Neue Kommentare

Maggie zu Walter-Kempowski-Literaturpreis 2019: Guten Abend,
Gibt es denn schon irgendeine...

Lothar Segeler zu Filmtonschaffende erstmals als Urheber*innen an Kinoerlösen beteiligt: Großartig - wie lange haben wir darauf gewartet!...
Alf Dobbertin zu Henri Bergson: Die beiden Quellen der Moral und der Religion: Ein großes Lob dem Rezensenten Stefan Diebitz, d...
Maximilian Buchmann zu „Apocalypse Now - Final Cut”. Der Höllentrip des Francis Ford Coppola: Uff! Nur heute im Kino? Hoffentlich bekomme ich n...
Klaus Schöll zu Am 12. Juli 2019 wird die James-Simon-Galerie eröffnet – in Anwesenheit von Bundeskanzlerin Angela Merkel: Ich finde das die Treppe zur James-Simon-Galerie ...

Lange Nacht der Museen Hamburg

Hamburger Architektur Sommer 2019


Fotografie

Elisabeth Weinek: „Was Sie sah“ – Andalusien, Marokko, Iran

Drucken
(105 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Mittwoch, den 18. Juli 2018 um 08:43 Uhr
Elisabeth Weinek: „Was Sie sah“ – Andalusien, Marokko, Iran 3.7 out of 5 based on 105 votes.
Elisabeth Weinek - Iran Ornament

Passend zur Festspielzeit werden in der Margarethenkapelle von St. Peter, eine der ältesten Kirchen Salzburgs, Fotografien gezeigt, die sich als „interkultureller und -religiöser Dialog“ verstehen.
Widmen sich die Werke, entstanden 2016 in Marokko und Andalusien, einer vergangenen Zeit, so öffnet sich der Blick mit jenen aus dem Iran von 2018, die berufstätige und selbstbewusste Frauen zeigen und eine Brücke in die heutige Zeit schlagen.

Die dreißig fotografischen Werke der in der Mozartstadt lebenden Fotografin Elisabeth Weinek werden bis September auf hochwertigem Barytpapier und ohne Rahmen und Glas in der Margarethenkapelle gezeigt, um einen unmittelbaren, filterlosen Zugang zu erhalten. Schon lange interessiert sie sich für orientalische Kunst und Architektur, aber auch für die Frauen und deren Situation.
Marokko, und insbesondere fokussiert, Andalusien waren Regionen der Überlagerungen: verschiedener Lebensstile, der religiösen, sprachlichen und kulturellen Diversität. 700 Jahre dauerte die Periode dieser Koexistenz an, bis 1492. Dann ging die Ära der Toleranz auf der iberischen Halbinsel zu Ende. Nicht zu verstehen mit der Begrifflichkeit des 21. Jahrhunderts, sondern mit der des Mittelalters. Jedoch gibt es etwas, das bis heute nachwirkt und wohl auch deswegen, weil wir dies so produktiv nicht mehr finden, weder in Europa noch sonst irgendwo.

In Begleitung einer Schaufensterpuppe, die sie, mit Textfragmenten aus römischen, arabischen und hebräisch Buchstaben, unterschiedlicher Typographie und mit Musik-Notationen beklebt hatte, reiste sie an verschiedene Orte. Die Puppe kindlicher Größe schaut aus einer unschuldigen Perspektive meist leicht nach oben in die Welt der Erwachsenen und entdeckt die Zusammenhänge von Raum, Architektur, Ornament und Kunst – und das für uns mit. Sie steht vor Ornamentwänden, Bildern oder in die ehemaligen Hauptmoschee Córdobas, der heutigen Kathedrale. Die Gebetshalle ruht auf vielen Säulen – einem Wald aus Marmor, Onyx und Granit, nun gespickt mit christlicher Symbolik. Auf den Wänden lebten damals Ornamente und Kalligraphie-Schrift in einer Symbiose, in deren Erscheinungsbild sie kaum voneinander zu trennen waren. „Durch das Ornament lernt das Auge“, postulierte der arabische mittelalterliche Gelehrte Alhazen einst „durch die Kalligraphie lernt das Auge und mit ihm der Geist.“ Heute ist das Gebäude von der Hybridität der Jahrhunderte durchwoben.

Das Ornament ist die Verbindung zu der weiteren Reise, in den Iran. Die Motive zeigen keine Kleiderpuppe mehr, sondern Frauenportraits. Zwar steht eine in schwarz gekleidete Perserin im erhabenen und ornamentalen Torbogen einer Moschee, jedoch wirkt ihr Auftreten selbstbewusst.
Die Portraitfotos von Elisabeth Weinek sind keine eingefrorenen Pointen, sie meinen nicht die Momente, in denen das Leben interessant wird, sondern jene, in denen es schutzlos ist und wir etwas von seinem innersten Gesetz wahrnehmen können.
Die persische Tradition des Geschichtenerzählens findet sich in den visuellen Geschichten der Fotografin wieder, sie erzählen weit mehr als den Moment des Drückens auf einen Auslöser, sie erzählen auch das, was wir wissen und das, was wir nicht wissen. Sie erzählen von Zugewandtheit, von Empathie, davon sich Zeit zu nehmen, von gegenseitigem Interesse aneinander.
Wie ein sich selbst ergänzendes Ornament des Lebens entwickeln die Menschen ihre inneren Ziele und gehen diesen nach, auch gegen Widerstände.

