Anzeige

Wer ist online?

Wir haben 946 Gäste online

Neue Kommentare

Wajda Art zu „A Beautiful Day”. Joaquin Phoenix- Racheengel oder Erlöser?: Wir suchen nach Enthusiasten der Kinematographie ...
Manfred Köck zu Im Wunderland der Wünsche. Laila Biali: schade, dass sie nicht mit ihren stammmusikern un...
Helmuth Barth zu Thomas Gainsborough – die moderne Landschaft: Vorausschicken möchte ich, dass ich neben Bilder...
Anna Grillet zu „Call Me by Your Name”. Die Sinnlichkeit des Luca Guadagnino: Leider nein, kann die bitterböse ästhetisch bri...
Fabian Drux zu „Call Me by Your Name”. Die Sinnlichkeit des Luca Guadagnino: Danke für den Hinweis auf einen wunderschönen F...

Lange Nacht der Museen Hamburg

Hamburger Architektur Sommer 2015


Fotografie

Knut Wolfgang Maron: Ein Leben

Drucken
(255 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Donnerstag, den 18. April 2013 um 10:00 Uhr
Knut Wolfgang Maron: Ein Leben 4.7 out of 5 based on 255 votes.
Knut Wolfgang Maron: Ein Leben

„Ich fotografiere, damit die Dinge sichtbar erscheinen, die hinter den Dingen liegen."
Das Zitat von Knut Wolfgang Maron, einem der populärsten Vertreter der Subjektiven Fotografie, skizziert bildhaft seine im Staatlichen Museum Schwerin gezeigten Fotoarbeiten. Das Museum präsentiert die Serien „Von Profanem und Heiligem" aus dem Jahr 1992, „Bilder über Landschaften" sowie „Ein Leben", ein fotografisches Tagebuch über die letzten Lebensjahre seiner Mutter. Eine Fotokunst voller Symbole, Assoziationen und Metaphern, die den Betrachter zu einem intensiven Dialog herausfordert.

Der 1954 in Bonn geborene Maron, studierte an der Folkwangschule in Essen - unter anderem auch mit Andreas Gursky - visuelle Kommunikation bei den Dozenten Otto Steinert und Erich vom Endt. Steinert, Gründungsmitglied der Gruppe „Fotoform", prägte Anfang der 50er-Jahre den Stilbegriff "Subjektive Fotografie". Gemeint ist eine von ihm konzipierte avantgardistische Art der Fotografie, die an die fotografische Avantgarde der Vorkriegszeit anknüpft. Zurückgreifend auf den Konstruktivismus des Bauhauses und den Surrealismus sollte diese neue Fotografie zu einer autonomen Kunstform werden. Nicht die objektive Wirklichkeit der Reportage- oder Dokumentationsfotografie standen im Fokus, sondern bild- und symbolhafte Abbildungen, die eine subjektive Interpretation des Betrachters erfordert. Die Subjektive Fotografie bediente sich zunächst des klassischen Schwarz-Weiß Sujets und experimentierte mit abstrakten Formen, graphischen Strukturen, Linien von Licht und Schatten, isolierten Bildsegmenten und surrealen Situationen, Negativabzügen sowie Solarisationen, Verfremdungen durch Überbelichtung. Rund zwanzig Jahre später etablierte sich die Farbfotografie als Medium.

Marons Schwarzweiß-Fotoserie „Vom Profanen und Heiligem" steht ganz in der Tradition der Subjektiven Fotografie seines Lehrers Steinert. 1992 entstanden, zeigen sie Aufnahmen aus der St. Martini Kirche in Halberstadt, Sachsen-Anhalt. Sein fotografischer Blick gilt allerdings nicht dem prächtigen Interieur der gotischen Kirche mit dem Altar, der Orgel oder der reich verzierten Kanzel, sondern das für den Besucher Versteckte und Unscheinbare ist ihm wichtig. Der vor einer lilafarbenen Wand präsentierte Bilderzyklus besteht aus sieben mal achtzehn kleinen, ohne künstliche Lichtquelle aufgenommenen Fotografien. Jedes religiöse Bild korrespondiert mit einem profanen Motiv. Bildmotive, die der Betrachter erst beim Herantreten an die Fotoarbeit identifizieren kann.

