Anzeige

Wer ist online?

Wir haben 946 Gäste online

Neue Kommentare

Hans-Joachim Schneider zu Meine 18. Lange Nacht der Museen in Hamburg: Herrrlisch, würde der Rheinländer in mir sagen....
Wajda Art zu „A Beautiful Day”. Joaquin Phoenix- Racheengel oder Erlöser?: Wir suchen nach Enthusiasten der Kinematographie ...
Manfred Köck zu Im Wunderland der Wünsche. Laila Biali: schade, dass sie nicht mit ihren stammmusikern un...
Helmuth Barth zu Thomas Gainsborough – die moderne Landschaft: Vorausschicken möchte ich, dass ich neben Bilder...
Anna Grillet zu „Call Me by Your Name”. Die Sinnlichkeit des Luca Guadagnino: Leider nein, kann die bitterböse ästhetisch bri...

Lange Nacht der Museen Hamburg

Hamburger Architektur Sommer 2015


Film

Wir sind was wir sind und das deswegen, weil wir lernen und erinnern - Mit Eric Kandel "Auf der Suche nach dem Gedächtnis"

Drucken
(838 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Montag, den 27. April 2009 um 09:17 Uhr
Wir sind was wir sind und das deswegen, weil wir lernen und erinnern - Mit Eric Kandel "Auf der Suche nach dem Gedächtnis" 4.9 out of 5 based on 838 votes.
Auf der Suche nach dem Gedächtnis - Ein Film von Petra Seeger über den Hirnforscher und Nobelpreisträger Eric Kandel

Auf der Suche nach dem Gedächtnis - Ein Film von Petra Seeger über den Hirnforscher und Nobelpreisträger Eric Kandel.
Er war noch ein Kind als er und seine Familie vor den Nationalsozialisten und deren Rassenwahn fliehen mussten. Von Wien nach New York. Soweit ist dies kein Einzelschicksal, es betraf tausende von Familien und all jene, die dem Terror und der Shoah entgehen konnten. Die Familie Kandel schaffte es 1938: Die Großeltern, Eltern und Kinder, alle in die Vereinigten Staaten.
Eric Kandel geht nach der Schule zum Studium an die New York University und dann an die Harvard Medical School, arbeitet als Arzt, Physiologe, Psychologe, Neurobiologe und wird schließlich als Professor an die Columbia University in New York berufen. Und er forscht, leidenschaftlich. Die Krönung ist der Nobelpreis, der ihm im Jahr 2000 in Stockholm für Medizin verliehen wird.

Soweit ein sehr beachtlicher Lebenslauf. Lernt man dann aber in den 95 Minuten des Films auch die Person näher kennen, ist man erst recht beeindruckt. Petra Seeger hat mit diesem wundervollen Film eine Besonderheit geschaffen: Einfühlsam, humorvoll, intelligent, schlagfertig, liebenswert, nachdenklich und scharfsinnig sind die Adjektive, die in uns oszillieren. Die Regisseurin reist - mit Eric Kandel, mit seiner Familie, in die Vergangenheit, entlang von Forschungsergebnissen und wir reisen die ganze Zeit mit. Und diese Reise machen wir als Zuschauer sehr gerne mit. Unweigerlich erliegen wir dem Charme, dem Charisma von Kandel, seinem Lachen und der spürbaren Lebensfreude. Selbst in die Augenblicke der jüdischen Identitätswahrnehmung gewähren uns Kandel und Seeger einen kleinen Einblick.

Als ob wir entlang eines roten Fadens reisen, zu den inneren und äußeren Orten Eric Kandels; mit in die Erinnerungen des Forschers und somit gleichzeitig zu seinem Lebensthema: Lernen und Erinnern. Er ist offen und verblüffend ehrlich. Er erinnert seine Kindheit in Wien, die Ausgrenzungen und den Hass, die Ankunft in New York, den entscheidenden Wendepunkt in seinem Leben, die Arbeit und den Forschungsalltag, seine Hochzeit und die Ehekrise, weil er aus dem Labor nicht mehr herauskommt. Wir reisen mit ihm, seiner Frau Denise, den Kindern und Enkeln nach Frankreich und Österreich, begleiten Eric Kandel zu Vorträgen und Buchlesungen und können nicht mehr von ihm lassen!

Wir begreifen, dass nichts konstanter ist als die Veränderung – das gilt insbesondere für unser Gehirn, denn wir können unser Denken, unser Lernen und unser Gedächtnis mitbestimmen, es trainieren.

Dass biographische Begebenheiten Einfluss auf das ganze Leben haben, wird an einer Stelle des Films ganz besonders deutlich: Eric Kandel spricht von seiner Motivation Hirnforscher zu werden und begründet dieses mit einer Frage, die er seinem Schullehrer stellte, wie es möglich ist, dass Menschen, die Goethe, Schiller und Heine lesen, die Beethoven, Haydn und Mozart lauschen im nächsten Moment Millionen von Menschen töten können. Die Antwort seines Lehrers ist: „Ich weiß es nicht, aber das musst Du herausfinden. Man muss Zelle für Zelle erforschen.“

(Trailer ca. 1:20 Min.)

