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Zwölf Monate Festival-Saison – Eine Einladung zum Malta Arts Festival

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Montag, den 11. August 2014 um 09:32 Uhr
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Zwölf Monate Festival-Saison – Eine Einladung zum Malta Arts Festival

Die maltesischen Inseln sind im Norden Europas beliebtes Urlaubsziel, insbesondere bei Briten, Franzosen, Deutschen und Skandinaviern.
Dass Malta zeitgenössisch-kulturell enorm viel zu bieten hat, ist schon weniger bekannt. Nicht ein Monat, in dem kein Festival stattfindet, das die unterschiedlichen Genres der Künste vorstellt und dem Publikum einen Einblick gibt in das künstlerische Schaffen auf Malta und in die internationalen Netzwerke. Dabei geht es nicht allein darum, die auswärtigen Besucher der Inseln „einzufangen“ – obwohl laut Statistik bislang immerhin 12% von ihnen Festivals besuchen wollen – sondern auch um das einheimische Publikum und das ist sympathisch.

Herausragend sind insbesondere die Musikfestivals: das Barockfestival in Valletta im Januar, das BOV Opera Festival im März, das Għanafest (Malta Mediterranean Folk Music Festival) im Juni, das Malta Jazzfestival im Juli sowie das Mediterranea auf Gozo im Oktober. Ich bin einer Einladung der Malta Tourism Authority (MTA) zum Malta Arts Festival 2014 (MAF) des Arts Council Malta im Juli/August gefolgt.

Mit achtzehn großen Veranstaltungen zwischen 14. Juli und 2. August deckt das 9. Malta Arts Festival die Bereiche Musik, Tanz, Film und Literatur mit Konzerten, Vor- und Aufführungen sowie Workshops und Meisterklassen ab.
Das Programmteam besteht aus vier künstlerischen Koordinatoren, die alle auf ihrem jeweiligen Gebiet Experten sind. Antoni Attard (Kreativwirtschaftsberater), Marvin Khoo (Tänzer), Sigmund Mifsud (Musiker, Produzent) und Ruben Zahra (Komponist).

„In diesem Jahr gibt es ein Novum beim MAF“, sagt Ruben Zahra und erklärt weiter: „Da die Festivalleitung wechseln wird, hat sich das Arts Council Malta dazu entschieden, mit einem Vierer-Team zu arbeiten, die Programmatik unabhängiger und vielseitiger zu machen und zu verjüngen. Ab kommenden Jahr gibt es dann im Arts Council neben dem Direktor, der für strategische Planung zuständig ist, einen weiteren mit der Aufgabe der Festivalleitung.“

Zahra ist selbst mit einem Projekt auf dem MAF vertreten: „Ruben Zahra & Windstreken Ensemble“, ein maltesisch-niederländisches Folk-Fusion-Showcase. Das holländische Ensemble ist bekannt dafür, dass es noch so entfernteste Musikrichtungen in Verbindung bringt. Jazz mit mittelalterlicher Tanzmusik, Klassik mit nordafrikanischer Maghreb-Tradition, elektronische Musik mit historischen Instrumenten. Zahra passt also mit seinem maltesischen Dudelsack und der Rohrflöte allemal ins Repertoire.

Neben seiner Liebe zur Folklore und den zeitgenössischen elektronischen Varianten hat Ruben Zahra aber auch noch ein weiteres internationales Projekt, an dem er seit Jahren arbeitet: „Kirana – myths of creation“ heißt seine zeitgenössische Kinderoper. „Wir müssen – und zwar gültig nicht allein für Malta sondern für ganz Europa – Kinder und Jugendliche stärker als zuvor in die Welt der Musik einbetten“, sagt er mit viel Elan. Er kann das mit Fug und Recht abschätzen, denn durch sein Musikstudium in Rom und seine internationalen Auftritte in Europa, den USA, Nordafrika und Hongkong kennt er die Szenen. Das Thema klingt auch für norddeutsche Ohren nicht unbekannt und Kooperationsansätze wären wünschenswert.

