Neue Kommentare

Hans Maschek zu 19. Lange Nacht der Museen in Hamburg. Meine Reise durch die Nacht: Wunderbar atmosphärische Beschreibung. Ich habe ...
Matthijs van de Beek zu „Stan & Ollie”. Oder die schmerzliche Seite der Komik : Das klingt wunderbar und wird ganz sicher angesch...
Dr. Frank-Peter Hansen zu Die Wittgenstein-Dekomposition: Frank-Peter Hansens Antwort auf Martin A. Hainz...
NN zu Das Chimei – ein Museum für eine einmalige Privatsammlung in Taiwan: Lasst Euch nicht blenden! Es gibt nichts Gutes, a...
Peter Schmidt zu Verleihung der Goldenen Kamera – mit Bruno Ganz und ohne Friede Springer: Und noch einmal zur Goldenen Kamera
Im Fol...

Lange Nacht der Museen Hamburg

Hamburger Architektur Sommer 2019


Fotografie

Triennale der Photographie: „WILL – The Livesaving Machines“ von Reiner Riedler in der Galerie Hengevoss-Dürkop

Drucken
(90 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Mittwoch, den 20. Juni 2018 um 09:00 Uhr
Triennale der Photographie: „WILL – The Livesaving Machines“ von Reiner Riedler in der Galerie Hengevoss-Dürkop 4.1 out of 5 based on 90 votes.
Triennale der Photographie: „WILL – The Livesaving Machines“ von Reiner Riedler

Hochästhetisch, artifiziell, und immer etwas irritierend. Die Serie „Will – The Livesaving Machines“ des Wiener Fotografen Reiner Riedler in der Galerie Hengevoss-Dürkop fasziniert schon allein deshalb, weil sie so widersprüchliche Gefühle hervorzurufen vermag: Anziehend und abstoßend zugleich.
In jedem Fall zählen die auf schwarzem Grund wie Juwelen präsentierten medizinischen Hightech-Geräte zu den spannendsten Beiträgen der Hamburger Triennale der Fotografie 2018.

Wenn das Leben des eigenen Kindes auf dem Spiel steht, stößt man an seine physischen und psychischen Grenzen. Sitzt hilflos auf der Intensivstation und kann nur noch beten - und auf das Können der Ärzte und der medizinischen Technik hoffen. Reiner Riedler musste diese Erfahrung bei der Geburt seines Sohnes machen: Not-Kaiserschnitt, Anschluss des zu früh Geborenen an die Beatmungsmaschine, da die Lungen noch nicht funktionierten. „Wenn er es schafft, dann hier“, hatte sich der junge Vater gedacht, als er im Halbdunkel der neonatologischen Abteilung eines Wiener Krankenhauses neben dem Brutkasten mit dem winzigen Geschöpf saß und das sonore Rauschen des Gerätes hörte: „Das stetige Blinken und das verlässliche Summen riefen ein Gefühl der Zuversicht und Sicherheit hervor“, sagt Riedler heute.

Sein Sohn überlebte. Und die Tage zwischen Bangen und Hoffen, inmitten einer Vielzahl medizinischer Apparate, inspirierten den Dokumentarfotografen zu einer ganz neuen Art von Aufnahmen. Keine Reise-Reportagen mehr, wie er sie in der ersten Dekade des 21. Jahrhunderts in Russland, Albanien, Iran und der Ukraine unternommen hatte. Keine harten, ungeschminkten Bilder von Fetisch-Clubs und Sex-Praktiken, die in ihrer Schonungslosigkeit teilweise an frühe Fotografien von Nan Goldin erinnern. Stattdessen Stillleben. Puristische Porträts von hochkomplizierten Apparaten der Intensivmedizin, die Riedler, den Nichtfachmann, in die ungewohnte Rolle eines Schülers zurückwarfen: Er musste sich alles erst einmal erklären lassen. Dabei stellte er schnell fest, dass er die Herz-Lungen-Maschinen, die Dialysegeräte, humanoiden Roboter und Prothesen, aber auch die Wachsmodelle aus der berühmten Sammlung des Wiener Josephinums, die Kaiser Joseph II. persönlich für die neu gegründete Akademie in Wien bestellt hatte, nicht in ihrem Umfeld fotografieren wollte. „Das war mir einfach zu dicht dran“. Der Fotograf entschied sich vielmehr dafür, die medizinischen Geräte völlig aus ihrem Kontext zu lösen und damit auch die unwillkürlichen Ängste und Assoziationen zu eliminieren, die beim Anblick eines Krankenzimmers auftreten.

