Neue Kommentare

Patrick Dissinger zu „Foxtrot”. Samuel Moaz und das Konzept des Zufalls: Ein exzellenter, sehr kluger Film. Danke für den...
erlenmeier zu Historische Tankstellen – auf Spurensuche in Hamburg : Ich arbeite seit vielen Jahren beim Forum geschic...
Bartholomay zu Berliner Mauer 57. Jahrestag: Gedenkfeier ? Um von ihren Taten gegen die ehemal...
Herby Neubacher zu Eindringlicher Holocaust-Roman von Affinity Konar: „Mischling“ – keine leichte, aber lohnende Lektüre: Das hat uns jetzt eigentlich noch gefehlt - Erinn...
Ada Rompf zu „The Rider”. Die zärtlich-raue Poesie der Chloé Zhao : Besser kann man meinen Lieblingsfilm dieses Früh...

Lange Nacht der Museen Hamburg

Hamburger Architektur Sommer 2015


Film

Weltpremiere von „Banklady“

Drucken
(168 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Donnerstag, den 03. Oktober 2013 um 09:22 Uhr
Weltpremiere von „Banklady“ 4.6 out of 5 based on 168 votes.
Filmfest Hamburg: Weltpremiere für „Banklady“

Ein Dokumentarfilm inspiriert eine Schauspielerin so sehr, dass daraus ein Kinofilm wird.
Autor Martin Niggeschmidt (Süddeutsche TV) hatte mit seiner Dokumentation die in Vergessenheit geratene Geschichte der ersten Bankräuberin Deutschlands und ihres Komplizen 1999 wiederentdeckt. 2006 rekonstruierte dann Manfred Uhlig für die ARD die Geschichte des Räuberduos mit dem Film "Geld her - die Banklady".
Schauspielerin Nadeshda Brennicke sieht diese Spielszenen-Doku im NDR und erzählt die Geschichte Regisseur Christian Alvart („Antikörper, 2005) weiter, mit dem sie in der Vergangenheit schon öfters arbeitete. Alvart kann kaum fassen, dass der Stoff noch nicht im Spielfilm-Genre angekommen ist und greift sich den Stoff.

„Nadeshda erzählte mir die Geschichte und die chronologischen Abläufe. Sie erwähnte aber insbesondere einen besonderen Aspekt der Bankräuberin, namens Gisela Werler, nämlich die Normalität aus der diese Frau kam und die vollkommen weit weg war von Verbrechen. Werler kam nicht aus dem Milieu, sie galt als fleißig, bieder, hilfsbereit, bescheiden und pünktlich“, sagt Alvart. „Aus Liebe wird sie zur Räuberin und reißt damit geltende Konventionen in der jungen Bundesrepublik nieder. Eine Frau als Bankräuberin war damals kaum vorstellbar. Für eine Schauspielerin aber eine spannende Figur und für mich als Geschichtenerzähler ebenso“, fügt er hinzu.
Alvart war aber zunächst mit einer gesunden Skepsis ausgestattet, denn „wahre“ Geschichten stehen sich allzu oft auch selbst im Weg. Mit diesem Thema jedoch sah der Regisseur nach den ersten Recherchen eine gute Chance die Geschichte historisch und modern zugleich zu verfilmen.

Die Story lässt sich gut erzählen: „Die junge Hamburgerin Gisela Werler (Nadeshda Brennicke) galt als erste Bankräuberin Deutschlands und wurde als Banklady bekannt. Alles begann damit, dass ein Bekannter Giselas ein Versteck für seine Beute benötigte. Die Beute stammte aus einem Bankraub, den er zuvor mit Taxiunternehmer Hermann Wittorff (Charly Hübner) zusammen durchgezogen hat. Gisela nahm die Beute bereitwillig an sich und versteckte sie in ihrem Schlafzimmerschrank. Später überfiel sie schließlich alleine eine Filiale der Hamburger Volksbank und erbeutete insgesamt 3.100 DM. Zusammen mit ihrem späteren Ehemann Hermann Wittorff verübte sie so 19 Banküberfälle. Knapp 453.000 DM erbeutete die Banklady Gisela Werler in dieser Zeit. 1967 wurden sie und ihre Komplizen schließlich von der Polizei bei einem Raubversuch in Bad Segeberg gefasst. Die vier Angestellten, welche sich zu der Zeit in der Filiale aufhielten, wehrten sich unerwarteter Weise und verfolgten die flüchtenden Täter. Dabei wurden alle vier Angestellten von Hermann Wittorff angeschossen. Ein Jahr darauf begann der Prozess gegen die Bankladybande. Während ihr Freund und Komplize Hermann Wittorff zu dreizehneinhalb Jahren Haft verurteilt wurde, waren es bei Gisela Werler neuneinhalb Jahre. Vor Gericht konnte sie glaubhaft machen, dass sie nur aus Liebe zu ihrem Freund gehandelt hat. In der Gefängniskapelle kam es dann zur Heirat zwischen den beiden. Die Ehe hielt ganze 31 Jahre.“