Toni Attard, der als Kreativwirtschaftsberater beim Maltesischen Finanz- und Wirtschaftsministerium arbeitet, berichtet von neuen Kulturinitiativen der Regierung. „Das finanzielle Aufkommen der Kulturförderung ist in den letzten Jahren um 60% gestiegen“, erklärt er erfreut „und stammt aus verschiedenen öffentlichen Haushalten. Nun gilt es den privatwirtschaftlichen Sektor auch dahingehend zu überzeugen, dass derlei Festivalprojekte zukünftig mit Geldern und Know-How unterstützt werden. Das wird noch weitere Anstrengungen und Zeit kosten. Das große jährliche Konzert des Tenors Joseph Calleja and friends, Mitte Juli, war eine reine privatfinanzierte Veranstaltung, ansonsten ist Kultur auf staatliche Förderung angewiesen.

Meine Aufgabe sehe ich darin, insbesondere die zeitgenössischen Kulturproduktionen zu stärken. Das alles vor dem Hintergrund von „V18“, wenn Malta, respektive Valletta, 2018 Kulturhauptstadt Europas sein wird, 2015 den Commonwealth Gipfel ausrichtet mit dem für uns wichtigen Thema der Entwicklung der Kreativwirtschaft in kleinen Staaten. 2016 dann wird das Arts Council Gastgeber des IFACCA-Gipfels (International Federation of Arts Councils and Culture Agencies) sein. Aber allem voran gilt es den Künstlern für ihre kreativen Bedingungen und künstlerischen Produktionen ein verlässlicher Partner zu sein und die internationalen Netzwerke zu nutzen, denn wir müssen raus mit dem, was hier kulturell erarbeitet wird.“

Nach soviel Hintergrundinformationen tut es gut, einmal selbst Festivalveranstaltungen zu besuchen. „Triple Bill – Duets in Motion“ heißen die beiden Tanzabende im „Teatru Rjal“ in Valletta. In dem vom italienischen Architekten Renzo Piano mit viel Feinsinn restaurierten halboffenen Gebäude haben drei Duette fünf einzelne kurze Tanzbilder kreiert. Brenda Lee Grech (MT/UK) und Victor Zarallo (ES/UK) allein drei davon. In einer Mischung aus klassischen Ballett- und Tanzetüden nach Musik von J.S. Bach und Ben Frost schaffen es beide Tänzer nur ansatzweise zu überzeugen. Marvin Khoo (UK) und Luke Divall (UK) sind das erste wirklich überzeugende Highlight. Das narrative Stück „Tell Me Who I Am“ wurde von jungen maltesischen Choreographen erarbeitet. Tanz, Musik und Lichtinszenierung stimmen das Publikum durch kleine dunkle Zäsuren immer wieder neu ein. Der tänzerische Ausdruck und die Musik erinnern zwar durchaus an die Choreographien der japanischen „Dump Type“-Truppe der 1990er-Jahre „OR“ und „Memorandum“, sind jedoch eigenständig genug, um zu recht viel Beifall zu ernten.

Hervorragend das letzte Szenenbild: Was Gregory Maqoma (SA) und Roberto Olivan (ES) auf den Bühnenboden zaubern ist atemberaubend. Es ist die erste Duett-Arbeit der beiden Tänzer und vielversprechend für zukünftige gemeinsame Projekte. Bis ins Detail sind Geschichte, Tanz und Lichtführung auf den Punkt gebracht, mit wenig Akrobatik, aber viel ausdrucksstarken und ungewöhnlichen Tanzbewegungen und einer minimalen gestischen Verweissprache.

Das Abschlusskonzert des Festivals findet im Mediterranean Conference Centre von Valletta statt. Das 1968 gegründete Malta Philamonic Orchestra (MPO) hat sich dazu eine Premiere vorbehalten. Karl Fiorinis „Fêtes“ ist eine Auftragskomposition zur 50-jährigen Unabhängigkeit Maltas. Ein wunderbar spannungsreiches Stück des in Malta geborenen und in Paris und London lebenden Komponisten, der immer wieder durch gewonnene Preise und das von ihm geleitete „International Spring Orchestra Festival“ auffällt. Die Komposition besteht aus einzelnen, aneinandergereihten und divergierenden Stilen. Neben den Violinen geben Schlagwerk und Blechbläser einen definierten Klangraum, Rhythmik und Motivik kontrastieren sich. Im Mittelteil der Komposition kommen ganze Passagen ohne Bass-Instrumente aus und wirken dadurch kristallin und lyrisch.