 

Petra Seeger schreibt über die Botschaft des Films, dass dieser für sie und für Kandel eine „Heilung“ war. Dies sei sozusagen der Subtext von Kandels Lebensweg. Der Film hat eine überaus positive Botschaft: Unser Gehirn ist formbar und stark abhängig von Gefühlen und Erfahrungen, die das Langzeitgedächtnis prägen. Neue Erfahrungen können alte, vormalige Traumata ersetzen.

Lernen wir von Eric Kandel und dem Film, dann bleiben uns beide im Langzeitgedächtnis.

Zur Forschung: "Eric Kandel zählt zu den bedeutenden Hirnforschern der Gegenwart. Seit über 50 Jahren widmet er sich der Entschlüsselung molekularer Prozesse im Gehirn, die dem menschlichen Gedächtnis zugrunde liegen. Im Jahre 2000 erhielt Kandel den Nobelpreis für Medizin für die Entdeckung des Proteins, das eine Schlüsselrolle bei der Speicherung von Ereignissen aus dem Kurzzeit- ins Langzeitgedächtnis spielt. Kandel hat untersucht, wie geistige Vorgänge biologische Veränderungen produzieren. Dabei hat er nachgewiesen, dass Lernen neuronale Schaltkreise verändert und Wissen eine anatomische Veränderung im Gehirn bewirkt.
Das Gedächtnis zählt für Kandel zu den bemerkenswertesten Aspekten menschlichen Verhaltens. Ohne die bindende Kraft der Erinnerung würden die Erfahrungen in ebenso viele Bruchstücke zersplittern, wie es Momente gibt. Die Menschen sind, wer sie sind, auf Grund dessen, was sie lernen und woran sie sich erinnern.“


 

"Auf der Suche nach dem Gedächtnis" - Deutschland 2008 

Regie: Petra Seeger - Darsteller/Mitwirkende: Eric Kandel, u.a.

Fassung: O.m.d.U. - Länge: 95 Minuten

Produktion: FILMFORM KÖLN GmbH
www.filmform.tv
www.kandel-film.de

alt

Eigenen Kommentar verfassen (Gasteintrag möglich - Bitte achten Sie auf unsere Email ggf. in Ihrem Spam-Order und klicken den Bestätigungslink)

avatar Carl
+8
 
 
Scheint ein sehr interesannter Mensch zu sein - habe gestern das Interview bei Beckmann gesehen! Bin sehr gespannt auf den Film.
Ihr Name (erscheint mit dem Kommentar) *
E-Mail (Nur für Bestätigungslink & Antworten)
Code   
ChronoComments by Joomla Professional Solutions
Kommentar abschicken
Abbrechen
Ihr Name (erscheint mit dem Kommentar) *
E-Mail (Nur für Bestätigungslink & Antworten)
Code   
Kommentar abschicken
 

Home > Blog > Film > Wir sind was wir sind und das deswegen, weil ...

Mehr auf KulturPort.De

Aspekte Festival 2018 – frozen gesture
 Aspekte Festival 2018 – frozen gesture



Welche kulturellen Spartenschubladen haben wir im Kopf? Wo ist der urbane, kulturelle Humus zu finden? Wieviel Bereitschaft zeigt Publikum für Entwicklungsphase [ ... ]



Meine 18. Lange Nacht der Museen in Hamburg
 Meine 18. Lange Nacht der Museen in Hamburg



...beginne ich, indem ich mit meinem Navi streite. Das tut so, als wüsste es nicht von der traurigen Tatsache, dass es in dieser Stadt mehr Baustellen als Kultu [ ... ]



Yvonne von Schweinitz: Syrien – Fragmente einer Reise. Fragmente einer Zeit
 Yvonne von Schweinitz: Syrien – Fragmente einer Reise. Fragmente einer Zeit



Wie nähert man sich in einer Fotoausstellung einem Land, deren Menschen tagtäglich durch Gewalt sterben, auf der Flucht, im Exil, traumatisiert sind, deren mat [ ... ]



„A Beautiful Day”. Joaquin Phoenix- Racheengel oder Erlöser?
 „A Beautiful Day”. Joaquin Phoenix- Racheengel oder Erlöser?



Lynne Ramsay inszeniert ihre virtuosen Thriller-Impressionen als Exkursion in die Abgründe der Seele.
Ein Auftragskiller ist Joe (Joaquin Phoenix) nicht, er t [ ... ]



Günter Grass-Haus Lübeck: George Bernard Shaw und die Fotografie
 Günter Grass-Haus Lübeck: George Bernard Shaw und die Fotografie



George Bernard Shaw (1856-1950) ist vor allem bekannt für sein dramatisches Werk, das über 50 Theaterstücke umfasst. Doch der Künstler hat sich zeitlebens in [ ... ]



Im Wunderland der Wünsche. Laila Biali
 Im Wunderland der Wünsche. Laila Biali



Wie konnte sich eine 16jährige Kanadierin, die Opernarien singt und klassische Pianistin werden will, zu einer über jeden „No street credibility“-Verdacht  [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Anzeige


Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.