Neue Kommentare

Kentin Abalo zu „Assassination Nation” – Leinwandheldinnen in Zeiten von #MeToo : WAS FÜR EIN FOTO!!!
Großartig. Hoffe der...

Sybille zu Das Chinesenviertel auf Hamburg St. Pauli: Danke fĂŒr den Beitrag. Ich sehe gerade den Film ...
Nikias Geschke zu „The Guilty”. Der beklemmende Minimalismus des Gustav Möller: Das klingt superspannend. Danke fĂŒr den Tipp. ...
Harry zu „Otto. Die Ausstellung“: OTTO ist großartig. Ich wusste nicht, dass er ei...
Alex zu Film Festival Cologne - Von starken SpielfilmdebĂŒts und schwĂ€chelnden Stars: Wer bist du? Halten Sie Ihre Meinung besser, wenn...

Lange Nacht der Museen Hamburg

Hamburger Architektur Sommer 2015

ï»ż
Grafik & Design

Von der HĂ€ndlerkarte zur Visitenkarte, eine historische Entwicklung

Drucken
(270 Bewertungen - Wie es Euch gefÀllt!)
Sonntag, den 24. Oktober 2010 um 14:35 Uhr
Von der HĂ€ndlerkarte zur Visitenkarte, eine historische Entwicklung 4.7 out of 5 based on 270 votes.
Von der HĂ€ndlerkarte zur Visitenkarte, eine historische Entwicklung 

Die Frage nach dem Ursprung der Besuchs- oder Visitenkarte ist prĂ€zise nicht zu beantworten. Ebenso wie dem Exlibris hat man auch ihr ein antikes Alter zugeschrieben, hat ihre Spur im griechischen Altertum zu finden geglaubt, den Römern "schedulae Salutatoriae" zugetraut und ihre Benutzung durch die Chinesen schon vor ĂŒber tausend Jahren feststellen wollen.
Gelehrte im Reich der Mitte haben Schießpulver, Porzellan und die Buchdruckkunst lange vor uns EuropĂ€ern besessen - warum sollten sie, da sie zu den höflichsten Menschen gehören, nicht auch die Erfindung der Besuchskarte vor uns gemacht haben? Erste Nachweise ĂŒber die Verwendung von Besuchskarten in China gibt es tatsĂ€chlich bereits aus dem 15. Jahrhundert. Europa erreichte diese Tradition etwa ab Mitte des 17. Jahrhunderts.

Mit unserer modernen Visitenkarte haben diese vermeintlichen oder wirklichen VorlĂ€ufer indes wenig zu tun. Wir haben unsere Besuchskarte ohne allen Zweifel weder von den Griechen noch von den Römern ĂŒbernommen. Professionelle Forscher datieren das Auftauchen von Besuchskarten in Europa frĂŒhestens in die Renaissance, in der die Kunst des Lesens und Schreibens in Oberschichten der Bevölkerung allgemein geworden war und möglicherweise Visitenkarten eine Daseinsberechtigung hatten.

Indessen ist ein haltbarer Nachweis fĂŒr die Benutzung jener Karten fĂŒr die Zeit vor Ludwig XIV. (1638-1715) bislang nicht erbracht. Der Historiker und Journalist John Grand-Carteret (1850-1927) behauptet in seinem Buch ‚Vieux papiers, vieilles images’ (Paris 1896), dass deutsche Studenten der UniversitĂ€t in Padua um das Jahr 1550 bei ihren Professoren eine Karte abgaben, wenn sie diese bei ihren Besuchen nicht zu Hause antrafen, und dass die Besuchskarte damals in Italien bereits allgemein im Gebrauch war. Zum Beweis hierfĂŒr berief er sich auf zahlreiche gestochene Karten, die sich im Museo Civico in Venedig befĂ€nden. Mittlerweile konnte jedoch von Experten nachgewiesen werden, dass jene studentischen Besuchskarten nicht aus dem 16., sondern aus dem 18. Jahrhundert stammen. Ferner wies man nach, dass die Quelle der Grand-Carteret folgte, ein Brief des venezianischen Dogen Giacomo Contarinis (1536-1596) war, in dem erwĂ€hnt wurde, dass ein deutscher Student in Padua, der ihn selbst bei seinem Abschiedsbesuch nicht zu Hause angetroffen hĂ€tte, ihm eine Karte mit dessen Wappen und Namen zurĂŒckgelassen habe (una sua cartolina con la sua arma et il proprio nome). Derartige Karten sind uns aus jener Zeit in Deutschland zahlreich erhalten; ĂŒber dem gezeichneten Wappen steht meist ein Lebens- oder Wahlspruch, darunter der Name und manchmal zusĂ€tzlich eine Widmung. Es handelt sich jedoch nicht um eine fĂŒr den Zweck gedruckte Besuchskarte, sondern um eine Art ĂŒberreichte Erinnerungsgabe der Freundschaft, wie sie in jener Zeit, als das Wappen noch Symbol seines Besitzers war vielfach verschenkt wurden, vergleichbar und in der gleichen Weise wie man heute eine gerahmte Fotografie von sich selbst verschenken wĂŒrde.

