Neue Kommentare

Patrick Dissinger zu „Foxtrot”. Samuel Moaz und das Konzept des Zufalls: Ein exzellenter, sehr kluger Film. Danke für den...
erlenmeier zu Historische Tankstellen – auf Spurensuche in Hamburg : Ich arbeite seit vielen Jahren beim Forum geschic...
Bartholomay zu Berliner Mauer 57. Jahrestag: Gedenkfeier ? Um von ihren Taten gegen die ehemal...
Herby Neubacher zu Eindringlicher Holocaust-Roman von Affinity Konar: „Mischling“ – keine leichte, aber lohnende Lektüre: Das hat uns jetzt eigentlich noch gefehlt - Erinn...
Ada Rompf zu „The Rider”. Die zärtlich-raue Poesie der Chloé Zhao : Besser kann man meinen Lieblingsfilm dieses Früh...

Lange Nacht der Museen Hamburg

Hamburger Architektur Sommer 2015


Film

Kon-Tiki – Meere sind Wege, keine Barrieren

Drucken
(265 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Mittwoch, den 20. März 2013 um 10:35 Uhr
Kon-Tiki – Meere sind Wege, keine Barrieren 4.7 out of 5 based on 265 votes.
Kon-Tiki – Meere sind Wege, keine Barrieren

Abenteurer ist eine Berufsbezeichnung, die in der heutigen Zeit recht selten vorkommt.
Sie stellt eine Kategorie dar, die seit spätestens Ende der 60er-Jahre des 20. Jahrhunderts so gut wie ausgestorben scheint. Briten und besonders Skandinavier hatten ein gutes Jahrhundert die Abenteurer-Nase vorn: Roald Amundsen (Arktis), Sven Hedin (Tibet) und Thor Heyerdahl (Kon-Tiki), um nur einige zu nennen. Sie waren gleichwohl im Dienst der Wissenschaft unterwegs, als auch als Forscher, Entdecker, Filmer und Autoren.

altDass das Leben eine Aneinanderreihung von Risiken darstellt, ist eine Binsenweisheit. Welche Qualität diese Risiken allerdings haben ist höchst unterschiedlich.
Es gibt Getriebene, egozentrisch Gierige und manisch Geltungssüchtige. Alle diese Eigenschaften sind ebenso Antrieb für Abenteurer wie Wettbewerb, Willensstärke und Entdeckerleidenschaft. Vielleicht braucht man aber auch von allem etwas.

Der Spielfilm, der am 21. März in die deutschen Kinos kommt, nimmt sein Publikum mit auf eine legendäre Reise, auf ein Abenteuer. ‚Kon-Tiki’ – so der Name des Films und des selbstgebauten Balsafloßes, mit dem der Nichtschwimmer Thor Heyerdahl (Pål Sverre Hagen) und seine Crew 1947 eine Strecke von annähernd 7.000 Kilometer über den Pazifischen Ozean zurücklegten – zieht das Kinopublikum knapp zwei Stunden in den Bann. Heyerdahl wollte beweisen, dass es möglich gewesen sein könnte, Polynesien nicht vom Westen, sondern vom Osten aus zu besiedeln. Strömungen und Winde hätten indianische Stammesmitglieder mit Hilfe des Schöpfergottes der Inka ‚Tiksi’ auf leichten Balsaflößen bis in den Südpazifik führen können, wider den teilweise ungeheuer gefährlichen Stürmen und Meeresbewohnern.

Abenteuerlich sind schon die Vorbereitungen, denn wie so oft reicht pure Begeisterung kaum aus, um eine solche Expedition in die Tat umzusetzen und wie so oft finden sich kaum Unternehmer, Verleger und Unterstützer, die Heyerdahl finanziell und materiell ad hoc geholfen hätten. „Die Lehre und die Wissenschaft sagen es anderes“, heißt es immer wieder als Gegenbehauptung zu Heyerdahls Idee. Er steht mit dem Argument, dass sich auch Wissenschaft irren kann, ziemlich allein da, in New York. Erst in Peru kann er mit Hilfe des Präsidenten sein Floß bauen und ausrüsten. Drei Norwegische Weggefährten sind mit von der Partie, Torstein Raaby (Jacob Oftebro), Knut Haugland (Tobias Santelmann) und Erik Hesselberg (Odd-Magnus Williamson). Dazu kommen Herman Watzinger (Anders Baasmo Christiansen), ein in Deutschland geborener und in Norwegen aufgewachsener Ingenieur und der Schwede Bengt Danielsson (Gustaf Skarsgård).