Werler war eine von drei Töchtern eines Bauschlossers aus Altona, geboren 1934. Alvarts sehr gelungener Film beginnt mit der Zeit, Anfang der Sechziger, als Gisela Werler in der Altonaer Tapetenfabrik an einer riesigen schwarzen Maschine Blümchentapete produziert. Langsam und in gefilterten Bildern entwickelt sich die Story zu einem rasanten und spannenden Werk. Regisseur und Schauspieler, besonders Hermann Wittorf, alias Peter Werler, gespielt von Charly Hübner, vermeiden es sowohl in die Heimatfilm-Ecke der 50er-Jahre zu geraten, als auch die Geschichte ins 21. Jahrhundert zu transportieren, wo ihr die historische Schichtung fehlen würde. Geschickt und sensibel sind Bilder, Schnitt und vor allem die Musik eingesetzt. Die wurde von Steffen Kahles, Christoph Blaser und Michl Britsch verantwortet und kommentiert nicht lediglich die Bilder und Sequenzen, sondern muss als fein ausgearbeiteter und eigenständiger dramaturgischer Strang erlebt werden. Alvart hat mit seiner Regie eine großartige Bildsprache entwickelt, die sich auf dem internationalen Markt sehen lassen kann.
„Banklady“ hatte soeben sein Weltdebüt beim Filmfest Hamburg.


Besetzung: Nadeshda Brennicke, Charly Hübner, Ken Duken, Andreas Schmidt, Heinz Hoenig, Henny Reents, Niels Bruno Schmidt
Produzent/Regisseur: Christian Alvart
Produzent: Sigi Kamml
Drehbuch: Kai Hafemeister, Christoph Silber
Bildgestaltung: Ngo The Chau
Produktion: Syrreal Entertainment GmbH, Berlin
Kinostart: vorauss. Ende März 2014

Fotonachweis: Syrreal/Studiocanal Filmverleih
Header: Filstill aus "Banklady" Gisela Werler (Nadeshda Brennicke) und "Peter Werler" (Charly Hübner)
Galerie:
01. Regisseur Christian Alvart auf dem roten Teppich bei Filmfest Hamburg. Foto: Martin Kunze
02. Polizeifotos von Gisela Werler. Foto © Volkskundemuseum Schleswig.
03. Die Banklady (Nadeshda Brennicke) kostümiert beim Karneval als Banklady.
04. Kommissar Fischer (Ken Duken) bei der Ermittlungsarbeit.
05. Showdown vor einer Bank in Bad Segeberg.

Kommentar verfassen
(Ich bin damit einverstanden, dass mein Beitrag veröffentlicht wird. Mein Name und Text werden mit Datum/Uhrzeit für jeden lesbar. Mehr Infos: Datenschutz)

avatar Siegfried Dehning
+4
 
 
Hallo,
ich war selbst als Komparse (Redaktionsmitarbeiter) bei den Dreharbeiten dabei.
Sehr nettes Redaktionsteam; tolle Schauspieler. Hat sehr viel Spass gemacht und war eine tolle Erfahrung. Bin sehr gespannt und freue mich auf den Filmstart.
Ihr Name (erscheint mit ihrem Kommentar) *
Ihre Email (Nur für unseren Bestätigungslink)
Code (Hier eintragen)   
ChronoComments by Joomla Professional Solutions
Meinen Kommentar abschicken
Abbrechen
Ihr Name (erscheint mit ihrem Kommentar) *
Ihre Email (Nur für unseren Bestätigungslink)
Code (Hier eintragen)   
Meinen Kommentar abschicken
 
Home > Blog > Film > Weltpremiere von „Banklady“

Mehr auf KulturPort.De

Die Stunde der Matrosen – Kiel und die deutsche Revolution 1918
 Die Stunde der Matrosen – Kiel und die deutsche Revolution 1918



Zehn Tage dauerte der Aufstand. Gemeint ist der Matrosenaufstand in Kiel. Der Aufstand brach Ende Oktober 1918 auf den Schiffen der Hochseeflotte vor Wilhelmshav [ ... ]



Heiße Ecke 15 Jahre
 Heiße Ecke 15 Jahre



Von solchen Zahlen kann man nicht einmal träumen. Rund 42000 Kondome, 25 000 Würstchen, 16800 Waschmaschinenladungen und 12600 Bierdosen wurden in sage und sch [ ... ]



Ludwig und Benyamin Nuss: Songs & Ballads
 Ludwig und Benyamin Nuss: Songs & Ballads



Zwei Instrumente, zwei Musiker – Vater und Sohn – ein Duo-Debüt-Album mit Liedern und Balladen. Zwei die sich verstehen und sich offensichtlich mit musikali [ ... ]



„Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm”. Dialektik für Genießer
 „Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm”. Dialektik für Genießer



In „Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm” schildert Regisseur Joachim A. Lang die Querelen um jenes nie gedrehte Leinwand-Epos, während er es zugleich [ ... ]



Lana Cenčić: Sama
 Lana Cenčić: Sama



Ein Soloalbum, dass vom ersten Song an besticht. Die Kroatin Lana Cenčić, mit Wohnsitz in New York und beeindruckender Stimme nennt ihre neue Platte „Sama“ [ ... ]



Die Liebe stirbt zuletzt. „Orpheus – eine musische Bastardtragödie“ begeistert im Hamburger Thalia Theater
 Die Liebe stirbt zuletzt. „Orpheus – eine musische Bastardtragödie“ begeistert im Hamburger Thalia Theater



Mit einem berauschend sinnlichen, wunderbar poetischen und philosophischen, dabei total abgedrehten Pop-Techno-Bühnenmärchen begeistert Theatermagier Antú Rom [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.