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Lange Nacht der Museen Hamburg

Hamburger Architektur Sommer 2015


Fotografie

Machen sie mich schön, Madame d’Ora

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Montag, den 12. Februar 2018 um 10:40 Uhr
Machen sie mich schön, Madame d’Ora 4.0 out of 5 based on 95 votes.
Machen sie mich schön, Madame d’Ora

Sie setzte mit großer Leidenschaft die schönen Dinge des Lebens in Szene: Die Mode. Die Kunst. Die feine Gesellschaft im Wien der K.u.k.-Monarchie und später im Paris der goldenen 20er-Jahre.
Doch dann kamen die Nazis und zerstörten die heile Welt der Dora Philippine Kallmus (1881-1963), besser bekannt als Madame d’Ora, Königin der Porträtfotografie. Mit der Ausstellung „Machen Sie mich schön, Madame d’Ora“ präsentiert das Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg derzeit eine überaus sehenswerte Retrospektive der gebürtigen Wiener Jüdin. Von den frühen, noch biedermeierlich braven Porträts bis zu den Flüchtlings- und verstörenden Schlachthaus-Bildern der Nachkriegszeit wird hier ein fantastisches Halbes-Jahrhundert-Werk aufgeblättert, das nach dem Holocaust einen radikalen Bruch erfährt.

Fotografie, insbesondere Modefotografie war um das Jahr 1900 noch eine leicht frivole Angelegenheit und es schickte sich gar nicht für ein Mädchen aus gutem Haus, ein Fotoatelier aufzumachen. Doch für ihre Arbeit soll Dora Kallmus „über Leichen“ gegangen sein, wie ihre Schwester Anna zitiert wird. In jedem Fall ist sie hochbegabt und ungeheuer willensstark. Eine Frau, die sich in der männlich dominierten Fotografenszene Wiens rasch durchsetzt und deshalb unter ihren Kollegen als „skrupellose Karrieristin“ gilt. Paris, einfach alles, was französisch wirkt, ist seinerzeit Inbegriff mondäner Eleganz. Und so legt sich die junge Fotografin rasch den französisch klingenden Künstlernamen d’Ora zu (zieht Mitte der 20er-Jahre ganz nach Paris), um der Kundschaft zu suggerieren, bei ihr so schön und elegant wie „die Pariserin“ abgelichtet zu werden. Und tatsächlich, d’Ora kann es. „Es gelingen ihr Bildnisse, die nicht das mindeste von dem Seelenlosen, Maskenhaften Gezwungenen der berüchtigten Berufsphotographen-Aufnahmen enthalten“, schwärmt die Zeitschrift „Deutsche Kunst und Dekoration“ 1910 über ihre Porträts. Und das Wiener Salonblatt, in dem ihre Fotografien (wie in vielen anderen Zeitschriften) nun regelmäßig erscheinen, nennt sie anlässlich einer Ausstellung 1915 eine „Meisterin“ auf dem Gebiet, „den realen und idealen Eindruck gleichzeitig wiederzugeben“.

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Beim Betrachten der chronologisch geordneten Aufnahmen im Museum für Kunst und Gewerbe fällt aber noch ein Aspekt ins Auge: Neben der Glamourfotografie, neben all den lieblich-verträumten Frauenporträts mit sinnlichem Augenaufschlag und kapriziös-verführerischen Posen, die damals en vogue waren, setzt Dora Kallmus mit Vorliebe starke, emanzipierte Frauen in Szene. Frauen, die sich über Konventionen hinwegsetzen und auch vor Skandalen nicht zurückschrecken. Die junge Coco Chanel frontal, mit energisch vorgestrecktem Kinn; die Komtesse Klara Adrassy in unerhört breitbeiniger Männerpose, mit aufgestütztem Ellenbogen auf dem Knie. Die bezaubernde Josephine Baker, nur mit einem Armreif bekleidet. Zu ihren schönsten Aufnahmen gehört auch ein ganz stilles, unspektakuläres Bild ihres langjährigen Freundes: „Maurice Chevalier schlafend“, 1955.

D’Oras Blick durch das Kameraobjektiv ist nach der Ermordung ihrer Schwester während des Holocausts, dem sie selbst nur knapp entkam, ein anderer geworden. Der süßlich-verklärende Schleier ist verschwunden. Die Aufnahmen sind nüchtern, hart, dokumentarisch. Mitunter dramatisch düster. Sie fotografiert die Entwurzelten in Österreichischen Flüchtlingslagern, abgetrennte Tierköpfe und gehäutete Kadaver in Pariser Schlachthäusern, den schwerkranken, aber immer noch exzentrischen Marquis de Cuevas umgeben von abgezogenen Schafsköpfen. Surreal und morbid-schrill wirken diese Bilder, die die Schönheit des Todes feiern. Getreu einer Erkenntnis, die Dora Kallmus erlangte, während die Nazis in Frankreich wüteten: „Die Wirklichkeit ist nicht das Leben, die Wirklichkeit ist der Tod“.

„Machen sie mich schön, Madame d’Ora“

Zu sehen bis 18 März 2018 im Museum für Kunst und Gewerbe, Steintorplatz, in 20099 Hamburg.
Öffnungszeiten: Di-So 10-18 Uhr, Do bis 21 Uhr.
12 Euro Eintritt, erm. 8 Euro. Bis 17 Jahre frei
Weitere Informationen


Abbildungsnachweis:
© Nachlass d’Ora/Museum für Kunst und Gewerbe
Header: Marquis George de Cuevas mit Balletttänzerin, um 1955, Silbergelatineabzug, 17,4x21,5cm. Hamburg.
Galerie:
01. Ausstellungsansicht. Foto: Michaela Hille
02. Die Modeschöpferin Emilie Flöge in einem ihrer Kleider mit den Kolo-Moser-Motiven, 1908, Silbergelatineabzug, 29,6x22cm.
03. Anna Pawlowa, 1913, Silbergelatineabzug, 22,4x16,7cm.
04. Modehaus Zwieback, 1913, Silbergelatineabzug, 22,8x30cm.
05. Der Variété- und Trapezkünstler „Barbette“, 1926, Silbergelatineabzug, 19,8x16,6cm.
06. Dolly Sisters, um 1928, Silbergelatineabzug, 17x19,7cm.
07. Josephine Baker, 1928, Silbergelatineabzug, 19,4x16cm.
08. Ausstellungsansicht. Foto: Michaela Hille
09. Madame Agnès, um 1930, Silbergelatineabzug, 22,8x20cm.
10. Serge Lifar, um 1935, Silbergelatineabzug, 22,8x17,2cm.
11. Frau, einen kränklichen Mann stützend, 1946-1948 aus der Flüchtlings-Serie, Silbergelatineabzug, 34,7x29,5cm.
12. Abgezogener Hasenkörper vor 1949 aus der Schlachthof-Serie, Silbergelatineabzug, 29,3x23,5cm.
13. Madame Rupert, um 1953, Silbergelatineabzug, 14,1x10,3cm.
14. Marquis George de Cuevas mit Schafsköpfen, 1956/57, aus der Schlachthof-Serie,Silbergelatineabzug, 30,2x20,8cm.

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