Von der Hafenstadt Callao aus stechen die sechs Männer am 28. April 1947 in See. Zunächst treiben sie gen Norden in Richtung der Galapagosinseln in gefährliche Zonen mit turbulenten tödlichen Strudeln. Humboldtstrom und Passatwinde gen Westen lassen auf sich warten, doch schließlich ist die Strömung gefunden und das seemännische Können der Crew verfeinert. Nach 101 Tagen kommen sie schließlich am 7. August 1947 zum Tuamotu-Archipel und laufen bei Raroia auf Grund. Die Reise ist zu Ende, der Beweis vollbracht.

Der Film beschreibt in schönen bis atemberaubenden Bildern die Überfahrt, nächtliche Sternenhimmel mit Sternschnuppenschauern und einen höchst lebendigen Ozean, der die Mannschaft zwischen Staunen und Angst pendeln lässt. Die beiden Regisseure Joachim Rønning und Espen Sandberg finden eine gute Mischung aus Nähe und Distanz – Kamerabilder aus der Vogelperspektive und unter Wasser unterstützen visuell die ambivalenten inhaltlichen Verhältnisse – sie zeigen Situationskomik und Therapie, Naturgewalt und -schönheit. Die Bilder beschreiben eine große Meeresnatur. „Vielleicht hat uns die Natur nun akzeptiert“, sagt Thor Heyerdahl erkenntnisreich als sie ihre Meeresströmung gefunden haben. Irgendetwas Göttliches scheint es aber auch zu geben, denn soviel Vertrauen und Glück wie im Film aufgebraucht werden bedarf einer weiteren Instanz. Vielleicht die Hilfe von 'Kon-Tiki'.

Und dennoch, es menschelt allenthalben und die Extremsituationen leben von der jugendlich wirkenden, gekonnten und wenig übertriebenen Darstellungskraft der Schauspieler. Dass die Beziehungsgeschichte zu Liv Heyerdahl (Agnes Kittelsen) parallel mitschwingt ist für den Film kein wesentlicher Bedeutungsstrang, dieser erklingt eher wie eine damals typische Begleitmusik: Beziehung scheitert, weil Mann nie zuhause.

Bleibt das Fazit: Ein sehenswerter Film einer historisch bedeutsamen Reise mit vielen beeindruckenden Bildern. Was Menschen auf sich nehmen, um zu beweisen, dass Meere keine Barrieren sind, sondern Wege, gibt dem Film seine Kraft.


Kurzinhalt des Verleihs:
„Diese Reise wurde zur Legende: Der junge Forscher Thor Heyerdahl überquert 1947 auf einem selbst gebautem Floß aus Balsa-Hölzern, genannt Kon-Tiki, die Weiten des pazifischen Ozeans – mit ungewissem Ausgang. Die riskante Forschungsreise ist für den Norweger die einzig reale Chance, seine revolutionäre Theorie zu beweisen: Polynesien wurde vor 1500 Jahren zuerst – und zwar genau mit einem solchen Floß – von Südamerika aus besiedelt. Damit stellt er sich nicht nur gegen die gesamte Fachwelt, Heyerdahl setzt sein Leben aufs Spiel – und seine große Liebe.
Fast 7.000 Kilometer lang segelt der Nichtschwimmer auf dem primitiven Floß zusammen mit einer fünfköpfigen Crew über das offene Meer. Ohne jegliche moderne Ausrüstung ist die Kon-Tiki den Naturgewalten tagtäglich ausgesetzt. Nur über ein Funkgerät hält die Mannschaft phasenweise Kontakt zur Außenwelt. Schnell wird die lebensgefährliche Expedition zu einem Medienphänomen, das die ganze Welt bewegt. Die Geheimnisse der Tiefsee, gewaltige Orkane und brutale Haiangriffe in Kombination mit großen Emotionen und Konflikten innerhalb des kleinen Teams lassen die Tour zu einem der spektakulärsten Abenteuer des 20. Jahrhunderts werden.
Die Regie haben Joachim Rønning und Espen Sandberg übernommen, die bereits mit Filmen wie dem Western „Bandidas“ mit Penelopé Cruz und Selma Hayek sowie dem erfolgreichsten norwegischen Kinofilm „Max Manus“ ihr Können für spannende Kinounterhaltung unter Beweis gestellt haben.“

Heyerdahls Buch über die Expedition wurde in 70 Sprachen übersetzt und über 50 Millionen Mal verkauft. Sein Dokumentarfilm „Kon-Tiki“ gewann 1952 den Oscar. Thor Heyerdahl (1914-2002) wurde zum berühmtesten Norweger der Gegenwart.

