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Film

Pulsierende Metropolen sind denkende Städte

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Dienstag, den 18. August 2009 um 17:48 Uhr
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Pulsierende Metropolen sind denkende Städte

In diesem Jahr widmet sich der Fokus beim 17. Filmfest Hamburg dem Thema "Pulsierende Metropolen" und nähert sich dabei differenziert der Frage nach der Zukunft der globalisierten Megastädte.
Mit dem Begriff der pulsierenden Metropole unterstreicht Hamburg sein Potential einer Kreativhochburg und Medienhauptstadt. Künstler, Filmschaffende, Modedesigner, Musiker, Fotografen, Medienfachleute und Werber – sie bilden ein inspirierendes und zukunftsträchtiges Zentrum für Hamburg. Die lebendige Kultur- und Subkulturszene der Stadt bietet ein anregendes Umfeld und vielfältige Chancen für Kulturschaffende aller Genres - heißt es sinngemäß im Marketingdeutsch der Hansestadt.

Multi- und Subkulturen, Szenen und alternative Lebensformen spielen in Metropolen heute eine wichtige Rolle, sie gelten häufig als Gegenkultur zu den etablierten Strukturen und wirken als innovative Schrittbeschleuniger gesellschaftlicher, kreativer sowie kultureller Entwicklungen. Diese entstehen immer dort, wo günstiger Wohn- und Arbeitsraum vorhanden ist, wo ethnische oder soziale Minderheiten leben und sich Viertel bilden, die sich von der Gesellschaft bewusst oder unbewusst abgrenzen. In der Regel sind diese Stadträume multikulturell oder im Umbruch begriffen und mit einem morbiden Charme.

Auf diese Weise entstanden in Hamburg so unterschiedliche Quartiere wie das Schanzen-, das Karo- und das Portugiesenviertel, Ottensen und St. Pauli, die jeweils für eine gewachsene, eigene und unverwechselbare Szene und Subkultur stehen, sich aber auch wieder verändern können. Mit dem Schlagwort „Gentrification“ werden heute diese gewollten und ungewollten Veränderungen definiert. Diese Phänomene sind nicht auf Hamburg begrenzt, sondern lassen sich weltweit auch in anderen Metropolen finden.

Vom Begriff „pulsierend“ leitet sich nicht nur ein dynamisches Element ab, sondern auch der initiatorische „Impuls“, im Sinne einer „denkenden“ Metropole. Gerade diese Impulse gilt es differenziert wahrzunehmen, denn sie suchen ihre Wege an der Front der geistigen Veränderung einer Großstadt.
„Denkende“, pulsierende Metropolen konstituieren sich weltweit auf unterschiedliche Art und Weise, produzieren wichtige innerstädtische Dynamiken und schaffen einen sich verändernden sozialen und kulturellen Raum.

Der diesjährige Schwerpunkt von Filmfest Hamburg fokussiert diese Entwicklungen und Veränderungen und präsentiert Filme, die aus sehr unterschiedlichen Perspektiven urbanes Leben widerspiegeln, erschreckende Realitäten aufzeigen oder in gelassener Weise ihre Protagonisten durch die Stadt treiben lassen.

In Fatih Akins Film „Soul Kitchen“ stehen Familie und Freunde eines Restaurantbesitzers im Vordergrund. Es geht um die Widrigkeiten des Alltags, um Vertrauen, Liebe und Loyalität. Akin betont zwar, dass die Komödie überall spielen könnte und gerade deshalb ein Heimatfilm sei, nichts desto trotz ist er aber eine Liebeserklärung an Hamburg und beschreibt humorvoll Szenepublikum und ambivalente Verhaltensweisen in einem Kiez.

Anfang der 1990er Jahre entwickelte der israelisch-französische Künstler Meir Eshel aka „Absalon“ ein Lebensprojekt für verschiedene Metropolen auf unterschiedlichen Kontinenten: Tokio, Tel Aviv, Paris, Zürich, Frankfurt/M. und New York. Der französische Dokumentarfilmregisseur Céderic Venail versucht der Radikalität des jung verstorbenen Künstlers auf den Grund zu gehen. Vernail lässt Absalon selbst zu Wort kommen, durch ein altes Tondokument einer Vorlesung an der Pariser Kunsthochschule, das er aus dem Off über Filmszenen legt.

Die Werke Absalons erschließen auf komplexe und gleichzeitig unkonventionelle Weise, Räume auf systematische Art. Seine an Architektur erinnernde Modelle und Prototypen sollten ihm als Wohneinheiten dienen, egal, wo er sich auf der Welt aufhielt. Diese kleinen, aus weißem Gipskarton gefertigten und auf das Notwendigste reduzierte Miniaturwohnungen sind zeitkritische Kommentare zur globalen Mobilität und einem gestörten Verhältnis von Intimität und Öffentlichkeit.

 



 
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