Neue Kommentare

Martin Kostinak zu DFG-Schwerpunktprogramm „Das digitale Bild“: Förderzusage für neues Forschungsprojekt des Fachbereichs Kunstwissen­schaft & Medienphilosophie: Welche Förderzusage für das KIT ist hier gemein...
Miriam Fernandez zu Der öffentliche Raum und seine Nutzungen – Plätze in San Fernando del Valle de Catamarca, Argentinien: Agradezco infinitamente al Señor Stefan Diebitz ...
Peter Schmidt zu Jochen Schäfsmeier wird Intendant der Händel-Festspiele Göttingen: Herzlichen Glückwunsch an den einstigen Geschäf...
Ana María Breppe zu Der öffentliche Raum und seine Nutzungen – Plätze in San Fernando del Valle de Catamarca, Argentinien: The difference between the two cultures is very c...

Lange Nacht der Museen Hamburg

Hamburger Architektur Sommer 2019


Grafik & Design

Gehäkelte Nester und Blütengerippe – der ungewöhnliche Schmuck von Svea Imholze

Drucken
(83 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Donnerstag, den 02. Mai 2019 um 08:44 Uhr
Gehäkelte Nester und Blütengerippe – der ungewöhnliche Schmuck von Svea Imholze 4.0 out of 5 based on 83 votes.
Gehaekelte Nester und Bluetengerippe – der ungewoehnliche Schmuck von Svea Imholze

Abstrahierte Blüten, Kapseln und Knospen, Samen, Stempel und Stiele: Aus hauchfeinen Silberblechen und dünnen Drähten entwickelt die Wahlhamburgerin Svea Imholze einen ebenso spröden wie faszinierenden Schmuck. Er wirkt zwar minimalistisch kühl konstruiert, ist aber eindeutig von der Natur inspiriert.

Paul-Roosen-Straße 30. Eine illustre Adresse. Nur ein paar Schritte weiter befindet sich die Affenfaust Galerie, um die Ecke hat Glaskünstlerin Sybille Hohmann ihr Atelier und gar nicht weit ist die Werkstatt der Textilkünstlerin Ulrike Isensee zu finden. Seit Jahren schon wächst und gedeiht die freie und angewandte Kunstszene in den kleinen Nebenstraßen rund um die Reeperbahn – und die Paul Roosen-Straße ist nun um eine Attraktion reicher: Im November 2018 eröffnete die gebürtige Bremerin Svea Imholze gemeinsam mit Kathleen Hennemann ihr neues Atelier.
Schon von außen wirkt der Laden außerordentlich einladend. Die Fenster sind sparsam dekoriert, jedes Stück ist mit Bedacht platziert. Svea Imholze ist Perfektionistin, das spiegelt der minimalistisch eingerichtete Galerieraum auf Anhieb. Im hinteren Bereich sind zwei schöne Arbeitsplätze eingerichtet, im vorderen Bereich ziehen elegante Vitrinen aus Glas und geschwärztem Eisen die Blicke auf sich. Auch sie sind aus dem Hause Imholze. Sveas Bruder Jöran ist Metallgestalter und arbeitet im Studio von Olafur Eliasson in Berlin. (1)

Die Liebe zum Werkstoff Metall teilt die 35jährige Gold- und Silberschmiedin mit ihrem Bruder seit einem Praktikum bei Edda Sandstede in Oldenburg. Bei der Kunstschmiede-Meisterin baute sie nach dem Abitur ihre ersten Schmuckstücke, lernte, was für ausdrucksstarke, attraktive Ringe, Ketten oder Broschen aus unedlen Metallen, eigenen Legierungen und selbstgebranntem Glas entstehen können.
„Edda Sandstede war prägend für mich“, sagt die gebürtige Bremerin rückblickend. „Sie hat mich auf eine ganz unkonventionelle Art an die Schmuckgestaltung herangeführt und die Begeisterung für das Handwerk und die Auseinandersetzung mit dem Metall erweckt.“

