Neue Kommentare

Herby Neubacher zu Es läuft und läuft und läuft: 15 Jahre „Heiße Ecke“ im Schmidt's Tivoli: Rund 42000 Kondome, 25 000 Würstchen, 16800 Wasc...
Patrick Dissinger zu „Foxtrot”. Samuel Moaz und das Konzept des Zufalls: Ein exzellenter, sehr kluger Film. Danke für den...
erlenmeier zu Historische Tankstellen – auf Spurensuche in Hamburg : Ich arbeite seit vielen Jahren beim Forum geschic...
Bartholomay zu Berliner Mauer 57. Jahrestag: Gedenkfeier ? Um von ihren Taten gegen die ehemal...
Herby Neubacher zu Eindringlicher Holocaust-Roman von Affinity Konar: „Mischling“ – keine leichte, aber lohnende Lektüre: Das hat uns jetzt eigentlich noch gefehlt - Erinn...

Lange Nacht der Museen Hamburg

Hamburger Architektur Sommer 2015


Film

Lila, Lila

Drucken
(350 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Montag, den 10. August 2009 um 17:04 Uhr
Lila, Lila 4.8 out of 5 based on 350 votes.
Lila, Lila

Ein Spielfilm nach einer Romanvorlage ist fast immer eine heikle Sache, vor allem, wenn diese Romanvorlage sehr erfolgreich gewesen ist.
Den Lesern sitzen ihr eigenes Casting und ihre eigenen Kulissen längst im Kopf und sie verübeln normalerweise jede Abweichung, sei es nur eine andere Augenfarbe des Helden. Manchmal muss man sich ja tatsächlich fragen, was das eine Machwerk (außer dem Titel) mit dem anderen noch zu tun haben soll und wieso der Buchautor nicht den Regisseur nach begangener Tat niederstreckt – mildernde Umstände dürften ihm sicher sein.
So ist das in diesem Falle nicht. Der Schweizer Autor Martin Suter soll mit der filmischen Umsetzung seines Buches sehr zufrieden sein und dazu hat er auch jeden Grund.
Das Buch ist nett.
Der Film ist bezaubernd.
Der (ebenfalls in der Schweiz geborene) Regisseur Alain Gsponer, unterstützt von Drehbuchautor Alexander Buresch, erzählt eine ziemlich gute Geschichte mit seinen eigenen Worten einfach brillant, ohne viel zu ändern. Er lässt Überflüssiges weg, strafft hier und da, durchweg im Sinne der Aussage. Er begreift vollkommen, was Suter ausdrücken wollte und er zeigt es etwas treffender, pointierter, bevor er bescheiden zurücktritt und sich vor dem Autor verbeugt.

Es geht um David, einen verträumten jungen Anti-Helden mit trotzigen Mundwinkeln und den großen braunen Augen von Daniel Brühl. Der Hauptdarsteller ist, ganz wie im Buch beschrieben, ‚groß und schlank’, aber das nützt ihm überhaupt nichts, niemand nimmt ihn zur Kenntnis, weil er selbst immer noch ein ziemlich unklares Bild von sich hat. Er bedient in einem Café, wird jedoch, vielleicht, eines Tages, irgendetwas anderes machen.

David begegnet Marie (Hannah Herzsprung), einer hübschen Literaturstudentin, die weiß, was sie will und was sie nicht will. Vor allem dieser Gegensatz zieht ihn an. Er verliebt sich, nimmt Kontakt auf, spricht sogar verschiedentlich mit ihr. Aber seine Indifferenz macht ihn auch hier unsichtbar. Zunächst vergisst Marie den jungen Mann immer wieder. Irgendwann kann sich nicht umhin, sich zu erinnern: wer war das gleich? Richtig, der Kellner. Wie uninteressant.

Nun findet David in der klemmenden Schublade eines Möbels vom Flohmarkt ein altes Roman-Manuskript, eine traurige Liebesgeschichte aus den Fünfzigern von einem ‚Alfred Dunkel’. David füttert die vergilbten Seiten seinem Scanner ein, ändert im Computer den Namen des Verfassers in seinen eigenen, druckt alles aus und übergibt es der überraschten Marie: Ob sie es mal lesen möchte und ganz ehrlich beurteilen?

Marie ist beeindruckt, Marie ist begeistert. Jetzt glaubt sie zu erkennen, welch kapitales Innenleben die unbeholfene Kellnerhülle birgt.
Sie wird Davis Freundin. Er ist über dieses Wunder vollkommen glücklich.
Sie rät ihm, das phantastische Manuskript an einen Verlag zu schicken. Darüber ist er allerdings überhaupt nicht glücklich. (Sein Betrug könnte ja auffliegen!) David wehrt ab.

Weil Marie unbestritten die Energischere in der Beziehung ist, schickt sie den Roman trotzdem ein, hinter seinem Rücken.
Da Erfolg immer gern dann kommt, wenn man ihn nicht brauchen kann, explodiert das Werk (unter dem neuen Titel ‚Lila, Lila’) zum Bestseller und wird von Kritikern als das ‚Ende der literarischen Postmoderne’ bezeichnet. David, der Schüchterne, muss Lesungen und Signierstunden absolvieren und bringt bald seine Fans zum Kreischen.


 
Home > Blog > Film > Lila, Lila

Mehr auf KulturPort.De

„Carte Blache“ in der Galerie Hengevoss-Dürkop
 „Carte Blache“ in der Galerie Hengevoss-Dürkop



Wann bekommt man schon mal eine Carte Blache – zumal von einer Galeristin? Doch Kerstin Hengevoss-Dürkop hatte volles Vertrauen zu dem belgischen Künstler Va [ ... ]



Die Stunde der Matrosen – Kiel und die deutsche Revolution 1918
 Die Stunde der Matrosen – Kiel und die deutsche Revolution 1918



Zehn Tage dauerte der Aufstand. Gemeint ist der Matrosenaufstand in Kiel. Der Aufstand brach Ende Oktober 1918 auf den Schiffen der Hochseeflotte vor Wilhelmshav [ ... ]



Es läuft und läuft und läuft: 15 Jahre „Heiße Ecke“ im Schmidt's Tivoli
 Es läuft und läuft und läuft: 15 Jahre „Heiße Ecke“ im Schmidt's Tivoli



Von solchen Zahlen kann man nicht einmal träumen. Rund 42000 Kondome, 25 000 Würstchen, 16800 Waschmaschinenladungen und 12600 Bierdosen wurden in sage und sch [ ... ]



Ludwig und Benyamin Nuss: Songs & Ballads
 Ludwig und Benyamin Nuss: Songs & Ballads



Zwei Instrumente, zwei Musiker – Vater und Sohn – ein Duo-Debüt-Album mit Liedern und Balladen. Zwei die sich verstehen und sich offensichtlich mit musikali [ ... ]



„Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm”. Dialektik für Genießer
 „Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm”. Dialektik für Genießer



In „Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm” schildert Regisseur Joachim A. Lang die Querelen um jenes nie gedrehte Leinwand-Epos, während er es zugleich [ ... ]



Lana Cenčić: Sama
 Lana Cenčić: Sama



Ein Soloalbum, dass vom ersten Song an besticht. Die Kroatin Lana Cenčić, mit Wohnsitz in New York und beeindruckender Stimme nennt ihre neue Platte „Sama“ [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.