Völlig anders gestaltet sich dagegen seine farbige Landschaftsserie „Bilder über Landschaften". Maron, seit 20 Jahren Dozent für Fotografie an der Hochschule in Wismar, Mecklenburg-Vorpommern, fand seine Motive im Bereich der Ostsee, aber auch in Frankreich, Island und im Sinai. Charakteristisch für diese surrealistisch anmutenden Polaroid-Aufnahmen sind die blassen, im Labor stark manipulierten Farben: Irreale, archaisch anmutende Landschaftsformationen, ausgetrocknete Flussläufe, tosende Wasser mit gischtigen Wellenkronen, von Reifenspuren zerfurchte Waldböden, sich im Wind wiegende Gräser. Es ist eine in ein flirrendes Licht getauchte Traumwelt, ein neues Universum, in dem manchmal schemenhaft Tiere oder Menschen auftauchen. Gleichwohl zieht sich, wie bei „Von Profanem und Heiligem" auch hier ein Vanitas-Motiv, seien es die abgestorbenen Bäume oder das ausgetrockneten Flussbett, wie ein roter Faden durch seine Landschaftskompositionen.

Diese Vergänglichkeitssymbolik tritt verstärkt in dem rund 240 Bilder umfassenden Fotozyklus „Ein Leben" auf. Über fünf Jahre hat Maron die letzte Lebensphase seiner Mutter fotografisch festgehalten. Alles begann mit einer Augenoperation, zu der er seine Mutter nach Bonn begleitete. Zu Hause angekommen, machte er sein erstes Portrait: die Mutter mit einer schwarzen Augenklappe erschöpft von den Strapazen am Tisch sitzend. Es ist das Schlüsselbild dieser Fotoserie. Weitere Aufnahmen über die zunehmende Gebrechlichkeit und den körperlichen Verfall der alten Dame folgten. Es sind keine voyeuristischen Bilder, sondern Dokumente voller Zärtlichkeit, Intimität und Nähe. Alter, Krankheit, Siechtum und Tod: Themen, die unter die Haut gehen und nachdenklich machen. Themen, die von unserer heutigen, auf Jugendlichkeit getrimmten Gesellschaft nur allzu gerne ignoriert werden.
Nach ihrem Tod begann er über Monate in dem Haus die persönliche Hinterlassenschaft der Verstorbenen zu fotografieren. Als eine Art Reliquie hielt er Einmachgläser, zerfaserte Putzlappen, die altertümliche Brotschneidemaschine, Kochtöpfe und Geschirr, Kleidung und viele andere Gegenstände, die ihren Alltag bestimmten, mit der Kamera fest. Diese einst elementaren Alltagsdinge kommunizieren in der Schau mit den Portraits der Mutter, entweder als Einzelbild oder – vergleichbar mit Altarbildern – als Diptychen oder Triptychen. Alle gerahmten Hochglanzfotografien sind im Format 60 x 90 cm gehalten. Sie geben, trotz der brisanten Thematik, dem Ausstellungsraum eine atmosphärische Ruhe.

Maron thematisiert in seinem Fotoprojekt „Ein Leben" Vergänglichkeit und Tod. Er ist nicht der einzige Fotograf, der sich diesem gesellschaftlich relevanten Thema widmet. Auch der Amerikaner Nicolas Nixon, die Niederländerin Marrie Bot, der Engländer John Coplans oder der deutsche Fotograf Walter Schels „nochmal leben" beschäftigen sich mit diesem allgemein gültigem Problem. Im Gegensatz zu Maron, handelt es sich bei letztgenannten Fotografen aber um dokumentarisch angelegte Fotoserien.

Knut Wolfgang Maron, einer der renommiertesten deutschen Fotografen, ist auf nationalen und internationalen Einzel- und Gruppenausstellungen vertreten. Er erhielt zahlreiche Stipendien und Preise, darunter 1992 den Leopold Godowsky Jr. Contemporary Color Photography Award in Boston, USA.

Die sehenswerte Ausstellung „Knut Wolfgang Maron: Ein Leben" ist bis zum 20. Mai 2013 im Staatlichen Museum Schwerin, Alter Garten 3 zu besichtigen.
Die Öffnungszeiten sind Di bis So von 10 - 17 Uhr, Do 13 - 20 Uhr. Ab dem 15. April Di. bis So. 10 - 18 Uhr, Do. 12 - 20 Uhr.
Ein Katalog ist erschienen.
www.museum-schwerin.de