Nach dem Praktikum stand dann auch der Berufswunsch fest. Svea Imholze schrieb sich an der an der Hochschule für angewandte Künste in Hildesheim ein, Studiengang Metallgestaltung. Dort wurden die unterschiedlichsten Materialstudien gemacht und dort hat sich auch ihre „Leidenschaft für das Experimentieren entwickelt“, nicht zuletzt durch Ihren Lehrer, Professor Georg Dobler, einem der bedeutendsten Schmuckkünstler der Gegenwart, dessen innovative Mischung aus Konstruktivismus und Naturalismus eine ganze Generation von Schmuckgestalterinnen beeinflusste. Doch unterm Strich war Hildesheim eher enttäuschend. Svea Imholze fühlte sich alleingelassen, kam nicht weiter mit ihren Experimenten, weil ihr fundamentale Grundlagen in der Metallverarbeitung fehlten. Also brach sie das Studium ab und ging 2005 zurück nach Bremen, zu Kerstin und Michael Falk in den Handwerkerhof der Böttcherstraße. Bei dem Goldschmiede-Ehepaar lernte Svea Imholze den Umgang mit dem Metall von der Pike auf, vor allem „das sehr präzise Arbeiten“.

Vier Jahre später hatte sie ihren Gesellenschein in der Tasche und technisch alles drauf, was man in Punkto Metall draufhaben muss. Anstellungen als Goldschmiedin in Hamburg und Bremen folgten, doch als Angestellte ließen sich eigene Vorstellungen kaum verwirklichen - und diesen Ehrgeiz hatte die junge Goldschmiedin unbedingt. Ein Leben lang Auftragsarbeiten? Konventionellen Schmuck? Unvorstellbar!
Imholzes Ziel war Autorenschmuck, Schmuck an der Schnittstelle von bildender Kunst und Kunsthandwerk, der von einer individuellen gestalterischen Handschrift geprägt ist. Also bewarb sie sich noch einmal an einer Hochschule, diesmal an der staatlichen Zeichenakademie in Hanau. Dort war es Thomas Dierks, der sie unterstützte und sie zu immer neuer Auseinandersetzung mit Materialien und Motiven herausforderte.

In Hanau machte Svea Imholze 2015 ihren Abschluss als Gold- und Silberschmiedemeisterin, sowie als staatlich geprüfte Produktdesignerin mit Schwerpunkt Schmuck, Gerät und Accessoire. Danach entschied sie sich für Hamburg als Lebensmittelpunkt, mietete ein kleines Hinterzimmer-Atelier in einer Boutique in der Marktstraße und bewarb sich 2017 um eine Mitgliedschaft im Berufsverband angewandter Kunst, der AdK Hamburg. Mit ihren ungewöhnlich fragilen Objekten aus „schmuckfernen“ Materialien - gehäkelte Körper, aus dünnem Stahldraht, die an Nester erinnern. Ketten aus Baumwollfäden, Ohrringe, die Blütengerippen gleichen und intensiv farbigen Broschen aus Reparaturschaum und Edelstahlgittern – war es nicht schwer, die Jury von der künstlerischen Qualität ihrer Arbeiten zu überzeugen.

Mittlerweile, so erzählt Svea Imholze, habe der Reiz unedler Materialien etwas nachgelassen. „Zurzeit experimentiere ich mehr mit Formen und Oberflächen. Wobei ich die Silberbleche oft unscheinbar und unedel erscheinen lasse“.
In der Natur findet die junge Schmuckkünstlerin „ganz viele kleine Dinge, die mich inspirieren und die ich auch sammle“. So tauchen seit drei Jahren immer wieder abstrakte Blumenmotive in ihrer Kollektion auf. Ab und zu verarbeitetet sie ihre Fundstücke auch direkt. Eukalyptuskapseln beispielsweise, oder kleine Knochen und Korallenstücke: „Was die Natur hervorbringt, begeistert mich unendlich. Das können noch so einfache Dinge sein. Bei mir erhalten alle Dinge ihre Wertschätzung“. Was Wunder: Die Liebe zu Blumen wurde ihr gleichsam in die Wiege gelegt – die Mutter ist Floristin in Bremen.
Zurzeit dominieren zwar die Blumenmotive, „aber wer weiß, was sich daraus noch entwickelt“, sagt Svea Imholze lächelnd. „Ideen für neue Serien sind immer da, deshalb bin ich manchmal auch etwas sprunghaft in meiner Arbeit. So gesehen wird es mir nie langweilig neue Dinge auszuprobieren aber auch die erlernten Techniken auszureifen und weiterzuentwickeln“.
Noch arbeitet die Gold- und Silberschmiedin weitgehend allein in ihrem Atelier, aber in Zukunft möchte sie auch Lehrlinge ausbilden: „Ich finde es sehr wichtig, handwerkliches Wissen weiterzugeben. Das Kunsthandwerk übermittelt Werte, die in unserer Gesellschaft nicht verloren gehen dürfen. Aber das Ausbilden ist auch eine große Herausforderung. Es braucht noch etwas Zeit, bis ich diese Verantwortung auf mich nehmen möchte.“

