Neue Kommentare

Frank-Peter Hansen zu Frank-Peter Hansen: Die Heidegger-Dekomposition: Im Spätherbst letzten Jahres anlässlich einer S...
bbk berlin zu Dortmund geht neue Wege bei der Kunst-Förderung: Die Berliner Künstler*innen freut es sehr, dass ...
Markus Semm zu Frank-Peter Hansen: Die Heidegger-Dekomposition: Sehen Sie: Der Unterschied zw. Heidegger und Cass...
Karin Schneider zu Frank-Peter Hansen: Die Heidegger-Dekomposition: Ein großartiger Artikel! Stefan Diebitz schafft ...
S.Scheunemann-Eichner ,Silke zu Mühlenpfordt – Neue Zeitkunst. Reformarchitektur und Hochschullehre: Eine wunderbare Einführung zu der Ausstellung im...

Lange Nacht der Museen Hamburg

Hamburger Architektur Sommer 2019


Fotografie

Triennale der Photographie: „WILL – The Livesaving Machines“ von Reiner Riedler in der Galerie Hengevoss-Dürkop

Drucken
(90 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Mittwoch, den 20. Juni 2018 um 08:00 Uhr
Triennale der Photographie: „WILL – The Livesaving Machines“ von Reiner Riedler in der Galerie Hengevoss-Dürkop 4.1 out of 5 based on 90 votes.
Triennale der Photographie: „WILL – The Livesaving Machines“ von Reiner Riedler

Hochästhetisch, artifiziell, und immer etwas irritierend. Die Serie „Will – The Livesaving Machines“ des Wiener Fotografen Reiner Riedler in der Galerie Hengevoss-Dürkop fasziniert schon allein deshalb, weil sie so widersprüchliche Gefühle hervorzurufen vermag: Anziehend und abstoßend zugleich.
In jedem Fall zählen die auf schwarzem Grund wie Juwelen präsentierten medizinischen Hightech-Geräte zu den spannendsten Beiträgen der Hamburger Triennale der Fotografie 2018.

Wenn das Leben des eigenen Kindes auf dem Spiel steht, stößt man an seine physischen und psychischen Grenzen. Sitzt hilflos auf der Intensivstation und kann nur noch beten - und auf das Können der Ärzte und der medizinischen Technik hoffen. Reiner Riedler musste diese Erfahrung bei der Geburt seines Sohnes machen: Not-Kaiserschnitt, Anschluss des zu früh Geborenen an die Beatmungsmaschine, da die Lungen noch nicht funktionierten. „Wenn er es schafft, dann hier“, hatte sich der junge Vater gedacht, als er im Halbdunkel der neonatologischen Abteilung eines Wiener Krankenhauses neben dem Brutkasten mit dem winzigen Geschöpf saß und das sonore Rauschen des Gerätes hörte: „Das stetige Blinken und das verlässliche Summen riefen ein Gefühl der Zuversicht und Sicherheit hervor“, sagt Riedler heute.

Sein Sohn überlebte. Und die Tage zwischen Bangen und Hoffen, inmitten einer Vielzahl medizinischer Apparate, inspirierten den Dokumentarfotografen zu einer ganz neuen Art von Aufnahmen. Keine Reise-Reportagen mehr, wie er sie in der ersten Dekade des 21. Jahrhunderts in Russland, Albanien, Iran und der Ukraine unternommen hatte. Keine harten, ungeschminkten Bilder von Fetisch-Clubs und Sex-Praktiken, die in ihrer Schonungslosigkeit teilweise an frühe Fotografien von Nan Goldin erinnern. Stattdessen Stillleben. Puristische Porträts von hochkomplizierten Apparaten der Intensivmedizin, die Riedler, den Nichtfachmann, in die ungewohnte Rolle eines Schülers zurückwarfen: Er musste sich alles erst einmal erklären lassen. Dabei stellte er schnell fest, dass er die Herz-Lungen-Maschinen, die Dialysegeräte, humanoiden Roboter und Prothesen, aber auch die Wachsmodelle aus der berühmten Sammlung des Wiener Josephinums, die Kaiser Joseph II. persönlich für die neu gegründete Akademie in Wien bestellt hatte, nicht in ihrem Umfeld fotografieren wollte. „Das war mir einfach zu dicht dran“. Der Fotograf entschied sich vielmehr dafür, die medizinischen Geräte völlig aus ihrem Kontext zu lösen und damit auch die unwillkürlichen Ängste und Assoziationen zu eliminieren, die beim Anblick eines Krankenzimmers auftreten.

