Werbung

Neue Kommentare

Ulrike Tempel zu Adventsmessen und Handwerkermärkte in Hamburg – Alle Jahre wieder...: Leider sind die Termine veraltet 2017 / 2018...
Irmgard Gottschlich zu 50 Jahre Sammlung Ulla und Heinz Lohmann: Herzliche Gratulation zu diesem Ereignis, nicht n...
Dr. Carola Siepmann zu Flucht ins Ungewisse - Ausstellung im Hamburger Rathaus: Hallo, gern hätte ich die Ausstellung heute ange...
Claus Friede zu „The Irishman”. Martin Scorsese und die Demaskierung des Gangsterfilms : Danke für Ihren Kommentar, Herr Zurch.
We...

Bernd Zurch zu „The Irishman”. Martin Scorsese und die Demaskierung des Gangsterfilms : Vielen Dank. Warum gibt es keine Sternchen mehr? ...

Lange Nacht der Museen Hamburg

Hamburger Architektur Sommer 2019


Fotografie

Secular Nite Glint – Wenn Körper Skulptur wird

Drucken
(296 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Donnerstag, den 27. März 2014 um 09:54 Uhr
Secular Nite Glint – Wenn Körper Skulptur wird 4.5 out of 5 based on 296 votes.
Secular Nite Glint – Wenn Körper Skulptur wird

Der studierte Theaterwissenschaftler „Bayerlovsky" inszenierte Opern, Theaterstücke und drehte Kurzfilme.
Er arbeitete an der Wiener Staatsoper und realisierte die unterschiedlichen Kunstprojekte in Europa. Die Fotografie gehört ebenso in sein Repertoire. Eine Auswahl der Reihe "Secular Nite Glint" ist in Münchens "Galerie für hochwertige Photographie und digitale Bildkunst" zu sehen.

In der Serie „Secular Nite Glint“, was ins Deutsche mit ‚langandauerndes nächtliches Flackern, Glitzern’ oder ‚sich wiederholender nächtlicher Glanz’ zu übersetzen ist, lud Bayerlovsky im Jahr 2011 zehn Personen während zehn Tage und Nächte in eine riesige Halle ein, um sie dort wie ein Regisseur zu inszenieren. Das ist insofern wichtig zu erwähnen, weil Bayerlovsky sich, vergleichbar einem Theaterregisseur, auf keinem der Fotos selbst inszeniert, also nie – wie so häufig in der Geschichte der inszenierten Körperfotografie – gleichzeitig Autor und Modell ist, sondern als ‚Spielleiter’ seine Verantwortung übernimmt. Das Dauer-Happening der Protagonisten sollte in der dunklen Halle, die lediglich mit einigen Handscheinwerfern ausgeleuchtet war, zu Orientierungsverlusten sowie zu unterschiedlichen Handlungs- und Erfahrungssituationen im Raum führen.

Der Dreiklang des Titels spielt die erste entscheidende Rolle: „Secular“ verweist auf ein sich wiederholendes zeitliches und weltliches Modul, während bei „Nite“ zwar eine tageszeitliche Komponente benannt wird, die sich aber lediglich als Behauptung oder persönliche Assoziation erweist. „Glint“ hingegen benennt die Flüchtigkeit des Augenblicks, ein kurzes Aufflackern ein Glitzern, das wiederum anhängig ist vom Dreiecksverhältnis von Licht, Objekt/Körper und Standpunkt des Fotografen oder später des Betrachters. So spielt der Fotograf bereits im Titel der Werkserie mit unterschiedlichen zeitlichen Komponenten und Wahrnehmungen.

Herausgekommen sind kosmische Bilder von Licht und Schatten, Körpern in einem diffusen Raum, Zeit und Vergänglichkeit – Fragmenten eines kurzen Moments. Gegensatzpaare wie Sichtbar- und Unsichtbarkeit, Gesagtem und Unaussprechlichem durchziehen die offenen inszenierten Situationen. Bayerlovsky tut dies in dem Bewusstsein, dass sich der Betrachter zum einen jenen virtuellen, geistigen Raum erobern muss, in dessen riesigen realen Pendent er selbst die Aufnahmen vorbereitete und schoss und indem seine Modelle agieren. Auch wenn der Raum auf den Fotos weder gänzlich sichtbar noch detailliert spürbar ist, so ist er dennoch als Arbeitsraum vorhanden. Zum anderen konterkariert er bewusst den Begriff der Inszenierung für den Betrachter, denn seine Inszenierung ist keine Erzählung mehr, weil sie ohne jedwede Hintergrundinformation und Geschichte auskommt. Ein Vorher oder Nachher der fragmentarisch festgehaltenen Situationen ist allem Anschein nach vorhanden, eine Decodierung aber nicht mehr sinnhaft möglich. Das was während des Happenings noch Erlebniszeit war, ist nun für den Betrachter nicht mehr übernehm- und verwertbar, er muss sein eigenes zeitliches Konstrukt bemühen.

