Neue Kommentare

Frank-Peter Hansen zu Frank-Peter Hansen: Die Heidegger-Dekomposition: Im Spätherbst letzten Jahres anlässlich einer S...
bbk berlin zu Dortmund geht neue Wege bei der Kunst-Förderung: Die Berliner Künstler*innen freut es sehr, dass ...
Markus Semm zu Frank-Peter Hansen: Die Heidegger-Dekomposition: Sehen Sie: Der Unterschied zw. Heidegger und Cass...
Karin Schneider zu Frank-Peter Hansen: Die Heidegger-Dekomposition: Ein großartiger Artikel! Stefan Diebitz schafft ...
S.Scheunemann-Eichner ,Silke zu Mühlenpfordt – Neue Zeitkunst. Reformarchitektur und Hochschullehre: Eine wunderbare Einführung zu der Ausstellung im...

Lange Nacht der Museen Hamburg

Hamburger Architektur Sommer 2019


Festivals, Medien & TV

„Zerstörte Vielfalt“. Filmreihe zur Transformation des Weimarer Kinos in den NS-Film

Drucken
(187 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Donnerstag, den 05. September 2013 um 08:22 Uhr
„Zerstörte Vielfalt“. Filmreihe zur Transformation des Weimarer Kinos in den NS-Film 4.7 out of 5 based on 187 votes.
Zerstörte Vielfalt 1933. Filmreihe zur Transformation des Weimarer Kinos in den NS-Film

Umbruchsjahr 1933: Mit der nationalsozialistischen Machtergreifung wird auch die Filmproduktion Deutschlands grundlegend neu gestaltet.
Die Filmreihe „Zerstörte Vielfalt“, die gerade im Hamburger Kino Metropolis angelaufen ist, widmet sich jenem Transformationsprozess vom Weimarer Kino zum NS-Film.

Der UFA-Film „Morgenrot“ ist zu zweifelhafter Prominenz gelangt. Bekanntermaßen war es der erste Film, den sich Adolf Hitler nach seiner Vereidigung zum Reichskanzler mit ausgewählten Vertretern seiner neu installierten Regierung am 2. Februar 1933 in Berlin ansah. Der stark von nationalistischem Gedankengut geprägte, anti-englische U-Boot-Film ist aber nicht nur historisches Zeugnis – er markiert zugleich eine Umbruchsituation des deutschen Filmschaffens, die noch im selben Jahr eingeläutet werden sollte: Das Ende des Weimarer Kinos, und der Einzug des nationalsozialistischen Films.

Nicht ohne Grund bildet der Film „Morgenrot“ so auch den Auftakt zur Filmreihe „Zerstörte Vielfalt“, die zurzeit im Kommunalen Kino Metropolis (Hamburg) läuft. Anlässlich des gleichnamigen Berliner Themenjahres, bei dem verschiedene Veranstaltungen die Machtergreifung der Nationalsozialisten vor achtzig Jahren thematisieren, widmet sich diese Reihe dezidiert den Transformationsprozessen, denen die deutsche Filmlandschaft im Jahre 1933 unterliegt.

Transformation daher, weil es eben keinen vollendeten Bruch, keinen eindeutigen Einschnitt in der deutschen Filmproduktion gegeben hat. Zwar lassen sich anhand der Kinopremieren des Jahres 1933 sehr eindrücklich die grundlegende Neuorganisation des deutschen Filmwesens durch die Nationalsozialisten nachvollziehen, nicht zuletzt durch die Anweisungen von Reichsminister Joseph Goebbels, der sehr genaue Vorstellungen davon hatte, wie der deutsche Film fortan auszusehen hatte. Jedoch kommt es in Deutschland zu einem fast einzigartigen Fall: Kein Zusammenbruch der bisherigen Filmproduktion, sondern vielmehr ein ‚Hinüberwachsen‘ von einer Filmkultur in eine andere, wobei doch beide in grundlegendem Gegensatz zueinander stehen.

Richtiger wäre es daher, von einer „Umbausituation“ der deutschen Filmkulturindustrie zu sprechen: Die Errichtung einer Reichsfilmkammer, der Gründung der Filmkreditbank, die Neuformulierung des Lichtspielgesetzes, die Ernennung eines Reichsfilmdramaturgen, und nicht zuletzt der systematische Ausschluss jüdischer Filmschaffender – alles Strategien zur Sicherung und Kontrolle des deutschen Filmwesens. Qualitativ werden Erzählformen und Darstellungsweisen des Weimarer Kinos abgelehnt, auch wenn sie dennoch übergangsweise Einzug in nationalsozialistische Filme finden.

Um diese langsam voranschreitende Übergangsphase zu illustrieren, zeigt die Filmreihe „Zerstörte Vielfalt“ ausgewählte Produktionen des Jahres 1933: Mit dabei sind noch „Restposten“-Filme der Weimarer Kinos, darunter Max Ophüls̕ „Liebelei“ oder „Das Testament des Dr. Marbuse“, aufkommende Propaganda-Produktionen wie „Hitlerjunge Quex“, und filmische Nachklänge wie „Viktor und Viktoria“ oder auch „Einmal große Dame sein“.

