Neue Kommentare

Ada Rompf zu „The Rider”. Die zärtlich-raue Poesie der Chloé Zhao : Besser kann man meinen Lieblingsfilm dieses Früh...
yolo 456 zu Die Juden vom Altrhein: man sollte einen artikel erst einmal lesen bevor ...
yolo123 zu Die Juden vom Altrhein: Das jüdische Leben in Deutschland ist vorbei und...
Achenar Myst zu Nils Landgren with Janis Siegel: some other time: Die CD ist ein absoluter Genuss, tolle Auswahl de...
Achim zu Golnar & Mahan – Derakht: Musik, die glücklich macht - Danke !!!...

Lange Nacht der Museen Hamburg

Hamburger Architektur Sommer 2015


Grafik & Design

„Kunst in der Eisdiele“

Drucken
(60 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Dienstag, den 24. November 2015 um 11:04 Uhr
„Kunst in der Eisdiele“ 4.4 out of 5 based on 60 votes.
„Kunst in der Eisdiele“

Das Konzept klingt verrückt, doch es funktioniert: „Kunst in der Eisdiele“ feiert in diesem Herbst sein zehnjähriges Jubiläum.
Die wohl ungewöhnlichste Messe-Location der Stadt befindet sich nur ein paar Schritte vom Hamburger Hauptbahnhof entfernt – in der Langen Reihe 47. Das Entree ist so schmal, dass man es leicht übersieht, doch im Inneren wird es überraschend geräumig. Wie ein langgezogenes Handtuch erstreckt sich die Eisdiele durch das gesamte Erdgeschoss. Das heißt: Eis wird ab Oktober gar nicht mehr verkauft. Dann lautet das Motto: „Drei Monate Gestaltung außer der Reihe“ und der Laden verwandelt sich in einen Hotspot angewandter Kunst.

Schon beim ersten Schritt durch die Tür ziehen farbenfrohe Kreaturen die Blicke auf sich: Über dem Eis-Tresen hängen langrüsselige, skurrile kleinen „Monster“ in Orange, Grün und Blau, flankiert von ebenso bunten „Ei-Catchern“: Langstielige Eierbecher in Blumenform, die schon die Vorfreude auf Ostern wecken.
Die Vitrine selbst ist dekoriert mit einem mattweißen, farblich dezent akzentuierten Gebrauchsgeschirr, das ebenso schlicht und formschön wie extravagant wirkt.
Keramikerin Cornelia Woitun ist eine von zwanzig angewandten Künstlerinnen und Künstlern, die in der Langen Reihe 47 bis Mitte Januar zu Gast sind. Allesamt hervorragende Gestalter, deren Werke auch schon im Museum für Kunst und Gewerbe oder im Haus für Kunst & Handwerk, Koppel 66, zu sehen waren.
Helmut Wiederhold, St. Georgs letzter Glasbläser, war vor zehn Jahren Mit-Initiator der Galerie. Er präsentiert elegant geschwungene Gläser und Karaffen mit farblich abgesetzten Rändern oder Punkten aus Borsilikatglas. Sie sind hauchdünn – und dennoch erstaunlich unempfindlich. Spülmaschinenfest obendrein. „Das besondere Glas für den alltäglichen Gebrauch“, wie er sagt. Denn keines gleicht dem anderen – und genau das macht den besonderen Charme hand- bzw. mundgefertigter Dinge aus.

Zum Konzept der Messe gehören jedes Jahr wechselnde Aussteller, die jedes Mal juriert werden. Wiederhold legt Wert auf hohe Qualität, ebenso schätzt er die Vielfalt der Angebote und die intime Atmosphäre des Ladens, in dem der Kontakt zu den Kunden wie selbstverständlich entsteht. Gut die Hälfte der Aussteller sind Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Kunsthandwerk (AdK) – und dieser Name bürgt für Spitzenklasse. Die Bandbreite der Exponate reicht von Buchbinderei (Nina Bhatty) und Fotografie (Angelika Ackermann) bis zu den formschönen Holzdosen und Schalen von Hermann Savary. Die Grenze zwischen Kunst, Handwerk und Design ist dabei fließend. „Handweberei Purpur“ oder „Kleidung 180°“ bieten auch Multiples, die Taschen-Manufaktur Olbrish aus Berlin hat es mit ihrer geometrischen Formensprache bereits zum mehrfach ausgezeichneten Markenprodukt geschafft.

Schmuck ist traditionell stark vertreten und wie man sieht, geht der Trend wieder zur kleinen Form. Das gilt sowohl für die maritim inspirierten Anhänger und Silberringe von Michaela Paula Alt, wie für die fröhlich-feingliedrigen Ketten aus Silber und selbstgefertigten Glasperlen von Silja Böhm und erst recht für die bezaubernden, nostalgisch anmutenden Pretiosen aus Porzellan, Silber und Edelsteinen von Marjon Reinsberger.