Mit Edward Elgars (1857-1934) Cellokonzert in e-Moll (Op. 85) aus dem Jahr 1919 hat sich das MPO nicht nur eines der besten Werke des Komponisten ausgesucht, sondern in der Person des Cellisten Alexander Kniazev auch einen hervorragenden Echo-Gewinner, der in Deutschland bestens bekannt sein dürfe. Kniazevs historisches Cello verströmt einen warmen Klang, so unglaublich gut passend zur großen melancholischen Erzählung Elgars. Elgar und das Cello sind an diesem Abend eins: tiefsinnig, gefühlvoll, hintergründig, suchend nach Halt und klagend darüber, den Schatten des Lebens nicht verlassen zu können, das Licht nie zu erreichen. Es ist die letzte Komposition Elgars; nach dem Tod seiner Frau ist für ihn Komponieren nicht mehr möglich.

Als ob das Orchester selbst zuhörend sei, unterstützt es den Solisten so reibungslos wie kaum in einem anderen Stück. Virtuos der zweite Satz im Lento – Allegro molto. Kniazev oszilliert zwischen der gedämpften Grundstimmung, der Melancholie und dem Versuch die gedankliche Schattenwelt verlassen zu wollen. Mitreißend feinsinnig das Spiel des Cellisten.

Das MPO unter der neuen Leitung von Brian Schembri versteht es, den kammermusikalischen Aspekt des Cellokonzerts hervorzuheben und auf das große Orchester zu verzichten. Sanft die Holzblasinstrumente, einfühlsam die Streicher, als ob sie sagen wollen: nichts wird sich verändern, es bleibt schattig.

Zum Abschluss folgt schließlich Igor Stravinskys (1882-1971) fünfsätzige Pétrouschka, eine Überarbeitung der Ballettversion (1911) aus dem Jahr 1947. Als ob ein ganzes Jahrhundert und nicht nur ein paar Jahre zwischen Elgars und Stravinskys Kompositionen lägen, kontrastiert dieses Stück Elgars Weltenschmerz. Stravinsky ist mit seinen bi-tonalen Akkorden schon in der neuen Welt angekommen. Dass es sich um ein Ballett handelt ist ebenso hörbar wie auch der Kosmos späterer amerikanischer Komponisten. Stravinsky wird zum Fundus und zur Inspiration einer ganzen Generation von amerikanischen Musikern.

Ein großer Konzertabend und ein vielseitiges, besuchenswertes Malta Arts Festival.


Links zu den genannten Institutionen und Gesprächspartnern:
Malta Arts Festival
Ruben Zahra
Video zu Kirana
Malta Arts Council
Malta Philharmonic Orchestra


KulturPort.De dankt der Malta Tourism Authority, Visit Malta, Air Malta und dem Hotel Phoenicia für die Unterstützung.

Abbildungsnachweis:
Header: Blick auf Valletta. Foto: Claus Friede
Galerie:
01. Malta Arts Festival Plakat
02. Ruben Zahra. Foto: Stephen Buhagiar
03. Ruben Zahra & Windstreken Ensemble. Foto: MAF
04. Triple Bill – Duets in Motion. Marvin Khoo und Luke Divall. Foto: MAF
05. Roberto Olivan. Foto: MAF
06. Gregory Maqoma. Foto: MAF
07. Malta Philharmonic Orchestra. Foto: MTA
08. Alexander Kniezev. Foto: Paolo Ponte
09. Brian Schembri. Foto: MAF

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avatar Henriette Donner
+6
 
 
Lieber Herr Friede, 2010 habe ich das Malta Arts Festival zuletzt besucht und war so angetan wie sie. Ihr Artikel hat mich animiert wieder dort hin zu reisen. Danke.
Mit freundlichem Gruß, H. Donner
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