Bayerlovsky zeigt mit starken Kontrasten und dunklen Schattenwürfen Körper. Überwiegend menschliche Körper, männliche und weibliche und immer nur einen einzigen je Aufnahme, aber auch Objekte, die nicht weiter dechiffrierbar sind. Alle Körper sind bemalt, geschminkt, golden bestäubt oder beträufelt sowie farbig beleuchtet. Sie wirken wie von Moss überzogen oder metallisch oxidiert. Die Fotoarbeiten erweisen sich somit, geprägt von einer Position des außenstehenden Beobachters im Umgang mit Körpern, die aufgrund ihrer physischen und inszenierten Verfasstheit, historisiert wirken. Trotz dieser Verfremdungen entsteht dennoch keine Irritation. Der einzelne Körper und somit der Mensch verweist auf das eigene Rollenspiel und probiert unterschiedliche Zuschreibungen aus. Daraus resultiert zwar seine Identität, die Bedeutung bleibt aber nebulös. Die fotografierten Situationen verweisen neutral ausgedrückt auf körperliche Tätigkeit und mühevolle Arbeit aber auch auf geistige Ruhe und in sich gekehrte Nachdenklichkeit. Sie können, befreit von einer historischen Mythologie, auch im Heute und Jetzt verstanden werden.

All diese Elemente geben jedem individuellen Foto eine unwiderrufliche ästhetische Atmosphäre – die Mimesis eines jeweils konzentrierten, teilweise kontemplativen Augenblicks, unabhängig vom Tätigkeitsmoment oder der Ruhe. Hinzu kommt die optische Interpretation: Tiefenunschärfe und Kamerapositionen lassen die Körper quasi in einem nunmehr mystischen Raum agieren und das Spiel von Nähe und Distanz wird modellhaft verdeutlicht. Die Körper verschmelzen in den Bildwerken von Bayerlovsky mit dem Raum. Die lichtabgewandte Seite eines Körpers löst sich im Schwarz des Raumes auf. Es ist keine räumliche Trennung mehr sichtbar. Kamera und Lichtführung sind Instrumente, um jedweden „osmotischen Austausch“ zwischen Industriehalle (Arbeitsraum) und dem aktiven oder ruhenden Körper aufzulösen. Es kreiert sich eine eigene, neue Wirklichkeit.

Der Schauplatz ist in den Fotografien – im Gegensatz zum vormals stattgefundenen Happening – nicht mehr der Ort des Geschehens. Der Körper ist es nun, er ist Skulptur.


Die Werke Bayerlovskys „Secular Nite Glint“ sind in der Galerie für hochwertige Photographie und digitale Bildkunst zu sehen, Pestalozzistraße 34, in 80469 München.
www.art-creation-net.com


Fotonachweis: Alle © Bayerlovsky
Header: Reihung aus Secular Nite Glint
Galerie: Einzelwerke aus Secular Nite Glint

Kommentar verfassen
(Ich bin damit einverstanden, dass mein Beitrag veröffentlicht wird. Mein Name und Text werden mit Datum/Uhrzeit für jeden lesbar. Mehr Infos: Datenschutz)

Ihr Name (erscheint mit ihrem Kommentar) *
Ihre Email (Nur für unseren Bestätigungslink)
Code (Hier eintragen)   
Meinen Kommentar abschicken
 
Home > Blog > Fotografie > Secular Nite Glint – Wenn Körper Skulptur ...

Mehr auf KulturPort.De

Impressionismus – Meisterwerke aus der Sammlung Ordrupgaard
 Impressionismus – Meisterwerke aus der Sammlung Ordrupgaard



Zum zweiten Mal zeigt die Hamburger Kunsthalle Meisterwerke aus dem dänischen Museum Ordrupgaard. Erst im Frühjahr war „Im Licht des Nordens“ zu Gast. Nun  [ ... ]



Kunstbetriebe3 – Skulptur verändert.
 Kunstbetriebe3 – Skulptur verändert.



11 Künstlerinnen und Künstler – 11 Betriebe: Künstler und Betriebe der Region Lübeck zusammenzubringen, ist das Vorhaben der „KunstBetriebe“, das in di [ ... ]



„Das unverlierbare Leben“ von Marion Tauschwitz – Unvergessliche Erinnerungen an Hilde Domin
 „Das unverlierbare Leben“ von Marion Tauschwitz – Unvergessliche Erinnerungen an Hilde Domin



„Hilde Domins Dichtung ist Spiegelbild ihres Lebens. Werk und Leben sind eng miteinander verknüpft. Das eine ohne das andere nicht denkbar“, schreibt Marion [ ... ]



Les Passions de l'Ame: Variety – The Art of Variation
 Les Passions de l'Ame: Variety – The Art of Variation



Johann Heinrich Schmelzer (1623-1680), Heinrich Ignaz Franz Biber (1644-1704) und Johann Joseph Fux (um 1660-1741) gehören nicht zu den österreichischen Kompon [ ... ]



„Der Leuchtturm” – Robert Eggers und die Metaphorik des Wahnsinns
 „Der Leuchtturm” – Robert Eggers und die Metaphorik des Wahnsinns



Der US-amerikanische Regisseur Robert Eggers inszeniert seinen Film „Der Leuchtturm” ästhetisch virtuos als expressionistische finstere Horror-Mär zwischen [ ... ]



Add art – zum 7. Mal Einblicke in die vielfältige unternehmerische Beschäftigung mit Kunst
 Add art – zum 7. Mal Einblicke in die vielfältige unternehmerische Beschäftigung mit Kunst



Hamburgs Unternehmen können sich der Öffentlichkeit als Kunstförderer vorstellen, die Öffentlichkeit hat die einmalige Chance, Sammlungen kennenzulernen, zu  [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.