Entstanden ist die Filmreihe „Zerstörte Vielfalt“ als Kooperationsprojekt der Deutschen Kinemathek Berlin mit CineGraph, dem Hamburgischen Centrum für Filmforschung, der Kulturbehörde Hamburg sowie dem Hamburger Kommunalen Kino Metropolis.

Die Filmreihe läuft bis zum 31. Oktober im Hamburger Metropolis. Danach wird sie noch an weiteren Stationen zu sehen sein: Ab 22. September im Murnau-Filmtheater Wiesbaden und ab 3. Oktober im Bundesplatz-Kino, Berlin.


Das aktuelle Filmprogramm ist auf den Seiten des CineGraph sowie des Metropolis-Kinos einzusehen.

Fotonachweise: Alle Quelle: Deutsche Kinemathek
Header: Der Tunnel, Kurt Bernhardt, Frankreich / Deutschland 1933
Galerie:
01. Plakat: Zerstörte Vielfalt 1933
02. Morgenrot, Gustav Ucicky, Deutschland 1932/33
03. Liebelei, Max Ophüls, Deutschland 1932/33
04. Das Testament des Dr. Mabuse, Fritz Lang, Deutschland 1932/33
05. Hitlerjunge Quex, Hans Steinhoff, Deutschland 1933
06. Viktor und Viktoria, Reinhold Schünzel, Deutschland 1933
07. Einmal eine große Dame sein, Gerhard Lamprecht, Deutschland 1933/34
08. Walzerkrieg, Ludwig Berger, Deutschland 1933
09. Flüchtlinge, Gustav Ucicky, Deutschland 1933
10. Anna und Elisabeth, Frank Wysbar, Deutschland 1932/33
11. SOS Eisberg, Arnold Fanck, Deutschland 1932/33

Kommentar verfassen
(Ich bin damit einverstanden, dass mein Beitrag veröffentlicht wird. Mein Name und Text werden mit Datum/Uhrzeit für jeden lesbar. Mehr Infos: Datenschutz)

Ihr Name (erscheint mit ihrem Kommentar) *
Ihre Email (Nur für unseren Bestätigungslink)
Code (Hier eintragen)   
Meinen Kommentar abschicken
 
Home > Blog > Festivals, Medien & TV > „Zerstörte Vielfalt“. Filmreihe zur Tran...

Mehr auf KulturPort.De

Außergewöhnliche Spielfreude und künstlerische Qualität zur Aspekte-Festival-Eröffnung in Salzburg
 Außergewöhnliche Spielfreude und künstlerische Qualität zur Aspekte-Festival-Eröffnung in Salzburg



„Wir sind glücklich eines der führenden Kammerorchester weltweit für das aspekteFESTIVAL 2020 gewonnen zu haben, sagt Intendant Ludwig Nussbichler über das [ ... ]



„The Gentlemen”. Guy Ritchie und die Akribie des Skurrilen
 „The Gentlemen”. Guy Ritchie und die Akribie des Skurrilen



Mit „The Gentlemen”, einem raffiniert schrägen Film-im-Film kehrt Guy Ritchie zurück zu seinen Wurzeln: Absurde, herrlich bösartige Gangsterkomödien wie  [ ... ]



Nils Landgren & Jan Lundgren: Kristallen
 Nils Landgren & Jan Lundgren: Kristallen



Gerade wurde Nils Landgren für „4WheelDrive“ (zusammen mit Michael Wollny, Lars Daniellson, Wolfgang Haffner) als erfolgreichstes Jazzalbum des Jahres 2019  [ ... ]



„Willkommen! Bienvenue! Welcome!“ – Cabaret
 „Willkommen! Bienvenue! Welcome!“ – Cabaret



Hansa Theater ade, am Steindamm steht jetzt der Berliner Kit Kat Club.
Vergangenes Wochenende feierte das Erfolgsmusical „Cabaret“ in Deutschlands älteste [ ... ]



Frank-Peter Hansen: Die Heidegger-Dekomposition
 Frank-Peter Hansen: Die Heidegger-Dekomposition



In einer ziemlich rabiaten Kritik demontiert Frank-Peter Hansen den berühmtesten deutschen Philosophen des 20. Jahrhunderts.

Die letzten Jahre müssen schwer [ ... ]



„Bombshell”- Leinwandheldinnen in Zeiten von #MeToo
 „Bombshell”- Leinwandheldinnen in Zeiten von #MeToo



In „Bombshell - Das Ende des Schweigens” rekonstruiert Regisseur Jay Roach den Missbrauchsskandal beim rechtskonservativen US-Sender Fox News. Ein brisantes  [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.