Nehmen wir tatsächlich einmal an, das Leben sei Ornament – es gibt bestimmte Muster, wiederkehrende Formen, die sich unbegrenzt in uns weiterentwickeln lassen. Manchmal ist das Leben tatsächlich ein Ornament, zu finden in einem japanischen Computerprogramm, welches auch in arabischen Ländern beliebt ist, namens „Der Lebensplan“ (Jinsei Sekkei). Damit errechnen Programmierer ein optimales Leben, mit optimalen Entscheidungen, zur optimalen Zeit. Das Leben wird zu einem Design-Produkt und besteht letztlich aus zwei Ziffern, einer 0 und einer 1 – ein großes Ornament ergebend.

Wenn wir uns auf das Gedankenkonstrukt das Leben sei ein Ornament einlassen, bekommt alles eine wesentlich vielseitigere Bedeutung. Die Fotografien von Elisabeth Weinek dringen anders in uns, denn wir werden gewahr, dass wir alle Teil eines ganz großen uns verbindenden Ornaments sind – eines in der Sehnsucht nach höheren Werten.

Elisabeth Weinek: Was Sie sah... – Andalusien, Marokko, Iran

Zu sehen bis zum 16. September 2018 in der Margarethenkapelle von St. Peter (Friedhof) in A-5020 Salzburg/Österreich.
Täglich geöffnet, Eintritt frei
Ein Katalogheft ist mit Texten (dt./engl.) und Abbildungen erschienen und zum Preis von 15 Euro erhältlich
Weitere Informationen und Katalogbestellung
Einladung als PDF


Abbildungsnachweis:
Alle Fotos © Elisabeth Weinek
Header: Ornament in Yazd, 2018, Iran
Galerie:
01. Schaufensterpuppe, 2016, Marokko
02. Ornament, 2016, Marokko
03. und 04. Kathedrale (Mesquita) von Cordoba (ehemalige Hauptmoschee), 2016, Andalusien
05. Ehemalige Synagoge in Cordoba, 2016, Andalusien
06. Frau im Torbogen der Freitagsmoschee Isfahan, 2018, Iran
07. Die Umweltministerin auf dem Titelblatt einer Zeitung, 2018, Iran
08. Galeristin in Teheran, 2018, Iran
09. Unternehmerin in Teheran, 2018; Iran
10. Henna-Ornamentik Isfahan, 2018; Iran
11. Blick in die Ausstellung

Kommentar verfassen
(Ich bin damit einverstanden, dass mein Beitrag veröffentlicht wird. Mein Name und Text werden mit Datum/Uhrzeit für jeden lesbar. Mehr Infos: Datenschutz)

Ihr Name (erscheint mit ihrem Kommentar) *
Ihre Email (Nur für unseren Bestätigungslink)
Code (Hier eintragen)   
Meinen Kommentar abschicken
 
Home > Blog > Fotografie > Elisabeth Weinek: „Was Sie sah“ – Andal...

Mehr auf KulturPort.De

Der öffentliche Raum und seine Nutzungen – Plätze in San Fernando del Valle de Catamarca, Argentinien
 Der öffentliche Raum und seine Nutzungen – Plätze in San Fernando del Valle de Catamarca, Argentinien



Wie sieht es in anderen Ländern mit dem öffentlichen Raum aus? Bei uns gibt es ihn kaum noch, denn jeder freie Quadratmeter wird dem Auto gewidmet. Können wir [ ... ]



Theater-Horror vom Feinsten – „Mummy Brown/Mumienbraun“ der norwegischen Gruppe Susie Wang schockte beim Internationalen Sommerfestival auf Kampnagel
 Theater-Horror vom Feinsten – „Mummy Brown/Mumienbraun“ der norwegischen Gruppe Susie Wang schockte beim Internationalen Sommerfestival auf Kampnagel



Das Programmheft hat nicht zu viel versprochen: Eine derart blutige, ins Groteske überzogene Horror Picture Show hat man in Hamburg noch nicht geboten bekommen. [ ... ]



Rainer Mausfeld: „Angst und Macht. Herrschaftstechniken der Angsterzeugung in kapitalistischen Demokratien“
 Rainer Mausfeld: „Angst und Macht. Herrschaftstechniken der Angsterzeugung in kapitalistischen Demokratien“



Die Zitterpartie der Macht
Welch ein Glück im Unglück. Wie üblich nach einem Zwischenfall auf Leben und Tod so auch diesmal, wie erwartet: Kaum war das Kind  [ ... ]



„I Am Mother” Leinwandheldinnen in Zeiten von #MeToo
 „I Am Mother” Leinwandheldinnen in Zeiten von #MeToo



Grant Sputores post-apokalyptischer Science-Fiction Thriller „I Am Mother” beginnt als intimes Kammerspiel in einem, hermetisch von der Welt abgeschlossenen  [ ... ]



Letizia Battaglia: Retrospektive in Venedig
 Letizia Battaglia: Retrospektive in Venedig



Sie gilt als bekannteste „Mafia-Fotografin“ und als „eine der wichtigsten Fotografinnen unserer Zeit“, aber auch als politisch, ökologisch, sozial und f [ ... ]



DDR-Schlager, Weltraum-Fuzzys und Russische Rapper
 DDR-Schlager, Weltraum-Fuzzys und Russische Rapper



Das erste Wochenende nach der Eröffnung des Sommerfestivals auf Kampnagel
„Der Weltraum. Unendliche Weiten. Wir schreiben das Jahr 2200...“ Manchen mögen  [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.