Atelier Svea Imholze Schmuck

Paul-Roosen-Straße 30, 22767 Hamburg
Geöffnet: Donnerstag und freitags: 12-18 Uhr; samstags: 12-16 Uhr, montags nach Vereinbarung
Weitere Informationen

(1) Ólafur Eliasson gehört zu den international gefragtesten Künstlern der Gegenwart. Seine Großprojekte, wie die vier künstlichen Wasserfälle rund um die Südspitze Manhattans, haben weltweit für Furore gesorgt.
Artikel über Ólafur Eilasson und sein Werk bei KulturPort.De :
- Ólafur Elíasson: Multiple Shadow House
- Ólafur Elíasson – Riverbed


Abbildungsnachweis:
Header: Svea Imholze, Ohrringe. Foto: Isabelle Hofmann
Galerie:
01. Svea Imholze an ihrer Werkbank. Foto: Isabelle Hofmann
02. und 03. Schmuck
04. Vitrinen
05. Kette aus gehäkelten Nestern und Blütengerippen

Kommentar verfassen
(Ich bin damit einverstanden, dass mein Beitrag veröffentlicht wird. Mein Name und Text werden mit Datum/Uhrzeit für jeden lesbar. Mehr Infos: Datenschutz)

Ihr Name (erscheint mit ihrem Kommentar) *
Ihre Email (Nur für unseren Bestätigungslink)
Code (Hier eintragen)   
Meinen Kommentar abschicken
 
Home > Blog > Grafik & Design > Gehäkelte Nester und Blütengerippe – der ...

Mehr auf KulturPort.De

„Midsommar”. Die sonnendurchfluteten Abgründe des Ari Aster
 „Midsommar”. Die sonnendurchfluteten Abgründe des Ari Aster



Mit ästhetischer Akribie inszeniert Ari Aster seinen Film „Midsommar” als makabres heidnisches Bacchanal mitten im digitalen Zeitalter. Der anspruchsvolle b [ ... ]



Das 14. Tallinn Design Festival – Future Materials
 Das 14. Tallinn Design Festival – Future Materials



Das 14. Tallinn Design Festival in der estnischen Hauptstadt widmet sich „Future Materials“ (Zukünftigen Materialien). Die Wahl des Themas – so sagt Festi [ ... ]



61. Nordische Filmtage Lübeck: Agenten, Spione und viel Wasser
 61. Nordische Filmtage Lübeck: Agenten, Spione und viel Wasser



„Für viele von uns sind die Nordischen Filmtage Lübeck immer wieder ein Riesenhighlight“, betonte Lübecks Kultursenatorin Kathrin Weiher beim ersten Press [ ... ]



Schöne Scheusale: Jean-Henri Fabre über Insekten
 Schöne Scheusale: Jean-Henri Fabre über Insekten



Wer liebt Insekten? Schmetterlinge mögen schön sein, Bienen nützlich, aber Mücken oder Wespen? Eigentlich sind wir doch froh, dass wir ihnen überhaupt nicht [ ... ]



International Mendelssohn Festival 2019
 International Mendelssohn Festival 2019



Vergleicht man die vielen musikalischen Festivals in Hamburg mit Blumensträußen, dann ist vor anderen, schon länger existierenden oder in den Anfangszeiten de [ ... ]



Ladies Night – mehr als zielsicheres Improvisieren
 Ladies Night – mehr als zielsicheres Improvisieren



Das Stück ist nicht ganz neu. Wer es noch nie sah, hat vermutlich immerhin schon mal davon gehört: eine Handvoll ziemlich erfolgloser, frustrierter Kerle, die  [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.