Im 18. Jahrhundert und vor allem spĂ€ter, in der Zeit der Industrialisierung, kamen sogenannte kleinformatige Trade Cards, Handelskarten auf. Sie wiesen hĂ€ufig neben dem Namen des Unternehmens oder Ladens auch Abbildungen der Produkte auf und dienten primĂ€r der Kundenorientierung, da das heutige formale System der Straßennamen, Hausnummern und Postleitzahlen zur damaligen Zeit noch unbekannt war. Dies hat sich ĂŒbrigens in Japan und China bis dato erhalten. Visiten- und GeschĂ€ftskarten sind rĂŒckseitig mit kleinen vereinfachten Karten versehen, auf denen Straßen und markante GebĂ€ude abgebildet sind und so das Finden der Adresse vereinfacht.

Lange Zeit, insbesondere im 18. und 19. Jahrhundert galt es als Etikette, seine Besuchskarte zunĂ€chst einem Hausangestellten auf sein Tablett zu legen – wir kennen diese Szene aus Filmen; eine besondere Form des Knickes der Besuchskarte verriet dem Hausherren oder der Dame den Grund und die Wichtigkeit des wartenden Gastes.
In ostasiatischen LĂ€ndern hat die Visitenkarte noch heute wichtige Etikette-Funktionen. Sie ist das Zeichen der Achtung und des Respekts eines Besuchers. So gilt es als unhöflich, keine Karte bei sich zu tragen, die man ĂŒberreichen kann. Außerdem ist es ĂŒblich, die kleine Karte mit beiden HĂ€nden zu ĂŒberreichen. Diese steckt man dann auch nicht sofort ein, sondern lĂ€sst sie fĂŒr einen gewisse Zeit vor sich liegen.

Im Westen werden Visitenkarten ĂŒberwiegend zum Austausch von geschĂ€ftlichen oder privaten Kontaktdaten verwendet und sie sind lĂ€ngst in digitale Form umgewandelt. Auch wenn bei uns die Visitenkarte nichts mehr mit Etikette zu tun hat, so hat sie einen gestalterischen Wert und kann durchaus - bei gutem Design - als persönliche und charakterisierende IdentitĂ€t angesehen werden.


Der Text basiert auf unterschiedlichen analogen und digitalen Quellen. Insbesondere: „Vom Kunstgewand zur Höflichkeit“ von Walter von zur Westen. Teile des Werks sind in digitaler Form bei Frese Edeldesign in DĂŒsseldorf unter der Homepage: www.frese.de zu finden. Weitere Quellen sind: The Business Card Site (Australia), Business Card Design (USA), artofmanliness.com (USA), ancestorville.com (USA), San Diego Archaeological Center (USA).

Abbildungen: Diverse HĂ€ndler-, Besuchs- und Visitenkarten zwischen 1730 und 1999 aus Europa, Asien und den USA.