Auch die Hamburger Textildesignerin und Schmuckgestalterin Ula Dahm präsentiert in ihrer neuen Kollektion auffällig viele kleine einfarbige Seidenbänder. Ihr Markenzeichen jedoch sind aufwendig gearbeitete, farbig changierende Colliers aus Seidenstäbchen, die – zu regelrechten Gespinsten verknotet und vernäht – außerordentlich attraktiv und raumgreifend wirken. Dabei jedoch so luftig leicht, dass man sie kaum auf der Haut spürt. Ihre Trägerinnen beweisen in jedem Fall „Mut zum eigenen Geschmack“ – und der, so Helmut Wiederhold, würde der kaufkräftigen jungen Generation heute leider zunehmend fehlen: „Viele kaufen lieber, was in den Lifestyle-Magazinen steht, die haben nicht den Mut, etwas Individuelles zu kaufen“.
Gott sei Dank gibt es noch Ausnahmen.

„Drei Monate Gestaltung außer der Reihe“
Lange Reihe 47, 20099 Hamburg
Zu sehen bis zum 16. Januar 2016
Öffnungszeiten: Di-So 12-19 Uhr. (nach Weihnachten: Di-Sa 12-19 Uhr)
Ab 30.11. bis 24.12. auch montags geöffnet.
Weitere Informationen


Abbildungsnachweis: Alle Fotos: Isabelle Hofmann
Header: Keramikfigur von Cornelia Woitun
Galerie:
01. Blick in die Eisdiele - temporär Ausstellungsgalerie
02. Helmut Wiederhold mit mundgeblasenen Gläsern
03. Taschen von Olbish
04. Textilschmuck von Ula Dahm
05. Pappschachteln von Nina Bhatty

Kommentar verfassen
(Ich bin damit einverstanden, dass mein Beitrag veröffentlicht wird. Mein Name und Text werden mit Datum/Uhrzeit für jeden lesbar. Mehr Infos: Datenschutz)

Ihr Name (erscheint mit ihrem Kommentar) *
Ihre Email (Nur für unseren Bestätigungslink)
Code (Hier eintragen)   
Meinen Kommentar abschicken
 
Home > Blog > Grafik & Design > „Kunst in der Eisdiele“

Mehr auf KulturPort.De

„Thietmars Welt. Ein Merseburger Bischof schreibt Geschichte“ – Eine Zeitreise in das Mittelalter
 „Thietmars Welt. Ein Merseburger Bischof schreibt Geschichte“ – Eine Zeitreise in das Mittelalter



Einer der berühmtesten Chronisten des Mittelalters war Thietmar von Merseburg (975-1018). Unter den römisch-deutschen Kaisern Otto III. bis zu Heinrich II. war [ ... ]



Elisabeth Weinek: „Was Sie sah“ – Andalusien, Marokko, Iran
 Elisabeth Weinek: „Was Sie sah“ – Andalusien, Marokko, Iran



Passend zur Festspielzeit werden in der Margarethenkapelle von St. Peter, eine der ältesten Kirchen Salzburgs, Fotografien gezeigt, die sich als „interkulture [ ... ]



Ilse Helbich: Kluge Chronistin des Alters – „Im Gehen“ gefundene Gedichte
 Ilse Helbich: Kluge Chronistin des Alters – „Im Gehen“ gefundene Gedichte



Auch heute noch geschehen beglückende Wunder: Mit 80 Jahren veröffentlichte die 1923 in Wien geborene Ilse Helbich ihren ersten Roman unter dem Titel „Schwal [ ... ]



Thierry van Werveke: Schauspieler, Rockstar, Troublemaker, Thierry National
 Thierry van Werveke: Schauspieler, Rockstar, Troublemaker, Thierry National



Thierry! – allein sein Vorname löst in Luxemburg schon entzücken aus und wird mit der Addition von „National“ zum Kult. In Deutschland und Österreich fr [ ... ]



„Foxtrot”. Samuel Moaz und das Konzept des Zufalls
 „Foxtrot”. Samuel Moaz und das Konzept des Zufalls



Samuel Moaz kreiert mit dem Antikriegsdrama „Foxtrot” einen atemberaubenden ästhetischen Kosmos: zornig, visuell kühn, emotional hochexplosiv, oft grausam, [ ... ]



Alexandre de La Patellière und Matthieu Delaporte: „Der Vorname“
 Alexandre de La Patellière und Matthieu Delaporte: „Der Vorname“



Das Stück brillant, die Schauspieler große Klasse, die Inszenierung rundum gelungen und der kleine Saal der Komödie Winterhuder Fährhaus restlos ausverkauft. [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.