In Szene gesetzt auf einem monochromen schwarzen Grund, verleiht Reiner Riedler den Hightech-Geräten nun die Aura futuristischer Skulpturen, die eine ganz eigentümliche Schönheit und Eleganz besitzen. Und – was von nicht zu unterschätzender Bedeutung ist – er schafft durch die Trennung vom Umfeld und dem menschlichen Leid eine wohltuende Distanz zwischen dem Bild und dem Betrachter. So steht die Ingenieurskunst, die komplexe Gestalt und Schönheit der technischen Errungenschaften erst einmal im Vordergrund. Oder – bei den historischen Lehrmodellen von gehäuteten Köpfen und Armen - die stupende anatomische Meisterschaft und Detailtreue der Wachsmodelle.

Für Reiner Riedler, das wird aus jeder seiner Äußerungen deutlich, sind „Die Lebensrettenden Maschinen“ ausschließlich positiv besetzt. Der englische Titel „WILL“ kann jedoch auch anders gelesen werden. Nicht nur als unbedingter Wille zu überleben, sondern auch als ein letzter Wille. Und so führen diese Bilder dem Betrachter schließlich doch die menschliche Endlichkeit vor Augen. Angesichts dieser Erkenntnis tut es gut, sich auf den ästhetischen Qualitäten der Fotografien zu konzentrieren.

Reiner Riedler: „WILL – The Livesaving Machines“

zur Triennale der Photographie
sind in der Galerie Hengevoss-Dürkop noch bis zum 7.Juli 2018 zu sehen.
Klosterwall 13, 20095 Hamburg,
Mittwoch bis Freitag 14-19 Uhr, Sonnabend 12-15 Uhr u.n.V.


Abbildungesnachweis: Alle Fotos Reiner Riedler
"WILL" – The Lifesaving Machines
Header: Raumaufnahme in der Galerie Hengevoss-Dürkop
Galerie:
01. Unebtiteltes und unbekanntes Objekt, experimenteller Prototyp, TU München
02. Blick in die Ausstellung
03.
Model einer Herzmaschine zur Messung des Blutflusses, AKH, MedUni, Wien
04. Blick in die Ausstellung
05. Fundstück, Josephinum, Wien
06. Blick in die Ausstellung

Kommentar verfassen
(Ich bin damit einverstanden, dass mein Beitrag veröffentlicht wird. Mein Name und Text werden mit Datum/Uhrzeit für jeden lesbar. Mehr Infos: Datenschutz)

Ihr Name (erscheint mit ihrem Kommentar) *
Ihre Email (Nur für unseren Bestätigungslink)
Code (Hier eintragen)   
Meinen Kommentar abschicken
 
Home > Blog > Fotografie > Triennale der Photographie: „WILL – The L...

Mehr auf KulturPort.De

Melchior Palágyi: Der Gegensatz von Geist und Leben
 Melchior Palágyi: Der Gegensatz von Geist und Leben



Nicht viele Philosophen sind so gründlich vergessen wie der Ungar Melchior Palágyi (1859-1924). Wirklich berühmt war er nie, aber doch geschätzt von so hochk [ ... ]



Philipp Maintz: Thérèse
 Philipp Maintz: Thérèse



Was, wenn „Liebe“ nur ein freundliches Wort wäre für ihre eigene Unmöglichkeit? Nur ein Sammelbegriff für Sehnsüchte, die unerreichbar sind in einer Ge [ ... ]



19. Lange Nacht der Museen in Hamburg. Meine Reise durch die Nacht
 19. Lange Nacht der Museen in Hamburg. Meine Reise durch die Nacht



28.000 Besucher amüsierten sich in der Museumsnacht der Hansestadt, trotz Eurovisions-Contest. Überall in der City tobte das Leben. Ich war natürlich auch wie [ ... ]



Meine 19. Lange Nacht der Museen in Hamburg
 Meine 19. Lange Nacht der Museen in Hamburg



Die Terminänderung, die Lange Nacht der Museen in Hamburg in den Mai, anstatt in den April zu legen war eine gute Idee. Denn der Tag war schön, nicht kalt! – [ ... ]



Hamburger Theater Festival: „Heilig Abend“ – ein als Krimi getarntes philosophisches Werk
 Hamburger Theater Festival: „Heilig Abend“ – ein als Krimi getarntes philosophisches Werk



Packendes Kammerspiel mit zwei exzellenten Schauspielern, die nach dem Schlussapplaus strahlten wie nach einem gelungenen Coup: Sophie von Kessel und Michele Cuc [ ... ]



Daniel Garcia Trio: Travesuras
 Daniel Garcia Trio: Travesuras



Ob tosende Akkord-Sturzbäche, Staccato-Piano oder ausufernde Tastenläufe: Zurückhaltung gehört nicht unbedingt zu den musikalischen Qualitäten des spanische [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.