeichnete Schmidt seine Knatterton-Geschichten, die solch schöne Titel tragen wie „Die Erbschaft in der Krawatte“, „Ein Kopf fiel in die Themse“ oder „Der Stiftzahn des Capri-Fischers“. In mehr als 500 Fortsetzungen erschienen sie Woche für Woche in der Illustrierten “Quick“.

Nick Knatterton jagte Gangster, befreite entführte Millionärstöchter oder Wissenschaftler aus den Fängen zwielichtiger Gestalten. Seine Einsatzorte waren das stets in dichten Nebel gehüllte London oder Paris, die Stadt der Mode und der Leidenschaften oder das Land im Süden, in dem man dem Chianti frönt. Bei seinen Jagden auf Spitzbuben setzte er nicht nur seine körperliche Kraft und Gewandtheit ein, sondern bediente sich technischer Delikatessen, die einem James Bond die Tränen in die Augen steigen lassen könnten. Mit dem im falschen Rauschebart verborgenen Fallschirm entging der spitzköpfige Meisterdetektiv dem sicheren Tod, als er von Gangstern vom Dach eines Wolkenkratzers geworfen wurde. Sein Supersportwagen war mit automatischem Spurverfolger, Radiosessel mit 5-D-Raumton und einem Maschinengewehr zum Beschießen von Reifen ausgestattet. .

Der meist Pfeife rauchende Nick Knatterton, mit markantem Profil und angetan mit kariertem Knickerboxeranzug und Schiebermütze, bewegte sich vornehmlich in Kreisen der Hochfinanz und im Milieu zwielichtiger Gestalten. Otto Normalbürger kam nur als Statist vor. Bei Frauen, ob auf seiner oder der Gegenseite, hatte Knatterton gute Chancen. Sie hatten Geld und zeigten gern ihre üppigen Kurven in etwas zu engen Pullovern und in ein wenig zu stramm sitzenden Röcken.

Der Autor und Zeichner Manfred Schmidt hatte bei seinen Knatterton-Geschichten ursprünglich an eine Persiflage auf die Comics gedacht. „Ich nahm mir vor“ so Schmidt, „diese primitivste aller Erählformen so gründlich zu parodieren, dass den Leuten die Lust an der blasenreichen, auf Analphabeten zugeschnittene Stumpfsinnsliteratur verging“. Diese Absicht ging gründlich daneben. Schmidt konnte feststellen, dass die Deutschen „durch Knatterton erst richtig Appetit auf blasengespickte Comic strips“ bekamen.

Zum Erfolg der Serie hat vermutlich beigetragen, dass Schmidt aus der Parodie von Comic und Krimi eine Satire auf die Realität machte. Immer wider brachte er Knatterton mit der politischen und kulturellen Wirklichkeit der fünfziger Jahre in Verbindung. Sein Erfolgsrezept war einfach. „Man nehme eine leichte Bonner Pflaume und etwas Klamotte, Sex und ein halbgeistreiches Aperçu.“

Manfred Schmidt hätte in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag gefeiert; er starb von 14 Jahren. Dem hannoverschen Museum hatte er viele der noch erhaltenen Originalzeichnungen zu Nick Knatterton überlassen. Diese zum Teil seit mehr als 50 Jahren nicht mehr nachgedruckten Geschichten werden in der Ausstellung collagiert mit Memorabilien wie einer Knatterton-Faschingsmaske, Laubsägebögen oder Apfelsinenetiketten. Aufzeichnungen von Fernsehshows bei Meistern wie Frankenfeld oder Kulenkampff zeigen Schmidt als Schnellzeichner, dem der Schalk im Nacken sitzt.


Die Ausstellung ist noch bis zum 21. April 2013 zu sehen im Wilhelm Busch Deutsches Museum für Zeichenkunst, Georgengarten in 30167 Hannover. Kein Katalog.
Geöffnet: Dienstag bis Sonntag 11 bis 18 Uhr
Eintritt: 4,50 Euro, erm. 2,50 Euro

Abbildungsnachweis: alle © Wilhelm Busch – Dt. Museum für Karikatur und Zeichenkunst
Header: Nick Knatterton, Brettspiel: Kombiniere... Wer mich hat, gewinnt, Deckel, 1950er, Leihgabe Riedhammer.
Galerie:
01. Ausstellungsplakat
02. Manfred Schmidt, Adenauer-Karikatur (A. als Indianer)
03. Manfred Schmidt, Nick Knatterton - Die Erbschaft in der Krawatte, Folge 8 (nur Panel), 1955.
04. Manfred Schmidt, Zwei Koffer nach Kairo, Illustrierter Reisebericht.
05. Manfred Schmidt, Cel der Nick Knatterton Zeichentrickfilmserie.
06. Manfred Schmidt, Wimmelbild-Werbeanzeige.
07. Manfred Schmidt, Kurort Berlin, für BZ am Mittag, 1937, Sammlung Riedhammer.
08. Manfred Schmidt, Die Frau am Variete, Motiv für Werbeblatt, 1930er-Jahre, Sammlung Riedhammer.

Kommentar verfassen
(Ich bin damit einverstanden, dass mein Beitrag veröffentlicht wird. Mein Name und Text werden mit Datum/Uhrzeit für jeden lesbar. Mehr Infos: Datenschutz)

Ihr Name (erscheint mit ihrem Kommentar) *
Ihre Email (Nur für unseren Bestätigungslink)
Code (Hier eintragen)   
Meinen Kommentar abschicken
 
Home > Blog > Grafik & Design > Nick Knatterton und andere Abenteuer

Mehr auf KulturPort.De

Jasper Frederik: Beautiful
 Jasper Frederik: Beautiful



Er ist ein Mysterium – keinerlei Angaben wer sich hinter dem Pseudonym Jasper Frederik verbirgt. Nur so viel lässt sich, trotz intensiver Recherche herausfind [ ... ]



Weihnachtszeit – Messezeit
 Weihnachtszeit – Messezeit



Was, schon wieder Weihnachten? Jedes Jahr das gleiche Erstaunen, der innere Kalender will mit dem äußeren einfach nicht zusammenpassen. Doch wenn mit einem Sch [ ... ]



„Climax”. Die unwiderstehlichen Abgründe des Gaspar Noé
 „Climax”. Die unwiderstehlichen Abgründe des Gaspar Noé



Höchste tänzerische Disziplin explodiert unvermittelt in einem mitreißenden anarchistischen Rausch aus Begierde, Schmerz, Geltungssucht, Gewalt, Trance, schwi [ ... ]



„Erste Dinge – Rückblick für Ausblick“
 „Erste Dinge – Rückblick für Ausblick“



Alles auf Anfang: Eineinhalb Jahre nach ihrem Amtsantritt als Direktorin des Hamburger Völkerkundemuseums hat Barbara Plankensteiner wichtige Bausteine der ange [ ... ]



Die Lyrikwelt von W.S. Merwin: „Nach den Libellen“ und „Im Schatten des Sirius“
 Die Lyrikwelt von W.S. Merwin: „Nach den Libellen“ und „Im Schatten des Sirius“



Zu Recht wird Merwin als „einer der größten Dichter unserer Zeit“ bezeichnet („Los Angeles Review of Books“). Das gilt nicht nur, aber vor allem für d [ ... ]



„The House That Jack Built”. Richtung Hölle mit Lars von Trier und Glenn Gould
 „The House That Jack Built”. Richtung Hölle mit Lars von Trier und Glenn Gould



Der virtuose Provokateur Lars von Trier inszeniert sein suggestives düsteres Serienkiller-Porträt als boshaft-philosophisches Zwiegespräch zwischen Obszönit [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.