Die Hauptrollen in KON-TIKI werden von Pål Sverre Valheim Hagen (Thor Heyerdahl), Anders Baasmo Christiansen, Gustaf Skarsgård, Odd Magnus Williamson, Tobias Santelmann und Jakob Oftebro gespielt.
KON-TIKI entsteht in Koproduktion von Recorded Picture Company (RPC), Nordisk Film und DCM.
Genre: Drama, Biographie
Director: Joachim Rønning, Espen Sandberg
Cast: Pål Sverre Hagen, Anders Baasmo Christiansen, Jakob Oftebro, Tobias Santelmann, Odd-Magnus Williamson, Gustaf Skarsgård, Agnes Kittelsen



Kinostart: 21.03.2013
Originaltitel: KON TIKI
Produktionsland: UK, Norwegen, Dänemark, 2011
Filmlänge: 113 Min.


Fotonachsweis: Alle Fotos © DCM
Header: "Kon-Tiki", Abreise aus der peruanischen Hafenstadt Callao
Galerie:
01. Kinoplakat
02. Die Unterhaltung mit einem Eingeborenen bringt Thor Heyerahl (Pål Sverre Hagen) und Liv (Agnes Kittelsen) auf eine revolutionäre Idee.
03. Thor Heyerahl (Pål Sverre Hagen) versucht für sein abenteuerliches Vorhaben Unterstützer zu finden.
04. Die Crew geht an Board. V.r.n.l.: Erik Hesselberg ( Odd-Magnus-Williamson), Thor Heyerahl (Pål Sverre Hagen), Bengt Danielsson (Gustaf Skarsgård), Knut Haugland (Tobias Santelmann), Hermann Watzinger (Anders Baasmo Christiansen) und Torstein Raaby (Jakob Oftebro).
05. Vermeintliche Gefahr unter Wasser. Die 'Kon-Tiki' mit einem Walhai.
06. Mann über Bord, die Crew versucht Hermann (Anders Baasmo Christiansen) zu retten. V.r.n.l.: Bengt Danielsson (Gustaf Skarsgård), Thor Heyerahl (Pål Sverre Hagen), Torstein Raaby (Jakob Oftebro), Erik Hesselberg ( Odd-Magnus-Williamson), Knut Haugland (Tobias Santelmann).
07. Die 'Kon-Tiki' auf Ihrer Reise durch den Pazifik.
08. Die Regisseure Joachim Rønning und Espen Sandberg
09. Das Floß 'Kon-Tiki', 1947
10. Thor Heyerdahl auf der 'Kon-Tiki'.

Kommentar verfassen
(Ich bin damit einverstanden, dass mein Beitrag veröffentlicht wird. Mein Name und Text werden mit Datum/Uhrzeit für jeden lesbar. Mehr Infos: Datenschutz)

Ihr Name (erscheint mit ihrem Kommentar) *
Ihre Email (Nur für unseren Bestätigungslink)
Code (Hier eintragen)   
Meinen Kommentar abschicken
 
Home > Blog > Film > Kon-Tiki – Meere sind Wege, keine Barrieren

Mehr auf KulturPort.De

Die Stunde der Matrosen – Kiel und die deutsche Revolution 1918
 Die Stunde der Matrosen – Kiel und die deutsche Revolution 1918



Zehn Tage dauerte der Aufstand. Gemeint ist der Matrosenaufstand in Kiel. Der Aufstand brach Ende Oktober 1918 auf den Schiffen der Hochseeflotte vor Wilhelmshav [ ... ]



Heiße Ecke 15 Jahre
 Heiße Ecke 15 Jahre



Von solchen Zahlen kann man nicht einmal träumen. Rund 42000 Kondome, 25 000 Würstchen, 16800 Waschmaschinenladungen und 12600 Bierdosen wurden in sage und sch [ ... ]



Ludwig und Benyamin Nuss: Songs & Ballads
 Ludwig und Benyamin Nuss: Songs & Ballads



Zwei Instrumente, zwei Musiker – Vater und Sohn – ein Duo-Debüt-Album mit Liedern und Balladen. Zwei die sich verstehen und sich offensichtlich mit musikali [ ... ]



„Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm”. Dialektik für Genießer
 „Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm”. Dialektik für Genießer



In „Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm” schildert Regisseur Joachim A. Lang die Querelen um jenes nie gedrehte Leinwand-Epos, während er es zugleich [ ... ]



Lana Cenčić: Sama
 Lana Cenčić: Sama



Ein Soloalbum, dass vom ersten Song an besticht. Die Kroatin Lana Cenčić, mit Wohnsitz in New York und beeindruckender Stimme nennt ihre neue Platte „Sama“ [ ... ]



Die Liebe stirbt zuletzt. „Orpheus – eine musische Bastardtragödie“ begeistert im Hamburger Thalia Theater
 Die Liebe stirbt zuletzt. „Orpheus – eine musische Bastardtragödie“ begeistert im Hamburger Thalia Theater



Mit einem berauschend sinnlichen, wunderbar poetischen und philosophischen, dabei total abgedrehten Pop-Techno-Bühnenmärchen begeistert Theatermagier Antú Rom [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.