Bildnachweise: (Header) Um 1900: Wilhelm, Deutscher Kaiser und König von Preußen, Quelle: Privatsammlung USA / 1730: Trade Card des Stuhlbauers und Polsterers Christopher Gebfore, London (NĂ€he "St. Paul's Church") / 1789: Besuchskarte des Baron de Braun mit AufzĂ€hlung seiner TĂ€tigkeiten / Um 1840: HĂ€ndler- und Orientierungskarte des in Köln ansĂ€ssigen Eau de Cologne-Herstellers John Maria Farina (in englischer Sprache) / Um 1880: Visitenkarte des Arztes JosĂ© Rizal in Hongkong (Ophthalmologist Business Card of Dr. JosĂ© Rizal (Filipino National Hero 1861-1896) from Hong Kong) / Ca. 1885: Trade Card der Casavant Brothers (Casavant FrĂšres) Claver und Samual, (kanadische Orgelbaufirma aus QuĂ©bec) / 1895: Business Card des US-Attorneys Charles M. Wright, aus Iowa, spezialisiert auf PensionsfĂ€lle. Quelle: SSA History Archives, USA / 1914: Business Card des Midway Restaurants und Saloons in New Orleans, mit Bild des Inhabers John Querella, Quelle: www.stphilipneri.org (New Orleans History), USA / Ca. 1920: HĂ€ndlerkarte der Firma G. Peruzzi Silberwaren aus Florenz (in englischer Sprache) / 1925: Visitenkarte der Galerie D'Art Du Bon MarchĂ©, BrĂŒssel Belgien / 1999: RĂŒckseite der Visitenkarte eines Restaurants in Kyoto, Japan, Quelle: Privatbesitz.
Quelle: Diverse von Wikipedia ohne Copyrights.

Kommentar verfassen
(Ich bin damit einverstanden, dass mein Beitrag veröffentlicht wird. Mein Name und Text werden mit Datum/Uhrzeit fĂŒr jeden lesbar. Mehr Infos: Datenschutz)

Ihr Name (erscheint mit ihrem Kommentar) *
Ihre Email (Nur für unseren Bestätigungslink)
Code (Hier eintragen)   
Meinen Kommentar abschicken
 
Home > Blog > Grafik & Design > Von der HĂ€ndlerkarte zur Visitenkarte, eine ...

Mehr auf KulturPort.De

Thomas Mann Preis 2018 fĂŒr Mircea Cărtărescu:
 Thomas Mann Preis 2018 fĂŒr Mircea Cărtărescu:



Mit dem Thomas Mann Preis 2018 wurde am 17. November der rumĂ€nische Schriftsteller Mircea Cărtărescu ausgezeichnet. Den Akt der Preisverleihung in den Kammers [ ... ]



„add art 2018 – Hamburgs Wirtschaft öffnet TĂŒren fĂŒr Kunst"
 „add art 2018 – Hamburgs Wirtschaft öffnet TĂŒren fĂŒr Kunst



„Zu einem attraktiven Arbeitsplatz gehört auch eine Ă€sthetische Umgebung“, sagt Caspar Philipp Woermann, GeschĂ€ftsfĂŒhrer von ims, Internationaler Medien  [ ... ]



100 Jahre Lettland: Handschuh-Daumen hoch
 100 Jahre Lettland: Handschuh-Daumen hoch



Eine Handschuh-Aktion passt wie die Faust aufs Auge, wenn die lettische Hauptstadt Riga, der baltische Staat Lettland und der Rest der Welt heute, am 18. Novembe [ ... ]



Peter de Vries – Hut- und UrnenhĂŒllen-Macher
 Peter de Vries – Hut- und UrnenhĂŒllen-Macher



Wie muss man sich eine Person vorstellen, die Freunde und Kollegen als „Naturereignis“ bezeichnen?
In jedem Fall als einen charismatischen Menschen mit ĂŒb [ ... ]



Maria Austria. Eine jĂŒdische Fotografin aus Amsterdam in Berlin
 Maria Austria. Eine jĂŒdische Fotografin aus Amsterdam in Berlin



Das Verborgene Museum in Berlin-Charlottenburg prĂ€sentiert bis zum 10. MĂ€rz 2019 Fotoarbeiten und Dokumente der niederlĂ€ndischen Fotografin Maria Austria (191 [ ... ]



„Cold War – Der Breitengrad der Liebe” - Oder die Magie einer schwarzen Leinwand
 „Cold War – Der Breitengrad der Liebe” - Oder die Magie einer schwarzen Leinwand



PaweƂ Pawlikowski hat das schwermĂŒtige, visuell atemberaubende Noir-Drama „Cold War” seinen Eltern gewidmet, deren stĂŒrmische On- und Off-Beziehung ihn zu [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche FunktionalitÀt bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.