Neue Kommentare

Ada Rompf zu „The Rider”. Die zärtlich-raue Poesie der Chloé Zhao : Besser kann man meinen Lieblingsfilm dieses Früh...
yolo 456 zu Die Juden vom Altrhein: man sollte einen artikel erst einmal lesen bevor ...
yolo123 zu Die Juden vom Altrhein: Das jüdische Leben in Deutschland ist vorbei und...
Achenar Myst zu Nils Landgren with Janis Siegel: some other time: Die CD ist ein absoluter Genuss, tolle Auswahl de...
Achim zu Golnar & Mahan – Derakht: Musik, die glücklich macht - Danke !!!...

Lange Nacht der Museen Hamburg

Hamburger Architektur Sommer 2015


Film

JR: Women are Heroes

Drucken
(42 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Freitag, den 08. Oktober 2010 um 12:17 Uhr
JR: Women are Heroes 4.5 out of 5 based on 42 votes.
alt

JR spricht man französisch aus „djschi Ar“. Hinter den Initialen steht ein junger Künstler, Fotograf und Filmemacher, der aus einem Pariser Banlieue stammt.
Dass er seinen richtigen Namen nicht preisgibt und mit Hut und Sonnenbrille in der Öffentlichkeit auftaucht, liegt nicht an etwaigen Künstlerallüren, sondern an der Art und Weise seines künstlerischen Verständnisses vom öffentlichen Raum. JRs Aktionen sind nämlich oft illegal, sie werden weder von Behörden genehmigt, noch erhält er Unterstützung. Im Gegenteil, er wurde schon oft verhaftet. Er will seinen Schutz, nicht sofort erkannt werden wenn er reist und er drehte den hier vorgestellten Film auch deshalb selbst, damit er darin nicht bildlich auftaucht. Er bleibt anonym.

Bekannt wurde JR durch seine eindrucksvollen Fotografien von Einwohnern verschiedener Banlieues, die er als großflächige Poster an Hochhäusern und Brücken in Paris und Cartagena anbringen ließ. Sein aktuelles Projekt ist der Film „Women are Heroes“, der bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes als Wettbewerbsbeitrag in der Nachwuchskategorie gezeigt wurde und nun seine Deutschlandpremiere beim Filmfest Hamburg hatte.

JR reiste mit seinen Leica-Kameras von Kontinent zu Kontinent, nach Afrika in die Shantytowns von Nairobi in Kenia, in die Favelas von Rio de Janeiro, in die Slums von Neu Dehli und in die morbiden Abbruchviertel der kambodschanischen Hauptstadt Phnom Penh, um Frauen zu treffen, die eins gemeinsam haben: Sie leben in den Slums dieser Welt, leiden unter Armut, den Folgen von Krieg und Elend und unter den Männern.
„In den männerdominierten Gesellschaften ist es wichtig, die Rolle und die Geschichten der Frauen öffentlich zu machen“, sagt JR auf die Frage warum er das Projekt initiert habe. „Auf den Straßen von Kiberia, einer der ärmsten Vorstädte Nairobis, sieht man nur Männer. Ich habe die Frauen fotografiert und ihre Portraits riesengroß auf die Hauswände oder Dächer fixiert, die Männer damit konfrontiert.“ Er will die Geschichten der Frauen erzählen, überall wo er hinkommt, das hat er ihnen versprochen. Und er hält sein Versprechen!

JR verwandelt die Orte, er gibt ihnen Gesichter und Augenpaare. Letztgenannte ließ er auch auf Züge und Busse anbringen, die nicht nur Menschen von A nach B transportieren, sondern wie beobachtende Wesen auf die Welt schauen. Sie sind das Symbol für sein Versprechen, sie sind die mobilen Boten der Geschichten, in dem sie Fragen bei jenen produzieren, die den Zug und die Wagons sehen.
Und er betont am Ende seines Films, dass keine Sponsorenmittel im Projekt stecken. Er verkauft seine Fotowerke in Galerien und refinanziert somit seine Arbeit. Wichtig sind ihm die Menschen in den Slums und ihre Identität. Das ist es was ihn interessiert und dies ist sein zentraler Begriff bei der künstlerischen Arbeit – von Anbeginn an.

