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Fotografie

Inge Dick: „licht weiss“ – Konzeptfotografie

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Montag, den 23. Juli 2018 um 07:39 Uhr
Inge Dick: „licht weiss“ – Konzeptfotografie 4.5 out of 5 based on 96 votes.
Inge Dick: „licht weiss“ – Konzeptfotografie

Jahrzehntelang hat sich die aus Wien stammende Fotokünstlerin Inge Dick (*1941) mit den Themen Licht, Zeit, Raum und deren permanente Veränderung auseinandergesetzt. Der Fotohof in Salzburg widmet ihr eine Ausstellung unter dem Titel „licht weiss“ und zeigt Werke von den 1980er-Jahren bis heute.
Inge Dick kreiert etwas in der Fotografie eher untypisches – sie lichtet keine Objekte, Menschen oder Fragmente ab, sie konzentriert sich mit einer unglaublichen Konsequenz auf minimalistisch anmutende Zustände.

Das Licht in ihrem Atelier im Salzburger Land – reflektiert durch den nahegelegenen See – zeichnet seine Spuren auf ihre Wände. In regelmäßigen Abständen belichtet sie Filme, Polaroids oder digitales Ausgangsmaterial mit jenen Spuren, Verläufen der Farbigkeit als Lichtmomente. Zeitangaben konkretisieren ihre einzelnen Farbverläufe und bringen sie in die Nähe von Konzeptwerken wie die von On Kawara, Stanley Brown oder die „stillen, schweigenden“ Werke der ZERO-Gruppe von Heinz Mack, Otto Piene und Günther Uecker. Auch gibt es eine passende Korrespondenz zu den Aquarellzeichnungen von Victor Hugo (1802-1885), die er im Licht nur einer schwachen Kerze getuscht hat und die als „Schwarzer Expressionismus“ oder „Schwarze Romantik“ verhandelt werden. Licht und Schatten verschmelzen hier miteinander und ergeben regelrecht abstrakte Bilder.

Dick beschäftigt sich also auch mit Zuständen der Abwesenheit von Licht und kommt mit schattiger, gebrochener Farbigkeit schließlich auch in die Nähe von Juichiro Tanazakis (1886-1965) berühmten Essay „Lob des Schattens – Entwurf einer japanischen Ästhetik“ (1933). Das wiederum verwundert insofern nicht, weil Inge Dick ein Studium dem Zen-Buddhismus‘ gewidmet hat und sich ausgiebig mit japanischen Tuschzeichnungen auseinandersetzte. Die fernöstlichen Beeinflussungen lassen sich von Anbeginn an im Werk erkennen und sind so authentisch wie es nur sein kann. Geradezu angenehm, dass man beim Werk von Inge Dick an „Lern"- und nicht nur an „Belehrungskultur“ denken muss. Dazu passt auch das Konzept von der Konzentration auf zyklische Situationen, die zwar Regelmäßigkeit verheißen, aber auch permanente Veränderung implizieren, insbesondere in ihrer jeweiligen Erscheinung. Zeit spielt eine große Rolle, sowohl im Sekunden- wie im Wochen- oder jahreszeitlichen Rhythmus. Außerdem – und das ist eines der Ergebnisse in der Auseinandersetzung mit ihrem Werk und dieser Ausstellung – wird deutlich wie sich Realzeit von Erlebniszeit trennt. Wie bei einer Aufsplitterung zeitlicher Phänomene, muss sich der Betrachter mit den unterschiedlichen Ebenen von zeitlichen Zuständen beschäftigen. Die Dauer der Aufnahmen der Künstlerin spielen einen ebenso wichtigen Aspekt, bis das Objekt Werk sein darf, wie der festgelegten, benannten, an Zeitangaben entlanghangelnden Verweise auf den Fotografien selbst, sowie schließlich die Zeitdauer des Betrachtens als individuelle Entscheidung, die die Künstlerin dem Besucher der Ausstellungen zubilligt.

Die prismatischen Lichtfotografien der Künstlerin stellen einen narrativen Strang dar, der sich konsequenter Weise auch in ihren Filmen „herbst licht weiss“ (2012), „winter licht weiss“ (2014/15) u.a. wiederfindet. In den Filmen verlieren wir den Objektcharakter der Fotografien und tauchen eher in einen dokumentarischen immateriellen Wert ein. Von „chromatischer Subtilität“ spricht Gerda Ridler in einem Text von 2016. Das passt extrem gut, denn dem Subtilen wohnt – entgegen allen ersten Vermutungen zum Trotz – auch eine Sensibilität inne, die größer kaum sein könnte. Obwohl die Ergebnisse in den White Cubes der Ausstellungsräume eher kühl und geistig wirken, wird sehr schnell klar, welch großes Gespür für die Feinheiten von Licht, in Verbindung mit individuellen und universellen Gefühlen, die Künstlerin hat. So ist ein Großteil im Werk der Inge Dick gar nicht sichtbar, sondern eher erlebbar, nachvollziehbar und ideell aufspürbar.

Inge Dick: „licht weiss“

Zu sehen bis zum 4. August 2018 im Fotohof, Inge-Morath-Platz 1-3, A-5020 Salzburg/Österreich
Weitere Informationen

Vimeo-Video:
ORF Inge Dick (Fenster für die Heimkehrerkirche Loibichl) 6:04 Min.


Abbildungsnachweis:
Header: Blick in die Ausstellung. Foto: Claus Friede
Galerie:
01. Eingangsbereich in die Ausstellung. Foto: Claus Friede
02. Inge Dick: frühlings licht weiss, 2015
03. Inge Dick: frühlings licht weiss, 2015 (Ausschnitt)
04. Inge Dick: frühlings licht weiss, 2015
05. Blick in die Ausstellung. Foto: Claus Friede

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