Neue Kommentare

Stipe Gojun zu „La Vérité” Hirokazu Kore-eda und der Mythos Familie : Ach, wie gern würde ich heute ins Kino gehen. Ob...
Frank-Peter Hansen zu Frank-Peter Hansen: Die Heidegger-Dekomposition: Im Spätherbst letzten Jahres anlässlich einer S...
bbk berlin zu Dortmund geht neue Wege bei der Kunst-Förderung: Die Berliner Künstler*innen freut es sehr, dass ...
Markus Semm zu Frank-Peter Hansen: Die Heidegger-Dekomposition: Sehen Sie: Der Unterschied zw. Heidegger und Cass...
Karin Schneider zu Frank-Peter Hansen: Die Heidegger-Dekomposition: Ein großartiger Artikel! Stefan Diebitz schafft ...

Lange Nacht der Museen Hamburg

Hamburger Architektur Sommer 2019


Film

„Happy, Happy“ - von wegen glücklich!

Drucken
(122 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Donnerstag, den 03. November 2011 um 14:43 Uhr
„Happy, Happy“ - von wegen glücklich! 4.5 out of 5 based on 122 votes.
„Happy, Happy“ - von wegen glücklich! - 53. Nordische Filmtage Lübeck

Die 53. Nordischen Filmtage in Lübeck eröffnete der norwegische Beitrag „Happy, Happy“ (Sykt lykkelig).
Die Tragikomödie der jungen Regisseurin Anne Sewitzky, die mit ihren dreiunddreißig Jahren zu den Hoffnungsträgern der Filmszene in Norwegen gehört, erzählt die verhängnisvollen Beziehungen von zwei Ehepaaren in der tief verschneiten norwegischen Provinz. „Happy“ ist hier jedoch niemand. Im Gegenteil: Hinter scheinbar glücklichen, bürgerlichen Fassaden tun sich menschliche Schicksale auf.

Die Story des Films:
Elisabeth (Maibritt Saerens) und Sigve (Henrik Rafaelsen) ziehen mit ihrem adoptierten, afrikanischen Sohn in ein kleines Dorf auf dem Lande. Verliebt und selbstbewusst erscheinend, möchte das Ehepaar nach einer Affäre Elisabeths in der ländlichen Einsamkeit einen Neuanfang wagen. In dem gegenüberliegendem Haus leben Kaja (Agnes Kittelsen) und Eirik (Joachim Rafaelsen) mit ihrem Sohn. Gemeinsame Abende bringen die Familien freundschaftlich näher. Schon bald wird klar, dass es auch in der Beziehung von Kaja und Eirik kriselt. Während Kaja zum „Happy-Sein“ einen Mann, ein Haus und Kinder benötigt, drückt Eirik sich vor seinen ehelichen Pflichten und dem Wunsch seiner Frau nach einem weiteren Kind. Er geht lieber mit seinen Freunden auf Elchjagd. Zudem macht Eiriks latente Homosexualität eine enge Beziehung zu seiner von ihm als unattraktiv empfundenen Ehefrau unmöglich. Es kommt, wie es kommen muss: Kajas ungestillte Sexualität findet Erfüllung in der leidenschaftlichen Beziehung mit Sigve. Kaja, Elisabeth und Sigve singen gemeinsam im Dorfchor. Die Situation eskaliert auf einem abendlichen Chorsingen, bei dem Kaja mit ihrer hohen Fistelstimme "Amazing Grace" singt. Die Affäre ist nicht mehr zu verheimlichen. Während die Erwachsenen in ihre Liebesbeziehungen verstrickt sind, spielen die beiden Kinder Herr und Sklave nach einem Buch über die afrikanische Sklaverei. Bizarr, wie der kleine Afrikaner ohne sich zu wehren die Schikanen des weißen Jungen akzeptiert. Nur Kinderspiele? Oder was sollen diese Spielszenen dem Zuschauer sagen? Verwirrend auch die vier Musiker, die in kurzen Zäsuren die Handlung singend kommentieren.
Fazit dieses Films: Beide Ehepaare finden wieder zueinander. Elisabeth und Sigve verlassen mit ihrem Sohn das kleine norwegische Dorf.

„Happy, Happy“ ist keineswegs eine leichte Komödie, sondern tiefgründiges Erzählkino. Der Film wird getragen von den grandiosen Leistungen seiner Schauspieler. Der Eindruck, dass Sex im Vordergrund dieses Spielfilmes steht, ist falsch. Es geht um Menschen mit kaputten zwischenmenschlichen Beziehungen, die mit einem vordergründigen „Happy-Sein“ kaschiert werden. Dennoch werden die 'Schrullen' der einzelnen Protagonisten humorvoll erzählt: Kaja mit ihrer Naivität und ihrem Hunger nach Sexualität sowie heilem Familienleben, der Eigenbrötler Eirik, der vor seiner Frau flieht und lieber auf Elchjagd geht, die taffe Elisabeth, die versucht, eine intakte Fassade aufrecht zu halten und der labile Sigve, der den Verlockungen des Fleisches erliegt.
„Happy, Happy“ ist der erste Spielfilm der norwegischen Regisseurin Anne Sewitsky. Auf dem diesjährigen Sundance Filmfestival in Utah gewann die Tragikomödie den World Cinema Grand Jury Prize. Norwegen schickt diesen Film übrigens auch als Kandidaten für den "Oscar 2011" ins Rennen.