Fotonachweis:
Header: Detail aus Plakat "Ein Leben"
Galerie:
01. Eines der Ausstellungsplakatmotive
02.-03. Ausstellungsansicht "Von Profanem und Heiligem". Fotos: Christel Busch
04. Ausstellungsansicht "Bilder über Landschaften". Foto: Christel Busch
05. Knut Wolfgang Maron, Holy Island, 1991, 103x100 cm, Mixed-Media auf Cibachrome, Vintage-Prints, © Knut Wolfgang Maron
06. Knut Wolfgang Maron, Horeb, Sinai, 1990, 103x100 cm, Mixed-Media auf Cibachrome, Vintage-Prints, © Knut Wolfgang Maron
07. Knut Wolfgang Maron, Sonnenblumenfeld, Frankreich, 1995, 103x100 cm , Mixed-Media auf Cibachrome, Vintage-Prints, © Knut Wolfgang Maron
08. Ausstellungsansciht „Ein Leben“. Foto: Christel Busch
09. Knut Wolfgang Maron, Ein Leben (1997-2012) Original Handabzüge des Künstlers auf Farbfotopapier, Typ C, Vintage-Prints. 60x90 cm © Knut Wolfgang Maron
10. Knut Wolfgang Maron, Ein Leben (1997-2012) Original Handabzüge des Künstlers auf Farbfotopapier, Typ C, Vintage-Prints. 60x90 cm © Knut Wolfgang Maron
11. Knut Wolfgang Maron, Ein Leben (1997-2012) Original Handabzüge des Künstlers auf Farbfotopapier, Typ C, Vintage-Prints. 60x90 cm © Knut Wolfgang Maron
12. Knut Wolfgang Maron, Ein Leben (1997-2012) Original Handabzüge des Künstlers auf Farbfotopapier, Typ C, Vintage-Prints. 60x90 cm © Knut Wolfgang Maron. Ausstellungsansicht „Ein Leben“. Foto: Christel Busch
13. Knut Wolfgang Maron, Ein Leben (1997-2012) Original Handabzüge des Künstlers auf Farbfotopapier, Typ C, Vintage-Prints. 60x90 cm © Knut Wolfgang Maron.
 

Eigenen Kommentar verfassen (Gasteintrag möglich - Bitte achten Sie auf unsere Email ggf. in Ihrem Spam-Order und klicken den Bestätigungslink)

Ihr Name (erscheint mit dem Kommentar) *
E-Mail (Nur für Bestätigungslink & Antworten)
Code   
Kommentar abschicken
 

Home > Blog > Fotografie > Knut Wolfgang Maron: Ein Leben

Mehr auf KulturPort.De

Meine 18. Lange Nacht der Museen in Hamburg
 Meine 18. Lange Nacht der Museen in Hamburg



...beginne ich, indem ich mit meinem Navi streite. Das tut so, als wüsste es nicht von der traurigen Tatsache, dass es in dieser Stadt mehr Baustellen als Kultu [ ... ]



Yvonne von Schweinitz: Syrien – Fragmente einer Reise. Fragmente einer Zeit
 Yvonne von Schweinitz: Syrien – Fragmente einer Reise. Fragmente einer Zeit



Wie nähert man sich in einer Fotoausstellung einem Land, deren Menschen tagtäglich durch Gewalt sterben, auf der Flucht, im Exil, traumatisiert sind, deren mat [ ... ]



„A Beautiful Day”. Joaquin Phoenix- Racheengel oder Erlöser?
 „A Beautiful Day”. Joaquin Phoenix- Racheengel oder Erlöser?



Lynne Ramsay inszeniert ihre virtuosen Thriller-Impressionen als Exkursion in die Abgründe der Seele.
Ein Auftragskiller ist Joe (Joaquin Phoenix) nicht, er t [ ... ]



Günter Grass-Haus Lübeck: George Bernard Shaw und die Fotografie
 Günter Grass-Haus Lübeck: George Bernard Shaw und die Fotografie



George Bernard Shaw (1856-1950) ist vor allem bekannt für sein dramatisches Werk, das über 50 Theaterstücke umfasst. Doch der Künstler hat sich zeitlebens in [ ... ]



Im Wunderland der Wünsche. Laila Biali
 Im Wunderland der Wünsche. Laila Biali



Wie konnte sich eine 16jährige Kanadierin, die Opernarien singt und klassische Pianistin werden will, zu einer über jeden „No street credibility“-Verdacht  [ ... ]



Aspekte Festival 2018: Der Kopf des Paul Orlac ist das Innenleben des Klaviers
 Aspekte Festival 2018: Der Kopf des Paul Orlac ist das Innenleben des Klaviers



Was für eine Horrorvorstellung: als Schauspieler die Stimme – als Fußballspieler die Füße – als Philosoph den Verstand – als Komponist das Gehör – u [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Anzeige


Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.