In Szene gesetzt auf einem monochromen schwarzen Grund, verleiht Reiner Riedler den Hightech-Geräten nun die Aura futuristischer Skulpturen, die eine ganz eigentümliche Schönheit und Eleganz besitzen. Und – was von nicht zu unterschätzender Bedeutung ist – er schafft durch die Trennung vom Umfeld und dem menschlichen Leid eine wohltuende Distanz zwischen dem Bild und dem Betrachter. So steht die Ingenieurskunst, die komplexe Gestalt und Schönheit der technischen Errungenschaften erst einmal im Vordergrund. Oder – bei den historischen Lehrmodellen von gehäuteten Köpfen und Armen - die stupende anatomische Meisterschaft und Detailtreue der Wachsmodelle.

Für Reiner Riedler, das wird aus jeder seiner Äußerungen deutlich, sind „Die Lebensrettenden Maschinen“ ausschließlich positiv besetzt. Der englische Titel „WILL“ kann jedoch auch anders gelesen werden. Nicht nur als unbedingter Wille zu überleben, sondern auch als ein letzter Wille. Und so führen diese Bilder dem Betrachter schließlich doch die menschliche Endlichkeit vor Augen. Angesichts dieser Erkenntnis tut es gut, sich auf den ästhetischen Qualitäten der Fotografien zu konzentrieren.

Reiner Riedler: „WILL – The Livesaving Machines“

zur Triennale der Photographie
sind in der Galerie Hengevoss-Dürkop noch bis zum 7.Juli 2018 zu sehen.
Klosterwall 13, 20095 Hamburg,
Mittwoch bis Freitag 14-19 Uhr, Sonnabend 12-15 Uhr u.n.V.


Abbildungesnachweis: Alle Fotos Reiner Riedler
"WILL" – The Lifesaving Machines
Header: Raumaufnahme in der Galerie Hengevoss-Dürkop
Galerie:
01. Unebtiteltes und unbekanntes Objekt, experimenteller Prototyp, TU München
02. Blick in die Ausstellung
03.
Model einer Herzmaschine zur Messung des Blutflusses, AKH, MedUni, Wien
04. Blick in die Ausstellung
05. Fundstück, Josephinum, Wien
06. Blick in die Ausstellung

Kommentar verfassen
(Ich bin damit einverstanden, dass mein Beitrag veröffentlicht wird. Mein Name und Text werden mit Datum/Uhrzeit für jeden lesbar. Mehr Infos: Datenschutz)

Ihr Name (erscheint mit ihrem Kommentar) *
Ihre Email (Nur für unseren Bestätigungslink)
Code (Hier eintragen)   
Meinen Kommentar abschicken
 
Home > Blog > Fotografie > Triennale der Photographie: „WILL – The L...

Mehr auf KulturPort.De

Matthias Bublath: Eight Cylinder Bigband
 Matthias Bublath: Eight Cylinder Bigband



Ein Achtzylinder macht was her – so, wie die Bigband von Matthias Bublath.
Und schon das Intro zeigt: Der Mann für die Tasteninstrumente will was auf die B [ ... ]



Außergewöhnliche Spielfreude und künstlerische Qualität zur Aspekte-Festival-Eröffnung in Salzburg
 Außergewöhnliche Spielfreude und künstlerische Qualität zur Aspekte-Festival-Eröffnung in Salzburg



„Wir sind glücklich eines der führenden Kammerorchester weltweit für das aspekteFESTIVAL 2020 gewonnen zu haben, sagt Intendant Ludwig Nussbichler über das [ ... ]



„The Gentlemen”. Guy Ritchie und die Akribie des Skurrilen
 „The Gentlemen”. Guy Ritchie und die Akribie des Skurrilen



Mit „The Gentlemen”, einem raffiniert schrägen Film-im-Film kehrt Guy Ritchie zurück zu seinen Wurzeln: Absurde, herrlich bösartige Gangsterkomödien wie  [ ... ]



Nils Landgren & Jan Lundgren: Kristallen
 Nils Landgren & Jan Lundgren: Kristallen



Gerade wurde Nils Landgren für „4WheelDrive“ (zusammen mit Michael Wollny, Lars Daniellson, Wolfgang Haffner) als erfolgreichstes Jazzalbum des Jahres 2019  [ ... ]



„Willkommen! Bienvenue! Welcome!“ – Cabaret
 „Willkommen! Bienvenue! Welcome!“ – Cabaret



Hansa Theater ade, am Steindamm steht jetzt der Berliner Kit Kat Club.
Vergangenes Wochenende feierte das Erfolgsmusical „Cabaret“ in Deutschlands älteste [ ... ]



Frank-Peter Hansen: Die Heidegger-Dekomposition
 Frank-Peter Hansen: Die Heidegger-Dekomposition



In einer ziemlich rabiaten Kritik demontiert Frank-Peter Hansen den berühmtesten deutschen Philosophen des 20. Jahrhunderts.

Die letzten Jahre müssen schwer [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.