Regie: Anne Sewitsky
Drehbuch: Ragnhild Tronvoll
Mit: Agnes Kittelsen (Kaja), Henrik Rafaelsen (Sigve), Joachim Rafaelsen (Eirik), Maibritt Saerens (Elisabeth), Oskar Hernæs Brandsø (Theodor), Ram Shihab Ebedy (Noa), Heine Totland (Dirigent)



Vom 2. bis 6. November 2011 werden 147 Filme aus zehn nordeuropäischen Ländern gezeigt. Selbst für eingefleischte Cineasten ein Mammutprogramm, das viel „Sitzvermögen“ erfordert. Das Spektrum ist breit gefächert: Es reicht von Spiel- und Dokumentarfilmen, Kurzfilmen, Retrospektiven und Specials, Filmen für junge Zuschauer bis zu deutschen Produktionen des Filmforums. 150 Filmschaffende aus Skandinavien, dem Baltikum und Norddeutschland kämpfen um einen der begehrten acht Filmpreise.

Fotonachweis: alle Fotos Nordische Filmtage Lübeck
Header: Still aus "Happy Happy"
Galerie
1. Logo der Nordischen Filmtage
2 und 3. Filmstills

Kommentar verfassen
(Ich bin damit einverstanden, dass mein Beitrag veröffentlicht wird. Mein Name und Text werden mit Datum/Uhrzeit für jeden lesbar. Mehr Infos: Datenschutz)

avatar Karin Paland
0
 
 
Liebe Christel, Du schreibst sehr schön klar, Du kommst schnell auf den Punkt, sodass es leicht zu lesen ist, und somit Spaß macht. Auch für Dich viel Spass und Freude aus dem tiefen sonnigen Süden.
Herzliche Grüße von Karina aus Tegernsee
Ihr Name (erscheint mit ihrem Kommentar) *
Ihre Email (Nur für unseren Bestätigungslink)
Code (Hier eintragen)   
ChronoComments by Joomla Professional Solutions
Meinen Kommentar abschicken
Abbrechen
Ihr Name (erscheint mit ihrem Kommentar) *
Ihre Email (Nur für unseren Bestätigungslink)
Code (Hier eintragen)   
Meinen Kommentar abschicken
 
Home > Blog > Film > „Happy, Happy“ - von wegen glücklich!

Mehr auf KulturPort.De

Die letzten zehn Tage im Leben einer Ikone: „Ach, Virginia“. Ein Roman über Virginia Woolf
 Die letzten zehn Tage im Leben einer Ikone: „Ach, Virginia“. Ein Roman über Virginia Woolf



Virginia Woolf (1882-1941) ist eine Ikone der literarischen Moderne. Wie kaum eine andere Frau ihrer Zeit steht sie für das Ringen um Eigenständigkeit und Raum [ ... ]



BuchDruckKunst 2020 – Das Magazin
 BuchDruckKunst 2020 – Das Magazin



Menschen, Bücher, Sensationen: An diesem Wochenende, vom 27. bis 29. März 2020, sollte die renommierte BuchDruckKunst im Museum der Arbeit stattfinden. Ein Hig [ ... ]



Eoin Moore und Anika Wangard – eine Begegnung
 Eoin Moore und Anika Wangard – eine Begegnung



Eigentlich bin ich nicht besonders scharf auf Krimis. Wenn sie allerdings sehr gut sind, relativiert sich das. Wahrscheinlich befinde ich mich tief im Mainstream [ ... ]



„Waves” – Trey Edward Shults’ Opulenz der Emotionen
 „Waves” – Trey Edward Shults’ Opulenz der Emotionen



„Waves” ist ein visuell waghalsiger Kraftakt, überwältigend, mitreißend, voller Zärtlichkeit, trügerischer Hoffnungen und zerborstener Träume. US-Regis [ ... ]



Egon Friedell: Der Schatten der Antike
 Egon Friedell: Der Schatten der Antike



82 Jahre nach dem Freitod Egon Friedells liegt – endlich! – das letzte Kapitel seiner „Kulturgeschichte des Altertums“ vor, und jeder, dem die Gedanken d [ ... ]



Horst Hansen Trio: Live in Japan
 Horst Hansen Trio: Live in Japan



Nix da Japan – Krefeld (クレーフェルト). In solchen pandemischen Zeiten reist man nicht und wenn, dann nur virtuell. Spielerisch, alles ist spielerisch  [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.