Neben den starken Filmbildern lebt der Film auch von der einfühlsam und sensibel gesetzten Musik von Patrice, Massive Attack und Jean-Gabriel Becker. „Ich glaube die Musiker wollen in Zukunft nicht mehr mit mir arbeiten“, meint er scherzhaft, „weil ich sie ständig herausgefordert habe, musikalisch noch dichter und präziser an meiner Bildsprache zu bleiben. Aber sie haben schnell begriffen wie wichtig mir die Musik in meiner Arbeit ist“, sagt er zu Schluss unseres Gesprächs.


„Women Are Heroes“, Regie: JR, Frankreich 2010, läuft am 8.10. um 17:00 Uhr im CinemaxX 3
Header-Foto: Martin Kunze, Filmfest Hamburg
Fotos: © JR - credits : BasilicStudio // aKkY
alt

Kommentar verfassen
(Ich bin damit einverstanden, dass mein Beitrag veröffentlicht wird. Mein Name und Text werden mit Datum/Uhrzeit für jeden lesbar. Mehr Infos: Datenschutz)

Ihr Name (erscheint mit ihrem Kommentar) *
Ihre Email (Nur für unseren Bestätigungslink)
Code (Hier eintragen)   
Meinen Kommentar abschicken
 
Home > Blog > Film > JR: Women are Heroes

Mehr auf KulturPort.De

Elisabeth Weinek: „Was Sie sah“ – Andalusien, Marokko, Iran
 Elisabeth Weinek: „Was Sie sah“ – Andalusien, Marokko, Iran



Passend zur Festspielzeit werden in der Margarethenkapelle von St. Peter, eine der ältesten Kirchen Salzburgs, Fotografien gezeigt, die sich als „interkulture [ ... ]



Ilse Helbich: Kluge Chronistin des Alters – „Im Gehen“ gefundene Gedichte
 Ilse Helbich: Kluge Chronistin des Alters – „Im Gehen“ gefundene Gedichte



Auch heute noch geschehen beglückende Wunder: Mit 80 Jahren veröffentlichte die 1923 in Wien geborene Ilse Helbich ihren ersten Roman unter dem Titel „Schwal [ ... ]



Thierry van Werveke: Schauspieler, Rockstar, Troublemaker, Thierry National
 Thierry van Werveke: Schauspieler, Rockstar, Troublemaker, Thierry National



Thierry! – allein sein Vorname löst in Luxemburg schon entzücken aus und wird mit der Addition von „National“ zum Kult. In Deutschland und Österreich fr [ ... ]



„Foxtrot”. Samuel Moaz und das Konzept des Zufalls
 „Foxtrot”. Samuel Moaz und das Konzept des Zufalls



Samuel Moaz kreiert mit dem Antikriegsdrama „Foxtrot” einen atemberaubenden ästhetischen Kosmos: zornig, visuell kühn, emotional hochexplosiv, oft grausam, [ ... ]



Alexandre de La Patellière und Matthieu Delaporte: „Der Vorname“
 Alexandre de La Patellière und Matthieu Delaporte: „Der Vorname“



Das Stück brillant, die Schauspieler große Klasse, die Inszenierung rundum gelungen und der kleine Saal der Komödie Winterhuder Fährhaus restlos ausverkauft. [ ... ]



Vergessen und wiederentdeckt: „Ludwig Meidner – Im Nacken das Sternemeer“
 Vergessen und wiederentdeckt: „Ludwig Meidner – Im Nacken das Sternemeer“



Der Titel der Ausstellung „Im Nacken das Sternemeer“ verweist auf das Buch mit Texten von Ludwig Meidner, das 1918 in Leipzig erschien. Meidner (1884-1966),  [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.